Naturkost Erfurt hat ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt, das das zuständige Amtsgericht in Erfurt bereits genehmigt hat. Der Großhändler begründet den Schritt mit einer Kombination aus Kostensteigerungen und gleichzeitigen Umsatzrückgängen. Der Geschäftsbetrieb laufe in vollem Umfang weiter, teilte das Unternehmen mit. „Das Geschäftsmodell der Naturkost Erfurt ist grundsätzlich intakt und derzeit nur durch externe Faktoren beeinträchtigt“, erklärt Sanierungsexperte Christoph Rothämel von der Kanzlei Schultze & Braun.
„Bei den Kostensteigerungen ist Naturkost Erfurt gleich in doppelter Hinsicht betroffen. Zum einen durch höhere Preise für Bio-Lebensmittel und Betriebsstoffe sowie durch die Tatsache, dass die Kunden aufgrund der sie ebenfalls treffenden Kostensteigerungen weniger bestellen“, erklärt Geschäftsführer Thomas Hölscher. Das Unternehmen beliefert unter anderem den Bio-Fachhandel, Bio-Lieferdienste, Restaurants und Großküchen in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordbayern mit Bio-Lebensmitteln.
Aktuell hat Naturkost Erfurt rund 65 Mitarbeitende. Deren Löhne und Gehälter sind bis Ende November über das sogenannte Insolvenzgeld gesichert. Ab Dezember soll das Unternehmen so aufgestellt sein, dass die Löhne und Gehälter wieder aus dem laufenden Geschäftsbetrieb erwirtschaftet werden können, teilte das Unternehmen mit.
Damit dieser Plan aufgeht, prüft Naturkost Erfurt gemeinsam mit einem Sachwalter und Sanierungsexperten den Einstieg eines Partners. Möglich sei auch die Aufnahme des Bio-Großhändlers in ein neues Partnernetzwerk beziehungsweise eine Unternehmensgruppe, so Naturkost Erfurt.
„Wir wollen das Verfahren und die Möglichkeiten des Sanierungsrechts einsetzen, um eine langfristige Zukunftsperspektive für Naturkost Erfurt zu schaffen“, so Thomas Hölscher. „Wir haben das Ziel und die Ambition, auch in Zukunft der erste und beste Ansprechpartner für hochwertige Bio-Kost für unsere Kunden zu sein, und ich bin zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird.“
Unterstützt wird Naturkost Erfurt von Sanierungsexperten der Kanzlei Schultze & Braun. André Rombach von der Kanzlei Rombach wurde zum vorläufigen Sachwalter bestellt.
Naturkost Erfurt ist der nächste Großhändler, der unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen Unterstützung benötigt. Seit August befindet sich Naturkost Nord in einem Schutzschirmverfahren. Wenige Wochen zuvor meldete der Bio-Großverbraucher-Service Nabuko aus Uelzen Insolvenz an. Anfang des Jahres war Edeka Rhein-Ruhr bei Naturkost West eingestiegen.
Für weitere Bewegung im Bio-Großhandel sorgte Terra Naturkost. Das Berliner Unternehmen gründete mit der Bio-Supermarktkette Bio Company die Bioverbund SE. Mit der gemeinsamen Dachgesellschaft wollen die beiden Unternehmen insbesondere ihren Einkauf bündeln und damit ihre Position gegenüber Herstellern und Lieferanten stärken.
Das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung erlaubt einem Unternehmen die Sanierung in eigener Regie gemeinsam mit Sanierungsexperten. Die Geschäftsführung bleibt voll handlungsfähig und kann uneingeschränkt agieren. Beaufsichtigt wird sie von einem vom Gericht bestellten Sachwalter.
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