Deutsche lieben fruchthaltige Erfrischungsgetränke. Im europäischen Vergleich liegen sie im Verbrauch auf Platz eins. Zwar sinkt die Nachfrage dem Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie (VdF) zufolge hierzulande seit Jahren erheblich. Doch zumindest für Bio-Fruchtschorle ist die Lage nicht ganz so düster. Hier ermittelte Branchenanalyst Biovista von März 2025 bis Februar 2026 ein Umsatzplus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Inflationsbereinigt läge man immerhin noch bei einem Plus von etwa 2,7 Prozent.
Warum Bio-Fruchtsaftschorlen derzeit gefragt sind
Der Bio-Schorle kommt offenbar nicht nur die aktuelle Diskussion rund um Zucker in Getränken und die Zuckersteuer zu Gute, sondern auch ihre Natürlichkeit und die Regionalität der Produktion. „Das macht sie zum attraktiven täglichen Durstlöscher für Genießer mit hohem Anspruch an Gesundheit und Nachhaltigkeit“, bewertet Christine Frank aus dem Marketing der Beutelsbacher Fruchtsaftkelterei die Situation. Auch andere, etwa Adelholzener, Fritz-Spritz, Ostmost und Voelkel, sprechen von soliden teils steigenden Verkaufszahlen.
Bio-Schorlen im Wettbewerb mit Trendgetränken
Insgesamt machen Bioläden nach Biovista-Zahlen allerdings nur etwa 0,1 Prozent des Gesamtumsatzes mit dem Verkauf von Schorlen. Das ist ausbaufähig. „Natürliche Fruchtsaftschorlen haben in den letzten Jahren im Erfrischungsgetränkeregal viel Konkurrenz aus dem Bereich Limo-Trendgetränke und andere Mischungen erhalten“, so Lukas Küttner, Leiter Marketing bei Ostmost. „Doch es gibt inzwischen genug Schorlekreationen, die geschmacklich spannend und so lecker sind, dass sie die Stirn bieten können.“
Mit Verkostungen mehr Bio-Fruchtsaftschorlen verkaufen
Probieren lassen, ist einer der besten Wege, die Schorlen in den Mittelpunkt zu rücken und Spontankäufe auszulösen, sind sich die Bio-Hersteller einig. Besonders lohnenswert sei das an „warmen Tagen, ab Mittag, wenn die KundInnen Erfrischungen suchen“, empfiehlt Bernhard Vogl. Wichtige Punkte dabei sind, „mehrere Sorten, sortiert und gut beschildert, kleine Servietten und gute Erklärung des Produkts und der Inhaltsstoffe“, rät das Team von Beutelsbacher.
„Neben dem Tasting schafft ein persönliches Gespräch Vertrauen, etwa wollen Kunden gerade bei Schorlen wissen, woher die Früchte kommen“, meint Ole Müggenburg aus dem Marketing von Voelkel. Seine Empfehlungen für die Verkostung sind „Gläser mit einem großen Durchmesser, um ein optimales sensorisches Erlebnis zu ermöglichen“. Zudem sei eine emotionale, visuelle Inszenierung hilfreich, die Natürlichkeit und Regionalität vermittelt.
„Eine kleine Theke, nur mit Fruchtsaft-Schorlen und Gläsern bestückt, ist ein einfaches, effektives stilles Verkostungsangebot.“
Streuobstflächen als Verkaufsargument für Bio-Fruchtsaftschorlen
„In den letzten Jahrzehnten sind etwa 80 Prozent der Streuobstfläche in Deutschland verschwunden und mit ihnen wichtiger Lebensraum für Flora und Fauna“, erklärt Lukas Küttner. „Animieren wir unsere Kundschaft mit passender Kaufentscheidung, diese Entwicklung aufzuhalten“, schlägt er vor: „Besonders in der warmen Jahreszeit empfehlen sich prominente Kasten-Zweitplatzierungen beispielsweise in der Frischeabteilung neben dem Obst.“
Warum gekühlte Bio-Schorlen den Absatz steigern
Dafür bieten Hersteller meist Kistenstecker, Plakate oder Voelkel beispielsweise auch jährlich wieder verwendbare Holzregale an. Das Thema „ausreichend und gesundheitsbewusst trinken“ trifft zu jeder Jahreszeit.
„Generell sollten neben der klassischen Platzierung in der Getränkeabteilung ausgewählte Sorten einen Platz im Kühlschrank oder -regal gut sichtbar und erreichbar bekommen – „mindestens in einer Kühltonne, wenn der Platz für mehr nicht ausreicht“, schreibt Christine Frank von Beutelsbacher, „denn gekühlte Getränke für den direkten Konsum sind sehr gefragt“.
Tipps von der Kollegin: Bio-Schorlen im Ladenalltag
Christiane Kaufmann, Geschäftsführerin Bioladen Pusteblume, Ostercappeln, 120 m² plus 40 m² Bistro
- Bei Fruchtsaft-Schorlen führen wir nur eine Marke (Voelkel) und bieten hiervon alle Sorten an. Apfelschorle in der Größe 0,33 l ist in der Nachfrage klar führend, die Apfel-Grapefruitschorle in 0,5 l-Flasche belegt Platz 2.
