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Ladenportrait

Naturkostladen Hollerbirl: Ein moderner Tante-Emma-Laden

Bereits zum zweiten Mal gehört das Hollerbirl zu den Gold-Gesamt-Gewinnern der Schrot&Korn-Leserwahl „Beste Bio-Läden 2021“. Kundennähe, regionale Produkte und ressourcenschonendes Wirtschaften gehören zum Erfolgsgeheimnis des kleinen Bioladens in der Oberpfalz.

31.05.2021 vonDaniela Nickel

Daumen hoch: Das gesamte Ladenteam freut sich, dass so viele Kunden fürs Hollerbirl abgestimmt haben.

Bereits zum zweiten Mal gehört das Hollerbirl zu den Gold-Gesamt-Gewinnern der Schrot&Korn-Leserwahl „Beste Bio-Läden 2021“. Kundennähe, regionale Produkte und ressourcenschonendes Wirtschaften gehören zum Erfolgsgeheimnis des kleinen Bioladens in der Oberpfalz.

So richtig kann Monika Baeck noch immer nicht glauben, dass ihr Hollerbirl das zweite Mal zum Gold-Gewinner in der Kategorie Bio-Laden gekürt wurde. „Als der Anruf kam, habe ich zwei Tage gebraucht, um zu realisieren, dass wir gewonnen haben.“ Natürlich haben die Inhaberin und ihr Ehemann Franz Josef Baeck die Aktionsplakate aufgehängt, dann aber nicht weiter an die Wahl gedacht. „Wir waren nur darauf fixiert, wie wir das mit Corona gut rumbringen“, erzählt die Ladnerin.

Dass ihr 72 Quadratmeter großer, „moderner Tante-Emma-Laden“ zum besten Bio-Laden gewählt wurde, überrascht nicht. Denn die zum Verkaufsraum umfunktionierte Garage lädt mit Holzmobiliar, einer großen Wein- und Bierauswahl, selbst gestalteten Tafeln, Bildern und liebevoll arrangierten Produktaufstellern zum Wohlfühlen ein.

Bereits zum zweiten Mal erhielt das Hollerbirl den Schrot&Korn-Leserpreis als bester Bio-Laden.

Angefangen hat alles in Monika Baecks Arbeitszimmer. Ende der achtziger Jahre leiteten die Baecks – sie Fachlehrerin für Handarbeit und Hauswirtschaft, er Berufsschullehrer für Landwirtschaft – eine Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft in Neustadt. Doch fehlende Kapazitäten brachten die Gruppe zum Erliegen und überschüssiges Gemüse ließ das kleine Lager überquellen.

Dank einer Schnapsidee kam es dann laut Monika Baeck zur Eigeninitiative. Die Baecks schafften Kühlschrank, Waage und Kasse an. Aus dem Arbeitszimmer wurde ein Gemüselädchen. Ihren Lehrberuf hängte die Ladnerin schließlich an den Nagel und tauschte ihre berufliche Sicherheit gegen die Leidenschaft fürs Hollerbirl – ihre Holunderbeere.

Mehr Kräfte, mehr Flexibilität

Heute gibt es den Laden seit gut 26 Jahren. In dieser Zeit wuchs die Verkaufsfläche stetig weiter. So wurde die Garage zur Ladenfläche und der Dachboden zum Lager. Fürs Obst und Gemüse haben die Baecks extra angebaut. Um die Kunden des Naturkostladens mit Vollsortiment kümmern sich neben den Baecks 15 Mitarbeiterinnen, davon drei in Teilzeit und zwölf 450-Euro-Kräfte.

2020 feierte das Hollerbirl 25-jähriges Jubiläum.

Die Mini-Jobs kamen durch die kurzen Öffnungszeiten und Mütter zustande, die neben der Elternzeit arbeiten wollten. „Dieses Mitarbeiterkonzept haben wir dann ausgebaut, weil man bei Ausfällen flexibler ist“, so Franz Josef Baeck. „Und dank des hohen Personaleinsatzes können wir persönliche Gespräche zulassen“, fügt er hinzu. Darauf legt auch Monika Baeck großen Wert: „Es gehört dazu, ein Ohr für andere zu haben.“ Dass die familiäre Atmosphäre ankommt, zeigt sich vor allem daran, dass nach Baeckscher Schätzung neun von zehn Kunden immer wiederkommen.

CO²-neutrale Liefertouren

Durch die Zeit in der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft und Franz Josef Baecks Lehrberuf im Landbau profitiert die Inhaberin von einem dichten Netz lokaler Bio-Erzeuger. Im Angebot finden sich etwa Rind- und Schweinefleisch von Johann Meister aus Bodenreuth, Hähnchen und Eier vom Bioland-Betrieb Wenning aus Wetzldorf und Kartoffeln, Spargel und Erdbeeren vom Naturland-Betrieb Brunner ums Eck.

Die Kundschaft des Hollerbirls wird dreimal wöchentlich mit dem CO² neutralen Elektroauto außer Haus beliefert.

