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Landwirtschaft

Absatz von Pestiziden gesunken

Deutsche Landwirte haben 2019 weniger Pflanzenschutzmittel eingekauft als im Jahr davor. Verantwortlich dafür ist weniger die Politik der Bundeslandwirtschaftsministerin – sondern das Wetter.

18.08.2020 vonLeo Frühschütz

Bei trockenem Wetter benötigen konventionelle Landwirte geringere Mengen an Pestiziden, da Pflanzen zum Beispiel weniger unter Pilzbefall leiden.

Deutsche Landwirte haben 2019 weniger Pflanzenschutzmittel eingekauft als im Jahr davor. Verantwortlich dafür ist weniger die Politik der Bundeslandwirtschaftsministerin – sondern das Wetter.

Der Markt für Pestizid-Wirkstoffe ging 2019 um 2.500 Tonnen auf 27.000 Tonnen zurück, ein Minus von 8,5 Prozent. Das zeigt die Absatzstatistik des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Am stärksten sank der Absatz bei Fungiziden (-14 Prozent) und Herbiziden (-6 Prozent).

Dagegen stieg der Verbrauch an Insektiziden. Nicht enthalten sind in diesen Zahlen inerte Gase wie Kohlendioxid, die im Vorratsschutz eingesetzt werden. Bereits von 2017 auf 2018 war der Absatz an Pestiziden zurückgegangen.

Verantwortlich ist Trockenheit – nicht Julia Klöckner

Selbst das Bundeslandwirtschaftsministerium schreibt über den Rückgang: „Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die trockene Wetterlage.“ Weniger Regen bedeutet weniger Pilzkrankheiten und damit weniger Fungizide. Wenn Getreide und Gemüse auf dem Feld wegen der Hitze nur schlecht wachsen, fahren die Landwirte auch die Unkrautbekämpfung herunter, um Geld zu sparen.

Viele Schadinsekten dagegen lieben trockenes Wetter und vermehren sich stärker. Dennoch nutzte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die neuen Pestizidzahlen, um darzustellen wie stark sie sich engagiert, um den Pestizideinsatz zu verringern.

Tatsächlicher Verbrauch nur bedingt an Verkaufszahlen ablesbar

Der Bio-Dachverband BÖLW macht eine andere Rechnung auf: Pro Hektar seien in den vergangenen 25 Jahren immer mehr Pestizide gespritzt worden. „Denn die tatsächlich gespritzte Fläche schrumpfte von Jahr für Jahr“. Inzwischen würden 10 Prozent der Fläche von Bio-Bauern bewirtschaftet. Auch die Blühstreifen und ökologischen Vorrangflächen der konventionellen Landwirte hätten zugenommen.

Das Umweltbundesamt schreibt, von den Absatzzahlen könne „nicht unmittelbar auf den Verbrauch je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche geschlossen werden“. Dieser hänge von der Art des Anbaus, der Fruchtfolge und Standortbedingungen ab. Zudem würden „die Präparate unter Umständen auch über mehrere Jahre hinweg gelagert“. Anwendungsdaten würden bisher nur stichprobenartig erhoben. Das UBA rechnet, dass im Schnitt 2,8 kg Wirkstoff je Hektar Anbaufläche ausgebracht werden, bezogen auf 12,1 Millionen Hektar Ackerland und Dauerkulturen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warf der Bundesregierung vor, weiterhin keine klare Strategie zur Reduktion von Pestiziden zu haben. Die rückläufigen Zahlen seien „ein Ergebnis des Wetters und kein politisches Ergebnis, welches Frau Klöckner stolz präsentieren kann“, sagte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt.

Ein Hintergrundpapier des BÖLW zum Pestizidabsatz

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