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Tierfutter: Emotionen als Türöffner für neue Kundschaft

Hunde- und Katzenhalter zeigen ihre Liebe und ihren Respekt fürs Tier unter anderem mit dem Griff zu Bio-Tierfutter. Ein Sortiment, das Beachtung verdient.

Die Deutschen sind begeistert von Haustieren – in jedem vierten Haushalt lebt mindestens eine Katze, in nahezu jedem fünften ein Hund, ermittelten der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e.V. und der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) e.V. für das Jahr 2024. Die Gesamtausgaben für Hunde- und Katzenfutter beliefen sich laut IVH auf über vier Milliarden Euro. Gleichzeitig fand das Hamburger Marktforschungsunternehmen Ears-And-Eyes in einer repräsentativen Befragung heraus, dass für Tierliebhaber Regionalität, Nachhaltigkeit und Umwelt wichtige Kriterien sind. Immerhin 28 Prozent der Katzen- und 23 Prozent der der Hundehalter kaufen zumindest zeitweise Bio-Futter.

Was bremst den Verkauf?

Trotz dieser guten Marktlage läuft der Vertrieb der tierischen Verpflegungsprodukte im Bio-Fachhandel eher schleppend. Andreas Burk vom Bio-Tierfutter-Großhandel BS Bio Service beobachtet, dass das Gros der Bio-Tierfutter-Verkäufe online abläuft, und analysiert: „Die Vielfalt des Sortiments stellt ein gewisses Problem dar. Sie ist notwendig, aber schwer im Laden abzubilden.“ Trotzdem gebe es Möglichkeiten, die Kundschaft erfolgreich und langfristig auch über den stationären Handel zu bedienen.

Vor allem in Geschäftslagen, die sich im sogenannten Speckgürtel oder aber in Kleinstädten finden, sieht Andreas Burk gute Chancen. „Den Anfang macht ein abwechslungsreiches Sortiment, in dem sich jeder Kunde mit den individuellen Bedürfnissen seines Tieres wiederfindet“, so Burk. Das erfordere Platz oder ein intelligentes Vor-Ort-Bestellsystem, am besten gekoppelt mit guten Parkmöglichkeiten oder einer Lieferungsmöglichkeit. Bei der Versorgung der Tiere spiele zudem Emotionalität eine große Rolle. Diese könne ein erster Türöffner für neue Kundschaft sein. 

Die Regalgestaltung folgt am besten der Blockplatzierung, empfiehlt das Beratungsteam von Defu (Demeter Felderzeugnisse), Katzenfutter mindestens auf 80, Hundefutter auf mindestens 100 Zentimetern Breite. Marc Schmid, Geschäftsführung von Liebesgut empfiehlt, die Übersichtlichkeit nicht außer Acht zu lassen: „In Summe sollten etwa 10 bis 15 sorgfältig ausgewählte Artikel pro Tierart angeboten werden, um Vielfalt und Qualität zu bieten, ohne das Regal zu überladen“.

Tipps vom Kollegen

Andreas Burk BS Bio Service

Das Sortiment muss gut sichtbar sein. Emotionen sind ein guter Anknüpfpunkt. Ein schönes Hunde- oder Katzenbild über dem Regal gut sichtbar platziert, ist eine einfache und wirksame Methode, Aufmerksamkeit auf das Sortiment zu lenken. Ein Hingucker kann auch ein attraktives Stofftier sein, dass über dem Tierfutterregal von der Decke hängt.

Unterstreicht ein Laden sein „Herz für Tiere“, öffnet das den Blick der tierhaltenden Kundschaft. Ist der Platz vor dem Geschäft oder im Eingangsbereich dafür geeignet, lohnt es eine kleine „Tieroase“ zu gestalten: Ein Napf, gepflegt wirkend, vielleicht auch Hundekotbeutel, falls mal was schief geht, sind ansprechende Signale für Tier und Tierhalter.

Kleinigkeiten erzeugen positive Aufmerksamkeit: Wenn Kassenkräfte sehen, dass ein Tier in Begleitung dabei ist, lohnt es, ein Leckerli-Pröbchen bereit zu halten.

