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Was Bodan aus seiner ersten digitalen Hausmesse gelernt hat

Nach ersten eigenen Erfahrungen spricht Bodan-Geschäftsführer Sascha Damaschun im Interview über Herausforderungen, Chancen und Grenzen digitaler Messen.

18.11.2020 vonGudrun Ambros

Sascha Damaschun begrüßt die Teilnehmer der digitalen Messe von der Obstwiese aus.

Nach ersten eigenen Erfahrungen spricht Bodan-Geschäftsführer Sascha Damaschun im Interview über Herausforderungen, Chancen und Grenzen digitaler Messen.

Sascha Damaschun, Geschäftsführer des Bio-Großhandels Bodan, fand, die alljährliche Hausmesse im Herbst soll in diesem Jahr trotz Corona nicht ersatzlos ausfallen und sammelte erste Erfahrungen mit der Organisation einer digitalen Messe-Plattform.

Herr Damaschun, nach Kornkraft und Biogast hat nun auch Bodan eine erste digitale Hausmesse präsentiert. Wie ist Ihre Bilanz?

Eine digitale Messe kann eine wertvolle Ergänzung sein. Ersetzen wird sie die Präsenzmesse nicht. Unsere Messe-Plattform war ein Erfolg, insbesondere, weil wir trotz der Kontakt-Beschränkungen Interaktion und lebendigen Austausch ermöglicht haben. Einen lebensechten Eindruck aus der Produktion eines Startup-Betriebes wie Peppe Gelato oder eine Einladung in den Garten der Familie Voelkel bekommt man auch nicht alle Tage. Aber persönliche Begegnung, Verkostungen und das Erleben von Gemeinschaft lassen sich virtuell nicht ersetzen.

Was konkret ist nicht möglich?

Eine Besonderheit unserer Hausmessen besteht darin, dass sie für unsere Händler erlebbar macht: Sie arbeiten nicht alleine, sie arbeiten an der richtigen Sache, sie bilden mit Herstellern und Bodan-Mitarbeitenden eine Gemeinschaft. Daraus tanken sie Kraft. Und das fehlte.

Die im Vorfeld befragten Händler hatten ja interaktive Module wie Podiumsdiskussionen oder Chats abgelehnt. Jetzt stellt sich heraus, die Besucher hätten sich doch mehr digitale Begegnungs-Chancen gewünscht.

Möglicherweise war das dieses Jahr zu viel, weil es das erste Mal war. Aber wir können uns das fürs nächste Mal schon intensiver vorstellen. Es würde mehr Aufwand bedeuten, dafür müssten eventuell noch passende Tools entwickelt werden. Aber im digitalen Bereich tut sich derzeit viel. Vielleicht gibt es bis zum nächsten Mal schon standardisierte, intuitiv bedienbare Module, die sich einfach in eine Online-Messe integrieren lassen.

Ein Pluspunkt war: Sie konnten viele Informationen vermitteln…

Stimmt. Da ist eine Fülle an Videos, Dokumentationen und Hintergrundinformationen entstanden, die wir jetzt in irgendeiner Form ins Tagesgeschäft übernehmen wollen. Möglicherweise lassen sich die Videos in unseren Webshop integrieren. Ich kann mir solche Filme und Präsentationen auch als Unterbau für künftige Präsenzmessen vorstellen, als Hilfe für Besucher, zur Vor- und Nachbereitung, insbesondere wenn sie noch um weitere Recherche-, Filter- und Planungstools ergänzt wird. Ein solches Angebot wird von der aktiven Nachfrage und Pflege leben.

Sprechen Kosteneinsparungen für digitale Messen?

Tatsächlich leben unsere Hausmessen von hoher Eigenleistung: Wir helfen den Ausstellern beim Aufbau, beim Transport ihrer Waren zu den Ständen. Das fiel weg, wir sparten hier also Personalkosten. Für die Aussteller lag die zu entrichtende Aufwandsentschädigung ebenfalls deutlich unter dem, was sie sonst als Gebühr für ihre Standfläche hätten zahlen müssen. Allerdings ist die Qualität in der Begegnung auf digitaler Ebene auch nicht so hoch wie auf der Präsenzmesse. Das relativiert den Kostenvorteil.

Gibt es etwas, das eine digitale Messe besser kann?

Sie ist eine Chance für kleinere Hersteller und Startups. Es ist einfacher und günstiger, sich digital einzuklinken als einen Messebauer mit einem aufwändigen Standdesign zu beauftragen. Termine und Ausstellungsdauer können relativ kurzfristig angepasst werden. Logistischer Aufwand und CO2-Emissionen sind geringer. Manches lässt sich virtuell vielleicht sogar griffiger auf den Punkt bringen oder per Mausklick visualisieren.

Wir könnten zukünftig anhand von Blockchain-Lösungen den Weg der Waren zeigen, wir könnten deutlich machen, wie wir gemeinsam mit den Herstellern und Erzeugern dabei Qualität sichern. Das funktioniert vielleicht sogar auf digitaler Ebene besser als im Realen bei einem Gespräch. Und die Hersteller können per Videochat problemlos Projektpartner aus Südafrika oder Italien dazu holen und aktiv einbinden. Die Möglichkeiten sind mit Sicherheit noch nicht ausgeschöpft.

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