Wissen. Was die Branche bewegt
Ladenportrait

Petra Röhrig: Bio-Ladnerin über Umwege

Nach Fulda nun Schlüchtern: Zum zweiten Mal ist eine B!Othek by Petra Röhrig zum Besten Bio-Laden gewählt worden. Es ist eine Auszeichnung, die sich die Eigentümerin mit viel Fleiß, Leidenschaft und Kundennähe erarbeitet hat.

08.07.2020 vonMichael Stahl

Nach Fulda nun Schlüchtern: Zum zweiten Mal ist eine B!Othek by Petra Röhrig zum Besten Bio-Laden gewählt worden. Es ist eine Auszeichnung, die sich die Eigentümerin mit viel Fleiß, Leidenschaft und Kundennähe erarbeitet hat.

Nach Fulda nun Schlüchtern: Zum zweiten Mal ist eine B!Othek by Petra Röhrig zum Besten Bio-Laden gewählt worden. Es ist eine Auszeichnung, die sich die Eigentümerin mit viel Fleiß, Leidenschaft und Kundennähe erarbeitet hat.

Petra Röhrigs Bioladen in Schlüchtern ist kaum zu übersehen. „Biomarkt“ steht da in großen Lettern über der großen Fensterfront. Das Fachgeschäft für Naturkost und -kosmetik dahinter wählten die Leser von Schrot&Korn zum Besten Bio-Laden 2020. Es ist eine Auszeichnung, die sich Petra Röhrig vor allem mit viel Leidenschaft und Engagement erarbeitet hat; an der jedoch auch Lebensumstände und der Zufall beteiligt waren. Aber dazu später mehr.

Wer die B!Othek by Petra Röhrig in Schlüchtern betritt, findet auf den etwas mehr als 100 Quadratmetern ein großes Sortiment an Bio- und Reformwaren sowie Naturkosmetik. Alles steht übersichtlich und gut sortiert in maßgeschreinerten Regalsystemen aus Ahorn- und Olivenbaumholz. Dazwischen Aufsteller und kleine Tische mit Räucherstäbchen und Edelsteinmischungen, Postkarten, Naturkissen, Aroma- und Massageölen, Holzzahnbürsten und Thermosflaschen.

Petra Röhrig, Inhaberin der B!Othek: „Mit Roggen, Hafer oder Joghurt entsteht nicht unbedingt eine Kundenbindung.“

Regionalität ist wichtig

Direkt im Eingangsbereich stehen Säfte, Pasta und saisonale Waren von Herstellern aus der Region. „Wir merken ganz deutlich, dass die Kunden genauer darauf achten, wo die Produkte herkommen“, sagt Röhrig. „Regionalität ist superwichtig. Und wenn die dann auch noch bio ist, umso besser“. Schräg gegenüber stehen weitere Säfte von Voelkel, Rabenhorst und anderen Herstellern. Eine Fleisch- oder Käsetheke gibt es nicht. Stattdessen können sich ihre Kunden in einem Kühlschrank bei Molkereiprodukten, Aufstrichen oder Tofu bedienen.

Dass Petra Röhrig heute überhaupt in Schlüchtern einen Laden hat, verdankt die 52-Jährige auch der Hartnäckigkeit einer Kundin. Die kommt eines Tages in ihre B!Othek nach Fulda und erzählt von einem Reformhaus in Schlüchtern, das schließen wolle. Ob sie, Petra Röhrig, das nicht übernehmen wolle? Röhrig reagiert zunächst nicht. Doch die Kundin lässt nicht locker und bringt einige Zeit später bei einem Einkauf die Telefonnummer der Vermieterin mit.

Röhrig vereinbart einen Termin und fährt mit ihrem Lebensgefährten nach Schlüchtern. Sie schauen sich den Laden an, sprechen mit der Eigentümerin und werden sich einig. „Da hat einfach alles gepasst“, erinnert sie sich. Am 1. November 2011 eröffnet B!Othek Nummer zwei in der Gartenstraße. Zur Stammkundschaft gehört auch die über 100 Jahre alte Vermieterin. Nach deren Tod verlangt der neue Eigentümer mehr Miete ohne Gegenleistung. Röhrig schaut sich daraufhin nach einer Alternative um.

