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„Praxishandbuch Bio-Lebensmittel“: Loseblattsammlung startet in die digitale Zukunft

Fachliteratur

Generationswechsel in der Fachliteratur: Das „Praxishandbuch Bio-Lebensmittel“, ein Standardwerk für die Akteure der Lebensmittelwirtschaft, hat zwei neue Herausgeberinnen. Lucia Scharl und Simone Gärtner wollen die Loseblattsammlung verjüngen – und langfristig auf Online umstellen.

Das „Praxishandbuch Bio-Lebensmittel“ aus dem Behr’s Verlag steht als Loseblattsammlung in den Bücherregalen vieler Branchenakteure. Ob Behörde, Bio-Verband, sei es bei Juristen, Händlern oder Herstellern – sie alle finden in diesem Nachschlagewerk Informationen zu den rechtlichen, technischen und organisatorischen Anforderungen bei der Herstellung, Verarbeitung, Vermarktung und Kontrolle von Bio-Lebensmitteln. 

Erstmals erschien das Standardwerk 1996, damals noch unter dem Titel „Handbuch Bio-Lebensmittel“. Seither hatte es namhafte Herausgeber wie Prof. Dr. Claus Leitzmann, Begründer der Vollwerternährung, Dr. Alexander Beck, Vorstand der Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller (AöL), Ulrich Hamm, Professor für Agrar- und Lebensmittelmarketing und Sylvia Pfaff, Gründerin des Food Information Service (FIS) Europe. Nun gibt's einen Generationswechsel.

Digitale Weiterentwicklung ist geplant

„Wir treten in große Fußstapfen“, sagen die beiden neuen Herausgeberinnen, Lucia Scharl, Fachanwältin für gewerblichen Rechtsschutz bei der Kanzlei Meisterernst, und Simone Gärtner, die bei der AöL für den Bereich Recht und Internationales zuständig ist.

Sie bezeichnen das Praxishandbuch als „bislang einzigartiges Werk, das sich exklusiv der Kommentierung des Bio-Rechts widmet und sowohl juristische Fachanwender als auch Praktiker in Unternehmen gezielt unterstützt“. 

Gemeinsam wollen die Herausgeberinnen das Handbuch fortan weiterentwickeln: Neben der Kommentierung aktueller gesetzlicher Entwicklungen sollen verstärkt praktische Hilfestellungen integriert werden, beispielsweise Musterlösungen für häufige betriebliche Fragestellungen, Hilfestellungen für Kontroll- und Zertifizierungsverfahren, Vorlagen für behördliche Korrespondenz sowie Best-Practice-Beispiele aus der Unternehmenspraxis“, heißt es. Insbesondere kleine und mittelständische Bio-Unternehmen könnten von einer noch stärkeren Praxisorientierung profitieren, so die Herausgeberinnen.

Auch die digitale Weiterentwicklung des Werkes spiele eine zentrale Rolle. Geplant sei der Ausbau des Online-Moduls um zusätzliche Arbeitshilfen wie Checklisten, Schulungsunterlagen, Musterkennzeichnungen oder Vorlagen für Zertifizierungsprozesse.

Wir haben die beiden Herausgeberinnen zu ihren Plänen und Zielen für das Praxishandbuch befragt. 

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Die Herausgeberinnen im Gespräch

Aus einem Kennenlernen auf der Biofach entstand eine rege gemeinsame Autorentätigkeit und Freundschaft: Lucia Scharl und Simone Gärtner.

Wie kamen Sie zur Herausgeberschaft?
Lucia Scharl: 2024 haben wir einen umfassenden Beitrag für das „Praxishandbuch Bio-Lebensmittel“ zur Green Claims Directive geschrieben. Es hat Spaß gemacht, mit den Redakteuren zusammenzuarbeiten. Wir haben gesehen, wie viel Potenzial in diesem Werk steckt und sind in einen näheren Austausch gekommen. Es hat sich dann zügig herauskristallisiert, dass wir die Herausgeberschaft übernehmen möchten.  

Simone Gärtner: Wir treten in große Fußstapfen. Unsere Vorgänger als Herausgeber waren zum Beispiel Robert Hermanowski, der langjähriger Leiter des FiBL war, oder auch mein geschätzter Chef, Dr. Alexander Beck. Es ist wie überall in der Biobranche: Die Pioniergeneration vollzieht den Generationswechsel – auch in der Fachliteratur. Wir haben viele frische Ideen für das Praxishandbuch und freuen uns total auf die Herausgeberschaft.

Wie kommt das Praxishandbuch zustande?
Lucia Scharl: Es ist ein Werk, an dem viele Autoren über Jahre hinweg gearbeitet haben. Wir haben ein Team von 65 Autoren, die themenbezogen schreiben und arbeiten mit Koryphäen aus der Biobranche zusammen. Wir haben vor, neue Experten mit einzubeziehen und den Autorenpool ein bisschen zu verjüngen. Und die Idee ist natürlich auch, das Werk langfristig auf Online umzustellen.

