Die badische Kaufmannsfamilie Kohler hat im Frühjahr 2025 in Offenburg ein neues E-Center der Superlative eröffnet. Auf 5.500 Quadratmeter Fläche findet die Kundschaft 55.000 Artikel. 5.000 davon sind Bio-Produkte. Geschäftsführer Dr. Maximilian Kohler und Marktleiter Alexander Roske präsentierten BioHandel auf einem Rundgang ihr Konzept.
Während sich Einkäufer im Lebensmitteleinzelhandel vielerorts die Frage stellen, welche Marken und Produkte man listen sollte, scheint das Team von Edeka Kohler einen Schritt weiter zu sein: „Wir haben so viele tolle Produkte im Sortiment. Uns geht es darum, dass die Kundschaft entdeckt, was wir alles haben“, sagt Marktleiter Alexander Roske.
„Wir sind ein Vollsortimenter. Vom WC-Papier bis zum Spitzen-Wein kriegt man bei uns alles“, ergänzt Roske. Die Nachfrage nach Preiseinstiegsware werde ebenso bedient wie das hochpreisige Markensortiment. Die goldene Regel lautet: „Wir wollen die Kunden nicht bevormunden. Alles hat seine Berechtigung.“ Diese Strategie hat sich das Kohler-Team selbst zum Ziel gesetzt, sagt der Geschäftsführer von Edeka Kohler, Dr. Maximilian Kohler.
„Unser Job ist es, Bio besondere Plätze zu bieten.“
Gleichwohl versteht es das Kohler-Team als seine Aufgabe, Bio zu fördern. „Unser Job ist es, Bio-Produkten besondere Plätze zu bieten“, sagt Maximilian Kohler. Etwa durch die Platzierung wie in der Obst- und Gemüseabteilung. Oder aber im Kassenbereich: Statt Regalen voller Quengelware werden in übersichtlichen, flachen Regalen gesunde Snacks wie Nüsse angeboten oder auch Ingwer-Shots von Voelkel. Die Bio-Kundschaft, bei der durch die Inflation eine Unsicherheit entstanden sei, wolle man nun zurückzugewinnen.
Um den Käuferinnen und Käufern Orientierung zu bieten und Bio sichtbar zu machen, sind die Preistafeln von Bio-Produkten mit grünen Aufsteckern markiert, die Regale mit „Alles Bio“-Schriftzügen. In der Obst- und Gemüseabteilung wird Bio bei Edeka Kohler seit 2025 nicht mehr im Block präsentiert, sondern in grün umrandeten Fächern ins Sortiment integriert. Das Ergebnis: „Bio wächst“, sagt Maximilian Kohler. Der Bio-Anteil am Obst- und Gemüse-Umsatz sei um 5 Prozent gestiegen, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis gut sichtbar sei. Reiter an den Regalen bieten der Kundschaft Basis-Infos zu Herstellern und Produkten, etwa zum hessischen Bio-Unternehmen Alnatura. Eigene Gondelköpfe weisen außerdem den Weg zur Alnatura-Pasta oder zum Öl.
Regionales Bio: Verbundenheit zieht bei der Kundschaft
Den Anteil von Bio am Gesamt-Umsatz gibt Kohler nicht bekannt. Dass Bio aber von Bedeutung ist, zeigt das Sortiment. Darunter sind etwa 500 Produkte von Rapunzel. 700 Produkte stammen von Alnatura – „für diejenigen Kunden, die Alnatura früher bei DM gekauft haben“, sagt Roske. Obgleich im Vorkassenbereich des Neubaus sogar eine DM-Filiale integriert ist, soll die Kundschaft bei ihrem Stopp bei Kohler alles finden, was sie will und benötigt. „Mit geschätzten Bio-Marken gelingt Kundenbindung“, betont Kohler.
