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Ladenportrait

Marienhof Gerlfangen: Familienbetrieb mit eigener Landwirtschaft

Zum zweiten Mal gewinnt die Familie Zenner bei der Wahl „Beste Bio-Läden“. Einfach und gut ist das Motto ihres Hofladens mit vielen selbst erzeugten Produkten. Weil das so bleiben soll, entscheidet sich Ladnerin Karin Zenner bewusst gegen Wachstum.

23.07.2021 vonMichael Stahl

Familie Zenner (vorne) und ein Teil ihres Teams: „Wir sind ein Familienbetrieb mit Landwirtschaft.“

Zum zweiten Mal gewinnt die Familie Zenner bei der Wahl „Beste Bio-Läden“. Einfach und gut ist das Motto ihres Hofladens mit vielen selbst erzeugten Produkten. Weil das so bleiben soll, entscheidet sich Ladnerin Karin Zenner bewusst gegen Wachstum.

Ein Highlight für Familie Zenner und ihren Marienhof Gerlfangen findet jeden Frühling statt – auch in diesem Jahr. Ende April startete für die rund 90 Milchkühe auf dem Hof die Weidesaison. Auf einem Facebook-Video mit dem Hashtag „wirlassendiekuhraus“ sind die überwiegend schwarzweiß gefleckten Wiederkäuer zu sehen, wie sie freudig aus dem Stall ins Grüne springen. Bei Karin Zenner ist die Freude an diesen Tagen ähnlich groß, denn zu den Tieren hat sie ein besonderes Verhältnis. Die Vierbeiner sind für sie ein Ruhepol, schaffen Ausgleich zu ihrem vollgepackten Tag als Bio-Ladnerin, der spätestens um sechs Uhr früh beginnt und oft nicht vor 22 Uhr zu Ende ist.

Zwei Tage pro Woche hat Karin Zenners Hofladen geöffnet. Neben der Milch von den eigenen Kühen verkaufen sie und ihre sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch viele andere Lebensmittel, die auf dem Marienhof entstehen. Fleisch und Wurstwaren aus eigener Schlachtung etwa, vom Rind, Schwein, hin und wieder auch Kalb. Konfitüren werden auf dem Bio-Hof eingekocht, Apfelsaft wird selbst gepresst. Eier und Mopro kauft der Laden zu, Kartoffeln, Gemüse und Obst kommen von Höfen in der Region. Den Rest liefern Großhändler. All das kam aber erst nach und nach.

Echter Familienbetrieb

Dass es den Hofladen auf dem Marienhof am Rande des 750-Einwohner-Dörfchens Gerlfangen überhaupt gibt, hat mit dem Brot zu tun, das hier gebacken wird. Das gab es zunächst nur samstags auf dem Bauernmarkt im 20 Kilometer entfernten Saarlouis und eigentlich auch nur zum Probieren. Karin Zenner wollte so die Marktgänger vom selbst angebauten Getreide überzeugen, das in den Teiglaiben steckt.

Brot und Kuchen im Hofladen sind selbstgemacht.

Doch die Nachfrage nach der verarbeiteten Version war so groß, dass die Zenners 2003 auf ihrem Aussiedlerhof 15 Quadratmeter einer Garage frei- und frisches Brot aus dem Ofen dort einräumten. Es war der Start für ihren Hofladen, der in den folgenden Jahren auf 60 Quadratmeter Verkaufsfläche plus Backstube, Lager und Kühlhaus angewachsen ist und in diesem Jahr zum zweiten Mal von den Lesern der Schrot&Korn zum Besten Bio-Laden gewählt wurde.

Der Zenner-Hof ist ein waschechter Familienbetrieb. Karin ist Head of Hofladen und Backstube, wo pro Woche aus 400 Kilogramm Dinkel, Roggen, Weizen und Einkorn Brote, Brötchen, Kleingebäck und Kuchen wird. Tochter Lena kümmert sich um Feingebäck. „Die macht auch schon mal eine Hochzeitstorte mit allem Firlefanz“, sagt Karin Zenner, die sich derweil der Grobbäckerei widmet. „Wir backen einfach, aber mit guten Zutaten. So finde ich, sollte es bei Bio auch sein.“ Das Getreide dazu stammt aus eigenem Anbau.

Bioland-zertifizierter Hof

Dass auf den Muschelkalkböden rund um den Marienhof alles wunschgemäß wächst, ist Aufgabe von Ehemann Stefan, der sich um die Bioland-zertifizierte Landwirtschaft inklusive der Kühe kümmert und dabei von Tochter Annika unterstützt wird. Neben den Zenners und ihren festen Mitarbeitern arbeiten auf dem Hof auch immer mal wieder Auszubildende und Praktikanten. Wenn im Hofladen die volle Belegschaft am Werk ist und der Kundenauflauf groß, wird es eng zwischen Brottheke, Fleisch- und Käseauslage, aufgestapelten Eierkartons, den Holzregalen mit Nudeln, Linsen, Müsli, Aufstrichen, Schokolade und Hafermilch.

