Das Start-up Verrano hat ein Verfahren entwickelt, um gereifte Steckrübe, Sellerie und Rote Bete zu hochwertigem Brotbelag oder Toppings zu verarbeiten. Die einfache Formel lautet: Das Bittere muss raus, Umami-Geschmack rein. Und das mit fünf Zutaten: Gemüse, Salz, Gewürze, Zucker, Rauch.
Vor zwei Jahren, als BioHandel das erste Mal über Verrano berichtete, hatten die Gründer Manuel Siskowski, Maximilian Bubenheim und Felix Linnenschmidt ihr veredeltes Gemüse gerade in einer neuen Filiale der Bäckerei Bio Kaiser in Frankfurt in den Verkauf gebracht. „Es läuft zu gut, um nicht weiterzumachen“, hatte Manuel Siskowski damals gesagt. Für die Arbeit am eigenen Food-Start-up hatten die Jungunternehmer Wochenstunden in ihren jeweiligen Jobs reduziert.
Jetzt, zwei Jahre später, ist Verrano für das Trio ein Vollzeit-Job. Die Kunden des Start-ups reichen von Cafés und Hotels, Fine-Dining-Restaurants und Catering-Unternehmen, die Kitas beliefern, bis hin zu Großkunden wie der Deutschen Bahn. In deren Bord-Bistros waren Stullen, belegt mit Verrano-Gemüse, bereits zweimal bei „Veganuary“-Aktionen erhältlich.
Produktion wird 2026 verzehnfacht
Am Rande der „Fachmesse für regionale und kulinarische Verbindungen“ in Frankfurt hat BioHandel das Team kürzlich erneut getroffen, denn es gibt Neuigkeiten: Die Gründer haben eine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen, um die Verrano-Produkte aus Wurzelgemüse im Laufe des Jahres in den Handel zu bringen – übrigens auch in Österreich und der Schweiz. Importeure hat Verrano schon an der Hand.
Endkundinnen und -kunden haben bislang noch nicht viele Möglichkeiten, die Produkte zu kaufen. Das Abpacken von 80-Gramm-Packungen ist aufwändig, das Ausliefern kleiner Mengen auch. Im Online-Shop gibt's eine Bestellmöglichkeit, allerdings erst ab einem Kilogramm Gemüse. Außerdem gibt es – wie Bio Kaiser – einige exklusive Verkaufsstellen in Frankfurt und Berlin. Nun laufen Verhandlungen mit einer namhaften Bio-Fachhandelskette. Näheres wird das „Team Steckrübe“, wie die Gründer sich selbst nennen, im Juli bekanntgeben.
Um den Schritt in den Handel gehen und die Produktion hochfahren zu können, hat Verrano Unterstützer gesucht und gefunden: die BMH Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen, Tobias Weber (CEO von Weber Food Technology) und die Wurst- und Schinkenmanufaktur Bedford.
Für das Jahr 2026 hat das Team im Vergleich zum Vorjahr die zehnfache Menge an Gemüse geordert: 270 Tonnen. Die Kapazitäten mussten ausgebaut werden und Verrano musste von Gießen nach Osnabrück an einen neuen, größeren Produktionsstandort umziehen. Das Geld für die nächsten zwei Jahre ist den jungen Unternehmern sicher.
„Gelangweilte Zahnärzte wären als Investoren nicht infrage gekommen.“
Das veredelte Gemüse firmiert nicht unter „Fleischersatz“, sondern als ein eigenes pflanzliches Lebensmittel.
„Wir sind froh, nach den ersten Jahren des Bootstrappings jetzt noch mehr Gas geben zu können und gleichzeitig uns so viel Know-How an Board holen zu können“, sagt Felix Linnenschmidt. „Bootstrapping“ ist eine Form der Existenzgründung, bei der auf externe Finanzierung verzichtet wird. Doch das war mit Blick auf die wachsende Nachfrage nicht mehr zu stemmen. Produkte müssen verfügbar sein, und manche Großhändler hätten eine „Start-up-Allergie“, so Linnenschmidt.
„Wir haben Investoren gefunden, die sich wirklich für das Produkt begeistern und auch inhaltlich etwas beitragen können. Dazu bekommen wir Expertise aus der Industrie, die in unserem Stadium wahnsinnig wertvoll ist“, sagt Manuel Siskowski und ergänzt lachend: „Gelangweilte Zahnärzte wären als Investoren nicht infrage gekommen.“
Mit dem Familienunternehmen Weber Food Technology hat Verrano nun einen Experten an der Seite, für gewichtsgenaues Schneiden und präzises Einlegen und Verpacken von Wurst, Fleisch, Käse und veganen Ersatzprodukten. CEO Tobias Weber sagt: „Ich bin selbst ein riesiger Fan der Produkte. Wir hoffen, dem Team auch mit unserem technologischen Know-How weiterhelfen zu können.“
„Zero-Waste“-Projekt
Der Verrano-Stand mit dem „High-End-Gemüse“, wie es das Team selbst nennt, war bei der Fachmesse in Frankfurt bestens besucht. „Wir hatten Glück. Wir kamen mit unseren Produkten in den Zeitgeist hinein“, sagt Manuel Siskowski. Das geräucherte Gemüse als hochwertiges Plant-Based-Convenience-Produkt ist Bestandteil einiger Frühstücksbuffets namhafter Hotels. Aber auch außerhalb der „Vegan-Bubble“ kommt das Gemüse an. Verrano-Produkte tragen kein „Vegan“-Label und auch ein Steak-Restaurant gehört zu den Kunden. Denn der gehobelte Sellerie passt als Topping auf ganz verschiedene Gerichte. Dass Verrano kein Fleischersatz sein will, sondern ein eigenes Lebensmittel – die Kundschaft versteht's, sagt das Team.
„Trüffel isst niemand nur deshalb, weil sie vegan sind. Vegan ist kein funktionales Argument für ein Produkt“, sagt Manuel Siskowski. „Regional“ und „frei von Zusatzstoffen“ dagegen schon.
Zurzeit arbeitet Verrano am Projekt Zero Waste: Alles, was bei der Produktion des Räuchergemüses anfällt, soll weiterverarbeitet werden. Steckrüben-Jus und Rote-Bete-Paste sind bereits aus der Idee entstanden. Dafür sucht Verrano nun nach Partnern in der Industrie. Das Team Steckrübe ist bereit für die nächsten Schritte.
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