Trotz großer Herausforderungen hat das Fair-Handelsunternehmen Gepa im vergangenen Jahr einen Umsatzrekord erzielt. Im Vergleich zum Vorjahr steigerte die Organisation ihren Großhandelsumsatz 2025 um 22,7 Prozent auf 104 Millionen Euro und erzielte damit erstmals in ihrer Geschichte einen dreistelligen Millionenbetrag.
Der Großhandelsumsatz entspreche einem Umsatz zu Endverbraucherpreisen von 126,9 Millionen, sagte der kaufmännische Geschäftsführer der Gepa, Matthias Kroth, bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag. Zu diesem Betrag haben Kunden im Jahr 2025 Gepa-Produkte wie Kaffee, Tee, Schokolade und Honig, aber auch Handwerksartikel gekauft.
89,6 Prozent des Umsatzes bei Lebensmitteln kamen im vergangenen Jahr durch den Handel mit Bio-Lebensmitteln. „Das ist eine Entwicklung, auf die wir gemeinsam stolz sind“, betonte Kroth. Bezogen auf den Gesamtumsatz der Gepa bleibt Kaffee der größte Umsatzbringer mit einem Anteil von 35,1 Prozent, gefolgt von Schokolade mit 28,3 Prozent.
Umsatzsprung im Handel durch steigende Rohwarenpreise
Gleichzeitig hat die Gepa wertmäßig erstmals mehr Kakao als Kaffee eingekauft. Das Einkaufsvolumen für Roh- und Fertigwaren bei den Handelspartnern in Lateinamerika, Asien, Afrika und Europa erhöhte sich um 44,3 Prozent auf 34,2 Millionen Euro. Der Anteil an Kakao lag bei 43 Prozent, gefolgt von Kaffee mit 42 Prozent.
Besonders stark war die Umsatzsteigerung mit 13,4 Prozent im Lebensmittel-/Biofachhandel mit einem Plus von 4,6 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Einen „historischen Höchstumsatz“ registrierte die Gepa im Außer-Haus-Bereich von fast 10 Millionen Euro, zehn Prozent mehr als 2024.
Grund für den starken Umsatzzuwachs sind Preiserhöhungen. „Die Umsatzsteigerungen sind eindeutig getrieben durch die Preiserhöhungen, die wir zum 1.10.2024 und zum 1.04.2025 aufgrund der Rohwarenpreisentwicklung haben umsetzen müssen“, erklärte Kroth. Bei Kaffee und Schokolade verzeichnete die Gepa Absatzrückgänge „im einstelligen Prozentbereich“.
Cyberangriff, EmpCo und Wertberichtigungen drücken auf Bilanz
„Der Geschäftsverlauf im vergangenen Jahr hat unsere Erwartungen weit übertroffen“, sagte Kroth mit Blick auf die Schwierigkeiten, mit denen das Unternehmen im vergangenen Jahr zu kämpfen hatte. Neben einem Cyberangriff im November, der das Gepa-Lager acht Tage lahmgelegt und das Unternehmen vor „eine existenzielle Bewährungsprobe“ gestellt hatte, haben insbesondere zwei Sondereffekte das Jahresergebnis 2025 belastet:
- Durch geringere Wiederbeschaffungspreise musste die Gepa ihren Vorratsbestand um circa 700.000 zusätzlich wertberichtigen. Insbesondere beim Arabica-Kaffee kam es der Gepa zufolge vor dem Bilanzstichtag zu einem deutlichen Preisverfall.
- Im Zuge der EmpCo-Richtlinie gegen Greenwashing druckt die Gepa ihr „Fair+“-Zeichen nicht mehr auf die Verpackungen. Ab dem 27. September 2026 dürfen Unternehmen nur noch extern zertifizierte Siegel für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen einsetzen. Die Gepa nehme das als „Anlass, um auf unser Siegel Fair+ zu verzichten“, weil das Siegel leicht mit einem zertifizierten Siegel verwechselt werden könnte, sagte Peter Schaumberger, Geschäftsführer Marke und Vertrieb. Der Großteil der ausgelieferten Ware sei schon heute EmpCo-konform. „Und wir sind sicher, dass bis zum Stichtag alle Verpackungen EmpCo-konform sind.“ Die Konsequenz ist, dass die Gepa altes Verpackungsmaterial im großen Stil vernichten beziehungsweise entsprechende Aufwendungen in der Größenordnung von mehreren Hunderttausend Euro dafür berücksichtigen muss.
Ohne die Belastungen durch die beiden Sondereffekte wäre laut Kroth ein Vorsteuerergebnis ähnlich wie 2024 realisierbar gewesen, das bei 1,3 Millionen Euro lag. „Insofern sind wir sehr zufrieden, dass insgesamt noch ein positives Ergebnis verbleibt“, sagte er. Für 2025 rechnet die Gepa mit einem leicht positiven Jahresergebnis.
Investitionen fließen unter anderem in die Photovoltaikanlage auf dem Lagerdach der Gepa. Durch eine Erweiterungsinvestition in einen Speicher soll eine Erhöhung des Autarkiegrades von 50 auf über 70 Prozent erreicht werden. „Das ist ein wichtiger Schritt angesichts der aktuellen Energiesituation“, sagte Matthias Kroth. Ferner konnten nach einem Jahr Betrieb bereits 311 Tonnen CO₂ eingespart werden.
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