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So bringen Bioläden den Trend zum langen Leben ins Regal

Spezial Longevity

Wer einen Bioladen betreibt, kann den Trend zu einem gesunden, langen Leben gezielt aufgreifen. Doch wie? Unsere Autorin hat Ladner und Großhändler gefragt. 

Für viele Bioläden ist Longevity bislang höchstens ein Schlagwort für etwas, das ihr Sortiment ohnehin widerspiegelt: Gesunde, nährstoffreiche Produkte für ein gutes, langes Leben. Doch der Trend hat längst die Regale erreicht, sagt Fabian Ganz, Vertriebsleiter beim Marktforschungsdienstleister Biovista: „2025 gehörten zu den Top-Ten-Produktkategorien im Fachhandel mitunter Milchprodukte mit aktiven Kulturen, leichte Mineralwässer, Enzym-Getränke wie Kombucha und Nahrungsergänzungsmittel (NEM). All diese Produkte passen zum Thema Gesundheitsbewusstsein und Longevity.“

Warum Longevity zum Bio-Fachhandel passt

Den NEM-Trend beobachtet Ganz seit der Coronapandemie. „Sowohl die Absätze als auch die Umsätze mit Produkten mit Omega3, Zink, Magnesium und Co. wachsen im Fachhandel kontinuierlich, während die meisten anderen Trockenprodukte eher stagnieren“, sagt der Experte für Sortimentsoptimierung. Dabei waren NEM lange Zeit vor allem ein Reformhausthema.

 „Diese Produkte sind erst relativ spät in den Bioläden gelistet worden“, sagt Christoph Gerhard, Sortimentsberater des Großhandels-Netzwerks „Die Regionalen“. Viele Bios hätten sich lange mit der Annahme begnügt, dass in Biolebensmitteln per se mehr Vitalstoffe stecken als in konventionellen Produkten. „Nahrungsergänzungsmittel waren hier lange Zeit geradezu verpönt. Doch das hat sich geändert – womöglich auch weil sich immer mehr Menschen rein pflanzlich ernähren und mit Supplements ernährungsbedingte Mängel ausgleichen möchten“, vermutet Gerhard. 

Nahrungsergänzungsmittel gewinnen an Bedeutung 

Den Longevity-Trend sieht er als Chance für Bioläden, sich zu profilieren. „Die Zielgruppe, die sich für ein gesundes, langes Leben interessiert, kauft ja bereits bei uns ein. Wir müssen uns also nicht neu erfinden“, ermutigt er. Die Frage sei nur, wie aktiv Ladnerinnen und Ladner den Trend nutzen. Gerhard findet: wo Gesundheit drin steckt, darf auch Gesundheit draufstehen. „Die Gründe, warum Menschen zu Bio-Produkten greifen, haben sich über die Jahrzehnte verschoben. Wo früher die Gesundheit des Planeten im Vordergrund stand, wird es heute immer wichtiger, gut für sich selbst zu sorgen“. 

Gerhard verweist auf den Trend zur Reduzierung oder Vermeidung von Alkohol, was unmittelbar mit einem erhöhten Gesundheitsbewusstsein zu tun habe. „Gleichzeitig haben die Menschen immer weniger Zeit für gesunde Ernährung. Deshalb wachsen gesunde Convenience-Produkte besonders stark. Ein Ingwer-Shot hier, ein Pülverchen dort: Schnell und gesund ist eine Kombination, die am Markt funktioniert“, so Gerhard.

Longevity im Bio-Fachhandel auf einen Blick

  • Longevity rückt Gesundheit und Prävention stärker in den Fokus.
  • Viele Bioläden führen bereits passende Produkte.
  • Gesundheitskommunikation gewinnt an Bedeutung.
  • Sichtbarkeit am POS kann zusätzliches Verkaufspotenzial schaffen.
  • Der Begriff „Longevity“ muss nicht im Mittelpunkt stehen. Wichtiger ist eine glaubwürdige Ansprache der Kundschaft.

So können Bioläden den Trend sichtbar machen

Doch muss man diesen Trend nun unbedingt Longevity nennen? Nein, findet Gerhard – aber es schadet nicht, auf den Wunsch nach mehr Gesundheit gezielt einzugehen. In dem Zusammenhang erinnert er an die Anfänge des Vegan-Trends: „Damals kamen immer mehr Kundinnen und Kunden in unsere Läden und fragten, ob es hier auch vegane Produkte gebe. Davon gab es sogar sehr viele – aber die meistgesuchten Artikel wie etwa Mandelmus waren nicht gut sichtbar platziert“, sagt Gerhard und warnt: „Wenn Trends bloß bedient, aber nicht sichtbar gemacht werden, geht Verkaufspotenzial verloren.“ Damit das bei Longevity nicht passiert, rät er zu gezielter Platzierung, Cross-Promotion und Event-Marketing – aber bitte ohne erhobenen Zeigefinger. 