Vieles davon holt das Ehepaar mit seinem CO² -neutralen E-Lieferwagen selbst bei den Partnern ab und verbindet damit auch zwei der drei wöchentlichen Lieferungen an die Abo-Kunden. Die Touren fährt meist Monika Baeck selbst, um „einfach mal rauszukommen“. Die Bestellungen liefert sie ab 30 Euro frei Haus, zudem zahlen auch die Abo-Kunden Ladenpreise. „Viele halten das für verrückt“, so Franz Josef Baeck, „aber uns liegt es am Herzen, Bio zu verbreiten.“

Besonders beim Hollerbirl ist, dass die lokalen Erzeuger selbst zehn Prozent Rabatt bekommen, wenn sie bei Baecks kaufen. „Das machen wir bewusst, denn wir möchten, dass Öko-Betriebe auch Öko kaufen“, schildert der Berufsschullehrer.

Persönliche Nähe zur Kundschaft

„Ich möchte den Käse, den meine Frau immer bei Ihnen kauft“, heißt es häufig bei Monika Baeck an der Frischetheke mit Wurst, Antipasti, Aufstrichen und bis zu 70 Sorten Käse. Oft muss die Ladnerin erst mal ausloten, zu welcher Stammkundin ihr Gegenüber gehört. Und auch wenn sie dann weiß, um welchen Käse es geht, lässt sie den zum Einkauf geschickten Kundinnen-Gatten von anderen Sorten probieren: „So entdeckt die Kundschaft neuen Käse und man kommt ins Gespräch.“

Neben der täglichen Beratung bieten die Baecks Verkostungen und einen jährlichen Weinabend kurz vor ihrem Sommerurlaub an – bis Corona kam. „Gerade der Weinabend ist ein Fest für uns“, erzählen die beiden mit leuchtenden Augen. Die Maßnahmen, die Kunden an das Hollerbirl binden, sind so einfach wie wirkungsvoll: von kostenfreier Beratung zu Ernährungsfragen, liebevoll gepackten Geschenkkörben, über ein eigenes Pfandglas-System für Produkte von der Theke, bis hin zum Tiefkühltaschen-Verleih auf Vertrauensbasis.

Die liebevolle Zusammenstellung von individuellen Geschenkkörben gehört zum Service-Angebot des kleinen Naturkostladens.

Was den Naturkosthändlern aber am meisten am Herzen liege, sei die persönliche Kundennähe. „Es ist ein Gewinn, wenn wir anderen etwas geben können. Daran nährt sich das Herz“, erklärt Franz Josef Baeck. Natürlich gebe es Leute, die lieber bei Aldi, Edeka oder Rewe einkaufen. Aber, so Monika Baeck: „das hat dem Hollerbirl nie geschadet, denn die Kunden schätzen unsere Authentizität, Beratung und unser ökologisches Denken“.

Regenerative Energien fördern

Für das Energiekonzept des Hollerbirls ist seit jeher Franz Josef Baeck zuständig. „Mir ist wichtig, regenerative Energien zu fördern“, sagt der 63-Jährige. Seit über zwei Jahrzehnten bezieht der Laden einen Teil seines Stroms aus der 32 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage auf dem Dach – der weitere Bedarf wird bereits seit 2001 von Naturstrom bezogen. Nachfolger ist noch nicht in Sicht Beheizt wird das Geschäft durch eine Therme, die mit einem Erd-, Bio- und Windgas-Gemisch läuft. Optimal sei das noch nicht, doch der Anbieter wolle bis 2027 komplett auf Biogas umstellen. Für das Bestreben zahlen die Baecks momentan noch drauf. „Wir finanzieren den Fortschritt quasi in Vorleistung“, erklärt Baeck.

Anfallendes Regenwasser sammeln die Ladner in einer Zisterne und nutzen es für die Toilettenspülung. „Als wir das gebaut haben, hat jeder gesagt, ich hätte einen Vogel“, lacht Franz Josef Baeck, aber, so sagt er, „das System funktioniert und hat sich lang amortisiert“. Nur die Kühlung hätte eine Erneuerung nötig, doch das rentiere sich nicht mehr. „Ich denke, in ein paar Jahren wird unser Hollerbirl schließen, weil wir keinen Nachfolger finden“, bedauert Monika Baeck. „Aber solange wir fit sind, peilen wir noch fünf bis sechs Jahre an.“

Ladenporträt im Video

Zahlen – Daten – Fakten

Inhaberin: Monika Baeck

Adresse: Schmellerstraße 16, 92660 Neustadt an der Waldnaab

Öffnungszeiten: Di, Mi und Fr 9:00-18:00 Uhr; Do 9:00-19:00 Uhr

Eröffnung: 1995

Verkaufsfläche: 72 Quadratmeter

Anzahl Mitarbeiter: 15 (drei Teilzeit-Kräfte, zwölf 450-Euro-Kräfte)

Großhändler: Dennree, Ökoring, Razunzel, Pural

Webseite: www.hollerbirl.de

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