Die allgemeine wirtschaftliche Lage schlägt sich sowohl beim Fachhandel als auch bei seiner Kundschaft immer deutlicher nieder. Zwar halten sich die Bioläden unter diesen Rahmenbedingungen tapfer, aber sie tun sich schwer. Das belegen auch die Zahlen des BioHandel-Umsatzbarometers für das 1. Quartal 2026. Unter dem Strich steht ein Plus – doch das relativiert sich mit Blick auf die Inflationsrate. So konnten die Umsätze des Fachhandels um 1,3 Prozent zulegen, doch da die Inflationsrate im selben Zeitraum 2,2 Prozent betrug, ergibt sich letztendlich ein leichtes Minus von 0,9 Prozent auf bestehender Fläche.
März trotz Ostergeschäft mit geringer Steigerung
Am stärksten legte der Fachhandel im Januar mit 2,4 Prozent zu, es folgte ein schwacher Februar mit minus 0,3 Prozent, im März konnten die Läden dann wieder ein Plus von 1,7 Prozent verzeichnen. Da das Ostergeschäft in diesem Jahr nahezu komplett auf den März fiel, ist diese geringe Steigerung enttäuschend. Simon Döring, der die Zahlen des BioHandel-Umsatzbarometers erhebt, bestätigt: „Ein positiv-messbarer Effekt der Osterzeit auf den Fachhandel lässt sich aus dem Umsatzplus von 1,7 Prozent nicht wirklich erkennen“.
Im vergangenen Jahr hatten die Läden stärker von den Ostereinkäufen der Kundschaft profitiert: Da das Fest auf Ende April fiel, fanden diese auch in diesem Monat statt und bescherten dem Fachhandel ein Plus von 6,9 Prozent bei den Monatsumsätzen und 11,4 Prozent Steigerung der Tagesumsätze. Diesmal lagen sowohl die Tages- als auch die Monatsumsätze des Ostermonats März bei 1,5 Prozent.
Betrachtet man die Entwicklung des Weihnachtsgeschäftes in den vergangenen Jahren, so entsteht der Eindruck, dass der Fachhandel einstige „Selbstläufer“ wie einen Zuwachs durch die Einkäufe vor großen Feiertagen immer weniger für sich nutzen kann. So brachte der Dezember 2025 lediglich Tagesumsätze von plus 1,0 Prozent sowie einen Monatsumsatz von plus 6,2 Prozent ein. Das war zwar besser als im Jahr davor, als das Weihnachtsgeschäft mit einem Plus von nur 0,5 Prozent im Dezember praktisch keine Mehrumsätze zum Vorjahr brachte. Die Auswertung der Bons weist darauf hin, dass die Kunden ihre Feiertagseinkäufe inzwischen auch im LEH und in den Discountern ausreichend gut erledigen können.
Je größer die Ladenfläche, desto mehr Zuwachs
Verlierer in den ersten drei Monaten des Jahres waren vor allem die kleinen Geschäfte, die 2025 immer wieder recht positiv abgeschnitten hatten. Denn je größer die Ladenfläche, desto besser fiel diesmal auch die Umsatzbilanz aus: Während Läden mit einer Fläche von bis zu 100 Quadratmetern 3,5 Prozent an Umsatz verloren, kamen Läden zwischen 100 und 200 Quadratmetern auf ein Minus von 1,7 Prozent, Geschäfte von 200 bis 400 Quadratmeter Fläche legten leicht um 1,1 Prozent zu und ab 400 Quadratmetern standen im Durchschnitt 2,1 Prozent an Umsatzgewinn unter dem Strich.
Eine Ursache für die schwache Entwicklung des Fachhandels sieht Simon Döring im Rückgang der Kundschaft. „Es kommen immer weniger Kunden in die Läden. Dieser Trend hat sich schon im 2.Halbjahr 2025 angekündigt und setzt sich fort“, so der bio-Berater. Seinen Berechnungen nach ging die Zahl der Bons um 1,8 Prozent zurück – auch wenn die Bonhöhe leicht gestiegen ist. Zwar war der Kundenrückgang im März geringer als in den Vormonaten, doch das lässt sich mit dem Ostergeschäft erklären und könnte sich im nächsten Quartal wieder relativieren.
Die Umsätze im Fachhandel steigen derzeit also nur noch aufgrund von Preiserhöhungen. Döring: „Die Kunden gehen höhere Preise zwar – noch – mit, aber es werden eben weniger. Irgendwann wird der Bioladen bei all seinen Mehrwerten für den ein oder anderen zu teuer. Auch die Altersstruktur der Stammkunden spielt sicher eine Rolle.“
Angesichts der wirtschaftlichen Lage und der wieder steigenden Inflation sei diese Entwicklung wenig überraschend. Um weiter bestehen zu können, sieht der Berater für Bioläden derzeit zwei Möglichkeiten: Zum einen sollten die Geschäfte ihre Stammkundschaft pflegen und sich bewusst in der „Nische der Besserverdienenden und Idealisten“ bewegen. „Wenn keine neuen Kunden kommen, sind die verbleibenden noch wichtiger“, erklärt Döring. Gleichzeitig sollte sich der Fachhandel gerade jetzt viel aktiver um neue Zielgruppen kümmern. „Sofern es wirtschaftlich möglich ist, kann es durchaus lohnen, in Marketing zu investieren“, appelliert er an die Läden.
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