Klein aber oho: Das Sortiment der WC-Reiniger trägt gerade mal 0,02 Prozent zum durchschnittlichen Umsatz eines Bioladens bei. Aber zu einem Öko-Einkauf gehören eben nicht nur Bio-Lebensmittel, sondern auch Wasch- und Reinigungsprodukte, deren Inhaltsstoffe, Produktion, Verpackung die Umwelt möglichst wenig schädigen. Sie basieren mit wenigen Ausnahmen auf pflanzlichen Rohstoffen, also auf nachwachsenden Quellen und sind vollständig biologisch abbaubar. Anders als Reinigungsmittel mit Inhaltsstoffen aus der Erdölindustrie, deren Rückstände trotz Kläranlage teilweise über das Abwasser in Flüsse, Böden und Lebewesen gelangen. Das Umweltbundesamt empfiehlt, auf Desinfektionsreiniger, chlorhaltige Sanitärreiniger und ätzende WC-Reiniger mit anorganischen Säuren zu verzichten. Für Öko-WC-Reiniger kein Problem.
Transparenz auf dem Etiket
Und wer wissen will, was alles in einem Reiniger drinsteckt, hat im Bioladen gute Karten. Öko-Hersteller, die den Sortimentsrichtlinien des Bundesverbands Naturkost Naturwaren folgen, geben alle Inhaltsstoffe an. Rechtlich gesehen wäre das nicht nötig. Marken wie Sonett, Sodasan, Almawin oder Kluuk schreiben darüber hinaus die deutschen Begriffe aufs Etikett und auf der Website von Sonett beispielsweise erfahren Händlerinnen und Kunden, was hinter den Fachbegriffen steckt.
Ausgezeichnete Qualität
Gelegentlich ernten Öko-Hersteller öffentliche Anerkennung für ihre Bemühungen: Almawin wurde jüngst mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet, Sonett in den vergangenen Jahren sogar mehrfach, Sodasan ebenfalls. Der Sodasan WC-Reiniger Citrus bekam im vergangenen Herbst bei Ökotest die Gesamtnote Gut. „Darauf ruhen wir uns nicht aus,“ sagt dazu Claudia Tiede, die bei Sodasan das Marketing in der Hand hat. Man nehme die Bewertung als Ansporn, das Produkt weiterzuentwickeln.
Spezielle Produkte
Jeder, der einen eigenen Haushalt führt, kauft hin und wieder einen WC-Reiniger. Zum Bio-Sortiment gehören darüber hinaus Produkte, die spezielle Kundengruppen ansprechen. Allergiker finden bei Klar duftfreie Varianten und mit Kluuk hat sich seit einiger Zeit ein Preiseinstiegsprodukt etabliert. Der Bad- und WC-Reiniger, ein 2-in-1-Produkt, sei speziell für eine jüngere Generation entwickelt worden, die einen minimalistischen Lebensstil pflegt: Lieber weniger, dafür gut.
Tipps vom Kollegen
Markus Maaß
Geschäftsführer Bio am Hafen, Greifswald, 300 qm
Als wir vor 30 Jahren gestartet sind, haben wir bei uns im Laden eine richtige Drogerieecke eingerichtet, auch mit WC-Reinigern. Es gibt ja Bioläden, die gar keine Drogerieartikel anbieten. Aber ich finde, wir sollten unser Spezialsortiment nicht den Drogeriemärkten überlassen. Auch damit macht sich die Biobranche sichtbar. Mit gewässerschonenden Produkten aus ökologischen Rohstoffen können wir unsere Kompetenz zeigen.
Wir haben auch die Recyclingbox für gebrauchte Flaschen von Sonett aufgestellt. Klar nimmt die ein bisschen Raum ein, aber der Zweck – Reinigungsmittel in Flaschen aus Direktrecyklat – ist gut und auch die Box mit Infotext zeigt unsere besondere Kompetenz, was den Umgang mit der Umwelt angeht.
