Angesichts der weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen sind weiter gestiegene Bonwerte im ersten Halbjahr dieses Jahres eigentlich ein positives Signal. Und auch Fabian Ganz von Biovista, der die Kennzahlen für den Bio-Fachhandel zweimal im Jahr erhebt, sagt: „Durchschnittlich knapp 50 Cent mehr pro Einkauf, das ist schon sehr gut.“ Real lag der Bonwert im Schnitt bei 21,44 Euro, und betrug somit 2,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Das deckt sich auch in etwa mit den jüngsten Zahlen des BioHandel Umsatzbarometers – hier lagen die Zuwächse im ersten Halbjahr bei 2,4 Prozent. Wie bei den Umsätzen machten sich auch bei den Bonwerten die Verschiebungen der Feiertage bemerkbar: Ostern ließ die Zahlen – vor allem die der Kunden – in diesem Jahr erst im April ansteigen, Pfingsten sorgte dann noch einmal für einen Anstieg im Juni.
Noch ist kein echter Aufschwung sichtbar
Vergleicht man das durchschnittliche Wachstum allerdings mit der Inflationsrate, sieht man: Es reicht (noch) nicht für ein wirkliche Wende nach oben. Für einen realen Anstieg der Bonwerte müssten diese deutlich über der Inflationsrate liegen, aber: „Das ist kein echter Aufschwung“, sagt Fabian Ganz.
Sieht man sich die Ergebnisse von Biovista genauer an, sieht man: Die durchschnittliche Anzahl der gekauften Artikel hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kaum verändert und auch die Zahl der Kunden ist nur sehr leicht gestiegen – im Schnitt waren im ersten Halbjahr pro Verkaufstag zwei Kunden mehr in den Geschäften. Allerdings hatten nur die größeren Fachmärkte ab 200 Quadratmetern mehr Kundschaft – hier waren es im Schnitt fünf Kunden mehr – und die Bio-Supermärkte ab 400 Quadratmetern mit durchschnittlich zwei Kunden mehr. Kleine Naturkostläden und Naturkost-Fachgeschäfte konnten keinerlei Zuwachs an Kundschaft verzeichnen.
Hierfür können laut Fabian Ganz mehrere Faktoren verantwortlich sein. Etwa die bessere Warenverfügbarkeit, die Sortimentsbreite sowie günstigere Preise in den größeren Läden. „Da spielt auch der Wettbewerb untereinander eine Rolle“, so Ganz. Zudem seien größere Fachgeschäfte und Supermärkte für Neukunden ein einfacherer Einstieg in den Fachhandel als kleine Läden mit einer oft sehr direkten persönlichen Ansprache – die Stammkunden natürlich gerade sehr schätzen.
Marken haben keinen Besonderheitswert mehr
Und nicht zuletzt hat auch das ureigene Fachhandelssortiment seinen Besonderheitswert verloren: „Im Vergleich zu den Vorjahren lässt sich eine Erodierung der Fachhandelstreue beobachten. Es gibt kaum noch Marken, die die Kundschaft nicht auch anderswo findet“, fasst Ganz die Situation zusammen.
In Anbetracht dessen sei die Entwicklung auch bei den kleinen Läden durchaus in Ordnung: „Sie haben immerhin keine Kunden verloren.“ Der Trend, dass immer mehr kleine Fachgeschäfte aufgeben und nur noch große Märkte neu eröffnen, dürfte sich so allerdings nicht aufhalten lassen.
Die derzeitige Situation sei für Händler wie Hersteller nicht leicht, „da ist eine stabile Entwicklung schon positiv zu sehen“. Für die kommenden Monate rechnet Fabian Ganz weder mit positiven noch negativen Ausschlägen, was die Zahlen für den Fachhandel angeht, sondern eher ein allmähliches „Rauskriechen aus der Krise“.
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