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Erfolgreich mit Bio handeln.

Wie steht es um den Bio-Fachhandel?

Ladenstatistik 2025

Die aktuelle BioHandel-Ladenstatistik zeigt: Auch 2025 wurden wieder deutlich mehr Bioläden geschlossen als neu eröffnet. Dabei konnten sie laut des vorläufigen Betriebsvergleichs mehr Gewinn erzielen als im Jahr davor.

Bio boomt: 2025 erzielte der deutsche Handel mit Bio-Lebensmitteln einen Rekord-Umsatz von 18,23 Milliarden Euro – ein Anstieg um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch der Fachhandel kann davon nicht profitieren, die Anzahl der Bioläden in Deutschland geht weiter zurück. Das zeigt die aktuelle BioHandel-Ladenstatistik.

Damit setzt sich die Marktbereinigung fort, die Bio-Berater Simon Döring schon seit einiger Zeit beobachtet. Er erhebt unter anderem die Zahlen für das BioHandel Umsatzbarometer. Diese zeigen, dass etwa die Hälfte der teilnehmenden Läden überdurchschnittlich gute Umsätze generiert, während die andere Hälfte eher schlecht dasteht.

Zwar schlossen laut Ladenstatistik im vergangenen Jahr nicht mehr ganz so viele Geschäfte wie 2024 – insgesamt machten 76 Geschäfte endgültig zu, das Jahr davor hatte mit 89 Schließungen einen traurigen Rekord aufgestellt. Dem gegenüber standen aber nur 15 Läden, die neu aufmachten – 2024 waren es immerhin noch 19 gewesen.

Veränderung Anzahl der Läden absolut

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Mehr als die Hälfte der Neueröffnungen sind Filialen

Somit schrumpfte der Fachhandel 2025 auf 1.895 Läden gegenüber 1.974 im Jahr 2024. Ohne die Filialisten – und hier vor allem Denns – wären es noch weniger: Denns eröffnete sieben neue Filialen, Alnatura immerhin zwei, damit machen die beiden schon gut die Hälfte aller Neueröffnungen aus.

Bezeichnenderweise eröffneten die meisten Läden mit einer Fläche von mindestens 400 Quadratmetern (9), während von den Schließungen alle Flächengrößen betroffen waren – mit 25 machten allerdings am meisten Geschäfte zwischen 100 und 399 Quadratmetern dicht.

Dass die Lage nicht nur für inhabergeführte Geschäfte schwierig ist, zeigt sich auch bei den Filialisten. Außer den beiden größten, Denns und Alnatura, eröffnete keiner neu. Bio Company, der drittgrößte deutsche Filialist, schloss sogar zwei Standorte und hatte Ende 2025 insgesamt 58 Filialen. Denns führt das Filialisten-Ranking nach wie vor mit großem Abstand an: Nach den Neueröffnungen, sechs Übernahmen und acht Schließungen hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr mit 378 Läden unterm Strich acht mehr als 2024. Alnatura kam auf 154 Filialen – zwei mehr als 2024.

Öffnungen und Schließungen der Filialisten 2025

Wo die meisten Bioläden schließen

Schaut man auf die Entwicklung in den einzelnen Regionen, führt Nordrhein-Westfalen mit 18 Läden das Feld der Schließungen an (ebenso wie 2024 mit 17 Läden), es folgen Bayern mit 17 und Baden-Württemberg mit 10 Geschäften. Somit stehen die meisten Bioläden immer noch in Bayern (399) vor Baden-Württemberg (327) und Nordrhein-Westfalen (276).

In Ortschaften bis 25.000 Einwohner schlossen dabei mit 37 die meisten Läden – hier gab es aber auch mit 12 Geschäften die meisten Neueröffnungen. Am konstantesten zeigten sich Städte zwischen 100.000 und 500.000 Einwohner, hier schlossen mit 12 die wenigsten Geschäfte.

Bio-Berater Simon Döring sieht den Fachhandel aktuell in einem Spannungsverhältnis zwischen Fortschritt und Druck. Er bewege sich aktuell in einem weiterhin sehr dynamischen Umfeld, das von allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheiten, politischen Rahmenbedingungen und strukturellen Veränderungen im Markt geprägt sei. 

Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Unternehmerinnen und Unternehmer. „Es reicht immer weniger aus, im operativen Alltag zu funktionieren“, so Döring. Entscheidend sei vielmehr die bewusste und kontinuierliche Arbeit am eigenen Unternehmen: Prozesse, Strukturen, Sortimente und die eigene Marktposition müssten aktiv hinterfragt und weiterentwickelt werden.

Öffnungen und Schließungen 2025 nach Ortsgrößen

Handelsspanne der Bioläden verbessert sich weiter

Zwar weisen die vorläufigen Ergebnisse aus dem SDS-Betriebsvergleich für den Naturkostfachhandel auf eine leicht positive Entwicklung bezüglich der wirtschaftlichen Situation bei den teilnehmenden Betrieben hin. Doch die Läden sind neben den oben genannten Herausforderungen auch mit steigenden Kosten und der Erhöhung des Mindestlohns konfrontiert.

