Mit Olivenöl bestreitet ein Bioladen durchschnittlich 1,13 Prozent seines Umsatzes, pro Monat sind das immerhin knapp 2.000 Euro. Es ist ein relevantes Sortiment, stark, aber gleichzeitig sensibel. Denn in den vergangenen Jahren fuhren die Olivenölpreise Achterbahn: Ab 2023 stiegen sie zwei Jahre lang um 70 bis 100 Prozent an (zu den Gründen siehe „Was Kunden wissen wollen“). Inzwischen haben sich die Preise auf mittelhohem Niveau eingependelt.
Die Auswahl ist groß, Biovista allein zählt 45 Marken. Zwei bis vier der Top-Marken im Regal, dazu ein Preiseinstiegsprodukt, das hilft der Kundschaft bei einer ersten Orientierung. Top-Marken nach Umsatz sind Rapunzel, Bio Planète, Mani Bläuel und Byodo. Die Preiseinstiegsmarke Dennree liegt in puncto Umsatz auf Platz 5. Spitzenprodukte kleinerer Anbieter unterstreichen die Bio-Kompetenz in Sachen Feinkost und helfen, sich von konventionellen Mitbewerbern abzusetzen.
Großes Sortiment, das gepflegt werden will
Christina Brenninger von Byodo empfiehlt, die Olivenöle im Markenblock zu platzieren und Bratölen einen extra Platz einzuräumen. Verena Rosendahl vom Stuttgarter Organix Biomarkt würde das ernährungsphysiologisch besonders wertvolle Polyphenolöl zu Gesundheitsölen wie etwa Leinöl räumen.
„Unser mildes Olivenöl ist seit Jahren unangefochtener Kundenliebling im Sortiment“, berichtet Bio Planète-PR-Managerin Antje Steglich. Gleichzeitig beobachtet sie seit ein, zwei Jahren: „Immer mehr Verbraucher greifen im Fachhandel zu fruchtigem Olivenöl.“ Oft wissen Kunden aber gar nicht so genau, welches Öl sie mögen. Auf der Bio Planète-Website hilft ein Test dabei, das herauszufinden. Einige Hersteller benennen auf den Etiketten das Aroma des jeweiligen Öls. Geläufig ist eine Einteilung in Richtung kräftig-fruchtig, mittel-fruchtig und mild. Viele Anbieter-Websites liefern darüber hinaus Bilder und Lesestoff in Sachen Olivenöl, bei Rapunzel gibt es eine entsprechende Broschüre.
Verkostungen helfen der Kundschaft bei ihrer Suche nach persönlichen Vorlieben, binden sie näher an den Laden und fördern den Abverkauf. San Vicario bietet regelmäßig Verkostungen an: als Schulung für Inhaber und Mitarbeitende und als Abendveranstaltung und Feinkost-Geschmacks-Erlebnis für die interessierte Kundschaft. Auch Bio Planète und Mani Bläuel schicken geschulte Verkoster und entsprechendes Equipment – Werbematerial, Schälchen, Produkte. Die Byodo-Website bietet eine Anleitung zur Vorbereitung und Durchführung und stellt Verkostungsbögen zur Verfügung. Bei begleiteten wie stillen Verkostungen machen bebilderte Rezepte am Tisch Appetit. Mani Bläuel bindet gelegentlich ein Gewinnspiel mit ein.
Tipps von der Kollegin aus dem Bio-Laden
Verena Rosendahl Organix Biomarkt, Stuttgart, 540 qm
Bei Olivenöl präsentieren wir im Wesentlichen vier Marken: die drei Top-Anbieter und Bio-Ilios, ein Olivenöl, das wir direkt vom Importeur aus Griechenland beziehen. Dazu ein Produkt für den Preiseinstieg und einige wenige Flaschen von drei weiteren Anbietern.
Viele Kunden sind etwas ratlos. Manche mögen am liebsten ein Olivenöl, das kaum danach schmeckt. Andere suchen nach besonders Hochwertigem und sind erstaunt, dass das ein bisschen im Hals kratzt. Ich frage nach, um Vorlieben herauszufinden: kräftig, fruchtig oder mild. Und ich habe drei bis vier Empfehlungen parat: Was ich selbst mag und solche, die sehr beliebt sind und sich gut verkaufen.
Wir lassen Olivenöl ab und zu verkosten: montags bis donnerstags, da ist weniger los als am Wochenende. Die Kundschaft hat mehr Zeit und Ruhe und wir haben alles besser im Blick. Das Ganze ist schnell aufgebaut: drei Sorten Olivenöl in Schälchen, Weißbrotstückchen zum Tunken, Verkaufsware und ein dekorativer Basilikumtopf. Unser Verkostungs-Tischchen steht direkt bei der Gemüse-Bedientheke. Da ist schnell mal einen Öltropfen weggewischt oder Brot nachgefüllt.
