Umweltfreundliche Waschprodukte gehören seit jeher zum Biohandels-Sortiment. Da es allerdings kein staatliches Label für Öko-Waschmittel gibt, fehlt der Kundschaft oft die Orientierung. Es lohnt sich deshalb, die Verkaufsförderungs- und Informationsaktionen der Hersteller sowie entsprechende Werbematerialien zu nutzen. Ebenso zahlt sich die Schulung des Personals zu diesem Sortiment aus.
Umsatz deutlich gestiegen
Waschmittel stellen im lebensmittelorientierten Bioladen ein Randsegment dar. Mit einem durchschnittlichen Anteil von 0,22 Prozent am Gesamtumsatz tragen sie vergleichsweise wenig bei. Der Umsatz stieg allerdings laut Branchenanalyst bioVista im vergangenen Jahr überdurchschnittlich um 5,9 Prozent.
Mit 24 Marken steht dem Handel laut Umsatz-Ranking bioVista zufolge ein breites Sortiment zur Verfügung, angeführt von Sonett und Sodasan. Es folgen Almawin, Klar und Ecover. Newcomer Kluuk landet auf Platz sechs. Die Tochtermarke von Sodasan soll gezielt junge Menschen mit hohem ökologischem Bewusstsein und kleinerem Einkommen ansprechen, die bisher im Bioladen keine Wasch- und Reinigungsmittel gekauft haben. Tatsächlich fehlte bislang eine Preiseinstiegsmarke im Waschmittelbereich.
Sensitiv-Produkte für wichtige Zielgruppen
Weitere wichtige Zielgruppen sind Allergiker, Menschen mit sensibler Haut und junge Eltern. Fast alle der hier vorgestellten Marken bieten mindestens ein Sensitiv-Produkt an, das bewusst auf Duftstoffe verzichtet. Auch die meisten Waschnuss-, Rosskastanien und Seifenkrautprodukte sind frei von Duftstoffen. Mit Klar gibt es sogar eine komplett duftfreie Produktreihe. Das spricht zum Beispiel Eltern an, deren Kinder sehr sensible Haut haben. Wer waschbare Windeln verwendet, findet in den meisten Bioläden passende Produkte für Wollhosen und Windeln, und auch für das wärmende Schaffell.
Was im Basissortiment nicht fehlen sollte, sind Waschmittel mit Lavendelduft. Sowohl bei Sodasan als auch bei Sonett haben sich die flüssigen Lavendel-Produkte seit Jahren als Bestseller etabliert. Rebecca Kramer, Geschäftsführerin bei Sonett, weist zudem darauf hin, dass in letzter Zeit Pulverprodukte stärker nachgefragt werden. Ein Neuprodukt, das auffällt, ist die Duftrichtung Hibiskus & Pfingstrose von Planet Pure. Claudia Schöneweiß-Akin, verantwortlich für das Marketing der Marken Almawin und Klar, hebt hervor, dass das Sport- und Outdoor-Waschmittel nun auch in der praktischen 100-Milliliter-Flasche erhältlich ist. „Optimal als Reisewaschmittel, weil es bei niedrigen Temperaturen wäscht und sich auch gut für die Handwäsche eignet.“
Besser nach Kategorien platzieren
Rebecca Kramer von Sonett rät, Produkte nach Kategorien ins Regal einzusortieren, „auch wenn die Platzierung im Block schöner aussieht“. So könnten Kundinnen und Kunden auf den ersten Blick die Auswahl wahrnehmen. Claudia Tiede, Marketingleiterin bei Sodasan, empfiehlt für die neuen Kluuk-Produkte statt der üblichen Bück-Tiefe für preisgünstige Ware eine Platzierung auf Augenhöhe, schließlich solle die neue Marke die Aufmerksamkeit der Kundschaft gewinnen, die nicht gezielt nach ihr suche.
Hersteller unterstützen gerne dabei, die Aufmerksamkeit der Kunden auf ihr Sortiment zu lenken, Werbung zu machen und zu informieren – mit Plakaten, Display und Flyern. „Auf Anfrage schicken wir gerne Texte und Bilder für Newsletter-Content“, verspricht Claudia Schöneweiß-Akin von Almawin. Sonett verteilt Leitfäden zum ökologische Waschen sowie einen speziellen zur Serie Sensitiv. Alvita hat eine Waschfibel entwickelt, und auf Websites, etwa von Almawin gibt es Antworten auf die Frage „Warum ökologisch waschen?“ Zudem bieten der Sonett-Katalog und die Sodasan-Website nützliche Informationen und Verkaufsargumente.