Und auch wenn die Geschäfte ihre Umsätze im Jahr 2025 um durchschnittlich 2,1 Prozent steigern konnten, ist dieses Plus laut Döring im Wesentlichen auf gestiegene Preise zurückzuführen und nicht auf einen höheren Produktabsatz. Das wiederum deutet darauf hin, dass viele Händlerinnen und Händler  Preiserhöhungen erfolgreich am Markt durchsetzen konnten. 

Auch die Handelsspanne der Läden hat sich weiter verbessert, wie aus dem jüngsten Betriebsvergleich hervorgeht. Nicht zuletzt deshalb, weil es ihnen gelang, die anteiligen Gesamtkosten etwas zu reduzieren. Somit lag das Betriebsergebnis 2025 im Durchschnitt bei 5,4 Prozent.

Doch Döring hat beobachtet, dass sich die Entwicklung im zweiten Halbjahr 2025 spürbar eingetrübt hat: Während die Kundenfrequenz in der ersten Jahreshälfte noch leicht positiv tendierte, ist sie in den folgenden Monaten zurückgegangen. Dies sei noch kein unmittelbares Alarmsignal, so Döring, sollte aber aufmerksam beobachtet werden.

Denn wenn die Kundschaft über einen längeren Zeitraum ausbliebe, sei es erfahrungsgemäß mit erheblichem Aufwand verbunden, sie zurückzugewinnen. „Zudem bewegt sich der Fachhandel weiterhin in seiner Kundennische und hat offensichtlich Schwierigkeiten, neue Zielgruppen für den Einkauf im Bioladen zu begeistern“, erklärt Döring.

Öffnungen und Schließungen 2025 nach Größenklassen

Warum Bioläden mehr in Marketing investieren sollten

Daher sieht er die Betriebe gefordert aktiv zu werden, um den Absatz zu steigern und neue Kunden zu akquirieren. Nur so könnten sie sich ein für die Zukunft tragfähiges Wachstum sichern. Als Beispiel nennt Döring Marketing und Werbung. Hierfür geben die Läden im Durchschnitt 0,7 Prozent des Umsatzes aus.

Neben kreativen Events und anderen kostenneutralen Werbemaßnahmen seien aber in der Regel zusätzliche Investitionen notwendig, um die eigene Sichtbarkeit um den jeweiligen Standort zu erhöhen. Junge Menschen könne man etwa vor allem über Social-Media von den eigenen Stärken überzeugen.

„Gerade in Bereichen wie Marketing und Kundenansprache sollte nicht ausschließlich unter dem Aspekt der Kosteneinsparung entschieden werden“, warnt Döring. Vielmehr gehe es darum, gezielt dort zu investieren, wo langfristig Wirkung entsteht, etwa zur Stärkung der eigenen Marktposition.

Für wirtschaftlichen Erfolg muss ein Einzelhändler vor allem die Erträge bewusst steuern, sagt Döring. Die aktuelle Entwicklung zeige, dass es auch unter schwierigen Rahmenbedingungen möglich sei, durch eine durchdachte Mischkalkulation und ein klares Verständnis für den Wert der eigenen Produkte die eigene Wertschöpfung weiter zu verbessern.

Bio-Fachhandel setzt auf zahlungsbereite Kundschaft

„Der Naturkostfachhandel wird sich nur in Einzelfällen auch über niedrige Preise profilieren können – er zielt mit seiner überdurchschnittlichen Leistung eben auch auf Zielgruppen mit entsprechender Zahlungsbereitschaft“, erklärt der Berater. Und die Ergebnisse aus 2025 deuteten darauf hin, dass viele Kunden das Angebot der inhabergeführten Läden wertschätzten und angemessene Preiserhöhungen durchaus akzeptierten. 

So konnten die Läden laut Betriebsvergleich ihre Handelsspanne im vergangenen Jahr leicht verbessern. Sie stieg bei den teilnehmenden Betrieben von 36,6 auf 36,9 Prozent und setzt damit den positiven Trend der Vorjahre fort.

„Diese Entwicklung zeigt, dass viele Händlerinnen und Händler ihre Preissetzung und Sortimentsgestaltung zunehmend aktiv steuern und die vorhandenen Spielräume gezielt nutzen“, erklärt Döring, „und gerade in einem Marktumfeld, in dem Umsatzsteigerungen nicht mehr selbstverständlich sind, gewinnt die Arbeit an der eigenen Spanne weiter an Bedeutung“.

Ein wesentlicher Punkt hierbei sind die Personalkosten. Sie stiegen im Jahr 2025 weiter an und liegen nun bei 20,4 Prozent vom Umsatz. Ursache hierfür ist laut Simon Döring in der Regel kein Ausbau der Personalstrukturen, sondern vor allem die notwendige Anpassung der Löhne auf weiterhin vergleichsweise niedrigem Niveau.