Den Schwerpunkt bei der Sortimentsgestaltung setzt Kohler bei 70 regionalen (Bio-)Händlern und -Lieferanten. „Das ist eine Stärke von uns“, sagt Maximilian Kohler. Er beobachtet: „Was von hier kommt, wird auch gekauft.“ Die Verbundenheit zur Heimat ziehe bei Leuten. Sie kennen die Firmen und Leute, die da arbeiten. „Edeka ist der größte Arbeitgeber in der Region“, berichtet Kohler. Zudem sei das Vertrauen in Erzeuger aus der unmittelbaren Umgebung groß. Mit „Unsere Heimat“ sind Teile des regionalen Sortiments überschrieben und das Angebot umfasst eine breite Palette von Produkten: Vom Apfelsaft des örtlichen Obsthofs bis zum regional erzeugten Kräutertee oder Kaffee aus Röstereien vor Ort.
Eine Woche vom Anruf des Händlers bis zur Listung
Ein Kunde fragt Marktleiter Roske auf unserem Rundgang, wo er den Apfelsaft vom Obsthof Spinner finden könne. Rosker weist ihm den Weg in die Obstabteilung. Und wie es mit der Fragen zum Bio-Segment? Gibt es Beratungsbedarf? Alexander Roske beobachtet: „Die Leute sind informiert. Wenn sie herkommen, wissen sie meist schon, was sie wollen.“ Infos über Produkte holt sich die Kundschaft laut Roske woanders – online und in den sozialen Medien zum Beispiel. Was die Kunden aber durchaus adressieren, ist das Interesse an Trend-Produkten, die sich in ihrem Markt wünschen.
Für solche Vorschläge, die das Produktportfolio sinnvoll ergänzen, ist das 130-köpfige E-Center-Team nach eigenen Angaben immer offen. Allerdings gelte es bei jedem Artikel, den entsprechenden Platz auf der Fläche zu suchen. „Die Regale sind nicht aus Gummi“, sagt Alexander Roske. Ob ein neues Produkt gelistet wird, hänge davon ab, ob es einen Mehrwert biete: Ein weiterer neuer Gin oder das nächste Müsli seien nicht unbedingt gefragt.
Anders war das mit einem beliebten Produkt aus Freiburg: Stefans Käsekuchen. Da genügte ein Anruf des Herstellers und von der Idee bis zum Verkauf dauerte es nur eine Woche. „Das ist unkompliziert und das macht Spaß“, sagt Roske.
Der Kunde mit dem Apfelsaft kommt noch mal an uns vorbei – erneut auf der Suche. Er hätte da einen Verbesserungsvorschlag: „Könnt Ihr die Einkaufswägen mit GPS ausstatten? Die findet man in dem riesigen Laden so schlecht wieder!“
Rundgang durchs E-Center Kohler in Offenburg
5 Fragen an Maximilian Kohler
Dr. Maximilian Kohler ist Mitglied der Kohler-Geschäftsführung und Edeka-Kaufmann in vierter Generation.
1. Welches Ziel haben Sie sich bei der Gestaltung des neuen E-Centers gesetzt?
Wir haben einen großen, schönen Markt fürs „Slow Shopping“-Erlebnis geschaffen, in dem Kunden sich gerne aufhalten. Es ist ein Ort der Begegnung, der persönlichen Kontakte. Der Laden ist trotz seiner Größe übersichtlich, ruhig, geradlinig und gemütlich. Die moderne Technik halten wir bewusst im Hintergrund.
2. Wie gestalten Sie Ihr Sortiment?
Wir sind frei in der Sortimentsgestaltung. Das ist ein Glück und ein Mehrwert für den Laden. Jeder Edeka-Markt ist ein eigenes Testlabor. Das macht den Job auch für Mitarbeitende interessant. Wenn ich am Wochenende mit dem Rennrad im Kaiserstuhl unterwegs bin und sehe unterwegs einen interessanten Erzeuger, dann kann ich seine Produkte – sofern die Voraussetzungen erfüllt sind – aufnehmen.
3. Seit wann spielt Bio eine Rolle in den Kohler-Märkten?
Bio hat bei uns eine lange Geschichte. So arbeitet zum Beispiel der ehemalige Geschäftsleiter Einkauf der Edeka Südwest, der damals Demeter zur Edeka Südwest gebracht hat und inzwischen im Ruhestand ist, heute noch an zwei Tagen pro Woche für uns. Er hat sehr viel Erfahrung und ein gutes Gespür für das Bio-Sortiment.
4. Wie schnell listen Sie Produkte wieder aus?
Wir haben 55.000 Produkte. Jeden Tag kommen und gehen welche. Und jede Woche gibt es eine Sortimentsbereinigung – da ist alles in Bewegung. Besonderen Spaß machen uns lokale Produkte, die mit uns groß werden und langfristig erfolgreich sind.
5. Sind Sie offen für Verkostungen?
Unbedingt, das befördert auch Listungen. Wir sind die letzten, die nein sagen, wenn Hersteller Verkostungen anbieten.
Edeka Kohler – Familienunternehmen in vierter Generation
16 Märkte betreibt die badische Kaufmannsfamilie Kohler in Freiburg und Umgebung.
- 1950 legten Martha und Wilhelm Kohler mit dem Beitritt zum genossenschaftlichen Edeka-Verbund und der Eröffnung ihres ersten, 30 Quadratmeter großen Ladens den Grundstein für das Familienunternehmen. Inzwischen führt die Familie 15 Märkte. Anfang Dezember öffnet der 16. Markt.
- Die Enkelsöhne der Gründer, Uwe und Gerd Kohler, bilden seit 2024 gemeinsam mit Uwe Kohlers Sohn Dr. Maximilian Kohler die Geschäftsführung des Unternehmens Edeka Kohler mit Sitz in Lahr und rund 950 Beschäftigten. Uwe Kohler ist zudem Vorsitzender des Kuratoriums der Regionalgesellschaft Edeka Südwest (siehe Infokasten unten) sowie der Edeka-Zentrale in Hamburg.
- Das Familienunternehmen wurde bereits vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Branchenpreis Goldener Zuckerhut.
Edeka Südwest in Zahlen
- Edeka Südwest mit Sitz in Offenburg ist eine von sieben Edeka-Regionalgesellschaften in Deutschland. Zum Verbund gehören – Stand November 2025 – 1.116 Märkte und sechs Markttypen: Edeka, E-Center, nah und gut, Marktkauf, E24/7, trinkgut. Rund 1,4 Millionen Kundinnen und Kunden kaufen täglich bei Edeka Südwest ein, heißt es aus der Zentrale.
- Der Unternehmensverbund, inklusive des selbständigen Einzelhandels, ist nach eigener Aussage mit rund 47.000 Mitarbeitenden sowie etwa 3.000 Auszubildenden in rund 40 Berufsbildern einer der größten Arbeitgeber und Ausbilder in der Region.
- Das Vertriebsgebiet erstreckt sich über Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland sowie den Süden Hessens und Teile Bayerns.
- Einer der Schwerpunkte des Sortiments der Märkte liegt laut Edeka Südwest auf Erzeugnissen aus der Region. Produkte der Regionalmarke „Unsere Heimat – echt & gut“ bezieht Edeka Südwest eigenen Angaben zufolge von 1.500 Erzeugern und Lieferanten aus den Vertriebsgebieten in den jeweiligen Bundesländern.
- Edeka Südwest bietet „geballte Bio-Kompetenz – vom Preiseinstieg über Regionalität bis zur Fachhandelskompetenz“, wie Jürgen Mäder, einer der drei Geschäftsführer der Edeka Südwest, bei den diesjährigen Öko-Marketingtagen sagte. Die Bio-Auswahl umfasst laut Mäder das Basissortiment der Eigenmarke Edeka Bio sowie ein „Differenzierungssortiment“, bestehend aus Herstellermarken wie Alnatura, Bauck, Rapunzel und Zwergenwiese, Lebensbaum, Voelkel und Vivani.
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