Fragen stellen die KundInnen auch im Drogeriebereich kaum mehr, sie stehen lieber mit ihrem Smartphone vor dem Regal und erschrecken, wenn man sie fragt, ob man helfen kann. Dabei wäre es gut, wenn sie uns als BeraterInnen wahrnehmen würden. Damit könnten wir uns als Bio-Fachhandel vom LEH absetzen.
Präsentation im Display
Markus Maaß, Geschäftsführer des Bio am Hafen in Greifswald, präsentiert die Kluuk-Produkte zusätzlich im Display. Im Regal finden die WC-Reiniger bei den Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln ihren Platz. Gelegentlich nimmt Maaß ein Produkt aus dem WPR-Sortiment und räumt es in eine Gondel, um es besonders herauszustellen.
Preisaktionen hingegen gibt es bei ihm prinzipiell nicht: „Die von uns angesprochene verständige Kundschaft durchschaut ja den Widerspruch zwischen lockenden Sonderangeboten und – auch moralisch – hochwertigem Sortiment“.
Proben kommen an
Dass Produktproben gut ankommen, weiß Rebecca Kramer, die bei Sonett das Marketing leitet. „Wir bieten den WC- Reiniger Minze Myrthe auch als 120ml Probe an. Das sorgt immer wieder für Freude auf Messen oder bei Aktionstagen.“
Mit WC-Produkten zu werben kommt vielen vielleicht abwegig vor. Vielleicht ist das aber auch nur eine Frage dessen, wie man’s anpackt. Voelkel beispielsweise hat da keine Berührungsängste. Im vergangenen Jahr kooperierte der Safthersteller mit Goldeimer, einer NGO, die sich dafür einsetzt, dass jeder Mensch auf der Welt Zugang zu einer Toilette hat.
Saubere Sache: Das ist drin
Öko-WC-Reiniger: Infos kurz und knapp
Saubere Sache: Öko-WC-Reiniger machen das stille Örtchen sanft sauber.
Das beste WC ist eines, das weder Sauberkeitsempfinden noch Nase stört: kein unangenehmer Geruch, kein Urinstein, keine Schmutzstreifen oder Kalkränder. Letztere entstehen überall dort, wo kalkhaltiges Wasser länger steht oder kontinuierlich drüberläuft. Wird die Klobürste zu selten benutzt und bleibt urinhaltiges Wasser in der Toilette stehen, reagieren organische Bestandteile und Salze des Urins mit Kalk aus dem Wasser zu einem schwer-löslichen Kristall, dem Urinstein. Organische Bestandteile, die daran hängenbleiben und Bakterien, die sich dort ansiedeln, produzieren unangenehme Gerüche. Kalk- und Urinstein lässt sich mit Säure aufweichen, Tenside helfen, organischen Schmutz zu lösen. Die Klobürste übernimmt den mechanischen Teil der Reinigungsarbeit und Wasser spült die Schmutzreste in die Kanalisation.
Ein WC-Reiniger sollte so beschaffen sein, dass sich einerseits die Flüssigkeit gut verteilen lässt und andererseits gut haften bleibt, damit die Säure einwirken kann. Duftstoffe überdecken eventuell unangenehme Gerüche, können auf alle Fälle aber einen Wohfühlmoment schaffen.
Der Vorteil von Bio-WC-Reinigern
Es gibt kein Gesetz, das festlegt, was genau die Begriffe „Bio“, „Eco“ oder „Öko“ im Bereich der Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel bedeuten. Aber es gibt Siegel, die Orientierung geben. Der Blaue Engel und das EU Eco Label stehen für Umweltverträglichkeit, die besser ist als der Standard. Nature Care Product NCP, Ecocert und Ecogarantie sind vom Bundesverband Naturkost Naturwaren BNN anerkannt und haben strengere Regeln. Verwendet werden Rohstoffe aus nachwachsenden Quellen, erdölbasierte Inhaltsstoffe sind fast ausnahmslos tabu. Das gilt auch für aggressive Salz-, Sulfamid- und Ameisensäuren, Desinfektionsmittel und synthetische Konservierungsmittel. Fast alle Marken erreichen bei den Kunststoff-Verpackungen über 90 Prozent Recycling-Anteil.
