Mit dem so genannten Living-Income-Programm verpflichtet sich der erste Handelspartner, der Discountermarkt Lidl, zur Zahlung des Fairtrade-Mindestpreises und einem ergänzenden Beitrag zur Schließung der Einkommenslücke der Kakao-Bäuerinnen und -Bauern, teilt Fairtrade in einer Pressemeldung mit.
Weiter heißt es: „Ein existenzsicherndes Einkommen umfasst mehr als die Deckung der Produktionskosten. Es bedeutet, dass Familien ihre Ausgaben für Ernährung, Wohnen und Gesundheit tragen können, in Bildung investieren, Rücklagen bilden und ihren Betrieb weiterentwickeln können.“
Der Discounter Lidl stellt nach eigenen Angaben sein gesamtes Eigenmarken-Tafelschokoladensortiment in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Österreich auf das Programm um – „verbindlich und unabhängig von Weltmarktpreisen“, heißt es in der Pressemitteilung. Das Engagement ist demnach auf mindestens fünf Jahre angelegt und schaffe damit Planungssicherheit für Kooperativen in den Anbauregionen Westafrikas. Davon sollen bis zu zehn Kooperativen in Ghana und Côte d’Ivoire profitieren.
„Das ist das Engagement, das wir im Kakao-Sektor brauchen.“
Für Fairtrade ist die Umstellung von Lidl auf das Fairtrade-Programm für existenzsichernde Einkommen „ein wichtiges Signal an die Branche“. Globale Lieferketten stehen unter wachsendem Druck durch Klimawandel, ökologische Belastungsgrenzen und regulatorische Anforderungen. „Wenn die Einkommen der Produzenten und Produzentinnen zu niedrig bleiben, gefährdet das nicht nur Menschenrechte, sondern auch die langfristige Verfügbarkeit von Kakao. Mit unserem Programm liefern wir die Instrumente für strukturelle Veränderung. (...) Das ist das Engagement, das wir im Kakao-Sektor brauchen“, sagt Claudia Brück, Vorständin für Kommunikation und Politik bei Fairtrade Deutschland.
Bereits seit 20 Jahren arbeitet der Discounter Lidl mit Fairtrade zusammen und geht nach eigenen Angaben nun den nächsten Schritt in der Kooperation: „Echte Veränderung entsteht erst durch Skalierung. Jetzt geht es darum, neue Maßstäbe zu setzen und Wirkung zu vervielfachen: Wir machen fair nun zum Standard”, erklärt Stefan Haensel, Head of Quality & Sustainability, Senior Vice President bei Lidl International.
Die Investitionen in Living Income gelten laut der Pressemitteilung ab August 2026 für das vollständige Tafelschokoladensortiment der Lidl-Eigenmarken in Festlistung. Das neue Verpackungsdesign, auf denen das Engagement sichtbar wird, soll 2027 eingeführt werden.
Hintergrund
Rund zwei Drittel des weltweiten Kakaos stammen laut Fairtrade aus Westafrika. Gleichzeitig leben viele Kakaobäuerinnen und -bauern in Ghana und Côte d’Ivoire unter prekären Bedingungen. Niedrige Einkommen verstärken soziale Ungleichheit, erschweren Investitionen in nachhaltige Anbaumethoden, begünstigen ausbeuterische Kinderarbeit und erhöhen den Druck auf Wälder. Selbst hohe Weltmarktpreise führen nicht automatisch zu stabilen, existenzsichernden Einkommen.
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