„30 Prozent Bio bis 2030“ – das politische Ziel ist seit der Bundestagswahl 2025 in den Hintergrund gerückt. Und mit ihm einer der wichtigsten Bausteine, die Außer-Haus-Verpflegung (AHV). Vom abflauenden Engagement auf Bundesebene lässt sich keiner der befragten Besucher und Aussteller der Fachmesse „Für regionale und kulinarische Verbindungen“ in Frankfurt am Main aus dem Konzept bringen.
Regionale Produzenten und deren Abnehmer wissen in Hessen offenbar, was sie aneinander haben. An der Basis scheint regionale Wertschöpfung gelebte Praxis zu sein. Auf der Fachmesse gaben viele der Befragten an, bereits gut vernetzt zu sein und bei der Veranstaltung weitere Kontakte knüpfen zu wollen.
Die Veranstalter, das House of Food Frankfurt in Kooperation mit der Initiative Gastronomie Frankfurt e. V. (IGF), brachten zum dritten Mal Akteure aus Produktion, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung zusammen.
Feste Größen treffen auf junge Kreative
Unter den rund 30 Austellern waren bekannte Größen aus Hessen wie die Upländer Bauernmolkerei und die Bio-Anbaubetriebe und Direktvermarkter Ackerlei aus Bruchköbel und Antonius aus Fulda dabei.
Auch Start-ups wie Revoja präsentierten ihre Ideen und Produkte. Das dreiköpfige Team von Revoja um Gründungsmitglied Phillip Kaapke bezieht Sojatrester und Okara von einer Sojafarm in Bingen (Rheinland-Pfalz). Es handelt sich dabei um Nebenprodukte der Sojamilchproduktion, die mittels Fermentation und Pilzmyzel zu proteinreichen Produkten wie Sauce, Creme und Drinks für Gastronomie und Handel verarbeitet werden. Auch eine vegane, mykofermentierte Fleischalternative hat das Team, das an der Hochschule Geisenheim mit dem Upcycling von Nebenprodukten begann, entwickelt.
Das junge Unternehmen Verrano war mit der Erfolgsnachricht zur Messe gekommen, dass es seine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen hat. Das Räuchergemüse, das inzwischen mehrfach in den Bordbistros der Bahn erhältlich war und in der Spitzengastronomie eingesetzt wird, wird zukünftig in zehnfacher Menge produziert (Bericht folgt).
Auch das Ehepaar Christian und Rebekka May vom Biohof May aus Junkershausen in der bayerischen Rhön ist in Frankfurts Gastronomie gut vernetzt und bekannt für Dinkelreis und Fleischspezialitäten. Einmal in der Woche beliefert das Paar seine Kundschaft im Rhein-Main-Gebiet persönlich, präsentiert sich bei Verkostungen, greift Ideen und Wünsche auf, experimentiert.
Regionalität als „starkes Narrativ“
Gastronom Nir Rosenfeld, der in Frankfurt vegane Restaurants, eine Großküche und zwei Foodtrucks betreibt, gehörte ebenfalls zu den Ausstellern. Das Thema vegane Außer-Haus-Verpflegung ist ihm nach eigener Aussage ein Anliegen, ebenso wie der Einsatz regionaler Lebensmittel. Er schwört auf Kichererbsen aus Friedberg in der Wetterau.
Unter den Besuchern war der in Frankfurt bekannte und umtriebige Gastronom James Ardinast, Entwickler von Restaurants, Bars und Eventformaten, der unter anderem das Restaurant im Jüdischen Museum in Frankfurt betreibt. Regionale Ware ist für ihn eines der wichtigsten Verkaufsargumente, wie er im Gespräch mit BioHandel sagt. Mit Ware aus der Region bekomme er das „bessere Produkt und ein starkes Narrativ“. Für sein Konzept und die Wirtschaftlichkeit seiner Lokale seien regionale Erzeuger und die Vernetzung mit ihnen unerlässlich. Mit seinem Team arbeite er daran, die Speisekarten seiner Restaurants umzugestalten und Profi-Köche von der Verwendung ausschließlich regionaler und saisonaler Produkte zu überzeugen. Die Bewegung zu regionaler und nachhaltiger Außer-Haus-Verpflegung sei aus seiner Sicht in vollem Gange.
Über das House of Food
Das House of Food will Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet nach eigenen Angaben als Standorte für transparente, sichere und nachhaltige Beschaffung positionieren. Die Versorgung der Region mit gesunden, hochwertigen und saisonalen Lebensmitteln aus der Umgebung soll gefördert und so Landwirtschaft und Wirtschaft gleichermaßen gestärkt werden. Die Fachmesse will Menschen aus Bereichen wie regionaler Erzeugung, Verarbeitung, Groß- und Einzelhandel sowie Außer-Haus-Verpflegung zusammenbringen, um strategische Geschäftsbeziehungen aufzubauen und regionale Produkte vorzustellen.
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