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„Die Marktbereinigung im Fachhandel wird weitergehen“

Interview

Das aktuelle Bio-Handel-Umsatzbarometer zeigt: Viele Läden des Fachhandels haben derzeit keinen leichten Stand. Bio-Berater Simon Döring, der die Zahlen erhebt, erklärt, wie Inhaber gegensteuern können und woran man erkennt, dass die Lage ernst wird.

Das jüngste BioHandel-Umsatzbarometer zeigt: Der Fachhandel gerät immer stärker unter Druck. Ist das den weltweiten Krisen geschuldet, oder zeigt sich hier eine langfristige Entwicklung?
: Meiner Ansicht nach spielt beides eine Rolle. Die wirtschaftliche Gesamtentwicklung und die Konsumstimmung ist insgesamt nicht gut, davon ist nicht nur der Fachhandel betroffen. Aber der Markt hat sich generell verändert – Bio ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Viele Läden müssen umdenken.

Ist das überhaupt für jedes Geschäft realistisch?
: Ehrlicherweise leider nein. Die Entwicklung der letzten Jahre hat bei vielen Spuren hinterlassen. Ich schätze, dass etwa 20 bis 30 Prozent der Läden grundlegende Schwierigkeiten haben und in ihrer Liquidität akut bedroht sind. Das eigentliche Drama spielt sich dabei oft im Stillen ab und betrifft vor allem die kleinen Läden im ländlichen Raum – aber es trifft inzwischen auch eigentlich etablierte mittelgroße Standorte.

Woran merkt man als Unternehmer, dass der eigene Laden nicht mehr funktioniert?
: Ein erstes weiches Alarmsignal ist es aus meiner Sicht, wenn der eigene Arbeitseinsatz über mehrere Monate nicht mehr im Verhältnis zu den Entnahmen steht. Der nüchterne Blick auf die Zahlen hilft, sich Dinge nicht schönzureden und ernsthafte wirtschaftliche Probleme frühzeitig anzugehen.

„Auch erzwungene Veränderungen bieten Chancen, Gewohntes zu hinterfragen und Neues zu schaffen.“

Was kann man tun, wenn solche Probleme erkannt werden?
: Am Anfang sollte immer die Frage stehen: Wie handlungsfähig bin ich noch? Man sollte sich die Zeit für eine ehrliche Analyse nehmen und sich auch grundsätzlich Gedanken zum Geschäftsmodell machen. Denkbar sind beispielsweise die Weiterentwicklung des gastronomischen Angebots oder auch die konzeptionelle Weiterentwicklung zu einem spezialisierten Fachgeschäft.

Wann wird es wirklich kritisch?
: Wenn die Kundenzahlen über mehrere Monate zurückgehen. Und wenn man bei der Bestellung zurückhaltender wird, weil man Angst vor der Lieferanten-Rechnung hat. Das letzte sichere Alarmzeichen ist, wenn man sich als Inhaber nichts mehr entnehmen kann oder gar eigenes Geld zuschießen muss.
Neben dem Geld ist aber ein weiterer Faktor entscheidend: Die eigene Energie, die man noch in den Betrieb stecken kann und will. Deshalb sollte man ehrlich seine Motivation hinterfragen: Brennt das unternehmerische Feuer noch, oder hat man nur Angst, loszulassen?

Was ist in einem solchen Fall ratsam?
: Wenn die Probleme überhandnehmen, sollte man sich in jedem Fall aktiv mit einer „Exitstrategie“ beschäftigen. Ein erster Ansprechpartner kann die IHK vor Ort sein, da bekommt man für solche Situationen zumindest eine erste juristische Hilfe. Wichtig ist, sich klarzumachen: Eine Ladenschließung ist keine persönliche Niederlage, sondern ein konstruktiver Ansatz, damit der Alptraum nicht ewig so weitergeht. Rechtzeitig die Notbremse zu ziehen, ist auch Teil unternehmerischer Verantwortung.

Lässt sich aus dieser Situation auch Positives ziehen?
: Auch erzwungene Veränderungen bieten Chancen, Gewohntes zu hinterfragen und Neues zu schaffen – unternehmerisch wie persönlich. Viele Händlerinnen und Unternehmer zeigen, dass Erfolg auch in schwierigen Zeiten möglich ist. Ich bin überzeugt: Mit Kreativität, Kooperation und gebündelten Kräften kann der Naturkosthandel seine Nische behaupten. 

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