Biohandel

Erfolgreich mit Bio handeln.

Ladenportrait

Transparenz belebt das Geschäft

Der Bio-Betrieb Frohnenbruch ist spezialisiert auf hochwertiges Bio-Fleisch. Die Kundschaft bekommt viele Einblicke – und im Hofladen eine Fülle von Produkten.

Wer sich dem Hof Frohnenbruch nahe dem niederrheinischen Kamp-Lintfort nähert, sieht gleich, wo der Schwerpunkt des Bio-Betriebs liegt. Schon an der Landstraße wirbt ein großes Schild für Eier und Fleisch von freilaufenden Hühnern und Hähnchen. Auf den Weiden neben dem historischen Betriebsgebäude döst eine Herde Limousin-Rinder im Schatten alter Bäume und auf dem Feld nebenan dreht eine Sau entspannt ihre Runden im kniehohen Kleegras.

„Wir haben uns auf die Erzeugung und Vermarktung von hochwertigem Bio-Fleisch spezialisiert“, sagt Betriebsleiter Klaus Bird. Der 59-Jährige bewirtschaftet den Hof zusammen mit Ehefrau Bärbel (57) und seinen Kindern Eva und Paul. Beide haben sich frühzeitig dazu entschieden, in den Betrieb einzusteigen und ihn später weiterzuführen. Zudem haben die Birds 22 festangestellte Mitarbeitende in Voll- und Teilzeit.

Die eigene Convenience-Schiene kommt gut an

Dreh- und Angelpunkt der Vermarktung ist ein moderner Hofladen, über den fast alle selbst erzeugten Produkte abgesetzt werden. Entsprechend viel Raum nimmt die fünf meterlange Fleischtheke im Laden ein. Hier finden die Kunden neben diversen Teilstücken vom Rind, Huhn und Schwein auch Spezialitäten wie Rinderbratwurst, Käsekrainer oder Leberwurst aus eigener Herstellung.

Außerdem gibt es Convenience-Produkte im Schraubglas wie Apfelgulasch, fertige Fleischsoßen und Suppen, die ebenfalls im Betrieb hergestellt und konserviert werden. „Diese Convenience-Schiene kommt bei den Kunden sehr gut an, obwohl die Produkte ihren Preis haben“, sagt Klaus Bird und erklärt: „Für uns haben sie den Vorteil, dass wir einen Teil unseres Fleischangebots haltbar machen können. So bleiben wir flexibel.“

2.800 Produkte – die Hälfte aus eigener Herstellung

Insgesamt bietet der Hofladen ein Vollsortiment mit 2.800 Bio-Artikeln, von Brot über Tiefkühlpizza bis hin zu Reinigungsmitteln. Etwa die Hälfte davon sind eigene Produkte, alle professionell verpackt mit dem Logo des Betriebs.

So gelingt es den Birds, allein über den Hofladen 60 komplette Rinder, 2.000 Fleischhähnchen, 120 Schweine und 180.000 Eier im Jahr abzusetzen. Nur die Schweine werden nicht komplett auf diesem Weg vermarktet. Etwa die Hälfte der Tiere geht an eine große Essener Bio-Schlachterei, die sich auf Fleisch von Freilandschweinen spezialisiert hat.

Für dieses ungewöhnliche und erfolgreiche Betriebskonzept wurde der Hof Frohnenbruch Anfang 2025 beim Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau als einer von drei Betrieben ausgezeichnet.

Große Investitionen in die Tierhaltung

Tiere spielten auf dem Hof schon immer die Hauptrolle. Bereits zu konventionellen Zeiten waren Mutterkühe die Haupteinnahmequelle. Mit der Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung im Jahr 2002 entwickelte sich der Betrieb dynamisch weiter.

„Ein Schlüssel dafür war, dass sich meine Frau Bärbel für eine Ausbildung zur Metzgermeisterin entschied, genauso wie später meine Tochter Eva. Denn damit konnten wir statt Rindervierteln auch weiterverarbeitete Fleischspezialitäten wie Steaks und Wurst anbieten“, erzählt Klaus Bird. Und es ermöglichte dem Betriebsleiterpaar, sich in der Tierhaltung breiter aufzustellen. So stiegen die beiden zunächst in die Haltung von Legehennen und Masthähnchen ein und begannen ab 2018 – auf Drängen von Sohn Paul – eine Schweinemast mit eigener Ferkelerzeugung aufzubauen.

„Ein optimales Tierwohl ist für uns alle eine Herzensangelegenheit. Und es garantiert eine besonders hohe Fleischqualität“, sagt Klaus Bird. Deshalb investiert die Familie nach eigenen Angaben deutlich mehr in die Haltung, als es die ohnehin schon strengen Bio-Verbandsregeln vorsehen. So werden nicht nur die Legehennen, sondern auch die Masthähnchen das ganze Jahr über in Mobilställen gehalten. Die Schweine werden ganzjährig auf wechselnden Kleegrasflächen gehalten.