Bioläden steigern die Personalleistung

„Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass es vielen Betrieben gelungen ist, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ihres bestehenden Teams weiter zu steigern“, so Döring. Denn die rechnerische Personalleistung erhöhte sich im vergangenen Jahr deutlich auf 183.425 Euro pro Vollzeitkraft. Das deutet darauf hin, dass Prozesse weiter optimiert und vorhandene Ressourcen effizienter genutzt wurden, ohne dabei zusätzliche personelle Kapazitäten aufzubauen.

Mit Blick auf die kommenden Jahre dürfte dieser Bereich weiter an Bedeutung gewinnen. Insbesondere die aktuellen und geplanten Anpassungen beim Mindestlohn werden laut Döring zusätzlichen Druck auf die Kostenstrukturen ausüben und erfordern eine vorausschauende Planung sowie eine konsequente Weiterentwicklung der betrieblichen Organisation.

Denn neben den Inhabern sind es vor allem die Mitarbeitenden, die einen Bioladen mit Leben füllen und dessen Atmosphäre prägen. Daher werden eine funktionierende und wertschätzende Unternehmenskultur, klare Prozesse sowie eine kontinuierliche Weiterentwicklung der internen Abläufe künftig noch wichtiger werden.

Betriebsvergleich: Nutzung der Umsätze 2025

Gesamtkosten konnten leicht reduziert werden

Der Anteil der Gesamtkosten am Umsatz sank im vergangenen Jahr von 32 auf 31,5 Prozent. Während zentrale Kostenblöcke wie Raumkosten (4,6 Prozent), Marketingausgaben und Zinsen (0,1 Prozent) weitgehend stabil geblieben sind, konnten die Betriebe bei den übrigen Kosten Einsparpotenziale nutzen.

„Diese Entwicklung ist grundsätzlich positiv und zeigt, dass viele Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Kostenstrukturen aktiv überprüfen und vorhandene Optimierungsmöglichkeiten konsequent nutzen“, erklärt Döring. Doch dieser Weg stoße langfristig an Grenzen. Denn eine nachhaltige wirtschaftliche Stabilität lasse sich nicht allein durch Kostensenkungen erreichen.

Insgesamt konnten die Läden ihre betriebswirtschaftlichen Ergebnisse 2025 etwas verbessern, der Cashflow stieg von 5,8 im Jahr zuvor auf 6,4 Prozent – eine positive Entwicklung bei Spanne und Kostenstruktur.

Betriebsvergleich: Entwicklung der Kosten 2025/2024

Wirtschaftlicher Spielraum ist weiterhin begrenzt

Gleichzeitig zeigt ein Blick auf die Entnahmen, dass der wirtschaftliche Spielraum vieler Betriebe weiterhin begrenzt ist: Im Durchschnitt entnehmen Inhaberinnen und Inhaber rund 3,9 Prozent des Umsatzes für ihren Lebensunterhalt. Nach Berücksichtigung dieser Entnahmen sowie der notwendigen Abschreibungen verbleibt damit ein rechnerisches Ergebnis von etwa 1,5 Prozent vom Umsatz.

Gerade für kleinere und umsatzschwache Betriebe bleibt die wirtschaftliche Situation trotz aller Verbesserungen also weiterhin angespannt. Denn sie bewegen sich oft in einem engen Rahmen, der nur begrenzte finanzielle Spielräume zulässt.

So zeigt der Betriebsvergleich, dass die Strukturen der Läden im Durchschnitt zwar stabil und betriebswirtschaftlich tragfähig sind. Doch die erzielten Ergebnisse reichen in vielen Fällen kaum aus, um nennenswerte Rücklagen aufzubauen oder größere Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen.

Simon Döring prognostiziert, dass Betriebe die nicht in der Lage oder Willens sind,  größere Veränderungen in ihren Prozessen, Leistungen und bei ihrem Marktauftritt vorzunehmen, weiter unter Druck geraten. Läden, denen es dagegen gelingt, aktiv zu handeln, sich klar an ihrem Standort zu positionieren und ihre Kundschaft gezielt anzusprechen, könnten optimistisch in die Zukunft schauen.  

Kommentare

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Michael Radau

Bei den Personalkosten ist die Steigerung 0,5% und nicht 2,5%.
Außerdem muss man bei den PK unbedingt differenzieren ob der Unternehmerlohn eingerechnet ist oder der Gewinn als Unternehmerlohn gilt.
Sonst ist eine Vergleichbarkeit nicht möglich.
Herzliche Grüße
Michael Radau

Redaktion BioHandel

Lieber Michael Radau,
vielen Dank für den Kommentar und das kritische Nachfassen!
In der Tabelle werden in allen Zeilen jeweils die relativen Steigerungsraten und nicht die veränderten Prozentpunkte angegeben. Die 2,5% beschreiben also die relative Veränderung der Mitarbeiterkosten von 19,9% auf auf 20,4%. Und der Unternehmerlohn wird in der Tabelle unter "Inh.Entnahmen / GF-Gehalt" für sich selbst ausgewiesen. Absolut richtig, dass man diesen Punkt in den Personalkosten immer berücksichtigen sollte.
Wir hoffen, diese Ergänzung hilft weiter.
Viele Grüße
BioHandel-Redaktion

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