Gezielt mal einen „Tiertag“ einzulegen, kann das Thema Tierfutter im Bio-Laden ganz nebenbei in den Fokus der Kunden rücken. Beispielsweise kann eine Kooperation mit dem örtlichen Tierheim durchgeführt werden. Das Werben für Futterspenden ist eine weitere Möglichkeit.

Kunden übertragen Werte

Christian Schubing, Geschäftsführung von BioPur, sieht gute Chancen für den Verkauf von Tiernahrung im Bio-Fachhandel – auch aufgrund von Zielgruppenüberlappungen: „Bio-Kundinnen und -Kunden übertragen ihre Werte wie bio, regional und tierschonend auf die Tierhaltung zu Hause“. Ein Kunde, der hochwertige Pflegeprodukte für sich oder sein Kind kauft, sei eher bereit, auch bei Tierfutter auf Qualität zu achten. Schubing empfiehlt deshalb besondere Platzierungen für das Sortiment, etwa bei der Naturkosmetik oder bei Babyartikeln. Die aktive Platzierung von Probierpaketen mit unterschiedlichen Sorten und Infomaterial im Eingangsbereich oder von Probiergrößen in Kassennähe lasse Kunden zusätzlich impulsiv zugreifen und testen. 

Haben Tierhaltende, beziehungsweise deren Katze oder Hund, erst einmal eine Futtermarke als lecker und gesund auserkoren, ist ein Wechsel erst einmal unwahrscheinlich, zeigt die Marktforschung. Unabdingbar ist die Beratungskompetenz. „Kunden erwarten eine ehrliche Beratung, daher sollte das Verkaufspersonal über Inhaltsstoffe und Fütterungsempfehlungen gut informiert sein“, unterstreicht Marc Schmid von Liebesgut. Schulungen, Beratungshotline und Info-Flyer gehören daher bei vielen Anbietern mit ins Geschäftsrepertoire. Liebesgut bietet solche Beratungsunterstützung an.

Kurz und Knapp

Bis auf die wenigen vegetarischen oder veganen Marken verarbeiten Heimtierfutter-Produzenten Fleisch von Rind, Kalb, Lamm, Schwein, Geflügel und Fisch sowie die Innereien der Schlachttiere. Weitere Nebenprodukte aus der Schlachtung von Nutztieren, beispielsweise Blutmehl, Knochenmehl oder Krallen, können nach Futtermittelverordnung ebenfalls verwertet werden. Bio-Hersteller achten hierbei jedoch eher darauf, hochwertigere Rohstoffe auszuwählen. Je nach Futterart landen ergänzend Gemüse, Getreide, Pseudocerealien und Hülsenfrüchte, Fette und Öle sowie geschmacksgebende Kräuter und Hefe im Futter. Die Futtermittel unterteilen sich grob in zwei Kategorien: Eingekochtes und konserviertes Nassfutter mit einem Wasseranteil von etwa 70 bis 80 Prozent. Dieses ist für viele Tiere schmackhaft und leichter fressbar und verdaulich. Trockenfutter wird aus ähnlichen Zutaten zusammengemixt wie die feuchten Varianten, allerdings klein gehäckselt, vermischt, anschließend geformt und getrocknet.

Biovorteil

Vorrangige Vorteile von Bio sind die biologisch-artgerechte Haltung der Nutztiere sowie der biologische Landbau der pflanzlichen Zutaten. Antibiotikarückstände und Pestizidbelastung sollten daher kein Thema sein. Künstliche Zusatzstoffe, etwa synthetische Konservierungsstoffe oder Farbstoffe, sind nicht zugelassen. Emulgatoren und künstliche Aromen bleiben bei Bio-Herstellern außen vor. Vitamin- und Mineralstoffe dürfen dagegen gezielt zugemischt werden, um bestimmte Nährstoffgehalte zu erzielen. Teils wird versucht, das allein durch die Auswahl natürlicher hochwertiger Zutaten zu erreichen. Weitere Pluspunkte einiger Biomarken sind Regionalität in der Produktion und die Abfüllung der Produkte in Glas statt in Plastik, Dose oder Aluschälchen.

