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Biofach E-Special

„2022 wollen wir unseren Kunden mehr Planungssicherheit geben“

Danila Brunner und Petra Wolf blicken im Interview auf die digitale Variante von Biofach und Vivaness zurück – und geben einen ersten Ausblick darauf, wie das Messeduo im kommenden Jahr ablaufen könnte.

12.03.2021 vonKatrin Muhl

Danila Brunner, Leiterin Biofach und Vivaness, und Petra Wolf, Mitglied der Geschäftsleitung der Messe Nürnberg, sprachen mit BioHandel sowohl über die zurückliegende als auch über die kommende Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, Bio-Getränke, Non-Food Bio-Produkte und mehr.

Danila Brunner und Petra Wolf blicken im Interview auf die digitale Variante von Biofach und Vivaness zurück – und geben einen ersten Ausblick darauf, wie das Messeduo im kommenden Jahr ablaufen könnte.

BioHandel hat nach dem E-Special bei Teilnehmern gefragt, wie sie die digitale Biofach und Vivaness erlebt haben. Bei den Antworten war von „überwältigend“ bis „nervenaufreibend“ alles dabei. Wie war die Messe für Sie, gewissermaßen „auf der anderen Seite der Plattform“?

Petra Wolf: Zunächst einmal haben wir das Stimmungsbild, das Sie im BioHandel veröffentlicht haben, sehr gerne und mit großem Interesse gelesen. Es bestätigt, was unsere Gespräche und Auswertungen, die aktuell noch laufen, auch zeigen: Sehr viel Positives, aber auch die Herausforderungen, die es ohne Frage bei einer solchen Premiere gibt. Und damit deckt es sich mit unseren Eindrücken und dem Feedback unserer Kunden auf Aussteller und Besucherseite.

Für uns war das Biofach und Vivaness 2021 E-Special die bestmögliche Alternative zu einer Vor-Ort-Veranstaltung, die pandemie-bedingt nicht möglich war. Und so haben wir die Messe auf der anderen Seite auch erlebt. Als Variante, die die drei Elemente Ausstellerpräsentationen, Networking und Kongress digital übersetzt hat, und von über 13.800 Teilnehmern erfreulich gut angenommen wurde. Aber auch als ein Veranstaltungsformat, das die Vorfreude auf 2022 und ein Treffen hier vor Ort in Nürnberg zum jährlichen internationalen Branchentreff deutlich vor Augen geführt hat.

Welche Teilnehmerrückmeldungen haben Sie bekommen?

Danila Brunner: Wir haben viele positive Rückmeldungen von unseren Kunden bekommen, allerdings auch ein differenziertes Feedback. Sehr viele zeigten sich zuallererst hoch erfreut darüber, dass das Messe-Duo, wenn auch rein digital, stattfinden konnte. Besonders gut kam dabei zum Beispiel
der Biofach und Vivaness Kongress an. Themenauswahl und Referenten wurden gelobt. 95 beziehungsweise 98 Prozent zeigten sich damit zufrieden.

Von vielen Teilnehmern haben wir gehört, dass sie den Kongress 2021 besonders stark wahrgenommen haben. Sicherlich ein Grund hierfür: Die Nähe zwischen „Messehallen“ und „Kongresszentrum“ ist natürlich im digitalen Raum größer als vor Ort. Eben mal schnell in einen Kongresstermin „reinschalten“, das geht nicht so leicht, wenn man in den Hallen unterwegs ist. Ein weiterer Pluspunkt: Die längere Verfügbarkeit des Kongresses im Netz und die Reichweite insgesamt sowie die zahlreichen Veranstaltungen der Aussteller – zusammen mit dem Kongress insgesamt 775 Events.

Aber auch generell waren die Teilnehmer erfreut über das E-Special. Jeweils 70 Prozent der Teilnehmer haben ihre Ziele erreichen können und zogen eine positive Bilanz.

Viele der von BioHandel Befragten hatten den Eindruck, dass nur wenige Einzelhändler am E-Special teilgenommen haben. Können Sie eine Zahl nennen, wie viele tatsächlich dabei waren?

Danila Brunner: Aktuell haben wir noch nicht alle Auswertungen vorliegen, aber erste Daten zeigen: Anteilig an der Gesamtteilnehmerzahl und Zusammensetzung war der Einzelhandel vergleichbar stark auf dem E-Special vertreten.

Wie viele Einzelhändler waren bei der Präsenzmesse 2020 dabei und woran könnte es liegen, dass sich eventuell weniger von ihnen für das digitale Format begeistern konnten?

Petra Wolf: Generell kann man eine Veranstaltung vor Ort und eine digitale Plattform wie das Biofach und Vivaness E-Special nicht vergleichen, und so auch diese Daten nicht. Die Gründe, warum sich potenzielle Teilnehmer für ein digitales Format begeistern lassen oder sich nicht dafür entscheiden, sind sicher vielfältig.

Wir konnten mit dem E-Special eine gute Teilnehmerzahl verzeichnen auch im Vergleich zu anderen digitalen Events in der Messe-Branche. Und eine beeindruckend hohe Zahl an Unternehmen, die sich sogar mit eigenen Veranstaltungen beteiligt hat. Aber gerade bei einem Sektor wie der Bio-Lebensmittel und Naturkosmetik-Branche ist es natürlich für Vertreter aus dem Handel besonders wichtig, das Produkt live zu erleben, zu sehen und zu verkosten. Und das macht die Hürde für eine digitale Teilnahme in unserem Fall höher.