Verkaufstipps von der Kollegin
Doris Bauer Geschäftsführerin Biomarkt Geist, Öhringen (900m²)
- Wir sind bei Waschmitteln breit aufgestellt: von Almawin, Sonett und Sodasan führen wir fast das gesamte Sortiment, dazu gehören auch Kluuk als Preiseinstiegsprodukt und Klar mit Produkten ohne Duft. Daneben bieten wir noch eine Wollkur und Waschnüsse an.
- Die Waschmittel sortieren wir nach Marken ins Regal, Kluuk kommt als Preiseinstiegsprodukt nach unten. Zur Einführung vor einem Jahr haben wir für die Kunden eine Preisaktion gemacht und Flyer an der Kasse ausgelegt.
- Wenn wir von Herstellern Flyer bekommen, legen wir sie im Regal dazu. Gelegentlich gibt es kleine Produktproben. Die legen wir an der Kasse aus und da werden sie gerne mitgenommen.
Beratung und Kurse der Hersteller nutzen
Wer konkrete Fragen hat, kann sich bei Sonett, Sodasan oder Almawin auch telefonisch oder per E-Mail beraten lassen. Sodasan, Almawin und Sonett schicken nach wie vor ihre Außendienstler zur Unterstützung und Schulung der Mitarbeitenden. Noch anschaulicher lassen sich die Verkaufskurse Öko-Waschmittel beim Hersteller gestalten. „Wir stellen uns und unsere Geschichte vor, bieten Produktschulungen an und sprechen über Produktinhalte, Zertifizierungen, Anwendungen“, berichtet Rebecca Kramer. Zudem können Ladner, Ladnerinnen und Mitarbeitende zu Führungen bei Sonett kommen. Dort freut man sich über den Besuch.
Basiswissen Waschmittel
Öko-Waschmittel sind aus nachwachsenden Rohstoffen produziert und deutlich umweltfreundlicher als andere Saubermacher. Argumente für ein wichtiges Randprodukt des Bio-Fachhandels.
Über 600.000 Tonnen Waschmittel landen jährlich im Abwasser, wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben. Darin finden sich biologisch schwer abbaubare Stoffe, die teilweise als Klärschlamm auf den Feldern landen und das Ökosystem belasten. Dabei heißt es in der Detergenzienverordnung der EU, dass Reinigungsmittel Gesundheit und Umwelt möglichst wenig beeinträchtigen sollen.
Doch viele Stoffe fallen nach wie vor durchs Sieb. Denn nur die waschaktiven Substanzen, sogenannte Tenside, müssen laut der Verordnung biologisch abbaubar sein. Öko-Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln unternehmen große Anstrengungen, um Schäden an Umwelt, Tier und Mensch zu vermeiden.
Welches Waschmittel wofür?
- Vollwaschmittel Das Starke für weiße und farbechte Buntwäsche. Enthält Bleichmittel, die Grauschleier verhindern und Flecken lösen, aber Wäsche schneller ausbleichen. Öko-Produkte enthalten keine optischen Aufheller. Waschtemperaturen: 20 bis 95 Grad.
- Colorwaschmittel Der Allrounder wäscht gründlich, enthält aber keine bleichenden Zusätze und schont daher Farben besser als ein Vollwaschmittel. Waschtemperaturen: bis 60 oder bis 95 Grad.
- Für Feines, Wolle und Seide Ein niedriger oder neutraler pH-Wert passt zu proteinbasierten tierischen Fasern. Schaumbildende Seifen schonen empfindliche Synthetik. Wollwachs oder Fett aus der Seife schützen die Fasern. Waschtemperatur bis 40 Grad.
- Sportwaschmittel Funktionswaschmittel reinigen in der Regel ohne Seifen, um die Membrane von Goretex und Co. nicht zu verstopfen und Elasthan nicht anzugreifen. Waschtemperatur je nach Hersteller bis 40, 60 oder 95 Grad.
