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Umsatzbarometer: Fachhandel immer stärker unter Druck

2. Quartal 2026

Die meisten Läden verlieren im 2. Quartal an Umsatz. Was jedoch schwerer wiegt: Der leicht gestiegene Bonwert reicht nicht mehr aus, um den Rückgang der Kaufvorgänge auszugleichen.

Lagen die Umsätze im ersten Quartal mit 1,1 Prozent noch leicht im Plus, verzeichneten die Monate April bis Juni bei den Tagesumsätzen ein Minus von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert. Somit ergibt sich für das gesamte erste Halbjahr nur noch ein rechnerisches Plus von etwa 0,4 Prozent auf bestehender Fläche. 

Die Bilanz des BioHandel-Umsatzbarometers für das zweite Quartal 2026 fällt damit ernüchternd aus. Denn laut Bio-Berater Simon Döring sinken nicht nur die Umsätze. Auch die Zahl der täglichen Einkäufe geht spürbar zurück.

Entwicklung bereitet Anlass zur Sorge

Für sich genommen wirkt das Umsatzminus des zweiten Quartals noch überschaubar. Sorge bereiten Döring jedoch der längerfristige Trend und die zunehmende Zahl der betroffenen Betriebe: „Rund drei Viertel der am BioHandel-Umsatzbarometer teilnehmenden Betriebe verlieren aktuell Umsatz“, erklärt er.

Zudem leidet der Fachhandel unter einem langsamen, aber stetigen Kundenrückgang: Die Zahl der erfassten Bons ging im zweiten Quartal um zwei Prozent zurück. Dagegen stieg der durchschnittliche Bonwert nur noch leicht um etwa 0,6 Prozent. Das bedeutet: „Die verbleibenden Einkäufe fallen zwar etwas größer aus. Sie reichen jedoch nicht mehr aus, um die sinkende Frequenz auszugleichen“, so Döring. 

Die Entwicklung der einzelnen Monate wirkt dabei zunächst wechselhaft: Im April lagen die Tagesumsätze 1,0 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im Mai stiegen sie um 2,0 Prozent, im Juni sanken sie um 3,5 Prozent. Bei den Monatsumsätzen war der Mai schwach und der Juni wiederum spürbar besser. 
Diese Verschiebungen lassen sich im Wesentlichen durch die unterschiedliche Lage der Feiertage erklären:

Das Ostergeschäft lag in diesem Jahr hauptsächlich im März, 2025 jedoch weitgehend im April, was das Minus im April als vermeintlich harmlos erklärt. Pfingsten wiederum lag 2025 im Juni, in diesem Jahr bereits Ende Mai. Dadurch verschoben sich mögliche Vorratseinkäufe vor dem langen Wochenende vom Juni in den Mai. Die einzelnen Monatswerte sind deshalb nur eingeschränkt miteinander vergleichbar.

1. und 2. Quartal 2026

Verkaufstage erklären das Minus des Quartals nicht

Das positive Ergebnis bei den Tagesumsätzen im Mai beruhte nicht auf mehr Kaufvorgängen, sondern vor allem auf einem höheren Bonwert. Und im Juni gingen dann sowohl die Kaufvorgänge pro Tag als auch der Bonwert zurück. Über das gesamte Quartal betrachtet, gab es 2025 und 2026 jeweils 72 Verkaufstage. Für Döring sind die Schwankungen einzelner Monate daher weniger entscheidend als der negative Quartalstrend. Bezieht man dann noch die Inflationsrate in die Betrachtung mit ein, steht unterm Strich ein spürbares reales Minus.

Umsatzentwicklung nach Fläche

Fachhandel profitiert nicht vom wachsenden Bio-Markt

Dabei ist der gesamte deutsche Bio-Markt zum Jahresbeginn noch messbar gewachsen. Es sind aber bekannterweise schon länger die Supermärkte, Discounter und Drogeriemärkte, die primär von diesem Trend profitieren. Mit günstigen Eigenmarken, langen Öffnungszeiten und einem breiten Mischsortiment bedienen sie die Bedürfnisse der meisten Zielgruppen. 

Der Fachhandel dagegen gerät bei der schlechter werdenden Verbraucherstimmung zunehmend unter Druck: Zwar stiegen die Preise für Nahrungsmittel zuletzt nicht mehr ganz so stark an, doch viele Kundinnen und Kunden achten weiter auf die eigenen Ausgaben und greifen im Zweifel zum vermeintlich günstigeren Bio im LEH.

Die zentrale Herausforderung ist inzwischen die sinkende Einkaufsfrequenz. „Der Fachhandel braucht einfach mehr Sichtbarkeit vor Ort und dazu Argumente, um die durchaus vorhandenen bioaffinen Menschen im Umfeld zu einem Besuch zu bewegen“, erklärt Döring. Erschwert wird das durch begrenzte Werbebudgets und die traditionelle Zurückhaltung der Branche beim Marketing.

Quartalsentwicklung nach Umsatzklassen

Einige Läden wachsen trotz schwierigem Umfeld

Einen kleinen Lichtblick liefern aktuell noch einige größere und ohnehin umsatzstarke Läden, welche die Erlöse weiterhin steigern können. Gut zehn Prozent der Läden schafften es sogar, sowohl die Zahl der Bons als auch den durchschnittlichen Bonwert zu erhöhen. Dabei spielen laut Döring vor allem Standort, Sortiment und Ladengröße eine Rolle. Entscheidend ist nach Dörings Einschätzung jedoch, das eigene Geschäftsmodell kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Dabei sei es wichtig, den konkreten Mehrwert des eigenen Ladens erkennbar zu machen, neue Zielgruppen anzusprechen und zugleich die eigenen Zahlen im Blick zu behalten, erklärt der Berater. Dann könne ein Geschäft durchaus auch im derzeit schwierigen Marktumfeld erfolgreich bestehen.

Die großen Unterschiede zwischen den teilnehmenden Betrieben zeigen nach Dörings Einschätzung, dass der Erfolg nicht allein von der allgemeinen Marktlage abhängt. Auch Standort, Sortiment, Marktauftritt und die Entscheidungen der Verantwortlichen spielen eine wichtige Rolle – und diese Faktoren können von den Menschen vor Ort zumindest in Teilen mitgestaltet werden.

Umsatzentwicklung nach Kategorie 

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