Naturkosmetik-Innovationen brauchen eine Bühne, sagt Niyok-Manager Alexander Vollbach.
Der Unmut vieler Naturkosmetik-Hersteller war groß: Auf der Biofach 2025 gab es keine Fachmesse Vivaness mehr, und auch keine Vivaness-Area, die im Pre-Booking noch angekündigt worden war. Vielmehr waren Naturkosmetik-Aussteller integraler Bestandteil der Weltleitmesse Biofach in Nürnberg. Naturkosmetik war überall zu finden – aber nur, wenn man nach ihr suchte, so die Kritik.
Für Alexander Vollbach, General Manager der Naturkosmetik-Marke Niyok, stand damals fest: „Das funktioniert für uns nicht. Wenn die Messe kein neues Angebot macht, kommen wir nicht wieder.“ Das sagte er nicht nur gegenüber dem BioHandel, sondern auch dem Team der Messe Nürnberg. Weil nichts zurückkam, organisiert er im kommenden Jahr nun eine Naturkosmetikmesse unabhängig von der Biofach aber zur gleichen Zeit und in der gleichen Stadt.
Vollbachs Ausgangsfrage: Wie schafft man es, Einkäufer, die im Februar traditionell nach Nürnberg reisen, gezielt zu einer neuartigen Veranstaltung zum Thema Naturkosmetik zu locken? Wie schafft man ein familiäres Umfeld mit angenehmer Atmosphäre, in dem konzentrierte, professionelle Gespräche möglich sind? Und wie gelingt das alles ohne Vivaness und ohne räumliche Anbindung an die Biofach aber zur selben Zeit?
„Wir brauchen für unsere Marke und die Kommunikation eine Plattform, auf der Handel stattfinden kann.“
Seine Antwort darauf ist der „Natural Cosmetics Hub“ – eine kleine, exklusive B2B-Veranstaltung unter dem Motto „Marken treffen Top-Entscheider“, die am 11. und 12. Februar 2026 in Nürnberg stattfinden wird.
„Wir brauchen für unsere Marke und die Kommunikation eine Plattform, auf der Handel stattfinden kann“, betont Vollbach. Früher sei das „Who's who“ der Naturkosmetikbranche aus ganz Europa auf der Biofach vertreten gewesen. Das sei jetzt nicht mehr der Fall. Neben dem üblichen Feedback am Ende jeder Biofach machte er Vorschläge, wie man Naturkosmetik-Aussteller dort besser in Szene setzen könnte, und bot auch an, an einem neuen Konzept mitzuarbeiten.
Diese Zusammenarbeit von Messe und Ausstellern war früher durchaus üblich: Naturkosmetik-Hersteller saßen im Vivaness-Gremium mit der Messe Nürnberg an einem Tisch. Doch diese Zeiten sind vorbei. Den Beirat gibt es nicht mehr. Und konstruktive Gespräche offenbar auch nicht.
Vollbachs Vorschläge wurden nach seiner Aussage vom Messe-Team dankend entgegengenommen. Man werde sich melden, hieß es. Aber: „Da kam nix“, berichtet Vollbach im November 2025 im Gespräch mit dem BioHandel. „In der Messe-Kommunikation ist nur von Lebensmitteln die Rede“, beobachtet Alexander Vollbach. Er bekam den Eindruck, dass es auch für die Biofach 2026 kein Konzept für Naturkosmetik-Austeller geben würde.
Diese Aussteller sind dabei
Nach dem Motto „Einer muss es machen“ und mangels Perspektiven beschloss Alexander Vollbach, selbst ein Messe-Format auf die Beine zu stellen. „Wenn die Idee toll ist, dann halten wir es auch als Unternehmen so: Dann setzen wir sie selber um“, sagt der Niyok-Manager.
Er fand ein Tagungshotel, etwas mehr als fünf Autominuten von der Messe entfernt. Er überschlug die Kosten und fing an zu telefonieren. Am Ende hatte er neun Hersteller für sein Vorhaben gewonnen. Darunter Marken, die zuletzt nicht mehr auf der Biofach vertreten waren: Cosmondial (mit den Marken Benecos und GRN), Bioturm, Farfalla, Greendoor, Madára, Raw, Spa Vivent (u.a. Apeiron) und Speick.