Gesundheitsprodukte gezielt platzieren und kombinieren

„Bioläden können ihren Kunden glaubwürdig vermitteln: Wir unterstützen euch bei einer guten Lebensführung. Zum Beispiel, indem sie gesundheitsfördernde Produkte klug zusammenstellen – und zwar nicht nur Superfood-Pulver und -Kapseln“, sagt Gerhard. Man könne auch Nahrungsergänzungsmittel zu einem bestimmten Gesundheitsaspekt – etwa Darmgesundheit, besserer Schlaf, Stärkung des Immunsystems – mit regulären Lebensmitteln clustern. „Darunter gerne auch frische Produkte, um KapselKritiker abzuholen. Und Bücher oder Vorträge können ergänzend Aufklärung bieten,“ schlägt er vor.

Praxisbeispiel: So setzt die Kornblume Gesundheit im Laden um

Bioladner Simon Brinker hat den Longevity-Trend schon länger auf dem Schirm. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Vincent hat er 2023 den vielfach ausgezeichneten Bioladen Kornblume in Lingen von seinen Eltern übernommen. „Viele Menschen kommen gerade deshalb zu uns, weil ihnen gesunde Lebensmittel wichtig sind“, sagt er. 

Nahrungsergänzungs- und Gesundheitsartikel stehen in der Kornblume an einer eigenen Regalwand, ergänzt durch Infotafeln zum Gesundheitswert einzelner Produkte oder Inhaltsstoffe. „Wir wissen zwar, dass sich die Informationsbeschaffung der Konsumentinnen und Konsumenten stark verlagert hat und dass viele Menschen sich online informieren, statt auf Beratung im Laden zu setzen. Trotzdem greifen wir das Thema Gesundheit aktiv auf. Dieses Frühjahr wird es bei uns zum Beispiel Expertenvorträge zu Krankheitsprävention durch Ernährung sowie zu Supplements geben“, berichtet Brinker. 

Gesundheit sichtbar machen mit Beratung, Events und Social Media

Für diese Formate wirbt die Kornblume Lingen unter anderem auf ihren Social Media Accounts – und verwendet dabei auch den Begriff Longevity. Brinker rät jedoch, es damit nicht zu übertreiben: „Wir analysieren unsere Keywords gezielt, bevor wir sie verwenden. Insbesondere Anglizismen nutzen wir behutsam und nur dann, wenn sie wirklich für unsere Region und Zielgruppe relevant sind.“

Checkliste: So können Bioläden den Longevity-Trend nutzen

  • Gesundheitsprodukte am POS sichtbar platzieren
  • Nahrungsergänzungsmittel mit passenden Lebensmitteln kombinieren
  • Themenwelten zu Darmgesundheit, Schlaf oder Immunsystem schaffen
  • Infotafeln oder weitere Informationen zu Produkten anbieten
  • Vorträge oder Veranstaltungen rund um Ernährung und Gesundheit organisieren
  • Social Media nutzen, um Gesundheitsangebote bekannt zu machen
  • Den Begriff "Longevity" nur verwenden, wenn er zur eigenen Zielgruppe passt

Fragen & Antworten zu Longevity im Bio-Fachhandel

Was bedeutet Longevity für Bioläden?

Longevity beschreibt den Wunsch nach einem gesunden, langen Leben. Für den Bio-Fachhandel bietet der Trend die Chance, bestehende Gesundheitskompetenz sichtbarer zu machen und Produkte gezielt rund um Gesundheit und Wohlbefinden zu präsentieren.

Welche Bio-Produkte gehören zum Longevity-Trend?

Zum Longevity-Trend im Bio-Fachhandel zählen unter anderem Nahrungsergänzungsmittel, Kombucha, Milchprodukte mit aktiven Kulturen und leichte Mineralwässer. Diese Produkte greifen das wachsende Gesundheitsbewusstsein vieler Kundinnen und Kunden auf.

Müssen Bioläden den Begriff Longevity verwenden?

Bioläden müssen den Begriff Longevity nicht zwingend verwenden. Entscheidend ist, dass sie den Wunsch nach Gesundheit sichtbar aufgreifen. Der englische Begriff sollte nur genutzt werden, wenn er zur eigenen Region, Kundschaft und Kommunikation passt.

Wie können Bioläden den Longevity-Trend im Laden sichtbar machen?

Der Longevity-Trend lässt sich am POS durch eine gezielte Platzierung von Gesundheitsprodukten, Cross Promotion und Themenwelten sichtbar machen. Nahrungsergänzungsmittel können beispielsweise gemeinsam mit passenden Lebensmitteln oder Informationsangeboten zu Themen wie Darmgesundheit, Schlaf oder Immunsystem präsentiert werden.

Welche Rolle spielen Beratung und Veranstaltungen beim Thema Longevity?

Vorträge, Informationsangebote und Beratung können das Thema Gesundheit im Bioladen vertiefen und die Fachkompetenz des Geschäfts unterstreichen. Social Media kann genutzt werden, um auf solche Angebote aufmerksam zu machen.

Warum wächst der Markt für Nahrungsergänzungsmittel im Bio-Fachhandel?

Die Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln steigt seit der Coronapandemie kontinuierlich. Als Gründe gelten ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein sowie eine zunehmende pflanzenbasierte Ernährung, bei der manche Menschen gezielt Supplemente einsetzen.

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