- Mild und hautfreundlich Waschmittel mit Extrakten aus Seifenkraut, Rosskastanien oder Waschnüssen enthalten natürliche Tenside (Saponine), die leicht verschmutzte Wäsche sehr schonend und mit Weichspüleffekt reinigen. 30 bis 95 Grad.
Kein verbindliches Bio-Label
Ein allgemein verbindliches und leicht erkennbares Bio-Logo, so wie es für Lebensmittel existiert, gibt es allerdings für Waschmittel nicht, weder auf EU- noch auf Länderebene. Die Hersteller in der Bio-Branche halten sich an die BNN-Sortimentsrichtlinien für umweltfreundliche(re) Waschmittel. Diese beinhalten den Einsatz von nachwachsenden pflanzlichen Rohstoffen und verbieten prinzipiell synthetische Substanzen aus der Erdölindustrie.
Alle eingesetzten organischen, also von Pflanzen oder Tieren stammenden Substanzen müssen leicht biologisch abbaubar sein, nicht nur die Tenside. Daher sind Stoffe wie Mikroplastik, Phosphonate oder optische Aufheller nicht erlaubt. Enzyme, die mit Hilfe von Gentechnik produziert wurden, schließen die BNN-Richtlinien ebenfalls aus. Die BNN-Regeln umfassen auch eine Volldeklaration sämtlicher Inhaltsstoffe auf dem Etikett. Bei herkömmlichen Waschmitteln reicht hingegen eine allgemeine Zusammenfassung der Inhaltsstoffe. Allerdings lässt der BNN für den Einsatz von petrochemischen Inhaltsstoffen Ausnahmen zu. „Für Sonett war dies der Grund, aus dem BNN auszutreten. Nach unserer Auffassung gehört Petrochemie nicht in ökologische Wasch- und Reinigungsmittel – und wird auch gar nicht gebraucht“, bemerkt dazu Rebecca Kramer. Sonett und auch Sodasan kommen ganz ohne petrochemische Inhaltsstoffe aus.
Marken wie Sodasan, Almawin, Klar, Kluuk oder Naturgut verwenden nicht nur die aus der Kosmetik bekannte Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe, kurz INCI. Veröffentlicht werden auch die deutschen Bezeichnungen. Bei Planet Pure steht zudem die Funktion des Inhaltstoffs dabei, Sonett erklärt beispielsweise, woraus die Tenside hergestellt sind und welche Aufgabe sie im Produkt übernehmen. Öko-Waschmittel sind von unabhängigen Kontrollstellen zertifiziert und tragen die Labels von Nature Care Produkt (NCP), Ecocert oder Ecogarantie. Diese drei Zertifizierungen gehen generell mit den strengen Regeln des BNN konform, der selbst kein eigenes Logo vergibt. . Ecocert und Ecogarantie machen wenige Ausnahmen beim Einsatz von Petrochemie. Ecocert macht zusätzlich eine Ausnahme bei Enzymen. Enzyme spalten Eiweiß, Fett und Stärke, wirken wie eine Art Fleckenteufel. Sie werden in der Regel von Mikroorganismen hergestellt, die mit Hilfe von Gentechnik optimiert wurden. Ecocert stellt hier nur die Bedingung, dass die Enzyme, die als Inhaltsstoffe in Wachmitteln eingesetzt werden, keine Spuren dieser Mikroorganismen enthalten dürfen.
Baukasten-Waschmittel nur im Bioladen
Die im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel gelegentlich verwendeten Siegel wie Blauer Engel oder das EU Ecolabel sind im Vergleich weniger konsequent. Sie setzen beispielsweise Grenzwerte statt Verbote auszusprechen. Oder sie begnügen sich damit, dass die ausgezeichneten Produkte in irgendeiner Form nachhaltiger sind als andere.
Grundsätzlich gelten Baukastensysteme als eine der ökologischsten Methoden, um Wäsche zu waschen. Ein solches System besteht aus drei Komponenten: einem Schmutzlöser mit waschaktiven Substanzen wie Tensiden, einem Bleichmittel zur Fleckenentfernung und Rohstoffe in Bio-Qualität sind im Waschmittelbereich noch schwer erhältlich.