Regionale Produkte bereichern das Sortiment der BIOthek.

Kunden klopfen ans Fenster

Wie es der Zufall so will, steht in Schlüchtern zu jener Zeit genau ein Ladenlokal leer. Röhrig hat gleich ein gutes Gefühl und sagt zu ihrem Lebensgefährten: „Komm, wir probieren das.“ Im September 2016 zieht die B!Othek aus der Gartenstraße aus und Unter den Linden 30 ein. Anfängliche Bedenken wegen der Treppe, die zur Ladentüre führt, waren schnell vergessen. Für körperlich eingeschränkte Kunden sei das natürlich nichts, sagt Röhrig. Sie lies deshalb eine Klingel installieren. Oft klopften die Leute aber einfach ans Fenster, wenn sie es nicht die sieben Stufen hinauf in den Laden schafften. Dann bringen Röhrig oder eine Mitarbeiterin die Ware kurzerhand nach unten.

Bei der B!Othek steht der Kunde im Mittelpunkt. Dazu gehört für Petra Röhrig auch, ihren Laden mal 15 Minuten früher zu öffnen oder später zu schließen, wenn ein Kunde es zu den offiziellen Öffnungszeiten nicht zum Einkaufen schafft. Wenn nötig, bringen sie oder ihre Mitarbeiterinnen auch mal was bei Kunden vorbei. „Wir haben keinen dauerhaften Lieferservice. Aber wir machen Ausnahmen bei denjenigen, bei denen wir merken, dass es nicht anders geht“, sagt Röhrig. Und sie erzählt, dass sie bei Kundenfragen zu Produkten, die nicht direkt geklärt werden können, die Hersteller kontaktiert und deren Antwort dann weitergibt. „Das nehmen die Leute sehr dankbar an“, sagt Röhrig.

Die Treppe zum Eingang der B!Othek ist nichts für körperlich eingeschränkte Kunden. Röhrig oder eine Mitarbeiterin bringen die Ware dann kurzerhand nach unten.

Erfolg mit Warendreiklang

Auch bei der Aufnahme neuer Waren spielen die Kunden eine Rolle: Auf Nachfragen nach makrobiotischen Nahrungsmitteln und Haarseife reagierte Röhrig mit der Listung dieser Artikel. Inzwischen führt sie ein ganzes Makrobiotik-Sortiment und verkauft mehr Haarseife als Shampoos in Flaschen. „Für solche Anregungen bin ich immer total dankbar“, sagt Röhrig.

In der B!Othek werden im Wesentlichen drei Produktgruppen verkauft: Naturkost, Nahrungsergänzungspräparate und Naturkosmetikprodukte. Diesen Warendreiklang spielt Petra Röhrig ganz bewusst. „Mit Roggen, Hafer oder Joghurt entsteht nicht unbedingt eine Kundenbindung“, sagt sie. Bei Nahrungsergänzung oder Kosmetik, die man erklären müsse, sei das anders. „Wenn Kunden damit zufrieden sind, gehen die selten woanders hin.“

Wichtig sind für Röhrig deshalb besonders diejenigen Produkte, die Beratung brauchen und die darum nicht im konventionellen LEH angeboten werden können. Es ist ihre Strategie, sich gegen das dort wachsende Bio-Angebot zu behaupten. Und sie scheint zu funktionieren. Konkurrenz von Aldi, Lidl, Rewe und Tegut um sie herum spüre sie kaum, sagt Röhrig. Dennoch schaue sie regelmäßig dort vorbei, auch um zu sehen, „wie weit die dort schon bei Bio-Produkten sind“ und wie sie sich davon noch abheben könne.

Der Non-Food-Bereich macht einen wichtigen Teil des Sortiments aus.

