Bisphenole, die unter anderem bei der Lackierung und Auskleidung von Konservendosen zum Einsatz kommen, gelten als schädlich für das Immunsystem und die Fortpflanzungsfähigkeit.
Da die Chemikalien von der Verpackung auf die Lebensmittel übergehen und somit in den Körper gelangen können, ist Anfang 2025 eine entsprechende EU-Verordnung in Kraft getreten. Sie verbietet die absichtliche Verwendung von Bisphenol A (BPA) sowie weiteren fünf Bisphenolen in der Herstellung von Material, das mit Lebensmitteln in Kontakt kommt, etwa Konservendosen.
Aufgrund einer Übergangsfrist dürfen Konservendosen, die bewusst unter Verwendung von BPA beschichtet wurden, noch bis zum 20. Juli 2027 befüllt und verschlossen werden.
Hohe Werte auch bei Alnatura, Bioland und Nabio
Ökotest hat für seine aktuelle Ausgabe 52 Konserven auf Bisphenol A, S und F analysieren lassen – unter anderem zehn Linseneintöpfe und sechs Ravioli-Produkte. Das Ergebnis: Nur bei Bio Primo Linseneintopf rustikal von Müller Drogeriemarkt konnten keinerlei Bisphenole nachgewiesen werden, bei allen anderen getesteten Konserven war die Belastung mit Bisphenol A hoch bis sehr hoch, auch bei den Bio-Produkten. Wobei es keinen konkreten Grenzwert für Bisphenole in Lebensmitteln gibt. Gegen das Gesetz verstößt also keines der Produkte.
Hohe BPA-Werte attestierte Öko-Test dem Linsentopf vegetarisch von Alnatura und dem Linseneintopf mit Gemüse von Nabio. Stark erhöht waren auch die Bisphenol A-Werte bei Ökoland Ravioli in Tomatensauce und Alnatura Gemüse-Ravioli – bei dem Alnatura-Produkt waren laut Testern auch weitere Bisphenol-Werte stark erhöht.
Ökoland: Vorgaben längst umgesetzt
In einer ausführlichen Stellungnahme stellt Ökoland klar, dass das Unternehmen ausschließlich Verpackungen einsetze, die der deutschen und europäischen Gesetzgebung entsprechen: „Wir verwenden seit Jahren ausschließlich Dosen, bei denen kein BPA für die Innenbeschichtung verwendet wird (BPA-NI Innenbeschichtung). Zudem haben wir die Dosen für die Ökoland-Suppen und Eintöpfe Ende 2025 vollständig auf eine BPA-NI Außenbeschichtung umgestellt, sodass wir seit Ende 2025 ausschließlich Dosen einsetzen, die komplett BPA-NI sind“, so Ökoland. Die von Ökotest untersuchte Dose stamme jedoch vom April 2025, also aus der Zeit vor der vollständigen Umstellung.
Grundsätzlich sehe man die Sensibilisierung, die durch Ökotest zum Thema Bisphenole erfolgt, positiv. „Wir arbeiten selbstverständlich beständig daran, Belastungen unserer Lebensmittel zu vermeiden. Dies gilt für die landwirtschaftliche Produktion, die Verarbeitung und auch im Spannungsfeld zwischen den Weiterentwicklungen von Verpackungsmaterialien, Analysemethoden und Risikobewertungen durch die Gesetzgeber und deren beratender Institute“, erklärt Ökoland.
Das Unternehmen weist dabei auch auf die Vorteile von Dosen für konservierte Lebensmittel hin, wie eine ungekühlte lange Haltbarkeit, hohe Recyclingquote sowie im Verhältnis zu Glasverpackungen ein geringes Transportgewicht und eine geringe Bruchgefahr. Ökoland setze aus diesen Gründen neben Glasverpackungen auch Dosen ein.
Alnatura: Alternativen noch nicht ausreichend vorhanden
Auch Alnatura bezieht zu den Ergebnissen von Ökotest Stellung: „Die aktuellen Ökotest-Ergebnisse zeigen, dass sich Spuren von Bisphenol A (BPA) in Dosenprodukten derzeit leider noch nicht vollständig vermeiden lassen“, so das Unternehmen. Denn nur bei zwei von 52 getesteten Produkten habe kein Bisphenol nachgewiesen werden können.
Für die Innenbeschichtung der Alnatura-Dosen werde seit längerer Zeit kein BPA mehr verwendet. „Die Außenlackierung der Dosen kann aktuell noch BPA enthalten, da geeignete Alternativen noch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen“, heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens. Geringste Spuren BPA könnten möglicherweise während der Verpackungsproduktion auf die Innenseite der Dosen übertragen werden.
Alnatura nehme die Thematik sehr ernst: „Gemeinsam mit unserem Herstellerpartner beobachten wir die aktuellen Forschungsergebnisse und Entwicklungen im Verpackungsbereich sehr genau und prüfen Möglichkeiten, Spuren an BPA noch besser zu vermeiden.“ Sobald entsprechende Dosen ohne Bisphenole im Außenlack in ausreichender Menge zur Verfügung stünden, werde man vollständig auf diese umstellen.
Nabio: Arbeiten bereits an Lösungen
Nabio weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass das Unternehmen keinen Doseninnenlack mit Kontakt zum Lebensmittel verwendet, der BPA enthält. „Die von uns eingesetzten Weißblechdosen verfügen über einen BPA-NI-Innenschutzlack, das heißt, die „Rezeptur“ dieses Innenlacks enthält kein BPA. Allerdings kann es prozessbedingt über die aktuell von unserem Verpackungslieferanten noch verwendete BPA-haltige Außenlackierung zu einer unbeabsichtigten Kontamination kommen, da die Deckel nach der Fertigung gestapelt gelagert werden und somit Innen- und Außenseite des Deckels in Berührung kommen können", so Nabio.
Der Test habe gezeigt, dass es sich nicht um ein spezifisches Problem von Nabio handele, sondern fast alle Hersteller von Konservenprodukten in gleicher Weise beträfe, da sich die Umstellung der Rezepturen und Prozesse bei den Verpackungsherstellern als langwierig herausgestellt habe. „Die Einstufung im Ökotest als „hoch“ basiert auf den eigenen, sehr strengen Bewertungsmaßstäben von Ökotest und ist nicht mit einer Feststellung der rechtlichen Nichtkonformität gleichzusetzen", heißt es in der Stellungnahme weiter. Der Nabio Linseneintopf entspreche weiterhin den geltenden gesetzlichen Vorgaben und sei daher auch vor dem Hintergrund der Testergebnisse weiterhin verkehrsfähig.
Man stehe bereits seit Längerem mit den Verpackungslieferanten im engen Austausch, um an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten. Ziel sei es, für Nabio-Produkte eine vollständig BPA-freie Konservenverpackung zu verwenden und das deutlich früher als gesetzlich gefordert. „Bereits laufende Testreihen mit unserem Lieferanten stimmen uns optimistisch, dass die Umstellung der Deckel auf eine BPA-freie Außenbeschichtung noch in diesem Jahr umgesetzt werden kann", so das Unternehmen. „Wir nehmen die Sorgen und Bedenken unserer Kundinnen und Kunden zum Vorhandensein von BPA in Lebensmitteln sehr ernst und wollen beste Bio-Produkte anbieten, die mit einem guten Gefühl verzehrt werden können", erklärt Nabio.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag wurde am 2. 9. 2026 um die Stellungnahme von Nabio ergänzt.
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