Der Vorteil ist, dass wir beide aus dieser Branche kommen. Ich decke den rechtlichen Bereich ab, denn ich bekomme viele von diesen aktuellen Themen in der alltäglichen Beratung mit. Ich habe einige Bio-Unternehmen, die ich bei verschiedenen Themen unterstütze, da kommt Input rein. Und wir haben das Redaktionsteam, mit dem wir uns immer austauschen zu den aktuellen neuen, spannenden Themen und Gesetzesänderungen. Und allgemein geht es um neue Initiativen und was die Branche bewegt. Wir haben gute Autoren, die auch selber in der Branche unterwegs sind und mit neuen Themen auf uns zukommen und dazu Beiträge schreiben wollen.

Simone Gärtner: AöL-seitig beobachten wir besonders die Gesetzgebungsprozesse rund um Bio. Durch den ständigen Kontakt mit den Unternehmen sind wir da immer nah dran. Wir bearbeiten die Themen, für die wir selbst Expertinnen sind. Andere Themen geben wir an Kollegen aus der Kontrolle, dem Import, aus dem Handels- oder Marketingbereich ab.  

In welchen zeitlichen Abständen gibt es Ergänzungen oder Aktualisierungen?
Simone Gärtner: Es gibt eine quartalsmäßige Ergänzung. Dadurch haben wir die Möglichkeit, immer aktuelle Themen einzupflegen. 

Wie benutzt man das umfassende Werk?
Lucia Scharl: Es richtet sich an Fachpublikum, an Unternehmen, Verbände, Anwälte. Das ist keine Sonntagslektüre (lacht). Man benutzt es bei der Arbeit. Zum Beispiel ich in meiner Rechtsberatung. Wenn ich einen Fall habe, sind die Kommentare im rechtlichen Teil relevant. Ein besonderer Mehrwert des Handbuchs ist die integrierte Urteilssammlung zum Bio-Recht, die relevante Gerichtsentscheidungen mit fachkundigen Kommentierungen und praktischen Handlungsempfehlungen verbindet. Je nachdem, was für einen Fall man hat, zieht man das Werk zu Rate, zitiert daraus und unterstützt damit seine eigene Argumentation, wenn man einer Behörde, einem Gericht etwas vorbringen will. Es ist tatsächlich das einzige reine Bio-Werk auf dem Markt. 

Gehören auch Hersteller zur Zielgruppe?
Lucia Scharl: Ja, wenn ich als Unternehmen Fragen zum EmpCo-Thema habe, etwa, ob das grüne Blatt auf meiner Verpackung zulässig ist, dann kann ich das nachlesen in einem Beitrag zu Green Claims. Wir greifen ja viele Themen rund um Import, die Beschaffung, das Qualitätsmanagement oder das Marketing von Produkten auf, die man punktuell heranziehen kann. Mit Hilfe von Mustertexten und Prüfschritten kann man sich selber heranasten und damit arbeiten.

Differenziert das Werk thematisch zwischen Bio im LEH und im Fachhandel?
Simone Gärtner: Da braucht es keine differenzierten Kapitel. Es funktioniert übergreifend für alle, die täglich mit Bioprodukten zu tun haben.  

Welches ist jeweils Ihr Lieblingsteil im Werk?
Lucia Scharl: Ich als Juristin finde die Kommentierung zur EU-Öko-Verordnung ganz toll. Das ist etwas, was mich in meiner alltäglichen Arbeit sehr unterstützt. Das liegt bei mir immer offen, wenn ich einen Fall bearbeite. Was ich auch sehr gerne mag, ist die Urteilsammlung.

Simone Gärtner: Bei mir ist es der Teil zur Verarbeitung.

Was fehlt Ihnen noch im Praxishandbuch? Was möchten Sie angehen?
Lucia Scharl: Wir haben vor, das Online-Modul weiter auszuarbeiten, nutzerfreundlicher zu gestalten und noch mehr Aktualität reinzubringen. Das ist sehr praktisch in der alltäglichen Arbeit. 

Für welchen Zeitraum ist denn Ihre Herausgeberschaft angelegt? Open End?
Simone Gärtner: Wir machen es jetzt einfach noch 25 Jahre und dann schauen wir, wie es uns gefällt (lacht). 

Zum „Praxishandbuch Bio-Lebensmittel“

Das „Praxishandbuch Bio-Lebensmittel“ erscheint seit 1996, zunächst unter dem Titel „Handbuch Bio-Lebensmittel“.
Seit dem Jahr 2004 erscheint das Werk unter seinem heutigen Titel als Loseblattwerk, zusätzlich sind Online-Module verfügbar.

Themen-Schwerpunkte des Werkes sind:

  • Recht und Kontrolle
  • Produktion und Verarbeitung
  • Internationaler Handel
  • Pflanzenschutzmittelrückstände
  • Vermarktung und Kennzeichnung

Verlag: Behr's Verlag
ISBN: 978-3-89947-109-0
Printwerk mit Newsservice: 99,50 Euro / Online-Version mit Jahreslizenz: 76 Euro

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