Sie alle teilen sich die Mietkosten für die Räumlichkeiten. Die Planungsarbeit liegt bei Alexander Vollbach und seinem Niyok-Team.
Akkreditierung und Programm
Auf der Website zur Veranstaltung können Interessierte sich akkreditieren.
Das B2B-Event „Natural Cosmetics Hub“ findet im Seminaris-Tagungshotel in Nürnberg statt. Es beginnt am Mittwoch, 11. Februar 2026, um 13 Uhr und endet um 19 Uhr. Im Anschluss folgt ein Get-Together für Aussteller und Gäste. Am Donnerstag, 12. Februar, präsentieren sich die Austeller von 10 bis 16 Uhr an ihren Ständen.
Jeder Aussteller bekommt ein eigenes Kontingent an Einladungen, die er an Geschäftspartner und -Kontakte verschicken darf. Zudem gibt es die Möglichkeit, sich auf der Website naturalcosmeticshub.de für die Veranstaltung zu akkreditieren.
Naturkosmetik eine neue Bühne bieten
Stephan Becker, Geschäftsführer des Naturkosmetik-Herstellers Cosmondial, war einer der Ersten, den Vollbach kontaktierte. Becker, selbst ein Vivaness-Aussteller der ersten Stunde, war 2023 zum letzten Mal mit seinen Marken Benecos und GRN auf der Biofach präsent. Auch die Corona-bedingte Sommer-Auflage der Messe, so erinnert sich Becker, haben er und sein Team konstruktiv unterstützt und dort ausgestellt.
Inzwischen hält er einen Auftritt seiner Marken auf der Biofach für verschwendete Zeit und rausgeworfenes Geld. Er sei enttäuscht darüber, dass die Biofach-Leitung Naturkosmetik-Ausstellern keine Angebote macht, sagt er im Gespräch mit dem BioHandel. Das höre er auch von Kollegen aus der Branche: „Ich habe mit anderen Marken gesprochen: Das war’s für sie“, sagt er. Naturkosmetik scheine auf der Biofach keine Rolle mehr zu spielen, so der Eindruck. Und das, obwohl auch Mirja Eckert, Branchenexpertin und Inhaberin des Beratungsunternehmens The New, der Naturkosmetik beim Biofach-Kongress in diesem Jahr eine positive Entwicklung attestiert hatte.
Stellungnahme der Biofach-Leitung
Eine entsprechende Nachfrage der BioHandel-Redaktion bei der Messe Nürnberg zur Rolle der Naturkosmetik auf der Biofach beantwortete Dominik Dietz, Leitung Biofach, nach Erscheinen des Artikels so: „Naturkosmetik ist seit 2025 ein Produktsegment der Biofach und auch 2026 in das geografisch ausgerichtete Hallenkonzept integriert. Eine separate Sonderfläche ist derzeit nicht vorgesehen.“
Nach Dietz' Auskunft lag der Flächenanteil der Naturkosmetik im Kontext der gesamten Biofach zuletzt bei rund zwei Prozent. „Neben veränderten Rahmenbedingungen im Markt – und den Ergebnissen diverser Gespräche mit Stakeholdern der Branche – war es dieser vergleichsweise geringe Anteil, der dazu beigetragen hat, dass die Naturkosmetik zwar weiterhin als Sortimentsbereich integriert, jedoch nicht mehr als eigenständige Messe fortgeführt wird“, erklärt er. Laut Dominik Dietz haben sich „aktuell (Stand 10. Dezember 2025, Anm. d. Red.) 21 Aussteller mit Schwerpunkt Naturkosmetik, fünf mit Fokus Drogerie sowie vier Aussteller aus dem Bereich Naturkosmetik-Rohstoffe für die Biofach 2026 angemeldet“.
