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Bio und fair – so kommunizieren Sie den Mehrwert im Laden

Hohe Bio-Qualität steht auch für Fairness gegenüber Erzeugern, Tieren, Umwelt. Nur – wissen die Kunden auch, welcher Einsatz dahintersteht? Dafür regelmäßig die Trommel zu rühren lohnt sich. Denn der Mehrwert dahinter kann kaufentscheidend sein. Einige Anregungen.

31.03.2022 vonSylvia Meise

Kunden achten nicht nur auf gesunde, sondern auch auf fair gehandelte Produkte.

Hohe Bio-Qualität steht auch für Fairness gegenüber Erzeugern, Tieren, Umwelt. Nur – wissen die Kunden auch, welcher Einsatz dahintersteht? Dafür regelmäßig die Trommel zu rühren lohnt sich. Denn der Mehrwert dahinter kann kaufentscheidend sein. Einige Anregungen.

Ob Basics wie Mehl, Linsen, Kaffee oder Goodies wie Schokolade, Käse, Mohn – am Point of Sale hat die Kundschaft große Auswahl und orientiert sich gerne am Zusatznutzen eines Produkts. Das Frankfurter Zukunftsinstitut etwa beobachtet, dass "moralischer und strategischer Konsum" stetig zunimmt. Dessen Umfrageergebnisse zeigen auch: "Der gesundheitliche Mehrwert von Produkten ist für 70 Prozent der Deutschen beim Einkaufen wichtig. 69 Prozent der Befragten wollen auch wissen, woher Produkte stammen. Ebenso viele wünschen sich eine authentische und ehrliche Kommunikation seitens der Unternehmen."

Ethischer Konsum plus Transparenz? Eine Steilvorlage für den Naturkosthandel. Hier ein paar Beispiele.

Fair und cool? – Die Basics

Als Startprojekt gerne einen Kaffee: Wer‘s regional angehen will, sucht sich eine Manufaktur vor Ort. In Hessen etwa die Bio-Rösterei DeKene. Der Betrieb ist ein Teilbereich der Gemeinschaft in Kehna, ein zeigenswertes, inklusives Projekt, in dem Menschen mit Behinderung leben und arbeiten. Dazu lässt sich ein Video aus der Rösterei zeigen und/oder die besonders schön gestaltete Linie Zamadi aufnehmen. Ein feines Geschenk mit Mehrwert sind auch die neuen Kaffees von La Selva (italienisch für "Wildnis"). Betriebsgründer Karl Egger setzt sich seit 1980 für den Vogelschutz auf dem toskanischen Landgut ein. Das Unternehmen hat aufgeforstet, ein Feuchtbiotop angelegt und realisiert Projekte mit dem örtlichen Ornithologenverband. Dadurch haben sich wieder seltene Vogelarten wie die Blauracke oder der Bodenbrüter Triel angesiedelt. Pro Jahr wird künftig ein Prozent des Kaffee-Einkaufswerts in Initiativen wie diese investiert.

Die neue Linie lässt La Selva direkt in Italien rösten: Den milderen Espresso sowie den Caffè Crema in Norditalien – diese sind zudem "Naturland Fair"-zertifiziert; den kräftigeren Espresso und eine entkoffeinierte Variante in der Toskana. Die Packungsgestaltung nimmt das Engagement für italienische Kultur und Vogelschutz durch stilisierte Vogel- und Musiker-Bilder auf. Ein aufgedruckter QR-Code öffnet via Smartphone Playlists mit italienischer Musik. Ladner, die das gesamte Sortiment bestellen, erhalten ein Holzdisplay dazu.

Auch aus Bella Italia stammt der Demeter-Reis von Spielberger – und auch hier ist der biologische Anbau Motor für Natur- und Vogelschutz. So erstaunlich das klingen mag, Reisanbau gibt es in der fruchtbaren Po-Ebene bereits seit den 50er Jahren. Anfangs rein konventionell. Zum Glück war das irgendwann nicht mehr rentabel. Seit 30 Jahren besteht die Handelsbeziehung zwischen der Reismühle Masinari und Spielberger.