Displays und Deko schaffen Atmosphäre
Gut gemachte Displays schaffen Atmosphäre. Auch Thementische lassen (Urlaubs-) Stimmung aufkommen. Diana Telöken von Naturata nennt als Deko-Elemente Olivenzweige, ein rustikales Holzbrett und eine kleine Europakarte mit markierten Herkunftsorten. Regina Kerz von Bioladen/Weiling ergänzt das Thema Wohlbefinden: Olivenöl gemeinsam präsentiert mit Lein-, Schwarzkümmel- oder Hanföl und mit Nahrungsergänzungsmitteln. Festtage wie Ostern oder Weihnachten bieten Anlass, das „flüssige Gold des Mittelmeerraums“ auf Geschenktischen aufzubauen. Anbieter wie Bio Planète oder Ölmühle Solling haben entsprechende Geschenkboxen im Programm. Als besonders hochwertiges Lebensmittel macht sich das Öl auch gut in Geschenkkörben.
Olivenöl: Kurz und Knapp
Olivenöl wird aus der gesamten Olive gewonnen, nicht aus Kernen, Nüssen oder Saaten wie andere Öle. Ähnlich wie bei Wein oder Kaffee bringen unterschiedliche Sorten, Lagen, Böden, Klima und Verarbeitungsweisen eine große Vielfalt an Aromen hervor. Geerntet wird zwischen Oktober und Februar und dann kommt es auf zeitnahe und sorgsame Verarbeitung an. Nativ Extra oder Extra Virgin ist die Bezeichnung für Olivenöle, die ab Ernte bei maximal 27 Grad gelagert und verarbeitet werden.
Ein Gütezeichen, maximal 0,8 Prozent Fettsäure, wird als Beleg dafür gesehen, dass die Oliven sorgfältig geerntet und zeitnah ausschließlich mechanisch verarbeitet wurden. Mit nativ extra werden heute die meisten in Flaschen verkauften Olivenöle ausgezeichnet. Die nächste Qualitätsstufe heißt nativ. Noch niedrigere Qualitäten haben meist keine extra Bezeichnung. Öl aus früh geernteten Oliven schmeckt fruchtig, pfeffrig und ein bisschen bitter – ein Qualitätsmerkmal. Spätere Ernte oder längere Lagerung machen Olivenöl milder.
Bio Olivenanbau: Methoden und Vorteile
Bio-Olivenbäume wachsen mit Gras oder bodenpflegendem Klee als Unterwuchs. Nützlinge oder Duftfallen, die die männlichen Fliegen verwirren, bekämpfen Schadinsekten wie die Olivenölfliege. Die empfindlichen Früchte werden mit Rüttelstäben oder Rechen vorsichtig geerntet und schnellstmöglich in nahegelegenen Mühlen weiterverarbeitet: gereinigt, gewaschen, zu Brei vermahlen und zentrifugiert. Nötig sind dafür qualitativ einwandfreie Früchte. Der Ertrag ist geringer als bei der konventionellen Methode, bei der Insektizide zum Einsatz kommen und Vollernter in Großplantagen die Ernte einbringen. Bio-Produzenten können davon ausgehen, dass ökologisch behandelte Olivenbäume robuster sind und auf Böden wachsen, die weniger verdichtet sind und daher Regenwasser besser aufnehmen können.
Was Kunden wissen wollen
Warum ist Olivenöl so teuer geworden?
In den vergangenen Jahren sind die Preise für Olivenöl exorbitant gestiegen. In Spanien, dem weltweit größten Olivenproduktionsland, war 2022 die Hälfte der Ernte ausgefallen und auch andere Länder hatten schlechte Erträge eingefahren. Grund waren Wetterextreme und die Olivenfruchtfliege. Dazu kamen höhere Transport-,Dünger- und Energiekosten. Inzwischen ist die Aufwärtsbewegung gestoppt. Was bleibt, ist der Klimawandel mit Hitze, Dürren, Unwettern. Olivenbäume, die wie im Bio-Anbau nicht in Monokultur und ohne synthetischen Dünger wachsen, sind zwar nicht unverwüstlich, aber robuster.
Woran erkenne ich gutes Olivenöl?
Je mehr ein Etikett über Herkunft, Erzeuger, Erntejahr, Olivensorte, Aroma, eventuell sogar Erntezeitpunkt verrät, desto höher ist die Chance ein sehr gutes Olivenöl in der Hand zu halten.
Mit welchem Olivenöl braten?