Die nächste Biofach und Vivaness soll wieder im Nürnberger Messezentrum stattfinden. Digitale Messeinhalte wird es trotzdem geben, haben Sie in Aussicht gestellt. Welche könnten das sein und was sind die Vorteile von digitalen Messeinhalten?

Petra Wolf: Auf Basis unserer Auswertungen und insbesondere der zahlreichen Kunden- und Teilnehmer-Feedbacks sehen wir uns ganz genau an, was besonders gut funktioniert hat und mit welchen Formaten wir unseren Kunden durch digitale Ergänzungen zum Vor-Ort-Messe-Erlebnis bedarfsorientierte Mehrwerte bieten können. Das könnte zum Beispiel die digitale Abbildung von Teilen des Kongresses sein. Live-Streams bestimmter Events sind den Kunden zum Beispiel sehr wichtig. Und hier sehen wir großes Potenzial mit diesen Inhalten in Zukunft die Reichweite deutlich zu steigern und den Kongress mehr Menschen rund um den Globus zugänglich zu machen.

Zukünftig wird es für uns als Messe-Veranstalter um die bestmögliche Verbindung von On-Site, also vor Ort im Messezentrum, und Online, also im digitalen Format gehen. Und, was bestmöglich bedeutet, das wird branchen-spezifisch sehr unterschiedlich und individuell sein. Für die Bio- und Naturkosmetik-Community wollen wir für 2022 ein möglichst optimales Angebot zusammenstellen. Im Frühsommer werden wir hierzu sicherlich mehr sagen können.

Gibt es auch Nachteile digitaler Formate?

Petra Wolf: Ja klar, die liegen zum Beispiel für die Biofach und Vivaness doch auf der Hand. Sie können das haptische Erlebnis, das Sehen, Riechen, Schmecken und Fühlen von Lebensmitteln und von Kosmetik-Produkten nicht digital umsetzen. Da können Sie sich nur annähern. Zum Beispiel haben viele unserer Aussteller, und da möchten wir ihnen auch an dieser Stelle nochmal herzlich danken, dies getan, indem sie ihren Kunden vorab Produkte für geführte und digitale Verkostungen zugesandt haben. Und der jährliche Bio-Branchentreff Biofach und Vivaness lebt sehr stark von der persönlichen Begegnung. Die ist, das wissen wir alle nach einem Jahr Pandemie und unzähligen Video-Konferenzen, ebenfalls nie ganz ins Digitale zu übersetzen.

Haben Sie Ideen, wie Sie Einzelhändler dazu motivieren, die digitalen Messeinhalte zu nutzen?

Danila Brunner: Wir haben für Biofach und Vivaness bereits 2021 einige Ideen entwickelt, um die verschiedenen Zielgruppen für das E-Special zu begeistern. Unter anderem gemeinsam mit unseren Ausstellern, mit den Partnern, Verbänden und Medienpartnern. Wir haben den Einzelhandel im Fokus digital, über die verschiedenen Kanäle angesprochen, aber auch die Inhalte der Veranstaltung so zugeschnitten, dass sie für den Händler relevant waren. Dazu zählen zum Beispiel spezifische Themensessions im Kongress, aber auch das Angebot rund um Neuheiten und Trends. Diesen Weg werden wir für 2022 konsequent weitergehen.

Beim diesjährigen E-Special klagten einige Teilnehmer über technische Probleme. Glauben Sie, dass Sie die Technik 2022 besser im Griff haben werden?

Danila Brunner: Ganz sicher! Denn digitale Plattformen entwickeln sich kontinuierlich weiter – auch entlang der Bedürfnisse der entsprechenden Community. Und ein entsprechendes digitales Format für Biofach und Vivaness als Ergänzung zur Veranstaltung vor Ort profitiert nicht nur von dem, was wir zum diesjährigen E-Special gelernt haben, sondern auch davon, dass wir aus jeder weiteren Veranstaltung der Nürnberg Messe neue Learnings mitnehmen und die digitale Plattformen kontinuierlich optimieren.

Gerade wenn digitale und analoge Elemente kombiniert werden sollen, wünschen sich einige Teilnehmer einen längeren Vorlauf bis Messestart. Von sechs Monaten Vorbereitungszeit war etwa die Rede. Können Sie diesem Wunsch für 2022 nachkommen?

Petra Wolf: Die Vorlaufzeit für das Biofach und Vivaness 2021 E-Special war – auch für uns – mit der Entscheidung Ende Oktober, auf ein rein digitales Format zu setzen, natürlich etwas kurz. Auch wenn wir schon länger, etwa seit Frühsommer 2020, über Varianten und Alternativen zur Vor-Ort-Messe nachgedacht und uns mit der Branche dazu ausgetauscht haben, so waren es doch faktisch dann nur 3,5 Monate. Für 2022 wollen wir früher Klarheit über das Format haben, unseren Kunden damit mehr Planungssicherheit geben und so auch mehr Vorlauf.

Manche Teilnehmer haben uns gesagt, dass sie gespannt auf Zahlen wie beispielsweise die Besucheranzahl am digitalen „Messestand“ warten. Wann können sie mit der Auswertung rechnen?

Danila Brunner: Hier müssen wir noch um etwas Geduld bitten, denn diese Daten für die einzelnen Ausstellerprofile liegen uns tatsächlich noch nicht vor. Aber wir werden bald einen Rückblick auf das Biofach und Vivaness E-Special auf der Website des Messe-Duos veröffentlichen und auch die jeweiligen Aussteller erhalten natürlich baldmöglichst die entsprechenden Auswertungen.

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