Für Alois Rainer ist regional, saisonal und ökologisch „das Beste, was man sich vorstellen kann“. Das sagte der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft zum Auftakt des 21. Marktgesprächs der BioHandel Akademie vergangenen Samstag auf der Anuga Organic in Köln. Dabei würdigte er die Leistungen der ökologischen Landwirtschaft und versicherte, trotz der angespannten Haushaltssituation den „Christbaum der Maßnahmen“ für diesen Bereich nicht abzuschmücken.
Die Anuga Organic ist Teil der Anuga, der weltgrößten Messe der Ernährungswirtschaft und Nahrungsmittelindustrie, die alle zwei Jahre in Köln stattfindet.
BioHandel-Geschäftsleiterin Ulrike Fiedler hatte in ihrer Anmoderation zum Marktgespräch auf den im Jahr 2024 gestiegenen Umsatz von Bio-Lebensmitteln in Höhe von 17 Milliarden Euro hingewiesen – 5,7 Prozent mehr als im Jahr 2023. In seinem Statement nahm Rainer darauf Bezug: „17 Milliarden ist ein nicht unerheblicher Anteil, der erreicht worden ist, aber wir wollen das miteinander steigern“, sagte er.
Beim Vermarkten von ökologischen Produkten sei bei der Gemeinschaftsverpflegung „viel zu holen“, sagte Alois Rainer in seinem Statement.
„Die ökologische Landwirtschaft hat einen ganz besonderen Wert für ländliche Räume und die Kundschaft im urbanen Bereich“, so der Minister. Das Gleichgewicht zwischen „genügend Marktteilnehmern, die die Produkte kaufen“, und den Herstellern sei von großer Bedeutung. Wenn es keinen ausreichenden Markt gebe, könnten die Erträge für Bio, „die verständlicherweise ein Stück höher sein müssen“, nicht generiert werden. „Darum muss alles miteinander wachsen. Deshalb ist es meinem Haus auch wichtig, dass wir hier weitermachen mit der Förderung des ökologischen Landbaus. Aber nicht nur mit der Förderung des Landbaus, sondern auch mit der Förderung des Absatzes“, sagt Rainer weiter.
Rainer sieht großes Bio-Potenzial in der AHV
Als großen Hebel bei der Vermarktung von Bio-Lebensmitteln nannte Rainer die Gemeinschaftsverpflegung in Schulen und Kitas. „Hier ist meines Erachtens viel zu holen und ich sehe ganz große Chancen“, betonte Rainer. „Regional, saisonal, ökologisch – das wäre das Beste, was man sich vorstellen kann“, sagt er und betonte: „Wir unterstützen das auch.“
Rainer berichtete von einem Inklusionsbetrieb in Baden-Württemberg, den er besucht habe. Der landwirtschaftliche Betrieb beliefere den Einzelhandel und verkoche Produkte als Mittagessen für kommunale Einrichtungen. „Das wäre die Musterlösung“, betonte Rainer. „Das Unternehmen produziert vor Ort, die Kommune kauft ein.“
„Es geht“, sagte Rainer. „Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, den Ökolandbau zu stärken, aber wir brauchen beides. Wir brauchen die biologische Landwirtschaft und die konventionelle Landwirtschaft. Wir wollen beides stärken und ich will beides erfolgreich in unserem Land halten.“
Seinen Dank sprach er allen aus, die „aus tiefster Überzeugung für den Biohandel, für die Ökobetriebe kämpfen“. „Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass der Absatz und auch die Betriebe mehr werden“, sagte der Minister.
Rainer: Stärkung der Bio-Wertschöpfungsketten
Im anschließenden Gespräch mit Moderator Leon Ginzel ging es unter anderem um die Frage, was die Bundesregierung tue, um die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft weiter voranzubringen. „Mit der bisherigen Bio-Strategie wurde vieles angestoßen“, sagte Rainer. Er und sein Ministerium wollten aber weiterarbeiten mit Unterstützungsmaßnahmen, um den Bio-Anteil in der Außer-Haus-Verpflegung (AHV) voranzubringen.
„Wir stärken aber auch die Bio-Wertschöpfungsketten, die Forschung und Information, so Rainer weiter. Derzeit prüfe man, welche Schwerpunkte gesetzt werden könnten. „Es ist nicht mehr Geld vorhanden. Jeder weiß, dass die aktuelle Haushaltssituation etwas angespannt ist. Deshalb ist es wichtig, die Mittel, die wir zur Verfügung haben, entsprechend einzusetzen“, sagte Rainer.
Und wie sieht es mit der Bio-Strategie seines Amtsvorgängers Cem Özdemir insgesamt aus? Wird die so bestehen bleiben? „Bisher haben wir nicht vor, da ranzugehen“, versicherte Rainer. Die Bundesregierung habe zwar die Mittel abgesenkt, aber sie seien zusammengeführt worden, „um eine gegenseitige Deckungsfähigkeit zu haben, damit man auch eine bessere Effizienz der Mittel hat“, so Rainer.
„Ich habe größtes Vertrauen in die ökologisch produzierenden Betriebe.“
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist für Rainer, „dass wir Hemmnisse abbauen“. Das gelte für den Bio-Bereich genauso wie für den konventionellen. Vor allem wolle er die Bürokratie abbauen und „Vertrauen zurückgeben an die Herstellerinnen und Hersteller“, sagte er und versprach: „Wir schaffen Klarheit und Freiräume.“
„Ich habe größtes Vertrauen in die ökologisch produzierenden Betriebe“, betonte der Minister. „Auf europäischer Ebene haben wir jetzt eine Lösung gefunden für die Bio-Weidetierhalter. Sonst wären gerade im süddeutschen Bereich in Bayern und Baden-Württemberg viele Bio-Betriebe zurückgegangen in den konventionellen Bereich. Das war nicht in unserem Sinne.“
21. Marktgespräch der BioHandel-Akademie
Die Berichterstattung zur Podiumsdiskussion auf dem 21. Marktgespräch und zu weiteren Veranstaltungen des BioHandels und der BioHandel Akademie auf der Anuga folgt in Kürze auf biohandel.de.
Ein Thema waren auch die Forschungsgelder für den Bio-Bereich. Diese sollen 2026 gekürzt werden, was für Unmut in der Branche sorgt. „Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagte Rainer. Auch hier verwies der Minister auf den angespannten Bundesetat und darauf, dass manche Haushaltstitel zusammengefasst wurden. „In Zeiten von knapper werdenden Mitteln müssen wir Synergien schaffen“, sagte Rainer. Er und die Bundesforschungsministerin Dorothee Bär seien sich jedoch einig, „dass Forschung weiterhin unglaublich wichtig und notwendig ist.“
Mit Blick die heimischen Bio-Erzeugerinnen und Erzeuger sagte Rainer: „Wir wollen die regionale Wertschöpfung unterstützen, und wir machen das mit dem Bundesprogramm ökologischer Landbau und mit dem Bundesprogramm ländliche Entwicklung und regionale Wertschöpfung“. So sollen Wertschöpfungskettenmanagerinnen und -manager Akteure aus Landwirtschaft und Verarbeitung, aber auch Kundinnen und Kunden zusammenbringen. „Sie begleiten das Anbahnen von Lieferbeziehungen“, so Rainer. „Es ist ein Christbaum von verschiedenen Maßnahmen, an denen man nicht viel verändern muss – nur einige Stellschrauben. Wir unterstützen es weiterhin“, erklärte der Minister.
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