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Cosmondial: Naturkosmetik gehört ins Bio-Regal

Bio-Kunden interessieren sich nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Naturkosmetik. Vom Fachhandel wird sie vernachlässigt, sagt Stephan Becker von Cosmondial. Die Produktionskapazitäten hat er dennoch vergrößert – und sucht nach neuen Absatzmärkten im LEH. 

Die nagelneue Maschine zum Puderpressen haben die Cosmondial-Geschäftsführer Stephan und Silke Becker an einem Sonntag ausprobiert. Zum einen, weil das Ehepaar gern weiß, wie die firmeneigenen Maschinen funktionieren. Zum anderen, weil es unerwartete Krankheitsausfälle in der Produktion gab – und Kundschaft, die kurz vor Weihnachten dringend auf Lieferungen wartete. 

Am Wochenende zuvor hatte der Naturkosmetik-Hersteller seine Türen am Standort Sulzbach geöffnet und zum ersten Mal in der 18-jährigen Geschichte des Unternehmens Interessierte aus dem Ort und der Umgebung zum Werksverkauf eingeladen.

Die Wochenendaktivitäten der Beckers zeigen, wie die Familienunternehmer ticken: Sie machen Dinge gerne selbst, und alle packen mit an. Zwei der drei erwachsenen Kinder des Paares arbeiten mit im Betrieb – inzwischen auch der Schwiegersohn. 

Angebot an Naturkosmetik steigt in den Drogerien

Um unabhängig zu sein von der einstmaligen Produktionsstätte in Italien, haben die Beckers über fünf Millionen Euro in den Standort in Sulzbach investiert – in Lager- und Produktionshalle, Labor, Misch- und Abfüllanlagen. Fast alle der 400 Produkte der hauseigenen Marken Benecos und GRN werden hier gefertigt. 

Das Unternehmen Cosmondial haben Stephan Becker und seine Frau Silke im Jahr 2008 gegründet. „Wir sind angetreten, um dem Fachhandel eine Alternative zu Drogeriemarktprodukten zu bieten. Das würden wir gerne so beibehalten“, sagt Stephan Becker. Einfach macht es ihm der Bio-Fachhandel aber nicht. Nach der Delle im Verkauf dekorativer Kosmetik während Corona kam das Geschäft nicht mehr richtig in Fahrt. Im Gegenteil, es sinkt kontinuierlich – im europäischen Ausland etwas mehr als in Deutschland, berichtet Becker. Und das, obwohl Angebot und Nachfrage an Naturkosmetik in Drogerien stetig steigen. 

Dass die Interessen der Bio-Kunden über Nahrungsmittel hinausgehen, wird in Beckers Augen zu oft vernachlässigt, was er als „vertane Chance“ bezeichnet. Seiner Auffassung nach sollte der Handel den bio-affinen Zielgruppen auch Produkte anbieten, die eine ganzheitliche Bio-Lebensweise ermöglichen. 

Naturkosmetik rückt im Bio-Fachhandel in den Hintergrund

Suche nach Absatzmärkten im LEH: Benecos bei Bipa, Edeka und Tegut

Das Jahr 2025 brachte Cosmondial zwischen April und September einen Einbruch im Verkauf, den sich niemand im Unternehmen erklären kann. „So können wir nicht weitermachen“, sagt Becker. 

An ein reines Online-Geschäft glaubt er nicht, bezeichnet es als „brutal hartes Business“. „Es wird immer teurer, online zu kommunizieren. Der Preis pro Klick steigt immer weiter", sagt Becker und betont: „Wir brauchen eine Trendwende.“ 

Doch die ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Messeleitung der Biofach in Nürnberg hat 2024 die hauseigene Fachmesse Vivaness aus dem Programm genommen. Der bio verlag, in dem BioHandel erscheint, hat 2025 das langjährige Naturkosmetik-Kundenmagazin cosmia aufgrund sinkender Nachfrage eingestellt.