In seinem Statement sagt Dietz weiter: „Unser Anspruch bleibt, die Biofach so auszurichten, dass sie für die gesamte Bio-Branche – Ausstellende wie Besuchende – stimmig ist (...). Wir stehen weiterhin in engem Austausch mit der gesamten Bio-Branche – von Lebensmittelherstellern bis hin zu Naturkosmetik-Anbietern. Rückmeldungen und Impulse aus allen Segmenten fließen fortlaufend in die Weiterentwicklung unseres Konzeptes ein.“
Das Biofach-Team freue sich „über alle Entwicklungen innerhalb der Naturkosmetik-Branche, die Unternehmen auch künftig zusätzliche Sichtbarkeit ermöglichen“. „Wir verstehen die Vielfalt der Aktivitäten in der Community als Ausdruck einer gesunden Marktentwicklung, die den Unternehmen unterschiedliche Wege eröffnet, ihre Zielgruppe zu erreichen“, sagt Dietz.
„Das ist ein ganz neuer Weg – und ein Schritt in die richtige Richtung.“
Statt auf der Biofach stellte Stephan Becker in diesem Jahr unter anderem auf der internationalen Messe Cosmoprof in Bologna aus, sowie deutschlandweit auf Regional- und Hausmessen. Alexander Vollbachs Vorschlag findet Becker überzeugend und „einen Schritt in die richtige Richtung“, so der Unternehmer. Die Veranstaltung rund um die Biofach zu organisieren, hält er wegen der Synergien für vielversprechend. „Das ist ein ganz neuer Weg, ein Format selbst zu organisieren. Obwohl das für uns als Hersteller nicht unsere Kernkompetenz ist, probieren wir das jetzt aus.“
Interview: „Günstiger auszustellen als beim ,Natural Cosmetics Hub’, ist kaum möglich“
BioHandel: Herr Vollbach, warum brauchen Naturkosmetik-Marken ein Format wie den „Natural Cosmetics Hub“ ?
Alexander Vollbach: Wir gehen mit dem Format auf die Bedürfnisse der Marken ein, die sich auf der Biofach nicht mehr berücksichtigt sehen. Früher waren Distributoren aus ganz Europa auf der Vivaness – viele davon kommen nicht mehr. Zuletzt waren 50 Prozent der Besucher am Niyok-Stand Leute, die uns was verkaufen wollten – von Rohstoffen bis hin zu Druckerzeugnissen. Wir brauchen aber B2B-Kontakte, die Fachbesucher sind für uns wichtig.
Was haben Einkäufer davon, zu einem Event außerhalb der Biofach zu kommen?
Bei unserer B2B-Veranstaltung haben Einkäufer die Möglichkeit, in kürzester Zeit über 15 Marken zu treffen und deren Neuheiten und Trendprodukte in den Händen zu halten, ohne kilometerweit laufen zu müssen. Effektiver geht’s nicht. Im Gespräch haben mir Vertreter von Drogerien und Einkäufer namhafter Händler zugesagt, dass sie kommen, wenn sie eingeladen werden, weil das Konzept sie überzeugt hat.
Was werden Sie bei der Veranstaltung präsentieren?
Der Launch neuer Produkte war früher auf den Termin der Biofach und Vivaness abgestimmt. Wir kommen in dieser Tradition mit mehr als 25 Neuprodukten unserer Marke Niyok und unserer Mutterfirma Titania. Titania hat dieses Jahr eine zertifizierte Naturkosmetik-Fußpflegelinie in den Fachhandel gebracht.
Wird es eine Fortsetzung der Veranstaltung geben?
Unser neues B2B-Format im Bereich Naturkosmetik ist meines Wissens nach europaweit einmalig. Es ist ein Pilotprojekt, da sind sich alle einig. Wir wollen jetzt erst mal die erste Veranstaltung erfolgreich über die Bühne bringen. Ich bin aber sicher, dass es auch ein effektives Modell für die Zukunft werden kann. Viele große Messen sind nicht mehr zeitgemäß. Die Zeit ist knapp, die Budgets sind es auch. Günstiger auszustellen als beim „Natural Cosmetics Hub“ ist kaum möglich.
Dieser Text wurde am 10. Dezember 2025 um eine Stellungnahme der Biofach-Leitung ergänzt.
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