Der vorsichtige Aufwärtstrend setzt sich nach Jahren der teils schmerzlichen Rückgänge und Unsicherheiten auch im Jahr 2024 fort. So konnten die am SDS-Betriebsvergleich teilnehmenden Biomärkte und Bioläden ihre Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 3,2 Prozent steigern. Bei leicht steigenden Kundenzahlen wurden auch die Erträge verbessert.
Der Naturkosthandel hat ökonomisch wieder Tritt gefasst – steht aber aufgrund steigender Kosten teilweise weiterhin unter Druck. Trotz der bestehenden unternehmerischen Herausforderungen fällt das Fazit der Jahresauswertung positiv aus: Cashflow und das durchschnittliche Betriebsergebnis zeigen sich leicht verbessert.
Die Jahre 2021 und 2022 waren geprägt von teils zweistelligen Umsatzrückgängen und steigenden Kosten. 2023 brachte eine erste Erholung, die sich 2024 weiter fortsetzt: Auch inflationsbereinigt bleibt in diesem Jahr ein reales Wachstum, dabei ist besonders positiv die zumindest leicht zunehmende Zahl der Kundinnen und Kunden zu bewerten.
Sortimentsverschiebungen zeigen Schwerpunkte
Der Frischeanteil steigt erneut auf jetzt 61,1 Prozent, während das Trockensortiment mit jetzt 32,3 Prozent Umsatzanteil weiterhin an Bedeutung verliert – ein Zeichen dafür, dass Bioläden und Fachmärkte ihren Fokus konsequent auf die Kernsortimente wie Obst und Gemüse, Käse, Fleisch und Wurst legen und gastronomische Angebote wie Bistro und Imbiss an Bedeutung gewinnen. Hier wird deutlich: Der Fachhandel sollte weiterhin dort Schwerpunkte setzen, wo er bei seinen Kundinnen und Kunden und gegenüber den Bio-Angeboten im LEH offensichtlich punkten kann.
Parallel dazu steigern sich auch Naturwaren erstmals seit Jahren wieder leicht und erreichen einen Anteil von 6,6 Prozent. Während Kosmetik weiterhin kontinuierlich an Boden verliert und inzwischen nur noch 2,6 Prozent am Umsatz ausmacht, wächst der Bereich „sonstige Waren“ stetig – aktuell auf 2,3 Prozent. Auch Nicht-Lebensmittelprodukte wie Kochbücher, Produkte für den Unverpackt-Einkauf oder andere Zusatzsortimente bieten also durchaus die Chance auf ein individuelles Profil und zusätzliche Erträge.
Die realisierte Handelsspanne zeigt sich mit durchschnittlich 35,2 Prozent leicht verbessert und bestätigt damit das Niveau der letzten Jahre als Benchmark. Gerade in Zeiten schwacher Umsatzdynamik wird die Ertragskraft über die Spanne zu einer zentralen Stellschraube für den Fachhandel: Sofern Kalkulation und Preisniveau stimmen, können sich Betriebe auch bei stagnierenden Erlösen erfolgreich weiterentwickeln. Den teilnehmenden Unternehmen gelingt es, die besondere Wertigkeit im Sortiment und in der Preisgestaltung sichtbar zu machen und den Kundinnen und Kunden auch zu vermitteln.
Personalkostenanteil sinkt, Mindestlohn wirft Schatten
Die Personalkostenquote sinkt leicht auf 19 Prozent. Die Ursache für diesen umsatzanteiligen Rückgang liegt vor allem in den gestiegenen Erlösen, weniger in spürbaren Anpassungen in der Struktur. Pro Vollzeitkraft liegt die rechnerische Personalleistung mit 172.880 Euro inzwischen auf dem historisch hohen Level aus der Coronazeit. So bleibt der Personalkostenanteil der größte Kostenblock im Fachhandel – und für vorausschauende Unternehmer stellt sich jetzt schon die Frage, wie die durch den in den nächsten Jahren schrittweise erhöhten Mindestlohn absehbar steigenden Ausgaben wirtschaftlich aufgefangen werden können.
Die Raumkosten liegen 2024 stabil bei 4,3 Prozent vom Umsatz, auch bei den übrigen Handlungskosten gibt es keine größeren relevanten Veränderungen. Hervorzuheben sind allerdings die mit nur 0,7 Prozent geringen Ausgaben für Marketing: Der Fachhandel agiert hier traditionell eher zurückhaltend. Allerdings sollte Werbung nicht nur als Kostenpunkt betrachtet werden, sondern auch als Investition in die Zukunftsfähigkeit des eigenen Geschäftsmodells.
Wer neue Zielgruppen – etwa jüngere Kundinnen und Kunden – ansprechen will, kommt an professioneller Kommunikation nicht vorbei. Etwas mehr unternehmerischer Mut und Budgets für gezielte Kampagnen wäre in vielen Fällen durchaus empfehlenswert.
Betriebsergebnis und Rendite auf niedrigem Niveau verbessert
Mit 4,6 Prozent liegt das Betriebsergebnis leicht über dem Vorjahr. Auch der Cashflow steigt auf 5,9 Prozent – ein solider Wert, der betriebswirtschaftliche Stabilität signalisiert. Doch nach Abzug von Entnahmen und Geschäftsführergehalt verbleibt im Schnitt ein Überschuss von nur 0,8 Prozent. Das entspricht rechnerisch zwar einer deutlichen Steigerung zum Vorjahr, ermöglicht aber weiterhin kaum echte unternehmerische Spielräume für Investitionen aus eigener Kraft.
Besonders kleine Bioläden haben oftmals Schwierigkeiten, aus dem laufenden Tagesgeschäft die ausstehenden Tilgungsraten zu bedienen oder gar Rücklagen zu bilden. Angesichts des schwierigen Marktumfeldes spiegeln die verbesserten Ergebnisse aber eine respektable kaufmännische Leistung.
Und wie geht’s weiter? Der Markt bleibt anspruchsvoll: Der Wettbewerb für Bio-Lebensmittel wird weiter zunehmen, die Kundenerwartungen verändern sich, die Anforderungen an Profil, Services und Sortimentstiefe wachsen. Der Fachhandel sollte sich auf seine Stärken konzentrieren und diese auch in der Kommunikation aktiv herausstellen. Gleichzeitig gilt es, die eigenen Kostenstrukturen im Blick zu halten.
Neben der Ertragssteuerung bleiben Teamführung und effizientes Arbeiten weiterhin entscheidende Erfolgsfaktoren. Der Betriebsvergleich zeigt: Es ist durchaus möglich, auch in schwierigen Zeiten erfolgreich zu wirtschaften. Und wem es gelingt, auch aktiv an (und nicht nur in) seinem Geschäftsmodell zu arbeiten, kann durchaus optimistisch in die Zukunft blicken.
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