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Steuer & Recht

Mini-Jobs können Engpass beim Personal retten

Der Gesetzgeber hat auf die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Handel reagiert und die Grenzen für 450 Euro-Jobber gelockert. Hier die wichtigsten Fakten.

16.06.2020 vonPrisca Wende

Aktuell haben Ladner viele Herausforderungen zu stemmen. Eine davon ist ganz sicherlich die Aufrechterhaltung der Personalstruktur. Eine Lösung könnten die 450 Euro-Jobs sein. Diese haben oft zeitlich Spielraum nach oben, zusätzlich sind sie für Arbeitnehmer, die sich am Markt in Kurzarbeit befinden, besonders interessant.

Achtung: Anrechnung Mini-Job auf Kurzarbeitergeld prüfen!

Nimmt ein Kurzarbeiter einen Mini-Job in einem systemrelevanten Bereich auf, wird der Verdienst nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Bis zum 31. Oktober 2020 bleibt der Verdienst dieses Mini-Jobs anrechnungsfrei. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der aus der Hauptbeschäftigung noch gezahlte Verdienst zusammen mit dem Kurzarbeitergeld und dem Verdienst aus dem Mini-Job das normale Bruttoeinkommen nicht übersteigt. Anderenfalls wird der Verdienst aus dem Mini-job auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

In der Praxis gilt aktuell das „Augen-Zu-und-Durch-Prinzip“, und oft sind gesetzliche Regelungen zweitrangig. Gott sei Dank hat der Gesetzgeber darauf reagiert. Grundsätzlich gilt, das Überschreiten der Entgeltgrenze von 450 Euro pro Monat ist dann unschädlich, wenn die Mehrarbeit unvorhersehbar – also nicht vereinbart – und nur gelegentlich ist.

Die Erkrankung beziehungsweise Quarantäne von Arbeitnehmern kann als unvorhersehbar angesehen werden. Die gesetzliche Regelung nimmt grundsätzlich den Tatbestand „gelegentlich“ bei einem Zeitraum von bis zu drei Monaten beziehungsweise 70 Arbeitstagen innerhalb eines Zeitjahres (nicht Wirtschaftsjahres) an.

Aufgrund der aktuellen Situation hat nun der Gesetzgeber im Zeitraum 1. März 2020 bis aktuell 31. Oktober 2020 wie folgt reagiert: Die Nichtbeanstandungsgrenzen wurden erhöht. Im oben genannten Zeitraum dürfen die Mini-Jobber – unvorhergesehen – innerhalb der Zwölf-Monatsfrist für maximal fünf Monate oder maximal an 115 Arbeitstagen ihre Grenze überschreiten.

Beispiel: Eine Kassiererin arbeitet seit 1. Januar 2020 für 430 Euro im Monat. Aufgrund der Corona-Pandemie arbeitet sie nun im Zeitraum 1. April bis 15. Juli 2020 wesentlich mehr und verdient 1.800 Euro im Monat. In den vergangenen zwölf Monaten kam es zu keinen Überschreitungen. Die Beschäftigung bleibt auch im Zeitraum April und Juli ein 450 Euro-Job.

Aber Achtung: Ab 01. November 2020 gelten – zumindest aktuell noch – wieder die alten Grenzen.

Beispiel: Die gleiche Arbeitnehmerin arbeitet auch im November erheblich mehr. Da sie in den vergangenen zwölf Monaten die drei Monate beziehungsweise 70 Arbeitstage überschritten hat, liegt für November kein 450 Euro-Job vor. Aktuelle und weitere Informationen finden Sie unter www.minijob-zentrale.de

Prisca Wende

Steuerberaterin
www.moertl-wende.de

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