- Das sind die Topseller und Spezialitäten unter den Trockenfrüchten
- Trockenfrüchte probieren lassen
- Süße Trockenfrüchte
- Wie werden Trockenfrüchte hergestellt?
- Trockenfrüchte: Vorteile von Bio-Qualität
- Haben getrocknete Früchte noch Nährstoffe?
- Trockenfrüchte: Sortiment und Herkunft
- Was Kunden über Trockenfrüchte wissen wollen
Schmackhaft, haltbar, praktisch als Snack, vielseitig in der Küche und dann auch noch mit gesunden Nähr- und Vitalstoffen… wer Argumente für Trockenfrüchte benötigt, muss nicht lange suchen. Die süßen Snacks sind beliebt. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes lag der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum im Wirtschaftsjahr 2023/24 bei 1,3 Kilogramm. Im Bio-Fachhandel zeigt sich der Absatz an Trockenfrüchten laut Fabian Ganz vom Branchenanalysten Biovista stabil.
Aufgrund von Preissteigerungen im Segment, ergab sich für den Zeitraum Oktober 2024 bis September 2025 sogar eine Steigerung des Umsatzes von 7,1 Prozent. „Der Bio-Fachhandel hat eine Premium-Kundschaft, welche die Preissteigerungen in diesem Sortimentsbereich offensichtlich mitgeht“, bewertet Fabian Ganz die Entwicklung. Immerhin lag der durchschnittliche Umsatz eines Ladens mit Bio-Dörrobst inklusive gefriergetrockneten Varianten bei 1.135 Euro pro Monat.
Das sind die Topseller und Spezialitäten unter den Trockenfrüchten
Die im Bio-Fachhandel von Biovista erfasste Artikelvielfalt belegt mit rund 405 Artikeln eine stattliche Breite, die sich durchaus auch im Laden wiederfinden sollte. „Feigen, Datteln, Aprikosen, Sultaninen und Pflaumen gehören zu den Topsellern“, verrät Fabian Ganz. Doch auch die noch weniger bekannten Sorten, etwa Beeren wie Goji, Maulbeere und Berberitze erfreuen sich in Bio-Kreisen wachsender Beliebtheit, beobachtet Anbieter Terrasana.
Govinda – in den Anfängen des Unternehmens auf ein breites Trockenfruchtsortiment bauend – konzentriert sich seit Kurzem ausschließlich auf den neuen Bio-Kundenliebling Berberitze. Unter den Top-Neuartikeln tat sich laut Fabian Ganz besonders ‚Bunter Beeren Mix‘ von Rapunzel hervor. „Durch das gestiegene Gesundheitsbewusstsein und den Longevity-Trend setzen Verbraucher vermehrt auf natürliche, vitaminreiche Snacks mit hohem Ballaststoffgehalt“, analysiert Nadine Heitmann von Morgenland das generell steigende Interesse der Kundschaft an Trockenfrüchten. Sie sieht vor allem die gefriergetrockneten Früchte, allen voran die wilden Heidelbeeren sowie Himbeeren an Beliebtheit gewinnen.
Für die Platzierung von Trockenfrüchten im Laden gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Jasmin Maiwald von Govinda empfiehlt: „Als erstes im Trockenfruchtregal in der Nähe zu Nüssen und Saaten, eine Zweitplatzierung bei den Backzutaten oder in Schütten neben den Frühstückscerealien und schließlich im Kassenbereich oder bei saisonalen Themeninseln“. Die Sichtbarkeit der hochwertigen Trockenfrüchte erhöhten Regalstopper in Kombination mit kleinen Wissenskärtchen. Zusätzlich empfehle sich Storytelling, so Felix Grosch, Teamleitung Öffentlichkeitsarbeit bei Rapunzel, etwa zur Herkunft, so dass die direkte Zusammenarbeit mit den Bauernfamilien erlebbar werde. Ähnliches ließe sich für Gojibeeren von Terrasana initiieren, so Vertriebsleiter Daniel Heinrich.