An den zwei Öffnungstagen pro Woche ist stets viel Betrieb im Hofladen.

„Wir haben für die paar Quadratmeter zu viele Kunden“, sagt Karin Zenner und lacht. Damit sich in Zeiten der Pandemie alles und alle besser verteilen, haben sie und ihr Team die grünen Euroboxen mit Obst, Salat und Gemüse und die Kartoffeln samt den Regalen nach draußen unter das Vordach verfrachtet, wo Besucher in Nicht-Corona-Zeiten an Tischen sitzen und Zenner‘schen Schokokuchen oder Mohnschnecken essen.

„Mein Mann würde lieber heute als morgen anbauen“, sagt Karin Zenner. Die Woche sei allerdings so schon durchgetaktet „und ich han jetzt nid noch Lust auf son Anbau“, sagt sie mit leichtem saarländischen Schlag und lacht schon wieder. „Wir sind ein Familienbetrieb mit Landwirtschaft und wollen alle am Ursprung der Landwirtschaft dranbleiben.“

Milch zum Selbstzapfen

Ein sichtbares Zeichen dieser Einstellung steht vor dem Laden, rechts neben der Eingangstür, auf drei übereinandergesetzten Kisten: Aus einem zylinderförmigen Milchdispenser aus poliertem Metall füllen sich Kunden die frische Milch der glücklichen Zenner-Kühe direkt in Flaschen. Damit der weiße Strom nicht versiegt, kippt das Personal regelmäßig Milch aus Eimern nach.

Wahrscheinlich ist es vor allem dieser Mikrokosmos mit seinen gut 200 Hektar Acker- und Grünland, dieser in sich geschlossene Kreislauf des Marienhofs, bei dem es ums Wesentliche geht – nämlich hochwertige, handgemachte Lebensmittel und gute Beziehungen zu Zwei- und Vierbeinern, weshalb Menschen aus dem gesamten Saarland und dem angrenzenden Frankreich bei den Zenners einkaufen.

Wo Backtipps über die Ladentheke hinweg getauscht werden und es schon mal vorkommen kann, dass das Rezept eines Kunden in gebackener Form in der Auslage liegt. Wo es auf Sonderwunsch auch Brot mit Chiasamen gibt oder Unkundige schon mal außerhalb der Öffnungszeiten bedient werden, auch wenn das den gesamten Betrieb aufhalte, wie Karin Zenner lachend sagt. Wo alle 14 Tage selbst geschlachtet wird, was auf dem Hof groß geworden ist und daraus nicht zig verschiedene Wurstsorten gepresst werden, dafür aber die Klassiker.

Nachfolge

Zwischen dem Ehepaar Zenner und dem Ruhestand liegen noch einige Jahre. Dass es auch danach auf dem Marienhof weitergehen wird, scheint aber bereits klar zu sein, weniger jedoch das Wie. Denkbar ist, dass Tochter Annika, die Ökologische Landwirtschaft studiert hat, den Laden einmal übernimmt. Ein Hofcafé, Bio to go, noch mehr Milchwirtschaft, eine Kälberweide – Ideen seien da, sagt Karin Zenner. Wichtig sei es, die Wertschöpfungsketten selbst in der Hand zu halten. Sie sagt aber auch: „Wir möchten nicht in die unendliche Größe wachsen.“ Schließlich soll noch genug Zeit bleiben für andere wichtige Dinge. Für Karin Zenner sind das die Momente mit ihren Tieren: „Ich bin froh, wenn ich noch fünf bis sechs Mal die Woche dazu komme, die Kühe zu melken und mich da ein wenig zu erden.“

Zeit zum „Erden“: Karin Zenner genießt die Arbeit mit den Kühen.

Ladenportrait im Video

Zahlen – Daten – Fakten

Inhaber: Karin und Stefan Zenner

Adresse: Lommerweg (OT Gerlfangen), 66780 Rehlingen-Siersburg

Öffnungszeiten: Mi und Fr: 10:00– 19:00 Uhr

Eröffnung: 2003

Verkaufsfläche: 60 Quadratmeter

Mitarbeiter: 6

Produktzahl: 2000

Großhändler/Lieferanten: Rinklin Naturkost, Rapunzel Naturkost

Webseite: www.marienhof-gerlfangen.de

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