Olivenöl der Qualitätsstufe nativ extra hält im Allgemeinen Temperaturen bis zu 190 Grad stand. Das reicht, um Gemüse anzubraten, zu dünsten oder zu kochen. Zum Frittieren und Backen und wenn Fleisch scharf angebraten werden soll, empfiehlt sich wasserdampf-behandeltes Olivenöl. Tipp: Nach dem Kochen oder Braten einen Schuss nativ extra über das Koch- oder Bratgut träufeln.
Kann ich mit Olivenöl auch backen?
Olivenöl eignet sich als Fett für salziges und manchmal sogar für süßes Gebäck wie etwa Schoko- oder Zitronenkuchen. Generell gilt: Anstelle von 100 Gramm Butter 80 Gramm Olivenöl und 20 Gramm Flüssigkeit verwenden.
Nährwerte von Olivenöl im Überblick
Olivenöl enthält viele einfach ungesättigte Fettsäuren (MUFAs) und Polyphenole. MUFAs beeinflussen die Cholesterinwerte im Blut positiv und können das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen mindern. Polyphenole bekämpfen Entzündungen und schützen die Zellen vor freien Radikalen. Auch das enthaltene Vitamin E wirkt antioxidativ. Neuere Studienergebnisse geben Anhaltspunkte dafür, dass kontinuierlicher Genuss das Brustkrebsrisiko verringert und die Wahrscheinlichkeit an Demenz zu sterben minimiert.
Auch in Bio-Olivenölen finden Tester teils Spuren von Mineralölbestandteilen. Sie stammen vermutlich aus Schmieröl, das von Maschinen bei der Ernte, Produktion und Transport hineingeraten ist. Bio-Hersteller arbeiten mit Qualitätschecks an Minimierungskonzepten.
Sortiment Bio-Olivenöl: Qualitäten und Herkunft
Dem Handel steht ein breitgefächertes Spektrum an Bio-Olivenölen zur Verfügung: Angefangen mit einfacher Nativ-Qualität und Mischungen aus verschiedenen Ländern oder aus einem Land bis hin zu Cuvées aus speziellen Regionen wie Toskana oder Kreta und zu noch kleineren Einheiten. Im Extremfall stammt das Olivenöl von einem einzigen Produzenten, der seine Ernte in der eigenen Mühle verarbeitet hat.
Oft werden verschiedene Olivensorten zu einer Assemblage zusammengefügt, gelegentlich ist es auch nur eine, wie etwa die Koroneiki-Olive. Sie hat ein fruchtig-weiches Aroma und ist besonders reich an wertvollen Polyphenolen. Unternehmen wie Rapunzel, San Vicario oder Mani Bläuel krönen ihr Sortiment mit Auszeichnungen von renommierten internationalen Olivenöl-Wettbewerben und/oder Testsiegen bei Ökotest und Stiftung Warentest. Eine Besonderheit bei Mani Bläuel ist die Naturland Fair-Zertifizierung. Bio Planète und neuerdings auch Mani Bläuel füllen Olivenöl in Mehrwegflaschen.
Olivenöl im Bioladen: Die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick
Welche Bedeutung hat Olivenöl für den Umsatz im Bio-Fachhandel?
Mit Olivenöl bestreitet ein Bioladen durchschnittlich 1,13 Prozent seines Umsatzes, pro Monat sind das immerhin knapp 2.000 Euro.
Wie sollte das Olivenöl-Sortiment im Fachhandel aufgebaut sein?
Zwei bis vier der Top-Marken im Regal, dazu ein Preiseinstiegsprodukt, das hilft der Kundschaft bei einer ersten Orientierung. Spitzenprodukte kleinerer Anbieter unterstreichen die Bio-Kompetenz und helfen, sich von konventionellen Mitbewerbern abzusetzen.
Wie kann der Fachhandel Kundinnen und Kunden bei der Auswahl des Olivenöls unterstützen?
Verkostungen helfen der Kundschaft bei ihrer Suche nach persönlichen Vorlieben, binden sie an den Laden und fördern den Abverkauf. Nachfragen, um Vorlieben herauszufinden: kräftig, fruchtig oder mild. Ein paar Empfehlungen parat haben.
Welche Maßnahmen fördern den Abverkauf von Olivenöl im Laden?
Gut gemachte Displays schaffen Atmosphäre. Auch Thementische lassen (Urlaubs-) Stimmung aufkommen. Festtage wie Ostern oder Weihnachten bieten Anlass, Olivenöl auf Geschenktischen aufzubauen.
Welche Qualitätsmerkmale sind für gutes Olivenöl entscheidend?
Je mehr ein Etikett über Herkunft, Erzeuger, Erntejahr, Olivensorte, Aroma, eventuell sogar Erntezeitpunkt verrät, desto höher ist die Chance ein sehr gutes Olivenöl in der Hand zu halten.
Kommentare
Registrieren oder anmelden, um zu kommentieren.