Diese Komponenten lassen sich je nach Verschmutzung, Wasserhärte, Waschtemperatur und Stoffeigenschaft individuell dosieren. Im Gegensatz dazu enthalten die praktischen, fertig gemischten Vollwaschmittel alle Komponenten – auch solche, die in einem bestimmten Waschgang gar nicht benötigt werden. Baukasten-Waschmittel gibt es nur im Bioladen und werden von Sonett und Alvito angeboten.
Öle für die Herstellung von Seifen und ätherische Öle aus Bioanbau seien sehr viel teurer, berichtet Rebecca Kramer. Sonett und Sodasan setzen trotzdem zunehmend auf Bio-Rohstoffe in ihren Waschmitteln. Ein weiterer umweltfreundlicher Aspekt ist die Einsparung von Transportenergie und Verpackungsmaterial. Aus diesem Grund werden viele Waschprodukte im Biohandel als Konzentrate angeboten, die ergiebiger sind.
Was Kunden wissen wollen
Wird Wäsche mit Öko sauber?
Öko-Waschmittel waschen nicht besser, aber auch nicht schlechter als konventionelle – das zeigen einschlägige Testergebnisse. Das Baukasten-Waschmittel von Sonett landete vor einiger Zeit bei Ökotest auf dem Siegertreppchen: für beste Ergebnisse in Bezug auf die Waschkraft und weil es die Umwelt schont.
Was hilft gegen schlechten Geruch?
Wenn die gesamte Wäsche müffelt, hilft es, die Maschine einmal leer und bei mindestens 60 Grad mit Bleichmittel oder Waschmaschinenreiniger laufen zu lassen, um Beläge zu entfernen. Nach dem Waschen immer dafür sorgen, dass die Maschine gut austrocknet. Regelmäßiges Reinigen der Gummiteile und des Waschmittelfachs verhindert Geruchsbildung.
Wie entferne ich Schweißgeruch?
Mit Sportwaschmittel. Es enthält meist ZinkRicinoleat, einen Stoff, der aus Rizinusöl gewonnen wird und Gerüche absorbiert. Das funktioniert schon ab 20 Grad und nicht nur bei Sportkleidung, sondern auch bei Socken und Baumwoll-T-Shirts.
Wäsche soll auch angenehm riechen
Milde Naturwaschmittel auf Basis von Waschnuss, Rosskastanie oder Seifenkraut gelten als leicht abbaubar. Sie arbeiten mit Saponinen, die Fett und Schmutz schonend entfernen und die Wäsche weich machen. Die Waschkraft reicht vor allem für leicht verschmutzte Textilien aus. Sie sind pH-neutral und damit freundlich zur Haut. Wichtig ist, beim Verkauf zu empfehlen, bei hartem Wasser Enthärter zuzusetzen, um Schäden an der Waschmaschine zu vermeiden. Extrakte oder auch ganze Waschnussschalen sind bei Naturgut, Govindanatur, Almawin und Waschbär erhältlich. Waschbär führt auch Produkte mit Seifenkraut. Waschnuss und Co. gehören zu den Klassikern des Biohandels und sind außerhalb dieses Bereichs nur schwer zu finden.
Für Kunden mit empfindlicher Haut oder Allergieneigung bietet der Bioladen eine gute Auswahl. Manche Öko-Hersteller lassen ihre Produkte dermatologisch testen. Einige Produkte aus der Sensitiv-Linie von Klar tragen das Logo des Deutschen Allergie- und Asthmabunds, während das Testinstitut Dermatest die Hautverträglichkeit der Alvito-Waschlösung bestätigt. Mit Klar können Bioläden eine komplette Sensitiv-Linie anbieten und viele Marken stellen auch Sensitiv-Produkte ganz ohne Duft bereit.
Auf der anderen Seite lassen sich viele Kunden beim Waschmittel-Einkauf gerne vom Duft leiten. Wäsche soll nicht nur sauber sein, sondern auch angenehm riechen. Besonders beliebt sind natürliche ätherische Öle aus Lavendel. Wer eine große Auswahl an anderen Düften, beispielsweise Hibiskus und Pfingstrose, Rose, Orangenblüte oder Jasmin sucht, findet diese bei Planet Pure.
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