Nach asiatischem Vorbild

Dass der Anbau heute auch dem Vogelschutz dient, liegt daran, dass nach asiatischem Vorbild und bio-dynamisch gearbeitet wird, erklärt Reisbauer Marco Zaffaroni in einem Video von Spielberger. Der Unterschied zu früher: Zum einen die Fruchtfolge von Reis, Getreide, Mais und Hülsenfrüchten, die den Boden lebendig hält. Zudem veränderte Zaffaroni die Anbauweise. Anfangs habe man den Reis direkt auf die Felder gesät, dort sei er aber schnell überwuchert gewesen, was den Ertrag minderte. Nach asiatischem Vorbild begannen die Italiener vorgezogene Pflanzen in Reihen zu setzen, bevor sie diese mit aufgefangenem Quellwasser aus den Bergen fluteten. Der Ertrag stieg und die Zahl der Insekten und Amphibien ebenfalls – damit wurde das Land auch für selten gewordene Vögel wie Purpurreiher oder Ibisse wieder attraktiv. Auch deswegen wird die aufwändige Anbauweise von der EU und dem lombardischen Naturschutzverband gefördert.

Wie wärs mit Mango und Nüssen als Wegzehrung, im Kuchen oder fürs Müsli? Als Hintergrundgeschichte sind die getrockneten Mangostücke von MorgenLand ein schöner Anlass. Sie stammen aus den afrikanischen Ländern Burkina Faso, Uganda und Mali. Wie so oft bei Bio-Herstellern stehen Anbauprojekte in fernen Ländern auch hier für die Existenzsicherung bäuerlicher Gemeinschaften und Ausweitung ökologischer Anbaupraktiken. Seit zehn Jahren pflegt das Unternehmen die Beziehung zu einer Bauernvereinigung in Burkina Faso.

Kleine Gemeinschaften

Claudio Carnevale von MorgenLand erzählt, dass dort mittlerweile fünf kleinbäuerliche Gemeinschaften auf insgesamt 300 Hektar Bio-Mangos anbauen: "Die Erntezeit liegt bei der Sorte Amelie im April und Mai, für die Sorte Brooks von Juni bis Ende Juli. In dieser Zeit arbeiten bis zu 200 Menschen – überwiegend Frauen – auf den Farmen und ernten die noch nicht voll ausgereiften Mangos, um sie dann per LKW bis zu 600 Kilometer weit nach Ouagadougou zu bringen. Dort werden sie dann auch verarbeitet." Das Qualitätsmanagementsystem des Betriebs erfülle alle Anforderungen hinsichtlich Bio-Standards und Hygiene-Richtlinien, betont Carnevale und hebt hervor, "eine außergewöhnliche Leistung mit Blick auf die Infrastruktur in Burkina Faso." Dazu passen auch die ökosozialen Effekte, die etwa der Macadamia- oder Cashew-Anbau in den Hand-inHand-Projekten von Rapunzel entfaltet. Dazu Holger Epp von Rapunzel : "Mit unserem Cashew-Lieferanten Achal aus Indien verbinden uns 25 Jahre Zusammenarbeit. Das feiern wir mit einer besonderen Aktion: 25 Cent pro Packung des Jubiläumsartikels Cashewkerne Jumbo gehen an zwei Projekte in Indien." Gefördert wird darüber die Anlage von Schulgärten. Außerdem werden Lehrkräfte für die Umweltbildung finanziert. So will das Unternehmen dazu beitragen, die Menschen für biologische Landwirtschaft, gesunde und nachhaltige Ernährung sowie Umweltschutz zu sensibilisieren. Last but not least gebührt der Königin der Gewürze ein Auftritt: der Vanille. Zum Beispiel von agava. Das Besondere an dieser Vanille erzählt Inhaberin Karin Lang: "Sie wird im indonesischen Alor-Archipel von einer Kooperative angebaut." Karin Lang schätzt den Pioniergeist, mit dem die 60 Bauern der Gemeinschaft vorgehen: "Die Farmer bauen die Vanille jetzt seit 50 Jahren an, die Umstellung auf Naturland-Bio erfolgte 2019. Sie nutzen dabei das Agroforst-Prinzip und kultivieren außer Vanille auch Nelkenbäume, Kokospalmen, Kaffee, Cashews und verschiedene Früchte."

