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Rinklin Naturkost: In Kooperationen liegt die Kraft

Fachhandelskrise, Veränderungen bei der Zusammenarbeit mit Alnatura: Für Rinklin Naturkost waren die vergangenen beiden Jahre nicht einfach. Doch der Ausblick im Jubiläumsjahr ist wieder positiv.

Ohne Arbeit geht es bei Wilhelm Rinklin nicht – auch nicht im Ruhestand. Bei den Vorbereitungen zur 50-Jahr-Feier des von ihm gegründeten Bio-Großhändlers Ende Mai auf dem Firmengelände in Eichstetten, legten er und seine Ehefrau Friedhilde fleißig mit Hand an. In der Firma schafft Wilhelm „nichts Entscheidendes mehr“, wie er während einer Aufbaupause erzählt. 

2022 zogen er und Friedhilde sich aus dem Unternehmen zurück. „Aber wenn ich etwas sagen möchte, kann ich das weiterhin tun.“ Viel sagen muss der Senior seinen drei Söhnen heute nicht mehr. Armin, Harald und Jochen sind seit 2013 in der Geschäftsführung. 

Der Generationenwechsel lief reibungslos. In den ersten zehn Jahren ihrer Amtszeit erhöhte sich der Umsatz um knapp 190 Prozent. Was 1975 als loser Zusammenschluss von Biobauern zur Vermarktung ihrer Ware begann, hat sich zu einem Unternehmen mit rund 40 Lkw und über 100 Millionen Euro Umsatz entwickelt. Der Jahresüberschuss lag Ende 2023 bei 863.000 Euro. 

Aktuell beschäftigen die Rinklins rund 220 Mitarbeitende. Das sind etwa 70 weniger als noch 2024, denn auch dem Großhändler, der eigentlich nur Wachstum kennt, hat die Fachhandelskrise einen Dämpfer versetzt. Hinzu kam die Entscheidung von Alnatura, das bundesweite Geschäft mit Frische künftig nicht mehr über Bio-Großhändler abzuwickeln, sondern über Metro Logistics. Alnatura hatte die Entscheidung frühzeitig angekündigt.

Dennoch brachen 30 Prozent Umsatz in Eichstetten weg. Die Brüder reagierten. Sie legten Büros und Lagerabteilungen zusammen und stellten sich anders auf. Armin verantwortet die kaufmännischen Abläufe und die Verwaltung, den Einkauf gab er an Harald ab, der zusätzlich noch für Marketing, Vertrieb und die Vernetzung zuständig ist. Jochen leitet das 10.000 Quadratmeter große Lager und die Logistik der rund 10.000 unterschiedlichen Artikel im Sortiment. „Wir haben überall unsere Strukturen angepasst“, sagt Harald.

Zusammenstreichen musste der Großhändler auch beim Sortiment. Die Zeiten, alte Sorten und außergewöhnliche Produkte zu subventionieren, sind erstmal vorbei. „Solche Entscheidungen fallen schwer, weil wir eine Leidenschaft für Vielfalt haben“, sagt Harald. Immerhin: Die meisten Bereiche entwickeln sich wieder stabil.

Stabile Entwicklung beim Fachhandel

Das Geschäft mit der AHV wächst, die Belieferung von Bioläden und Gastrobetrieben in Frankreich und Luxemburg erholt sich, und im Auftrag von Alnatura beliefert Rinklin weiterhin Supernatur-Märkte mit Getränken und ist Partner für die Auslieferung der Zentralware. Die drei Bereiche bringen jeweils zehn Prozent Umsatz. Den Rest steuert das Fachhandelsgeschäft in Deutschland bei. Dort rechnet Rinklin für 2025 mit einem Ergebnis wie im Vorjahr. 

„Die Pleitewelle im Fachhandel ist durch“, sagt Harald. Jetzt gehe es darum, den anstehenden Generationenwechsel bei den Läden so gut wie möglich hinzubekommen. Gemeinsam mit Großhändler Bodan und der Uni Freiburg sucht Rinklin nach gemeinschaftsbasierten Modellen, um Bioläden weiterzubetreiben. 

Die Zukunft des Fachhandels ist für die Rinklins elementar, nicht nur wegen dessen wirtschaftlicher Bedeutung für den Familienbetrieb. Es brauche Menschen, die verstehen, dass Wertschöpfungsketten, die ökologisch sind und auf Partnerschaft fußen, Positives leisten für Gesellschaft und Umwelt.

Ziel: In der Logistik nicht mehr alles alleine machen

Ja, der Wettbewerb sei härter geworden, aber dennoch: „Wir wollen nicht billig sein, sondern Lebensmittel verkaufen, die einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten“, sagte Harald zum Auftakt der Jubiläumsfeier. Gleichwohl gibt es im Markt den Wunsch nach Basispreisen und seit dem Wegfall der Markenexklusivität auch wieder nach unverwechselbaren Produkten. Rinklin bietet den Kunden darum seit Juni rund 170 Artikel der Marke „Bio Company“ an.

Außerdem will Rinklin seine Kooperationen ausbauen. Neben dem Großhändler-Verbund Die Regionalen und Korbio arbeitet Rinklin auch mit Pural zusammen. Seit Mai können die Kunden des Großhändlers aus Baden-Baden Gemüse aus Eichstetten beziehen. Dafür gibt es eine Live-Schnittstelle zu den Beständen bei Rinklin. Wo ökologisch und ökonomisch von Vorteil, soll es weitere Kooperationen mit Pural geben. „Wir wollen gerade in der Logistik nicht mehr alles alleine machen“, sagt Harald. 

Und dann ist da noch der Wiederaufbau des Leergutlagers, das durch einen Brand im Jahr 2022 zerstört wurde. Sobald die Halle wieder steht, „sind wir gebäudemäßig gerüstet für 120 bis 130 Millionen Euro Umsatz“, sagt Wilhelm Rinklin. So ganz raus ist der Senior noch immer nicht

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