Biohandel

Erfolgreich mit Bio handeln.

Fachhandel im Wettbewerb

Können Bioläden von den Drogerien lernen?

Der Handelsexperte Professor Thomas Roeb erklärt im Interview mit dem BioHandel, wie der Bio-Fachhandel sich im Wettbewerb mit den Drogeriemärkten behaupten kann – und was er besser nicht tun sollte.

Bio-Produkte wachsen doppelt so schnell wie der gesamte Lebensmitteleinzelhandel, wie das Marktforschungsunternehmen Nielsen (NIQ) ermittelte: Während der Lebensmitteleinzelhandel im Bereich Food von Januar bis April 2025 um 3,7 Prozent zulegte, erwirtschafteten Bio-Produkte ein Plus von 10,3 Prozent. Dabei schloss der Bio-Fachhandel laut BioHandel-Umsatzbarometer im 1. Quartal 2025 mit einem Minus von 0,4 Prozent ab. Die Drogeriemärkte dagegen erzielten ein Plus von 20,8 Prozent und zählen damit zu den stärksten Wachstumstreibern von Bio.

BioHandel fragte den Handelsexperten Professor Thomas Roeb, welches Geschäftsmodell Drogeriemärkte verfolgen und was das für den Bio-Fachhandel bedeutet. Roeb lehrt an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zu den Themen Marketing und Logistik von Handels- und Konsumgüteruntern.

BioHandel: Warum haben sich Drogeriemärkte vorrangig für Bio-Lebensmittel entschieden und nicht für konventionelle Lebensmittel?
Roeb: Mit konventioneller Ware hätten sie keine Chance gegen Supermärkte und Discounter gehabt. Bioläden Konkurrenz zu machen ist vielversprechender, weil die im Markt wackeliger sind. Außerdem ist es attraktiv, das Kundenpotenzial einer stark wachsenden Branche abzuschöpfen.

Was heißt „wackeliger im Markt“?
Der Bio-Fachhandel ist nicht effizient genug, um mit Drogeriemarktketten wie dm oder Rossmann mithalten zu können. Auch Schlecker war ein schwacher Wettbewerber und musste dort schließen, wo Rossmann oder dm aufmachten.

Warum haben Drogeriemärkte überhaupt Bio-Lebensmittel ins Sortiment genommen? 
Das Angebot ist anspruchsvolle Körperpflege von außen, dazu passt anspruchsvolle Körperpflege von innen. Zu anspruchsvollen Kosmetik-Artikeln passen also Bio-Lebensmittel. Quasi ein Gesundheitskonzept. Waschmittel könnten eigentlich ausgelistet werden.  

Aber warum listet zum Beispiel dm jetzt verstärkt Bio-Fachhandelsmarken? 
Weil das die Sortimentskompetenz erhöht. Voraussetzung ist allerdings, dass jetzt mehr Bio-Hersteller bereit sind, bei dm zu listen. Außerdem ist es immer lukrativ, mit einer eingeführten Marke preisaggressiv in den Markt zu gehen.

„Was kann ein Schwein von einer Kuh lernen? Nichts!“

Was kann der Bio-Fachhandel von Drogeriemarktketten lernen?
Was kann ein Schwein von einer Kuh lernen? Nichts! Ich warne davor, irgendwas von Drogeriemärkten kopieren zu wollen.

Drogeriemärkte können mit Körperpflege-Produkten einen breiten Kundenkreis ansprechen. Würden das auch Bioläden mit einem anspruchsvollen Sortiment an grüner Frische erreichen?
Ich rate davon ab. Kleine Läden haben nicht die Kundenfrequenz, um attraktive Bio-Frische in ausreichender Menge vorzuhalten. Eine hohe Abschriften-Rate wäre die Folge. Oder man fällt zurück in die 80er Jahre, wo schrumpelige Bio-Äpfel und welker Bio-Salat als gesunde Kost angeboten wurden.

Und wie steht’s mit Babykost? Besteht damit die Chance einer magnetisierenden Wirkung auf den Kundenkreis junge Eltern?
Kaum. Selbst Nestlé war erstaunt, dass Alete bei Lidl nicht funktioniert. Das Sortiment wurde einfach übersehen. Der Kunde hat im Kopf bestimmte Läden für bestimmte Sortimente rubriziert. Das aufzubrechen dürfte nur mit sehr hohem Aufwand möglich sein.  

Was können Bioläden letztendlich tun, um gegen die wachsende Konkurrenz der Drogeriemärkte bestehen zu können?
Sie müssten sich auf Spezialsortimente konzentrieren und nicht auf Schnelldreher, die von Drogeriemärkten gelistet werden. Das bei Mondschein abgeschöpfte Mineralwasser oder Dinkel zum Selbermahlen sind Beispiele einer Vielzahl von Waren, die Wettbewerber (noch) nicht vertreiben.  

Kommentare

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Markus Maaß

Naja, Dinkel habe ich bei DM und Rossmann wohl schon gesehen und Monscheinwässerchen etc wären sofort dort, wären sie nicht in Mehrweg.
Die Frage sollte sein, was mach der Drogist-Discount warum nicht? und ist das was, was wir vielleicht wollen? (und können) Und es gibt Kundschaft, die bestimmtes bei Dm &Co nicht nehmen, weil sie um die Qualität wissen.
Es wird immer Leute geben, die eine hohle, aber aufgepumpte Handelsmarke für das Qualitäts-Nonplusultra halten. Aber wir bemühen uns ja auch (bewußt) um andere Zielgruppen nicht.

Michael und Karin Sendl

wenn wir dem Rat mit "bei Mondschin abgeschöpfen Mineralwasser und Dinkel zum selbermahlen" folgen reduzieren wir unsrere Kundschaft auf ein Minimum. Herr Roeb sollte mal einen moderen Biomarkt besuchen bevor er solche Ratschläge gibt,

Hermann Heldberg

Das wäre sicherlich sinnvoll. Ich hoffe, dass die Vorlesungen von Herrn Roeb fundierter sind, als seine Einschätzung zum Bio-Fachhandel... abenteuerlich ist noch das positivste was mir dazu einfällt.

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