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Saatgut stellt Biosektor vor zentrale Herausforderung

Erzeugung

Der Ökolandbau darf ab dem Jahr 2037 kein konventionelles Saat- und Pflanzgut mehr einsetzen. Die Branche stellt das vor etliche ungeklärte Fragen, wie eine Konferenz gezeigt hat. 

„Wir stehen an einem Scheideweg, wenn es um die Grundlagen unserer Ernährung geht“, warnte Thomas Lang, Vorstand Landwirtschaft beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) auf einer Saatgutkonferenz des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL) Anfang Juli in Fulda. Hintergrund: Weil der Biomarkt schneller gewachsen ist als die ökologische Saat- und Pflanzgutproduktion, wird im Ökolandbau häufig noch konventionelles Pflanzenvermehrungsmaterial eingesetzt. Ab 2037 ist dies nach der EU-Öko-Verordnung jedoch nicht mehr zulässig.

Um den Bedarf bis 2037 zu decken, müsste die Produktion von ökologischem Pflanzenvermehrungsmaterial um 500 bis 600 Prozent steigen. Besonders im Gemüse, Wein- und Obstbau bestehen jedoch noch große Lücken. Um diese zu schließen, brauche es das Engagement der gesamten Wertschöpfungskette, sagte Dr. Freya Schäfer vom FiBL in Deutschland.

Herkunft von Saatgut findet bislang wenig Beachtung

Bereits im Vorfeld der Veranstaltung verlieh die Deregulierung neuer gentechnischer Verfahren (NGT) auf europäischer Ebene dem Thema zusätzliche Dringlichkeit. Denn damit stellt sich die Frage, wie gentechnikfreie Bio-Wertschöpfungsketten langfristig garantiert werden können. „Das Versprechen des Biosektors, auch weiterhin ohne Gentechnik zu arbeiten, lässt sich am konsequentesten durch die Verwendung von Biosaat- und Pflanzgut absichern – denn hier bleibt Gentechnik auch in Zukunft tabu“, so Carolin Pagel, Teamleitung Politik Bioland. 

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Bislang findet die Herkunft von Saat- und Pflanzgut in den nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette wenig Beachtung. Konferenzimpulse aus Landwirtschaft, Handel und Verarbeitung zeigten jedoch, dass die Akteure den Weg zu mehr Bio-Saatgut schon jetzt proaktiv mitgestalten können. Im Vorfeld der Konferenz hatten einzelne Firmen bereits gezielt das Gespräch mit Lieferanten gesucht und Informationen zu Saatgutqualitäten angefragt, die bislang häufig auf dem Acker verloren gehen.

Wer finanziert die Umstellung?

Kontrovers diskutierten die Teilnehmenden, ob und wie das Thema Saatgut bis zu den Verbrauchern kommuniziert werden sollte – und wer damit vorangeht. Denn viele Verbraucher dürften davon ausgehen, dass Bio-Lebensmittel schon heute ausschließlich auf ökologischem Saat- und Pflanzgut basieren.

Unklar bleibt, wie die Kosten für den Ausbau von Biosaat- und Pflanzgut gerecht verteilt werden können. Denn ökologische Pflanzenvermehrung ist anspruchsvoll: Der Verzicht auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz und Mineraldünger erhöht oft Risiken und senkt Erträge, was sich im Preis niederschlägt. „Damit Landwirte diese Mehrkosten finanzieren können, müssen Handel, Verarbeiter und Verbände zusammenstehen“, forderte Steffen Reese, Co-Geschäftsführer von FiBL Europe in seiner Eröffnungsrede. Thomas Lang vom BÖLW schlug vor, die Transformationskosten auch aus staatlichen Mitteln zu kofinanzieren. 

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