Tipps von der Kollegin
Stefanie Volger, Marktleitung Bioladen Wedde (760 qm), Paderborn
Bei den Trockenfrüchten macht es Sinn, die unterschiedlichen Packungsgrößen von klein bis groß anzubieten. Alles davon dreht sich gut. Exoten wie Physalis, Mango, Sauerkirsche und andere Spezialitäten platzieren wir von Zeit zu Zeit in der Obstabteilung neben den frischen Früchten.
Probieren lassen überzeugt am besten. Viel Erfolg mit Aha-Effekt habe ich, wenn ich ganz spontan, also ohne geplante
Verkostung, vereinzelt Kostproben anbiete.
Unsere Käseabteilung verarbeitet Trockenfrüchte in leckeren Aufstrichen, zum Beispiel Frischkäse-Mischungen mit Feige-Rosmarin, Feige-Honig oder Dattel-Lauch-Curry. Mit einem Chutney aus Feigen und alkoholfreiem Wein, verkostet auf Chicorée-Schiffchen, sind die Zutaten im Aufbau daneben ein toller Kaufanreiz.
Bei den in Gläsern verpackten Trockenfrüchten ist die Kundschaft wegen des höheren Preises zurückhaltend. Wenn man betont, dass praktischerweise nichts umgefüllt werden muss und die Ware nach Anbruch trotzdem frisch bleibt, ist das ein gutes Argument.
Trockenfrüchte probieren lassen
Bei allem sollte gerade bei diesem geschmacksintensiven Sortiment das Genießen im Vordergrund stehen. Neue Käuferinnen und Käufer ließen sich ohne großen Aufwand durch stille Verkostungen gewinnen, „am besten mit einer Auswahl an kleingeschnittenen Trockenfrüchten“, so Diana Telöken aus dem Marketing von Naturata.
Probierportionen, Infos zu Herkunft und Besonderheiten sowie ein einfaches Rezept für die Verwendung zu Hause, sieht Jasmin Maiwald von Govinda als Erfolgsrezept. Soft-Produkte sind bei Rapunzel der bevorzugte Schlüssel für die Geschmacksknospen der Kundschaft. Daniel Heinrich von Terrasana rät zu Maulbeeren als Süß-Snack-Probe.
Süße Trockenfrüchte
Wie werden Trockenfrüchte hergestellt?
Das Trocknen oder Dörren von Früchten ist eine der ältesten und natürlichsten Konservierungsmethoden. Die vollreifen Früchte trocknen dank Luft und Sonne je nach Sorte über Stunden, Tage, vereinzelt über Wochen auf einen Wassergehalt von unter 20 bis 10 Prozent. Längst werden hierfür auch Öfen genutzt, welche die Trockenzeit verkürzen und die Hygiene erleichtern.
Bei Temperaturen von unter 35 bis 55, in Einzelfällen auch bis zu 80 Grad Celsius schrumpfen die Früchte und konzentrieren ihren Zuckergehalt und wertgebende Inhaltsstoffe. Wenig Wasser, viel Zucker – solche Bedingungen mögen Schimmelpilze und Bakterien nicht, weshalb das Dörrobst ungekühlt, trocken und lichtgeschützt mehrere Monate bis zu drei Jahren haltbar ist.
Einzelne Trockenfrüchte werden vor dem Trocknen für eine bessere Haltbarkeit pasteurisiert. Andere erhalten nach der Ernte eine kurze Schockfrostung gegen Schädlingsbefall. Eine Sprühbenetzung mit Pflanzenöl ist Mittel der Wahl, um ein Zusammenkleben zu verhindern.
Trockenfrüchte: Vorteile von Bio-Qualität
Der Verzicht auf Insektizide, Herbizide und künstliche Dünger ist einer der wesentlichen Vorteile von Bio-Trockenfrüchten. Eine Garantie für rückstandsfreie Produkte ist zwar auch Bio nicht ausnahmslos, wie Tests zeigen, doch in jedem Fall profitiert die Umwelt.
Klimaschonende Verfahren in Verarbeitung und Vertrieb sind ebenso wie der Aspekt sozialer und fairer Handelsbeziehungen ein Kernthema der Inverkehrbringer. Teils kann die Herkunft der Produkte bis zur Bauernfamilie rückverfolgt werden.
