Zum Consentmanager springen Biohandel
Erfolgreich mit Bio handeln.

Edeka Bergmann: Bei Frische geht Regional vor Bio

Ladenporträt

Mit einem eigenen Bereich für Fachhandelsmarken bietet Edeka Bergmann in Lüneburg ein großes Bio-Angebot. Doch bei der Frische hat Regionales meistens Vorrang. Bio-Erdbeeren aus Italien haben hier keine Chance. Ein Besuch im Markt. 

Der Lüneburger Edeka-Markt ist mit 2.500 Quadratmetern der größte von vier Märkten der Familie Bergmann in der Region. Mit rund 90 Mitarbeitenden wurde dort 2025 ein Umsatz von 19 Millionen Euro erwirtschaftet. Seit 20 Jahren dient ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude einer ehemaligen Saline als Verkaufsfläche. Etwa 110 Quadratmeter und circa 4.500 Artikel von Bio-Fachhandelsmarken umfasst der Bereich. Die Handelsmarke Edeka Bio sowie Bio-Weine und -Spirituosen wurden den entsprechenden Warengruppen zugeordnet. Zudem kann an der Unverpackt-Station Müsli und Brot in Bio-Qualität ausgewählt werden.

Durch die Nähe zu den Herstellern Bohlsener Mühle und Bauckhof ist ein großer Teil des Bio-Trockensortiments auch als regional einzustufen. Bei Obst und Gemüse besteht die Herausforderung der Unterscheidbarkeit, daher ist Bioware oft in Plastik verpackt. Die regionalen Produzenten scheuen die kostspielige Zertifizierung, wie Geschäftsführerin Meike Bergmann erläutert. Als regional gelten für Edeka Bergmann Waren aus Gebieten, die im Radius von 80 Kilometern um Lüneburg herum liegen. Diese Begrenzung wurde bereits 2011 im Rahmen eines Nachhaltigkeitskonzepts festgelegt, mit dem auch der Verzicht auf Plastiktüten und die Einführung einer Frischebox verbunden war, die es sogar auf die Titelseite des Hamburger Abendblattes schaffte.

Unser LEH-Newsletter

Jetzt kostenlos anmelden!

Kommunikation schafft Orientierung bei Regionalität

Möhren aus dem fernen Dithmarschen, die von der Zentrale Edeka Nord als regional beziehungsweise „Unsere Heimat“ geliefert werden, passen den Lüneburgern zwar nicht ins Konzept, werden aber trotzdem angeboten. „Wir kommunizieren dann gegenüber unseren Kunden, dass unsere Möhren noch regionaler sind, weil sie direkt aus dem Nachbarort Bardowick stammen“, sagt Meike Bergmann. „Die interne Kommunikation zum Kunden ist das, was uns ausmacht“, ergänzt Angelo Romanelli, stellvertretender Marktleiter und zuständig für den Bio-Einkauf. Auch bei Erdbeeren und Spargel habe Regionales eindeutig Vorrang. Bio-Erdbeeren aus Italien sind unbedeutend. Und der von Edeka Nord gelieferte Bio-Spargel habe sich als schlecht verkäuflich erwiesen.

Regionales Bio, wie zum Beispiel Eier und Geflügel vom Bauckhof Klein Süstedt, ist aus Sicht der Geschäftsführerin zwar optimal, stoße aber im Frischebereich zuweilen auch verkaufstechnisch an Grenzen: „Wenn wir lose Bio-Möhren anböten, müssten wir die Lieferkette nachweisen und aufpassen, dass nicht konventionelle Ware als Bio verkauft wird.“ Die Bio-Kontrolle, die zweimal jährlich ins Haus komme, verlange lückenlose Nachweise. 

Bio-Ecke wird von Fachhandelskunden frequentiert

Einfacher gestaltet sich dagegen der Verkauf von verpackter Bio-Trockenware. Viele namhafte Fachhandelsmarken sind bei Bergmann vertreten, sogar Rapunzel mit sechs Regalmetern als geforderte Mindestausstattung. „Die Größe des Marktes in Lüneburg erlaubt eine Bio-Ecke, für das Naturkind-Konzept von Edeka ist der Laden allerdings zu klein“, sagt Meike Bergmann. Bei ihren drei kleineren Märkten habe sie Bio-Produkte den jeweiligen Warengruppen zugeordnet.

„Im Endeffekt kommen in unsere Bio-Abteilung diejenigen Kunden, die sonst in den Fachhandel gehen“, stellt Meike Bergmann fest. Angelo Romanelli habe sogar dafür gesorgt, dass Marken, die Fachhandelskunden nicht so gern sähen, wie Bio von Nestlé, dort nicht auftauchen. Für die Geschäftsführerin ist die Blockplatzierung jedoch nicht das Non-Plus-Ultra. So habe es beim Bio-Wein kaum Bewegung gegeben, als dieser noch im Bio-Block stand. Seit er in der Weinabteilung zu finden ist, drehe er sich sichtbar. Das gelte auch für Bio-Spirituosen.

