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Migros verkauft Teile der Tegut-Gruppe an Edeka

Übernahme

Die Genossenschaft Migros Zürich zieht sich aus dem deutschen Markt zurück und verkauft große Teile des osthessischen Lebensmittelhändlers Tegut an Edeka. Das Unternehmen aus Fulda sei „langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig“, heißt es aus der Schweiz. 

Die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) zieht sich aus dem deutschen Markt zurück. Das hat Auswirkungen auf den osthessischen Lebensmittelhändler Tegut, der seit dem Jahr 2013 zu Migros gehört.

Im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung „hat die GMZ einen Vertrag mit Edeka zur Übernahme eines wesentlichen Teils der Tegut-Gruppe unterzeichnet“, teilte die Genossenschaft mit. Mit „weiteren bekannten deutschen Marktteilnehmern“ sei die GMZ in fortgeschrittenen Verhandlungen. Der Fokus aller Verhandlungen liege darauf, nachhaltige Lösungen für die Mitarbeitenden, die Kundschaft und die Standorte zu finden. Die GMZ will ihre Kräfte künftig vollständig auf den Schweizer Markt konzentrieren, teilte Migros Zurich mit. 

Rückläufige Umsätze trotz reduzierter Kosten

Das Jahr 2023 hatte Tegut noch mit einem Umsatzplus abgeschlossen. Im selben Jahr hatte das Unternehmen mit Kapital aus der Schweiz 19 Standorte und 500 Mitarbeitende der insolventen Bio-Supermarktkette Basic übernommen und das als „strategischen Meilenstein“ bezeichnet. Danach verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage schnell. 2024 kündigte Migros eine Sanierung an und den Abbau von 120 Stellen in der Zentrale am Heimat-Standort Fulda. Thomas Gutberlet, Geschäftsführer und Enkel des Tegut Gründers, hatte das Unternehmen daraufhin verlassen.  

Von Migros heißt es, man habe „im Rahmen der Sanierung der Tegut-Gruppe eine strategische Neubeurteilung vorgenommen“. Trotz massiver Kosteneinsparungen, welche die operativen Verluste der Tegut-Gruppe im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte reduziert haben, habe sich das Marktumfeld in Deutschland weiter verschärft und zu rückläufigen Umsätzen geführt. Die umfassende Analyse der Situation habe deutlich gemacht, dass Tegut „unter diesen Bedingungen mit der spezifischen Positionierung und der vergleichsweise kleinen Unternehmensgröße langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig ist“.

Verschiedene Gespräche mit Mitbewerbern zur Übernahme einzelner Tegut-Standorte, gepaart mit den Erkenntnissen der strategischen Marktanalyse, haben die GMZ nach eigener Auskunft dazu bewogen, den Rückzug aus Deutschland zu beschließen. 

„Die Analyse hat eindeutig gezeigt, dass eine Gesamtveräußerung unter den aktuellen Marktbedingungen die beste langfristige Perspektive für alle Beteiligten bietet.“

Patrik Pörtig, Geschäftsleiter der Migros Zürich

„Die Entscheidung, Tegut zu veräußern, ist uns äußerst schwergefallen. Das große Engagement der Kolleginnen und Kollegen in den herausfordernden vergangenen Monaten verdient meinen höchsten Respekt", erklärt Patrik Pörtig, Geschäftsleiter der Migros Zürich. „Dennoch hat die Analyse eindeutig gezeigt, dass eine Gesamtveräußerung unter den aktuellen Marktbedingungen die beste langfristige Perspektive für alle Beteiligten bietet – insbesondere für die Mitarbeitenden, aber auch für die Kundinnen und Kunden.“

Mit Edeka sei bereits eine Einigung erzielt und ein entsprechender Vertrag unterzeichnet worden. Dieser umfasse die Übernahme „eines wesentlichen Teils der Tegut-Gruppe“. Dazu gehören ein wesentlicher Teil des Filialportfolios mit den Vertriebsmitarbeitenden, das Logistikzentrum in Michelsrombach, die Herzberger-Bäckerei sowie die Smart Retail Solutions, Betreiberin der Teo-Standorte in Deutschland. Parallel dazu führe die Migros Zürich Gespräche mit weiteren Marktteilnehmern, um eine Lösung für die Zukunft möglichst aller Standorte zu gewährleisten.

Finanzielle Auswirkungen auf Migros

Über den Kaufpreis wurde laut GMZ zwischen den Parteien Stillschweigen vereinbart. Die Übergabe der rund 300 Filialen an Edeka sowie „weitere Marktteilnehmer“ steht noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung durch das Bundeskartellamt, das die wettbewerbsrechtlichen Aspekte der Transaktion prüft.

Um welche anderen Marktteilnehmer es sich handelt, darüber wird aktuell spekuliert. Mehrere Medien berichten, dass auch Rewe Märkte übernimmt. Auf Anfrage des BioHandels, ob Rewe das bestätigt, antwortete die Pressestelle: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns grundsätzlich nicht zu anderen Unternehmen äußern.“ Und weiter: „Veröffentlichungen von Zeitungen kommentieren wir nicht.“

Auch Migros gibt derzeit keine weiteren Auskünfte. „Die GMZ bittet um Verständnis, dass aufgrund der Vertraulichkeit aktuell keine weiteren Details zu den Filialstandorten und den laufenden Gesprächen mit weiteren Interessenten bekannt gegeben werden können“, heißt es aus der Unternehmenskommunikation.

Zu den Folgen für Migros heißt es aus der Schweiz: „Die finanziellen Auswirkungen der Transaktion werden im Jahresabschluss 2025 sichtbar sein, der am 24. März veröffentlicht wird. Die Gesamtabwicklung führt zu außerordentlichen Aufwänden, die das Ergebnis der Genossenschaft Migros Zürich und der Migros-Gruppe belasten werden“, teilte die GMZ mit.

Bereits Anfang 2025 hatte Migros bekannt gegeben, den Betrieb von Alnatura Bio Super Märkten aufzugeben. Seit 2012 ist Migros Zürich Betreiberin von insgesamt 25 Franchise-Bio-Märkten in der ganzen Deutschschweiz. 

Dieser Text wurde am 12. März 2026 um eine Auskunft der Rewe-Pressestelle ergänzt. Am 18. März folgte eine Stellungnahme der GMZ.

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