Vieles geschieht in Handarbeit, denn die Gegend ist bergig und unzugänglich, zudem wirke sich deutlich der Klimawandel mit Starkregen und Dürre aus. Zum Glück haben die Familien und ihre Gewürzkönigin Vanille Taifune wie Sonnenglut gut überstanden.

Ideen für Aktionen

Wie wärs also mal mit einem Extratisch mit allem, wo Vanille drin ist? Und Hintergrund-Infos, wo und wie sie wächst. Infos und Materialien kann man bei Karin Lang bekommen. Sie hat auch diesen Tipp: Leergekratzte Schote weiterverwenden! Wofür? Zucker aromatisieren, bei Desserts mitkochen, trocknen und mahlen. Gut kommt auch eine Genießer-Aktion mit Zusammenstellungen, wie es FairBio mit Upländer Bauernmilch und Müsli gemacht hat; soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

Spielberger bietet für seine Kampagne "Der Sinn der Sache" Plakate, Flyer, Rezepte, Videos und Social-Media-Bausteine an. Anlässe können auch Themenmärkte, Frauentag oder Feste im Viertel sein: einen fairen Stand aufbauen mit all den extrafeinen Sachen mit extrafairem Hintergrund. Denkbar cool auch ein Kaffee-Event mit Baristi, life im Bistro oder online mit der Laden-Community. Dazu selbst gebackener Kuchen aus regionalen Zutaten oder mit Mango, wie im Bioladen Faulbach üblich. Ein Buch oder Tablet kann Rezept-Ideen zeigen, die Boom-Box zaubert Kaffeehausatmosphäre über die LaSelva-Playlists oder Vogelgezwitscher. Vielleicht lässt sich über den örtlichen Naturschutzbund sogar eine Vogel-Wanderung in die Umgebung organisieren. Mit öko-fairem Proviant versteht sich.

Große oder kleine Hersteller, international oder lokal, mit oder ohne "Fair"-Label – es steckt genug Engagement im Sortiment, um das ganze Jahr großartige Akzente zu setzen.

Im Gespräch

Bernd Siebeneichner, Mitinhaber von Naturkost in der Südstadt, Göttingen, über die Bedeutung und Vermarktung regionaler Fair-Produkte von Naturkost Elkershausen.

Herr Siebeneichner, Sie weisen in Ihrem Laden deutlich auf die Fairbio-Produkte „VON“ von Elkershausen hin – warum?

Bisher ist man gewohnt, dass "faire" Produkte aus Lateinamerika, Afrika oder anderen fernen Ländern kommen, aber nicht aus Deutschland. Dabei wird auch in Deutschland nicht alles fair gehandelt. Mir gefällt deshalb diese Initiative gut, zumal sie einen starken, regionalen Bezug hat. Alle Produkte, die wir davon im Sortiment haben, kommen aus dem direkten Umkreis.

Wie präsentieren Sie die Ware?

Wir sind ein kleiner Laden – und alles ist vollgepackt, da kann ich keine Insel oder Station mit einer besonderen Aktion machen. Trotzdem haben wir Produkte wie das Getreide etwas zusammengestellt. Elkershausen begleitet das mit Werbematerialien, Regalstecker etwa. Das fällt schon auf. Und dann fragen die Leute nach, was daran neu ist. Ich unterstütze das gern. Die Kette läuft ja nur, wenn die Ware auch bei der Kundschaft ankommt.

Und was sagen die Kunden?

Auf den Etiketten steht genau, woher das Produkt stammt und von welchem Hof, das kommt gut an. Am besten läuft der Mohn aus Klein Schneen – sieben Kilometer von hier. Anfangs wurde ich oft gefragt, wieso der teurer ist, als das vorherige Produkt. Dann habe ich es erklärt, und neun von zehn haben gesagt: Sehr gutes Projekt, zahle ich. Auch Getreide wird gut gekauft – Hafer, Weizen, Roggen von den umliegenden Höfen. Die Körner kaufen die Leute am liebsten und schroten sie sich zuhause.

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