- Im Getränkeregal stehen die Schorlen neben den Eistees im Saftregal. Limonaden und Bier befinden sich im Regal gegenüber. Im Sommer rutschen die Schorlen im Regal auf Augenhöhe.
- Der Verkauf von Limonaden ist bei uns weitaus höher als der von Schorlen. Mein persönlicher Wunsch ist, den Fokus stärker auf die natürlichen, ungesüßten Erfrischungsgetränke-Alternativen zu legen – das stützt die Kundenwahrnehmung als Einkaufsort ‚nachhaltiger‘ und ‚natürlicher‘ Produkte.
- Zu unserem Jubiläum planen wir einen großen Fruchtsaft-Schorle-Aufbau mit dem Angebot ‚Misch dir deine Lieblingskiste und erhalte 10 Prozent Rabatt‘. Dadurch erhoffe ich mir, den Kistenverkauf anzuregen – bei Bier und Limonaden hatten wir damit bereits gute Erfolge.
- Auch am Verkostungstisch wird immer mal wieder Schorle angeboten. Der Tisch ist in der Nähe der Bedientheke, sodass wir aktiv zum Probieren auffordern können.
Fruchtsaftschorlen: Das Wichtigste zur Herstellung
Fruchtsaft-Schorlen sind so genial wie einfach: Hersteller mixen die spritzigen Durstlöscher im simplen Fall aus Fruchtsaft plus Wasser – meistens Mineralwasser und Kohlensäure. Auch Trink-, Quell- oder Tafelwasser sind möglich. Anstelle von Fruchtsaft dürfen Fruchtsaftkonzentrate und -mark treten. Die Leitsätze für Erfrischungsgetränke erlauben, dass bei Bedarf natürliche Aromen den Geschmack aufpolieren.
Welche Anforderungen Schorlen erfüllen müssen
Je nach Säure- und Geschmacksintensität des Obstes gibt die Fruchtsaft-Erfrischungsgetränke-Verordnung für Schorle Mindestgehalte an Fruchtsaft vor: Beim Klassiker ‚Apfel‘ müssen es mindestens 50 Prozent sein, ebenso bei weiteren milden Obstsorten. Bei sauer-aromatischen Sorten reichen 25, 30 oder 40 Prozent. Überraschend: Bei sauren Früchten darf in begrenzter Menge gesüßt werden. Zusatzstoffe sind in Schorlen laut den Leitsätzen nicht zu finden. Damit sie bis zu 24 Monate haltbar sind, werden sie nach dem Abfüllen meist pasteurisiert.
Wie gesund sind Fruchtsaftschorlen?
Ernährungsexperten beurteilen fertige Fruchtsaft-Schorlen nicht als uneingeschränkt empfehlenswert und raten zu Augenmaß: Wie bei anderen Getränken ist der Zuckergehalt entscheidend. In Fruchtsaftschorlen liegt er bei vier bis sechs Gramm pro 100 Milliliter. Bei weniger strengem Urteil sind das im Erfrischungsgetränkevergleich passable Werte – immerhin etwa zwei bis vier Gramm weniger als in durchschnittlichen Limonaden.
Reine Fruchtsäfte milder Obstsorten schlagen mit etwa zehn Gramm zu Buche, bieten in Gegenleistung allerdings einen hohen Gehalt an Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen, etwa antioxidative Polyphenole oder Anthocyane. Zumindest ein Teil davon steckt auch in Schorlen. Zusätzlich kann das Wasser der Schorlen positiv in die Flüssigkeitsbilanz und auf das Konto der Mineralstoff- und Spurenelemente einzahlen.
Welche Vorteile Bio-Saftschorlen gegenüber konventionellen Produkten bieten
Bio-Fachhandels-Marken verwenden nahezu ausschließlich frische Direktsäfte und Mineralwasser, häufig aus eigener Quelle. Bei wenigen sind Fruchtsüße oder geringe Anteile Konzentrate als aroma- und farbgebende Zutat dabei. Konventionelle Schorlen bauen dagegen häufiger auf Konzentrate und zusätzliche natürliche Aromen.
Umwelt-, Wasser- und Artenschutz spielen bei Bio-Getränken eine übergeordnete Rolle: Früchte, alle aus kontrolliert biologischem Anbau, erhalten Bio-Hersteller bevorzugt aus regionalen Quellen. Besonderes Engagement zeigen Hersteller, die Obst von ökologisch wichtigen Streuobstwiesen verarbeiten.
In Punkto Rückstände von Pestiziden schneiden Bio-Getränke besser ab als konventionelle. Zusatzstoffe bleiben bei Bio außen vor.