Ganz besonders überzeugen die Früchte mit hochwertiger Qualität und besonderer Geschmacksintensität. Mehrstufige risikobasierte Analysen sorgen für Sicherheit gegenüber Rückständen oder Schimmelpilztoxinen. Wichtig für Allergiker: Sulfite zum Konservieren werden bei Bio-Produkten nicht eingesetzt.
Haben getrocknete Früchte noch Nährstoffe?
Trockenfüchte sind sehr süß. Der Zuckergehalt aus Frucht- und Traubenzucker (je nach Frucht 30 bis 70 Prozent) stammt aus den Früchten selber – nur in sehr seltenen Fällen, etwa bei Cranberries kommt eine Behandlung mit Apfeldicksaft oder Zucker dazu.
Gegenüber aus Zucker gefertigten Süßigkeiten punkten Trockenfrüchte mit bioaktiven Inhaltsstoffen (Farbstoffe, Flavonoide), Vitaminen (z.B. Vitamin C, ß-Carotin), Mineralstoffen und Spurenelementen (z.B. Eisen, Mangan, Kalium), die den Trocknungsprozess größtenteils überdauern. Gleichzeitig liefern Pflaume und Co. eine Extraportion Ballaststoffe.
Trotzdem gilt unter anderem auch wegen der neuerdings vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit festgestellten Acrylamidbelastungen und dem Zuckergehalt: Sparsam genießen!
Trockenfrüchte: Sortiment und Herkunft
Rosinen, Korinthen, Weinbeeren, Feigen, Datteln, Aprikosen, Pflaumen sind traditionell bekannte Trockenfrüchte. Bio-Läden brachten in den 80ern zusätzlich Apfelringe ins Spiel. Inzwischen erweitern weitere Sorten das Trockenobst-Sortiment, zum Beispiel Cranberries, Ananas, Mango, Sauerkirschen. Seltener im konventionellen Handel, jedoch bei Bio sind Aronia, Maulbeere und Berberitze gesuchte Spezialitäten.
Auch Exoten wie Physalis und Jackfruit sind zu haben. Trockenfrüchte im Bioladen haben ihren Ursprung in den unterschiedlichsten Teilen der Erde. Rosinen und Co. sowie Feigen, Aprikosen und Maulbeeren stammen etwa aus Anbauprojekten in der Türkei, Pflaumen aus den USA, Beerenfrüchte aus Polen, Usbekistan, Finnland, Kanada, Goji-Beeren aus China, Berberitzen aus dem Iran, Datteln aus Tunesien, Mango aus Mali oder Burkina Faso, Ananas aus Togo. Klimaveränderungen, Wetterextreme und politische Unsicherheiten verursachen von Zeit zu Zeit Lieferengpässe.
Was Kunden über Trockenfrüchte wissen wollen
Was sind Softfrüchte?
Sorten wie Aprikose, Pflaume und Feige überzeugen auch als Softfrüchte mit einem Wassergehalt von 20 bis 30 Prozent. Das Geheimnis in der Herstellung: Die Früchte erhalten nach der Trocknung eine Wasserdampfbehandlung, sie werden dadurch weich und sind sehr viel besser zu beißen.
Was sind gefriergetrocknete Früchte?
Frisch geerntet werden die ganzen oder in Scheiben geschnittenen Früchte in kurzer Zeit schockgefrostet. Anschließend verdampft (sublimiert) das Wasser der Früchte im Vakuum, so dass nur etwa zwei bis fünf Prozent Restfeuchte zurückbleibt. Ergebnis sind luftig-leichte, teils krosse Leckereien mit viel fruchteigenem Aroma und stark leuchtenden Farben. Vor allem Beeren wie Himbeeren, Heidelbeeren, schwarze Johannisbeeren oder Erdbeeren, aber auch Mango und Ananas gibt es in gefriergetrockneter Variante.
Was ist das Besondere an Sultaninen?
Durch eine spezielle Behandlung, das ‚Dippen‘ in einer Lösung aus Pottasche und Olivenöl, wird die Wachsschicht der Trauben vor dem Trocknen gelöst. Der Trocknungsprozess wird dadurch verkürzt und die Früchte behalten eine hellere Farbe.
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