Nährwert/Gesundheit

Nährwert/Gesundheit Heimtierfutter entspricht in Europa den Richtlinien des europäischen Verbands der Heimtiernahrungsindustrie. Ihre „nutritional guidelines“ schreiben fest, welche Nährstoffprofile sogenannte „Alleinfuttermittel“ aufweisen sollten. Diese Produkte müssen so abgestimmt sein, dass ausschließlich mit ihnen der komplette Bedarf des Tieres für ein gesundes Leben gedeckt ist. Fütterungsempfehlungen auf den Verpackungen helfen bei der richtigen Bemessung der Tagesrationen. 

Katzenfutter erfordert beispielsweise dreimal so viel Protein wie für Hunde, weshalb ein Austausch der Nahrungen nicht empfehlenswert ist. Wichtig ist für Katzen zudem der Tauringehalt der Nahrung. Diese Aminosäure steckt natürlicherweise in Muskelfleisch sowie im Herzmuskel. Sie ist essenziell für Stubentiger.

Was Kunden wissen wollen

Ist Bio-Futter hochwertiger?
In Bio-Tierfutter stecken meist ein hoher Fleischanteil, dafür keine Füll- und Zusatzstoffe und kein Zucker. Erkennbar ist das an der offenen Deklaration der Zutaten. Bio-Hersteller benennen konkret, beispielsweise 96 % Gans im Feuchtfuter, davon 65 % Fleisch, 15 % Herz, 10 % Leber, 5 % Hals und 5 % Karkasse. Konventionell werden die tierischen Inhalte unter anderem mit Sammelbezeichnungen verschleiert, z.B. „Fleisch- und Schlachtnebenprodukte vom Huhn“ oder einfach nur „4% Kalb und 5 % Huhn“.

Können Hund und Katze vegetarisch fressen?
Dass Hunde sehr gut vegetarisch versorgt sein können, belegen mittlerweile Studien. Schon lange ist bekannt, dass die bellenden Fellnasen Omnivoren sind, also sowohl Tierisches als auch Pflanzliches gut verdauen. Bei Katzen ist die Lage nicht so eindeutig, jedoch gibt es auch hier einzelne Untersuchungen, die zeigen, dass proteinreiches, angereichertes pflanzliches Fressen ausreichen kann.

Was bedeutet „Barfen“?
„BARF“ ist seit einigen Jahren ein beliebter Fütterungstrend, vorwiegend bei Hunden. Hinter der Abkürzung für Biologisch artgerechte Rohfütterung steht der Grundsatz, den Heimtieren eine möglichst natürliche, wenig verarbeitete, rohe und damit ursprünglich artgerechte Nahrung anzubieten. Konkret landet hierbei durch den Fleischwolf gedrehtes, frisches Fleisch in Kombination mit Gemüse- und Obstschnitzen, etwas Getreideflocken sowie Kräutern im Napf. Beim „Barfen“ muss eine gute Futtermittelhygiene sichergestellt sein.

Sortiment

In Bio angeboten werden Alleinfuttermittel – sowohl nass als auch trocken – für verschiedene Entwicklungs- oder Altersstufen (Kitten oder Welpen, Adulte, Senioren). Für Tiere, die empfindlich oder allergisch auf bestimmte Eiweißkomponenten (Tier, Getreide, Fleisch) reagieren, bietet das Bio-Sortiment Lösungen wie etwa Monoproteinfutter (aus nur einer Eiweißquelle) oder glutenfreies Futter ohne Weizen. Auch für diätetische Problemfälle finden sich bei spezialisierten Marken Bio-Produkte (z.B. nierenschonende Kost). Vegetarische Angebote, in denen ausschließlich pflanzliche Proteine verarbeitet sind, gehören zu den Besonderheiten des Bio-Sortiments. 

Zu den sogenannten Ergänzungsfuttermitteln zählen unter anderem Leckerlis und Snacks , die als Extrazugabe von Nährstoffen, zur Belohnung oder zum Training des Haustiers zur Verfügung stehen. Auch ausgewiesene Monofuttermittel oder Einzelfuttermittel, in denen allein eine Zutat steckt, z.B. getrockneter Rinderpansen für den Hund, werden zur Ergänzung angeboten.

Hersteller

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