Biohandel

Erfolgreich mit Bio handeln.

DM, Rossmann und Co.

Drogeriemärkte auf dem Bio-Trip

Das Geschäft mit Bio-Produkten wächst deutlich stärker als der gesamte Food-Bereich des Lebensmitteleinzelhandels. Drogeriemärkte profitieren davon am meisten. Welche Bedeutung das Bio-Sortiment für DM, Rossmann und Co. hat – und welche Rolle Fachhandelsmarken dabei spielen.

Die Marktzahlen von Nielsen (NIQ) lassen aufhorchen: Der Lebensmitteleinzelhandel ist im Bereich Food von Januar bis April 2025 um 3,7 Prozent gewachsen, Bio-Produkte legten mit 10,3 Prozent deutlich stärker zu. Zur Erinnerung: Der Bio-Fachhandel erwirtschaftete laut BioHandel-Umsatzbarometer im 1. Quartal 2025 ein Minus von 0,4 Prozent (BioHandel 06/25). Vom Wandel im Einkaufsverhalten, wonach Verbraucher häufiger einkaufen und verstärkt auf kleinere alltagsnahe Wocheneinkäufe setzen, wie NIQ herausfand, scheint der Bio-Fachhandel nicht zu profitieren.

Besonders dynamisch wächst Bio dagegen im Drogeriemarkt: Mit einem Plus von 20,8 Prozent zählt dieser Kanal laut NIQ zu den stärksten Wachstumstreibern. Große Supermärkte (+6,6 Prozent) und Discounter (+7,6 Prozent) wachsen deutlich langsamer. Keine andere Vertriebsschiene trägt so stark zum absoluten Bio-Wachstum bei wie die Drogeriemärkte. Obwohl sie lediglich 20 Prozent des Bio-Umsatzes generieren, stemmen sie 34 Prozent des Gesamtwachstums.

Gegenentwurf zum Einkauf im Supermarkt

Warum Drogerien so erfolgreich sind, zeigt die Studie „Inside Drogerie“ von Yougov: Shopper beschreiben das Einkaufserlebnis dort als entspannend, inspirierend und sinnlich – im Gegensatz zum oft zweckorientierten Supermarktbesuch. 

„Drogeriemärkte sind längst mehr als reine Spezialisten für Pflege und Haushalt. Sie haben sich als Kompetenzzentren für Wohlbefinden, nachhaltige Ernährung und Gesundheitsprodukte etabliert. Die kontinuierliche Entwicklung der Sortimente und die Nähe zu den Bedürfnissen der Shopper sind zentrale Erfolgsfaktoren“, sagt Bettina Arneth, Account Director bei Yougov. Ein besonderer Wachstumstreiber sei das Food-Sortiment – insbesondere Bio-Lebensmittel. Der Bio-Anteil am Food-Umsatz in Drogerien liegt laut Yougov bei 45 Prozent. Jeder fünfte Euro für Bio-Lebensmittel (ohne Frische) wird inzwischen bei Händlern wie Budni, DM, Müller oder Rossmann ausgegeben.

„dmBio“ ist stärkste Marke bei DM

Rossmann bestätigt die Marktbeobachtungen von NIQ: „Im Food-Bereich wachsen wir deutlich zweistellig, besonders im Bio-Bereich überproportional“, teilt das Unternehmen mit. Auch Alexander Strehlau, bei DM verantwortlich für Sortiment, Marketing und Beschaffung, zeigt sich zufrieden: „Wir erzielen aktuell mehr als eine Milliarde Euro Umsatz mit unseren Bio-Lebensmitteln. ,dmBio‘ ist dabei unsere umsatzstärkste DM-Marke.“ 

DM betreibt derzeit 2.150 Märkte in Deutschland. Das entspricht durchschnittlich knapp einer halben Million Euro Umsatz mit Bio-Artikeln pro Laden. Zum Vergleich: Mit einer ähnlichen Zahl an Märkten erwirtschafteten die Bio-Märkte 2024 gut drei Milliarden Euro – etwa 1,5 Millionen Euro pro Laden. 

Umsatzentwicklung bei Drogeriemärkten in Deutschland

Bio-Lebensmittel sind bei DM „Teil unseres drogistischen Gesundheitsangebotes und stehen in der Tradition, Kundinnen und Kunden ein Angebot für bewusstere und gesündere Ernährung zu machen“. Zielgruppe seien alle, die Wert auf eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung legen. 

Budnikowsky, mit 190 Läden vor allem in Hamburg und Berlin vertreten, betont zusätzlich den Umweltschutz: „Mit unserem Budni-Slogan ‚gut für dich und deine welt‘ setzen wir auf Produkte, die sowohl dem Menschen als auch der Umwelt guttun. Ein starkes Bio-Sortiment ist für uns daher konsequent und zentraler Bestandteil unserer Sortimentsstrategie.“ Nach eigenen Angaben bietet Budnikowsky im Jahresverlauf über 3.000 verschiedene Bio-Produkte an und erreicht damit bei Lebensmitteln einen Anteil von über 70 Prozent.