Inhaltsstoffe/Umwelt
Öko-WC-Reiniger lösen Kalk und Urinstein mit Hilfe von Zitronen- oder Milchsäure. Die milden organischen Säuren sind komplett biologisch abbaubar. Die Zitronensäure muss GVO-frei sein. Tenside, die Fett und organisches Material auflösen, sind aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, Zuckertenside beispielsweise aus Maisstärke und aus Fettalkoholen auf Basis von Kokos- oder Palmöl. Sie können von Mikroorganismen vollständig zu CO2 und Wasser abgebaut werden. Pflanzliche ätherische Öle sollen angenehmen Duft ins WC bringen. Xanthan, ein natürlich vorkommendes Polysaccharid, dickt die Reinigungsflüssigkeit an und macht sie zu einem leichten Gel, das besser an den Wänden des WC-Beckens haftet. Desinfektionsmittel bleiben draußen.
Sortiment
Die meisten WC-Reiniger sind als Gel formuliert. Der WC- und Bad-Reiniger von Kluuk ist flüssig und lässt sich gut mit einer Sprühflasche verteilen. Pulver von Everdrop kommt in Papiertütchen in den Handel. Vor seinem ersten Einsatz wird es in eine wiederverwendbare Flasche gefüllt und bekommt, mit Wasser vermischt, seine gelförmige Konsistenz. Ebenfalls bei Everdrop: probiotikahaltige Tabs. Sie wirken eine Zeitlang im stehenden Wasser ein und sollen organische Verschmutzungen auflösen und deren Neubildung verhindern. Die meisten ökologischen WC-Reiniger sind mit natürlichen Düften wie Eukalyptus oder Pinie, Zitrone oder Grapefruit, Rhabarber oder Minze beduftet. Wer hierauf empfindlich reagiert oder es einfach lieber ohne mag, findet bei der Marke Klar das passende Produkt. WC-Steine und -Einhänger passen nicht ins ökologische Sortiment: Sie beduften mit jeder Spülung, egal ob nötig oder nicht und sie reinigen nicht. Damit gelangen mit jedem Spülvorgang unnötige und eventuell schädliche Chemikalien ins Abwasser.
Was Kunden über WC-Reiniger wissen wollen
Warum WC-Reiniger ohne Desinfektionsmittel?
Umweltfreundliche WC-Reiniger kommen ohne Desinfektionsmittel aus, weil diese im Alltag gar nicht nötig sind und in der Kloschüssel nicht nützen. Wenn sie in Luft und Gewässer gelangen, können sie Pflanzen und Tieren schaden. Außerdem besteht das Risiko, dass sich Resistenzen bilden und schädliche Keime gegen Antibiotika immun werden. Wenn es darum geht, tatsächlich drohende Ansteckung zu vermeiden, ist es hilfreicher, die Hände gründlich mit Seife zu waschen und den Toilettensitz zu reinigen.
Hilft Rohrreiniger gegen Urinstein?
Gegen Urinstein hilft Säure. Rohrreiniger sind eher für die Abflüsse von Spülen, Duschen und Waschbecken vorgesehen. Ihnen wird basisches Kaliumhydroxid beigesetzt, das Haare und Fette auflöst und sie sollten nur im äußersten Notfall und mit großer Umsicht verwendet werden.
Wie putze ich mein WC ökologisch?
Den Öko-Reiniger einmal pro Woche anzuwenden reicht in der Regel und auch dann sollte er sparsam dosiert werden: einwirken lassen, nachbürsten, spülen. Wer im Alltag sofort mit Bürste und Wasser nachputzt, spart sich am Putztag viel Geschrubbe. Und es gilt: Besser lüften als überduften.
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