„Wer eigentlich nur konventionell kauft, nimmt eher mal Bio mit, wenn es bei den Warengruppen zur Auswahl steht.“

Meike Bergmann, Geschäftsführerin von Edeka Bergmann

Die Bohlsener Mühle liefert Edeka Bergmann täglich frisches und unverpacktes Brot.

Vor diesem Hintergrund ist Meike Bergmann überzeugt, dass sich die Zuordnung von Bio-Artikeln zu den Warengruppen wirtschaftlich auszahle, sowohl für den Markt als auch für den jeweiligen Hersteller: „Wer eigentlich nur konventionell kauft, nimmt eher mal Bio mit, wenn es bei den Warengruppen zur Auswahl steht.“ Dies lasse sich am Erfolg der Eigenmarke Edeka Bio nachvollziehen, der inzwischen mehr Vertrauen und Glaubwürdigkeit entgegengebracht werde als früher.  Aber die Geschäftsführerin hat noch die Forderung von Bio-Herstellern im Ohr, die auf Blockplatzierung bestehen. Angesichts des sich wandelnden Bio-Fachmarktes erwägt sie nachzufragen, ob sich da nicht schon etwas geändert hat.

Als Meike Bergmann vor 20 Jahren erstmals die Biofach-Messe besucht habe, sei sie als Edeka-Markt-Betreiberin nicht auf die Stände gelassen worden. Heute gäben sich Außendienstler von Bio-Unternehmen in Lüneburg die Klinke in die Hand. Hauptlieferant für Bio-Produkte sei Grell Naturkost aus Kaltenkirchen, der aus logistischen Gründen auch Waren vom nahen Bauckhof liefere, während das Sortiment der Bohlsener Mühle von der Edeka Nord zugestellt werde. Nur das Brot und die Großgebinde für den Unverpackt-Bereich liefere die Bohlsener direkt.

Bedingt durch die Universität und den Zuzug junger Familien liegt das Durchschnittsalter in Lüneburg statistisch bei 39 Jahren. Da Studenten und Familien mit kleinen Kindern als bio-affin gelten, sind die Voraussetzungen für eine hohe Bio-Nachfrage in der Kreisstadt nahezu ideal. Doch diese Kundengruppen müssten gleichzeitig die Ausgaben im Blick haben, schränkt Meike Bergmann ein. Hohe Preise der Bio-Fachhandelmarken seien da nicht gerade förderlich.

Vielfältige Impulse fürs Bio-Sortiment

Angelo Romanelli ist auch für den Fachhandelsmarken-Bereich zuständig. Er arbeite mit Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen daran, ihn kundengerecht zu optimieren. Durch Fortbildungen habe er sich viel Wissen über Nachhaltigkeit und Bio angeeignet. Neben großem Eigeninteresse sei der Grell-Online-Shop seine wichtigste Quelle, um neue Produkte zu listen. Nachfragen von Kunden und Werbung per E-Mails lieferten weitere Anregungen, ebenso die Hausmessen von Edeka Nord, wo inzwischen zahlreiche Bio-Fachhandelsmarken vertreten seien. Ein Besuch der Fachmesse Bio-Nord soll weitere Impulse bringen.

Von den Außendienstlern der Produzenten erfahre er zudem vorzeitig von Marktneuheiten, sie würden ihn auch beim Category Management unterstützen. „Es gibt viele Varianten, ein Brotaufstrich-Regal aufzubauen. Die Außendienstler nehmen uns Arbeit ab, es ist ein Hand-in-Hand-Spiel“, sagt Angelo Romanelli. Bei den Aufstrichen habe ohnehin jeder Kunde sein Lieblingsprodukt.

Der Bio-Abteilungsleiter zieht auch grundlegende Veränderungen des Bio-Sortimentsbereiches in Betracht. „Aber wir dürfen nicht ständig umbauen. Der Kunde muss sich erstmal an eine bestehende Präsentation gewöhnen“, warnt er. 

Lesen Sie über mehr über Bio bei Edeka:

Edeka Naturkind-Welten: An Bio kommt hier keiner vorbei

Shop-in-Shop

Edeka hat die 200. Naturkind-Welt eröffnet. Geschäftsführer Dr. Robert Poschacher erklärt im Gespräch mit dem BioHandel, warum das Shop-in-Shop-Konzept jetzt auch auf kleineren Flächen umgesetzt wird.

Kommentare

Registrieren oder anmelden, um zu kommentieren.

Weiterlesen mit BioHandel+

Melden Sie sich jetzt an und lesen Sie die ersten 30 Tage kostenfrei!

  • Ihre Vorteile: exklusive Berichte, aktuelles Marktwissen, gebündeltes Praxiswissen - täglich aktuell!
  • Besonders günstig als Kombi-Abo: ausführlich in PRINT und immer aktuell mit ONLINE Zugang
  • Inklusive BioHandel e-Paper und Online-Archiv aller Printausgaben beim ONLINE Zugang
Jetzt 30 Tage für 0,00 € testen
Sie sind bereits Abonnent von BioHandel+? Dann können Sie sich hier anmelden.

Auch interessant: