Die Trends in der Schönheits- und Körperpflege bewegen sich aktuell zwischen extremen Gegensätzen. Die Bandbreite reicht vom Wunsch, das eigene Äußere möge KI-generierten Idealen entsprechen bis hin zum „Bed Rotting“ – einem Tiktok-Trend, der dem Drang zur Selbstoptimierung nachlässiges Faulenzen gegenüberstellt.
Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) stellt im Trendreport „Transforming Beauty“ die wichtigsten Entwicklungen vor und analysiert, wie sich Bedürfnisse, Lebensstile und Produktangebote entwickeln. Das Fazit: „Beauty-Produkte sollen konkrete Probleme lösen und im Alltag entlasten.“
Erstellt wurde die Studie vom Team des Frankfurter Thinktanks „The Future:Project“ um Lena Papasabbas. Sie sagt: „Trends folgen einer neuen Logik.“ Die Taktung neuer Einflüsse sei hoch, die Entwicklungen verliefen schnell. Und: Jeder Trend bringe einen Gegentrend hervor. Sie alle würden maßgeblich durch Social-Media beeinflusst.
Die gegensätzlichen Bewegungen im Überblick
- Hyperästhetik und Gesundheitstrend
Das „Insta-Face“ ist für einen Teil junger Menschen zum Maßstab geworden. „Analoges Empfinden passt sich der digitalen Bildwelt an“, sagte Lena Papasabbas beim IKW-Round Table, bei dem der IKW-Trendreport vorgestellt wurde. Das Gesicht soll wirken, als sei ein KI-Filter darüber gelegt. Der „Glass-Skin“-Look beispielsweise erfordert aufwändige Routinen, bis keine Pore der Haut mehr zu erkennen ist. Das erzeugt Druck.
„Gleichzeitig werden Menschen dem digital produzierten Optimierungsdruck müde“, so Papasabbas weiter. Die Folge sei ein „Boom der ganzheitlichen Schönheit. Wohlbefinden und Gesundheit sind der neue Maßstab.“ Bei den Konsumenten wachse der Wunsch nach Pflege, die sich gut anfühlt und natürlich ist. Umfassende Selbstfürsorge soll die Langlebigkeit fördern. Körper und Geist, Haut, Haare und Hormone werden einbezogen und Lebensphasen werden stärker zusammengedacht.
- Selbstinszenierung und Funktionalität
„Make-up, Duft und Pflege lösen sich immer stärker von klassischen Geschlechterbildern“, heißt es im Trendreport. Entscheidend sei, ob ein Produkt zum Menschen und zum Lebensstil passt. Dazu sagte Lena Papasabbas: „Aussehen ist nicht mehr Ausdruck einer Haltung, sondern eine Projektionsfläche, die bespielt und kuratiert wird. Schönheitsideale werden fluide.“
Gleichzeitig achten Konsumenten und Konsumentinnen stärker darauf, was Kosmetik tatsächlich bewirkt. Sie orientieren sich an Labels und entscheiden sich bewusst für Naturkosmetik. Inhaltsstoffe und wissenschaftliche Belege gewinnen an Bedeutung, heißt es weiter.
- Schneller Boost und dauerhafte Prävention
Neben schnellen Lösungen wie Fillern oder Abnehmspritzen auf der einen Seite wachse das Interesse an Prävention. „Menschen möchten nicht erst reagieren, wenn Haut, Haare oder Zähne sichtbar altern, sondern vorsorgen“, heißt es im Trendreport. Schönheitspflege rücke damit näher an Gesundheit heran. Anti-Aging werde zum „Lebensprojekt“ und beginne bereits in der Jugend. Diese Abkehr vom schnellen Boost hin zur dauerhaften Vorsorge zeige sich in der wachsenden Bedeutung von gesundem Schlaf, Sonnenschutz und individuellen Pflege-Routinen für einen verlangsamten Alterungsprozess.
Kosmetik der Zukunft: funktional und individuell
Für die Zukunft sagt der Trendreport „Transforming Beauty“ eine Tendenz zur individuellen Schönheitspflege voraus. „Produkte werden künftig noch stärker auf persönliche Daten, Hautzustand, Stresslevel, Hormone, Schlaf oder Mikrobiom eingehen und passende Lösungen anbieten“, heißt es darin. Das Badezimmer werde zukünftig womöglich ein Ort „voller Hightech“ sein, entscheidend für den Konsum bleibe jedoch immer der menschliche Nutzen.
„Schönheitspflege gibt Menschen in einem stressigen Alltag etwas sehr Konkretes: Wirksamkeit, Wohlbefinden und das gute Gefühl, sich und den eigenen Körper zu stärken“, sagt Dr. Anika Burkard, neue Bereichsleiterin des Kompetenzpartners Schönheitspflege im IKW. Sie folgt auf Birgit Huber, die Ende Juni in den Ruhestand geht.
„Pflege soll helfen, sich im eigenen Körper wohlzufühlen, den Alltag besser zu bewältigen und mit mehr Selbstvertrauen aufzutreten“, so die Schlussfolgerung der IKW. Schönheit werde weniger ein starres Ideal. „Sie wird zu einem Zusammenspiel aus Individualität, Aussehen, Wohlbefinden, Gesundheit, Haltung und Lebensqualität.“
Kommentare
Registrieren oder anmelden, um zu kommentieren.