Von der Restaurantfachfrau zur Bio-Einzelhändlerin

Kompetente Beratung ist neben der Kundenfreundlichkeit ein wichtiger Teil des Erfolgs der B!Othek. Darum halten sich auch ihre fünf Angestellten durch Weiterbildungen auf dem Laufenden. „Wir haben großes Glück mit unseren Mitarbeitern. Die ziehen und denken alle wunderbar mit“, sagt die Chefin und lebt das quasi vor. Denn Röhrig ist zwar Bio-Ladnerin mit Leib und Seele und kennt Reformhäuser schon von Kindesbeinen an. Ihren Weg zur Bio-Unternehmerin hat sie sich jedoch hart erarbeitet.

Röhrig lernt zunächst Restaurantfachfrau. Später wechselt sie in den Außendienst und macht in dieser Zeit eine Weiterbildung zur Handelsfachwirtin. Als ihre Mutter schwer erkrankt, suchen beide Rat bei einer Ernährungsexpertin. Die kann helfen und Röhrig beginnt daraufhin ein Fernstudium zur Ernährungsberaterin. Ihr Ziel: Ein eigener Bio-Laden, in dem sie auch kranke Menschen rund um gesundes Essen beraten möchte.

Und weil Gesundheit auch von außen komme, wie sie sagt, bildet sich Röhrig obendrauf noch zur Naturkosmetikerin weiter, um auch solche Produkte verkaufen zu können. All das macht sie ebenfalls zu ihrem Außendienst-Job. Ihre Abschlussprüfung legt sie ab kurz vor der Eröffnung ihres ersten Ladens in Fulda 2006, der Jahre später zum Besten Bio-Laden 2015 gewählt werden sollte. „Das war eine wahnsinnig harte Zeit“, erinnert sich Röhrig. Doch sie hat sich gelohnt.

Früher arbeitete Petra Röhrig im Restaurant, jetzt ist sie glücklich im eigenen Bioladen mit Naturkosmetik- und Non-Food-Sortiment.

Stets offen für Neues

Röhrig ist von der Ladnerin zur Filialistin geworden, ihre B!Othek gibt es neben Schlüchtern und Fulda auch in Hünfeld. An allen drei Standorten lässt sie sich immer wieder Aktionen und Events für ihre Kunden einfallen. Mal erklärt ein regionaler Imker, wie er Honig herstellt, mal zeigt eine Ölmanufaktur aus dem Umkreis, wie sie Öl aus Walnüssen presst. Zuletzt war Röhrig auch Teil eines Projekts von Studierenden der HS Fulda, bei dem man per App Punkte für umweltfreundliches Verhalten sammeln und in der B!Othek einlösen konnte. „Solche Sachen unterstützen wir total gerne“, sagt Röhrig.

Neben Events macht sie Werbung auf Facebook und Instagram. Der Aufwand lohnt sich, sagt sie. Einige Kunden seien schon in ihren Laden gekommen, weil sie auf Social Media etwas über die B!Othek gelesen hätten. Ihr Lebensgefährte kündigt neue Veranstaltungen zudem auf der B!Othek-Webseite an und kümmert sich auch sonst um viel, etwa um die Buchhaltung und das Personalwesen. „Das wäre sonst nicht zu schaffen“, sagt Petra Röhrig, die sowieso viel lieber im Laden bei ihren Kunden ist. „Der schlimmste Tag der Woche“, sagt sie, „ist für mich der Tag im Büro.“

Petra Röhrig (links) steht gerne im Laden.

Zahlen, Daten, Fakten

Inhaber: Petra Röhrig
Adresse: Unter den Linden 30, 36381 Schlüchtern
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 – 18, Samstag 10 – 13 Uhr
Verkaufsfläche: 105 Quadratmeter
Anzahl Mitarbeiter: 5 Mitarbeiterinnen auf 450-Euro-Basis
Großhändler: Rapunzel, Biogarten, Naturkost Elkershausen, Claus Reformwaren/Pural
Webseite: www.biothek-fulda.de
Social Media: Facebbook: facebook.com/BiothekbyPetraRoehrig / Instagram: biothek.fulda

Kommentare

Das könnte interessant sein ...

Ähnliche Beiträge