Rossmann legt großen Wert auf Verbandsware

Rossmann-Filiale: Werbung für die App mit Prozenten auf Bio

Das DM-Sortiment umfasst nicht nur EU-Bio: 200 der mehr als 700 Bio-Artikel sind Naturland- oder Demeter-zertifiziert. Ergänzend wurde ein Schulungskonzept für Mitarbeitende entwickelt, das Wissen rund um Bio-Produkte und Verbandsware vermittelt. Rossmann führt neben bekannten Industriemarken über 450 Artikel der Eigenmarke „enerBiO“. „Außerdem legen wir großen Wert darauf, den Anteil an zertifizierter Verbandsware stetig zu erhöhen“, so das Unternehmen.

Auch DM beschränkt sich nicht auf Eigenmarken, sondern listet zunehmend BioFachhandelsmarken. „Der Grund liegt in der Sortimentskompetenz, die auf einer sinnvollen Auswahl zwischen Fachhandels- und DM-Marken basiert“, sagt Strehlau. Markenbekanntheit schaffe Orientierung und Vertrauen – auch im Bio-Bereich. 

Wie entwickeln sich Fachhandelsmarken bei DM im Vergleich zu Eigenmarken? „Beide Segmente entwickeln sich gut“, erklärt Strehlau. Die Eigenmarke punkte mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis, während Fachhandelsmarken ihre langjährige Bio-Kompetenz einbringen. „Unsere Kundinnen und Kunden schätzen Vielfalt, Innovation und die Möglichkeit, beides zu finden.“ Eine feste Zielquote gebe es nicht. Auch Budnikowsky berichtet von „starker Nachfrage“ nach Bio-Fachhandelsmarken.

Keine überproportionale Bio-Ausweitung

Das DM-Sortiment umfasst nicht nur EU-Bio: 200 der mehr als 700 Bio-Artikel sind Naturland- oder Demeter-zertifiziert. Ergänzend wurde ein Schulungskonzept für Mitarbeitende entwickelt, das Wissen rund um Bio-Produkte und Verbandsware vermittelt. Rossmann führt neben bekannten Industriemarken über 450 Artikel der Eigenmarke „enerBiO“. „Außerdem legen wir großen Wert darauf, den Anteil an zertifizierter Verbandsware stetig zu erhöhen“, so das Unternehmen.

Für DM zählt vor allem die kontinuierliche Weiterentwicklung durch Sortimentsaktualisierungen und neue Konzepte – orientiert an den Kundenbedürfnissen. „Eine überproportionale Sortimentsausweitung planen wir derzeit nicht“, versichert Strehlau. Auch beim Filialnetz bleibt DM zurückhaltend: „Wir sind immer auf der Suche nach geeigneten Standorten und werden unser Marktnetz sinnvoll erweitern. Konkrete Zielmarken setzen wir uns nicht.“ 

Kundenwünsche stehen an erster Stelle

Rossmann hingegen hat die Bio-Fläche seit 2021 um etwa 30 Prozent vergrößert. Zusätzlich gibt es spezielle Bereiche, in denen regelmäßig Neuheiten und Trends präsentiert werden. „Wir erweitern und passen das Sortiment laufend an die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden an, weil wir sie mit unseren Lebensmitteln begeistern möchten“, so das Unternehmen.

Auffällig bei DM ist das konstant niedrige Preisniveau. Strehlau erklärt dies mit langfristigen Lieferantenpartnerschaften, effizienten Prozessen und einem „fairen Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Qualitätseinbußen gebe es dabei nicht. Eine Dauerpreisgarantie sorge zusätzlich für Verlässlichkeit. Ähnlich äußert sich Rossmann: „Unser Anspruch ist es, allen Kundinnen und Kunden ein breites und attraktives Bio-Angebot zu fairen Preisen anzubieten“.

„Jeder Händler versucht sein Bestes“

Die Frage nach Stärken und Schwächen des Bio-Fachhandels beantwortet Strehlau so: „Jeder Händler versucht sein Bestes“. Erfolgreich seien diejenigen, die ihre Kundschaft am besten kennen und ihr Angebot konsequent weiterentwickeln. Daher orientiere sich DM nicht primär am konventionellen Lebensmitteleinzelhandel.

Um mehr Bio verkaufen zu können, müsse auch der Anteil ökologischer Landwirtschaft wachsen. Wie steht DM zum Ziel der Bundesregierung, bis 2030 einen Bio-Anteil von 30 Prozent zu erreichen? Strehlau: „Wir fragen uns, was solche absoluten Ziele sollen. Am Ende kommt es darauf an, dass Konsumenten sich für Bio-Artikel entscheiden und Erzeuger auf Bio umstellen. Hilfreicher als über Quoten zu sprechen, wäre es, an den Stellschrauben zu drehen, die Bio heute gegenüber konventionellen Produkten benachteiligen.

Anmerkung der Redaktion

Die knapp 20 Fragen von BioHandel haben die Drogeriemärkte Rossmann und Budnikowsky nur zum Teil und weniger ausführlich beantwortet als DM. Die Drogeriemarktkette Müller mit etwa 600 Filialen in Deutschland hat auf mehrmalige Anfrage nicht reagiert.

Lesen Sie das Interview zum Thema:

Interview

Warum sind Drogeriemärkte so erfolgreich beim Verkauf von Bio-Produkten, Herr Montiel Castro?

In einer Studie haben Marktforscher von Nielsen (NIQ) eine Segmentierung des Bio-Käuferverhaltens vorgenommen. BioHandel hat den Experten für Bio-Produkte bei NIQ gefragt, welche Käufertypen den Bio-Umsatz pushen.

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