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„Kaufmannsmodell“

Alnatura eröffnet ersten inhabergeführten Super Natur Markt

Alnatura-Geschäfte sollen künftig auch von selbstständigen Kaufleuten geführt werden. Mit „Ulli's Super Natur Markt“ geht nun der erste Laden dieser Art im hohen Norden an den Start.

17.11.2021 vonHorst Fiedler und Michael Stahl

Ulrich Löhle vor seinem Pilot-Markt in Schwerin: „Neue Wege der Zusammenarbeit“

Alnatura-Geschäfte sollen künftig auch von selbstständigen Kaufleuten geführt werden. Mit „Ulli's Super Natur Markt“ geht nun der erste Laden dieser Art im hohen Norden an den Start.

Bereits im Frühjahr hatte die Alnatura Produktions- und Handels GmbH angekündigt, ihre Märkte auch von Unternehmern führen zu lassen. In Schwerin, der Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern mit rund 95.000 Einwohnern und 25.000 Einpendlern, wird der Plan am 18. November erstmals Wirklichkeit: „Ulli's Super Natur Markt“ heißt der neue Bio-Supermarkt, der von Ulrich Löhle in Eigenregie geführt wird und 15 Mitarbeitende hat. Über 6.000 Produkte sollen auf etwa 550 Quadratmetern Verkaufsfläche angeboten werden.

„Der neue Alnatura Super Natur Markt in Schwerin ist Pilotmarkt für ein Kaufmannsmodell, mit dem Alnatura zunächst in Mecklenburg-Vorpommern startet“, teilte das Unternehmen auf Anfrage von BioHandel mit. Geführt und verantwortet werden die Märkte demnach von selbstständigen Kaufleuten. Details zum „Kaufmannsmodell“ wollte Alnatura nicht nennen. So bleibt vorerst unklar, welche Bedingungen an die Eigenständigkeit geknüpft sind.

Rein äußerlich unterscheidet den Schweriner Markt zumindest nichts von einer klassischen Alnatura-Filiale. „Wenn Sie den Laden betreten, werden Sie keinen Unterschied feststellen, außer dass unter dem Alnatura-Sonnen-Logo mein Name steht", sagt Ulrich Löhle im Gespräch mit BioHandel. Ansonsten habe man eins zu eins die gleichen Produkte, mit Ausnahme regionaler Bio-Anbieter.

Aufstellung für die Zukunft

Das Vorgehen ähnelt dem von Edeka. Die Genossenschaft setzt stark auf selbstständig geführte Vollsortimenter. Dem Vernehmen nach sollen Unternehmer deutlich höhere Umsätze erzielen als von der Zentrale abgesandte Marktleiter. Selbstständige sorgten zudem für mehr Effizienz in den Betriebsabläufen und erhöhten so die Gewinne.

„Mit dem neuen Konzept wollen wir neue Wege der Zusammenarbeit gehen, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein“, heißt es auf Anfrage bei der Alnatura-Pressestelle. Offenbar wird eine Mischung aus zentral geführten Regiebetrieben – es sollen auch weitere eigene Märkte eröffnet werden – und inhabergeführten Märkten als zukunftsweisend eingestuft. Aktuell gibt es 143 Alnatura Super Natur Märkte in 68 Städten in 14 Bundesländern. Auch Rewe betreibt seine Märkte als Filialen oder durch selbstständige Kaufleute. Dennree lässt einige Denns Biomärkte ebenfalls von selbstständigen Kaufleuten führen.

Vor allem bei Edeka ist auffällig, dass die Inhaber oft weitere eigene Filialen in ihrem regionalen Umfeld gründen und somit die Expansion der Genossenschaft stark vorantreiben. Ob diese Dynamik auch durch eigenständige Super Natur Märkte entfacht werden kann, wird von der Bio-Kaufkraft in den jeweiligen Regionen abhängen. Zumindest Schwerin und Umgebung scheinen hierfür gute Voraussetzungen zu bieten. Ulrich Löhle zufolge werde dort Bio stark nachgefragt. „Unsere Marktanalyse war sehr vielversprechend“, sagte er der „Schweriner Volkszeitung“ (SVZ).

Marktleiter ist Quereinsteiger mit Branchenkenntnis

Löhle, 54, ist als Bio-Ladner ein Quereinsteiger, aber kein Branchenfremder. Vor seinem Start als selbständiger Marktleiter war er mehr als 30 Jahre beim Lebensmittellogistiker Nagel beschäftigt. Dort absolvierte er eine Ausbildung zum Speditions- und Logistikkaufmann und arbeite sich anschließend bis zum nationalen Key Account Manager hoch. Zur Biobranche habe er seit 20 Jahren Kontakt „und sie liegt mir sehr am Herzen“, so Löhle. Transportwege sind für ihn auch in seinem neuen Beruf wichtig: „Wir legen großen Wert auf Regionales aus Mecklenburg-Vorpommern". Auch Marken von regionalen Bio-Herstellern, die nur Kleinstmengen produzieren, wolle er mit seinem Markt einen Vertriebskanal bieten, sagt er.

Löhles Laden, der erste Alnatura-Markt in Mecklenburg-Vorpommern, befindet sich in den Schweriner Höfen, einem Einkaufsquartier mit vielen kleinen, inhabergeführten Geschäften im Zentrum der Landeshauptstadt. Der Standort ist damit gut gewählt für einen Bio-Laden in Eigenregie. Gleichzeitig sorgt Ulli’s Super Natur Markt dafür, dass der inhabergeführte Fachhandel, der sich an örtlichen und regionalen Gegebenheiten orientiert und ein „Gesicht“ hat, der Branche erhalten bleibt – auch wenn manch Bio-Pionier womöglich eine andere Idee von einer eigenständig geführten Bio-Verkaufsstätte hat.

Mit inhabergeführten Naturkostläden kooperiert Alnatura inzwischen auch als Lieferant. Anfang des Jahres brachte das Unternehmen ein Partnerschaftskonzept auf den Weg, bei dem selbstständige Bio-Einzelhändler Produkte bestellen können, die die Bio-Kette in seinen eigenen Super Natur Märkten anbietet. Man wolle den Bio-Fachhandel jedoch nicht als Naturkostgroßhändler ansprechen, teilte seinerzeit Thomas Loch mit, der den Bereich Partnermärkte bei Alnatura verantwortet. Auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens Anfang Dezember will Alnatura über das Partnerschaftskonzept informieren.

Ulli's Super Natur Markt Schwerin

Inhaber: Ulrich Löhle
Adresse: Schweriner Höfe, Klöresgang 3, 19053 Schwerin
Ladenfläche: 550 Quadratmeter
Produkte: Mehr als 6.000

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