Die artgerechte Tierhaltung hat ihren Preis

Der große Aufwand für die besonders artgerechte Haltung ist mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden. Das muss sich laut Klaus Bird auch in den Preisen niederschlagen, damit es sich für den Betrieb rechnet. Im Schnitt liegen sie etwa 30 bis 40 Prozent über den ohnehin schon relativ hohen Preisen für Bio-Fleischprodukte.

Dass die Kunden dennoch gerne kommen und bereit sind, diesen Mehrpreis zu zahlen, führt zu einem Lieblingsthema des Betriebsleiters: der Kommunikation. „Wir betreiben eine besondere Art von Landwirtschaft, die mit größerem Aufwand und höheren Preisen verbunden ist. Für unser Konzept ist es elementar, diesen Zusammenhang immer wieder gut zu vermitteln. Und das mache ich sehr gerne“, sagt Bird.

Alle zwei Tage neue Posts auf Social Media

Ein wichtiger Teil der Kommunikation beginnt im digitalen Bereich mit regelmäßigen Posts (alle zwei Tage) auf zwei Social-Media-Plattformen und einer stets aktuellen und professionell aufgebauten Website. Die Infos reichen von der Geburt eines Kalbes bis zur Ankündigung von Veranstaltungen auf dem Hof. Darum kümmert sich eine feste Mitarbeiterin. Auch zum Fernsehen und zu lokalen Zeitungsredaktionen pflegt die Familie enge Kontakte.

„Unser Ziel ist natürlich, die Leute auf den Hof zu holen“, sagt Klaus Bird. „Denn hier können wir ihnen zeigen und erklären, wie wir die Tiere halten.“ Auf dem Hof und den hofnahen Flächen können sich alle Kunden frei bewegen und sich anschauen, wie die Rinder gefüttert oder die Küken für die Hähnchenmast aufgezogen werden.

Ein Renner sind die sogenannten Hof-Safaris, eine Rundfahrt über die Betriebsflächen auf einem Anhänger mit Strohballen. Dabei erklärt das Frohnenbruch-Team die Besonderheiten der Freilandhaltung von Schweinen. Viele Teilnehmer könne das vom Konzept überzeugen, „weil hier jeder auf den ersten Blick sieht, wie wohl sich die Tiere fühlen“.

Sichtfenster ermöglicht Einblicke in die Metzgerei

Diese besondere Transparenz setzt sich bei der Verarbeitung fort. So wurde die neu gebaute Bio-Metzgerei mit Sichtfenstern ausgestattet. Die Besucher können dabei zusehen, wie eine Schweinehälfte zerlegt oder Wurstbrät in Därme gefüllt wird.

Mit dem Bau des neuen Hofladens im Jahr 2022 entstand auch ein Hofcafé mit Außenbereich, dessen Terrasse direkt an einen Weiher grenzt. Auch mitten in der Woche sind die Tische hier schon früh am Morgen gut besetzt. „Für meine Frau und mich hätte sich diese Investition nicht mehr gelohnt“, sagt Klaus Bird. „Aber die Kinder wollten unbedingt auch Gastronomie anbieten.“

Zahlen, Daten, Fakten

  • Geschäftsführung: Klaus und Bärbel Bird
  • Adresse: Schloßallee 81, 47475 Kamp-Lintfort
  • Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag und Freitag: 9 bis 18 Uhr, Samstags 9 bis 14 Uhr
  • Eröffnung: 2022 | Ladenfläche: 200 m2 | Produktzahl: 2.800
  • Webseite: www.frohnenbruch.de

Café ermöglicht direkten Kontakt zur Kundschaft

Für ihn ist das Café eine weitere Chance, „Leute auf den Hof zu holen“ und ihnen das besondere Tierhaltungskonzept näherbringen zu können. „Da sind auch viele Gäste dabei, die nicht besonders bio-affin sind. Die wollen einfach an einem schönen Ort einen Kaffee trinken“, erzählt Klaus Bird. Ganz bewusst schaut er deshalb regelmäßig im Café vorbei für ein kleines Gespräch. Dieser direkte Kontakt zum Landwirt komme bei den Kunden sehr gut an.

Um auch Stammgästen regelmäßig etwas Neues zu bieten, werden immer wieder neue Angebote ausprobiert, zum Beispiel Waffeln oder Bio-Eis. Dazu kommen kleinere, saisonale Veranstaltungsangebote wie Tastings oder Aktionen für Kinder.

Dabei profitiert der Hof auch vom großen Einzugsgebiet am westlichen Rand des Ruhrgebiets. Stammkunden nehmen bis zu 20 Kilometer Anfahrt in Kauf, um im Hofladen einzukaufen oder das Café zu besuchen. Um der Kundschaft zukünftig noch mehr Erlebnisse bieten zu können, hat die Familie Bird schon die nächste Idee entwickelt: In Tiny Houses am Hofweiher soll es bald eine idyllische Übernachtungsmöglichkeit geben.

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