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Bonzahlen: Ernüchterndes 1. Halbjahr

Branchenanalyse

Eine aktuelle Auswertung der Bonzahlen zeigt die große Herausforderung, vor der der Fachhandel derzeit steht: den Rückgang an Kundschaft zu stoppen.

Die aktuelle Auswertung von bioVista des ersten Halbjahres bestätigt, was sich bereits in der zweiten Jahreshälfte 2025 abzeichnete: Es kommen immer weniger Kunden in den Fachhandel. Im Schnitt fanden acht Kunden weniger pro Tag den Weg in die Läden – im Halbjahr zuvor waren es noch zwei Kunden weniger gewesen.


Diese Entwicklung zieht sich laut Fabian Ganz von bioVista durch nahezu alle Betriebstypen:

  • Die kleine Naturkostläden bis 99 Quadratmeter büßten als einzige im Vergleich zum Vorjahreszeitraum keine Kundschaft ein und blieben konstant bei 92 Kunden pro Tag.
  • Dagegen verloren die Naturkost-Fachgeschäfte (100 bis 199 Quadratmeter) fünf Kunden und verzeichneten 128 statt 133 Einkäufe.
  • Die Biofachmärkte (200 bis 399 Quadratmeter) büßten durchschnittlich vier Kunden pro Tag ein – 256 statt 260 Einkäufe im Vorjahreszeitraum.
  • Am stärksten traf es die Bio-Supermärkte (über 400 Quadratmeter) – zu ihnen kamen ganze 18 Kunden weniger, hier wurde im ersten Halbjahr 560 Mal pro Tag eingekauft, im Jahr zuvor waren es noch 578 Kunden, die den Laden besuchten.

Vergleich Januar bis Juni 2025 und 2026 (Werte gerundet)

Stagnierende Artikelzahl schafft keinen Ausgleich

Gleichzeitig stagnierte die Anzahl der Artikel pro Einkauf – sie ging von 6,9 auf 6,8 um 0,1 leicht zurück, und auch der Bonwert stieg mit 0,12 Euro (von 21,64 auf 21, 76 Euro) nur leicht an.

Die rückläufigen Kundenzahlen konnten also nicht durch größere Einkäufe ausgeglichen werden. Das wäre zum Beispiel der Fall gewesen, wenn die Menschen zwar seltener in die Läden gegangen wären, dafür aber mehr eingekauft hätten. Auch Feiertage wie Ostern oder Pfingsten konnten daran nichts ändern, Ausschläge nach oben – so wie früher – gab es nicht.

Kein Wunder also, dass die Umsätze im Fachhandel gerade rückläufig sind, wie auch das jüngste BioHandel-Umsatzbarometer zeigt: Danach verloren die meisten Läden im 2. Quartal an Umsatz, insgesamt ergab sich ein Minus von 0,8 Prozent. Für das erste Halbjahr kann der Fachhandel nur ein hauchdünnes Plus von 0,4 Prozent verbuchen – das sich aber ins Minus umkehrt, wenn man die Inflation dagegenrechnet.

Fabian Ganz verdeutlicht die Entwicklung am Beispiel der Bio-Supermärkte: Ihr durchschnittlicher Bonwert betrug im ersten Halbjahr dieses Jahres 20,62 Euro. Bei 17 Kunden weniger bedeutet das 350,54 Euro weniger in der Kasse – pro Verkaufstag.

Kunden haben sich an LEH und Drogerien gewöhnt

Damit ist klar: „Es müssen wieder mehr Kunden in die Läden kommen“, so Ganz. Eine schwere Aufgabe. „Die Kundschaft hat sich inzwischen daran gewöhnt, Bio im LEH und in den Drogerien einzukaufen“, erklärt der Marktforscher.

„Gerade an die Drogerien hat der Fachhandel viele junge Familien verloren“, betont er. Immerhin eine sehr interessante Zielgruppe. Und selbst die Discounter bieten längst eine große Auswahl an Verbands-Bio an.

Bio als USP ist Geschichte, das bekommt der Fachhandel immer deutlicher zu spüren. „Die Zahlen sind ernüchternd und zeigen in eine Richtung“, so Ganz. Er ist jedoch überzeugt, dass Bio-Läden noch viele Karten im Ärmel haben, die sie ausspielen können – und letztendlich auch müssen.

Stichwort Exklusivität: Wer sich spezialisiert, Sortimente anbietet, die es im LEH eben nicht gibt, kann Kundschaft anlocken. „Getreide, Flocken und Saaten sind ein Pfund, mit dem der Fachhandel wuchern kann“, nennt Ganz als ein Beispiel von vielen. Eines aber steht für ihn fest: Bio alleine reicht nicht mehr. 

Kommentare

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Natascha Becker

Das stimmt - wir haben den Fehler korrigiert. Danke für den Hinweis!

Laura Hauck

In die Zahlen der Bio-Supermärkte scheint sich ein Fehler eingeschlichen zu haben. ;)

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