Diese Bio-Fruchtsaftschorlen gehören ins Sortiment
Der Apfel hat bei Fruchtsaftschorlen klar die Nase vorn: So steht auch im Bio-Sortiment ein breites Angebot an Apfel-Schorlen – vorwiegend naturtrüb, weniger in klarer Variante. Bio-Hersteller warten zusätzlich mit beliebten Mischungen heimischer Ernte auf, etwa mit Rhabarber, Johannisbeere, Kirsche, Holunderbeere, Quitte, Pflaume, Mirabelle, Himbeere, aber auch mit weiter angereisten Früchten wie Grapefruit, Maracuja, Cranberry oder Granatapfel.
Die meisten gemixten Schorlen nutzen einen Anteil Apfel-, manchmal auch Traubensaft, die sich dank ihrer Grundsüße mit den weiteren geschmacksgebenden, säuerlichen Fruchtsäften gut ergänzen. Je nach Produkt stecken ein bis 25 Prozent der weiteren Fruchtsäfte in den Getränken. Der gesamte Fruchtsaftanteil bewegt sich zwischen 50 und maximal etwa 70 Prozent.
Diese Früchte prägen das Bio-Schorlen-Sortiment
Apfel
Apfelsaft steckt pur oder in Mischung in fast jeder Schorle. Tausende Apfelsorten kommen als Rohstoff in Frage. Besonders inhaltsstoffreich sind alte Sorten, die vor allem auf Streuobstwiesen stehen. Sie sind zudem für Allergiker besser verträglich.
Johannisbeere
Viele rote Schorlen bauen auf Johannisbeeren, bevorzugt in schwarz – manchmal als Cassis bezeichnet. Die herb-säuerlichen Aromen harmonieren gut mit dem des Apfels. Gegenüber anderen Beeren hohe Vitamin-C- und Eisen-Gehalte macht sie wertvoll.
Kirsche
Hat Kirsch-Mix-Schorle konventionell teils nur 1 Prozent der aromatischen Frucht, investieren Bio-Hersteller bis zu 17 Prozent (z.B. Proviant). Das macht die Schorle zur echten Kirsche, auch wenn zusätzlich etwas Traube, Apfel und Granatapfel die Mischung abrunden.
Holunder
Holunderbeerensaft ist mitunter Hauptzutat in entsprechend dunklen Bio-Fruchtschorlen. Sein Geschmack ist herb-fruchtig. Die dunklen Beeren bringen eine Portion Eisen mit. In seltenen Fällen halten die Holunderblüten her – ihr Extrakt verleiht der Apfelschorle eine fein-blumige Note (z.B. Ostmost).
Rhabarber
Eigentlich ist Rhabarber ein Gemüse. Trotzdem macht sein Saft zusammen mit Zucker in einer Schorle eine gute Figur. Meist wird mit Apfelsaft oder Apfelsüße kombiniert, es gibt ihn aber auch solo mit überzeugend niedrigem Zuckergehalt (z.B. Voelkel).
Antworten auf häufige Kundenfragen zu Bio-Fruchtsaftschorlen
Warum sind naturtrübe Schorlen besser?
: Das Filtern und Klären der Säfte entfällt bei vielen Bio-Schorlen. Die naturtrüben Varianten haben mehr Ballaststoffe (Pektine) und deutlich mehr Sekundäre Pflanzenstoffe (Polyphenole, Anthocyane). Ihnen werden gesundheitlich positive Eigenschaften wie blutdruckregulierend, entzündungshemmend, darmfreundlich zugeschrieben.
Was sind „leichte Schorlen“?
: Eine offizielle Vorgabe für „leichte Schorle“ gibt es noch nicht. Entsprechend Nährwertkennzeichnungs- und Health-Claims-Vorschriften zeichnen sie sich durch etwa 30 Prozent geringere Zuckergehalte aus. Diese werden konventionell durch weniger Fruchtanteile, mitunter auch mit weiteren Zutaten, etwa Süßstoffen erreicht. Bio-Hersteller loben aktuell keine „leichte Schorlen“ aus.
Warum steht auf einigen Produkten „Erfrischungsgetränk mit Frucht“?
: Nicht Schorle, nicht Limo, sondern irgendwie dazwischen. Die Verordnungen und Leitsätze lassen Lücken oder sind teils eng bezüglich Zutaten definiert. Die pauschale Bezeichnung „Erfrischungsgetränk mit Frucht(geschmack)“ bietet mehr Spielraum. Manche der Getränke weisen gar die Qualität von Infused Water auf, also Wasser, das mit Früchten oder Gemüse und Kräutern aromatisiert wurde, ganz ohne Zucker (z.B. Landpark).
Hersteller von Bio-Saftschorlen
Adelholzener www.adelholzener.de
AiLaike www.ailaike.de
Auricher Süßmost www.auricher-suessmost.de
Beutelsbacher www.beutelsbacher.de
Elbler www.elbler.de
Fritz Kola www.fritz-kola.com
Jung www.jung-saefte.net
Lammsbräu/now www.drinknow.de
Landpark www.landpark-shop.de
Lilo www.lilo-biosaftschorle.de
Ostmost https://shop.ostmost.berlin
Perger www.perger.de
Pomme200 www.pomme200.de
Proviant www.proviant.de
Schlaraffenburger www.schlaraffenburger.de
Voelkel www.voelkel.bio
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