Die Beckers haben in der Folge von Corona das Körper- und Gesichtspflege-Sortiment erweitert – es umfasst inzwischen 50 Prozent des Gesamtsortiments. 2026 will das Familienunternehmen das Private-Label-Geschäft ausbauen. 

Und auch der Gang in den Lebensmitteleinzelhandel ist in Sulzbach ein Thema. Seit Kurzem ist Benecos bei der österreichischen Drogerie-Kette Bipa gelistet. Zwei Jahre Vorlauf waren dafür nötig – und viel Investment. Rund 400 Euro kostet beispielsweise ein Display für die Produkte. Über 500 Filialen auszustatten bedeutet, viel Geld in die Hand zu nehmen. Seit zwei Jahren ist Cosmondial auch als einzige Marke im dekorativen Segment bei Tegut vertreten. Doch auch Tegut hat zu kämpfen mit Entlassungen und Filialschließungen. Erfolgreich gestartet ist Cosmondial als lokaler Anbieter bei einem Edeka-Markt in der Region – ein Konzept, das auch andernorts erfolgreich ist.  

„Die Marke GRN zeigt unsere Bandbreite und dient als Aushängeschild für potenzielle Private-Label-Kunden.“

Stephan Becker, Geschäftsführer von Cosmondial

Look und Rezeptur wurden überarbeitet, jetzt ziehen die Produkte der Marke GRN um ins Premiumsegment. Die Zielgruppe: erfahrene Naturkosmetik-Anwenderinnen.

In diesem Jahr bringt Cosmondial seine Produktlinie GRN neu – und ganz groß – heraus. Die Marke war „Corona zum Opfer gefallen“, erinnert sich Stephan Becker. Kurz nach dem Launch kam der Lockdown. Händler wie Kunden reagierten damals verhalten auf die noch unbekannte Linie im mittleren Preissegment

Jetzt gibt's einen frischen Start (siehe Bild). Nicht nur die Verpackung ist neu, auch die Rezepturen wurden überarbeitet und GRN zieht um ins Premiumsegment. In Sulzbach sind mit dem Launch große Hoffnungen verbunden – und auch etwas Furcht, ob die Idee im Markt funktioniert, ob die Linie bei den Konsumenten ankommt und das Konzept überzeugt. GRN ergänzt das Segment für die junge Zielgruppe um Produkte für erfahrene Anwenderinnen. Bei Cosmondial will man mit dem Launch „neue Impulse setzen“. „Die Marke zeigt unsere Bandbreite“, so Becker. Und soll auch als Aushängeschild für potenzielle Private-Label-Kunden dienen.

Den Standort so groß auszubauen und in eine eigene Produktion zu investieren bezeichnete Becker im Gespräch mit BioHandel vor zwei Jahren als „die beste Entscheidung“. Ob er das heute immer noch so sieht? „Es war die beste Entscheidung“, wiederholt er Ende 2025. Die Räumlichkeiten bieten Puffer, die Produktion kann jederzeit um eine Etage erweitert werden. „Wir können kurzfristig reagieren“, ergänzt Becker. Das bedeutet: Neue Produktideen können schnell umgesetzt, größere oder auch kleinere Mengen ad hoc hergestellt werden. Ob 25.000 Creme-Tuben oder auch nur 2.500 – Beckers haben sich Spielraum geschaffen. Die Abhängigkeit von Zulieferern ist geringer. Wenn Rohstoffe fehlen, kann sofort weiter produziert werden, sobald sie wieder verfügbar sind. Zur Not auch sonntags. 

Zahlen – Daten – Fakten

Ob 25.000 Creme-Tuben oder auch nur 2.500 – mit dem Ausbau des Standorts in Sulzbach hat Cosmondial neuen Spielraum geschaffen.

Firma: Cosmondial
Standort:
Sulzbach, Bayern
Geschäftsführung:
Stephan und Silke Becker
Gründung:
2008
Mitarbeitende:
50
Sortiment:
Körper- und Gesichtspflege, dekorative Kosmetik der Marken Benecos und der neu aufgelegten Marke GRN (siehe Foto)
Website:
www.cosmondial.com

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