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10 Antworten zum Handelsvertrag

Was das EU-Mercosur-Abkommen für Bio bedeutet

Die EU und die Mercosur-Staaten haben am Samstag das gemeinsame Handelskommen unterzeichnet. Was genau darin geregelt wird, welche Kritik es an dem Abkommen gibt und was es für Bio, Landwirtschaft und Verbraucher bedeutet.

Das unterzeichnete EU-Mercosur-Abkommen soll Zölle senken und Handelsbeziehungen zwischen Europa und Südamerika stärken. Zugleich ist der Pakt hoch umstritten, auch wegen seiner möglichen Folgen für Landwirtschaft, Umwelt und soziale Standards. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was ist Mercosur und welche Länder sind beteiligt?

Mercosur steht für „Mercado Común del Sur“ („Gemeinsamer Markt des Südens“) und ist ein südamerikanischer Wirtschaftsverbund. Er wurde 1991 von Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay gegründet. Ziel des Staatenbundes ist der Abbau von Handelshemmnissen und die wirtschaftliche Integration der Mitgliedsländer.

Bolivien gehört inzwischen ebenfalls zum Mercosur, kann jedoch erst nach Anpassung nationaler Regelungen vollständig von Handelsabkommen profitieren.

Was regelt das EU-Mercosur-Abkommen konkret und wie ist der aktuelle Stand?

Das EU-Mercosur-Abkommen ist als umfassendes Assoziierungs- und Handelsabkommen angelegt. Es regelt den schrittweisen Abbau von Handelshemmnissen, insbesondere von Zöllen, sowie den verbesserten Marktzugang für Waren und Dienstleistungen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Darüber hinaus umfasst es Regelungen zum öffentlichen Beschaffungswesen, zu Ursprungsregeln sowie Verpflichtungen in den Bereichen Umwelt- und Sozialstandards. 

Flankiert wird der Handelsteil durch ein Partnerschaftsabkommen, das einen Rahmen für politischen Dialog und sektorale Zusammenarbeit unter anderem zu nachhaltiger Entwicklung, Umwelt- und Klimaschutz sowie Menschenrechten schaffen soll. Für sensible landwirtschaftliche Produkte sind Quoten und bilaterale Schutzmaßnahmen vorgesehen, um bei Marktstörungen reagieren zu können.

Am 9. Januar 2026 hat der EU-Rat grünes Licht für die Unterzeichnung des Abkommens erteilt. Die Unterzeichnung von Vertretern der Mercosur-Staaten und der EU erfolgte am 17. Januar in Paraguay. Bevor das Abkommen vollständig in Kraft treten kann, ist noch die Zustimmung des Europäischen Parlaments erforderlich. 

Welche konkreten Handelsparameter enthält das Mercosur-Abkommen, und was bedeutet das für Agrar-Importe?

Das EU-Mercosur-Abkommen regelt einen weitgehenden Abbau von Zöllen im Warenhandel. Die Mercosur-Staaten sollen die Zölle auf 91 % der EU-Exporte schrittweise senken, während die EU im Gegenzug die Zölle auf 92 % der Mercosur-Exporte abbaut.

Für Agrarimporte gelten jedoch Sonderregelungen. Sensible Produkte werden nicht vollständig liberalisiert, sondern über Zollkontingente begrenzt und sie unterliegen verstärkten Überwachungsanforderungen. Vorgesehen sind unter anderem zusätzliche Importquoten für Rindfleisch (99.000 Tonnen pro Jahr) sowie weitere Quoten für Geflügel, Schweinefleisch, Käse, Zucker und Ethanol.

Ergänzend enthält das Abkommen Schutzklauseln, mit denen Zollvergünstigungen bei Marktstörungen oder starkem Preisdruck zeitweise ausgesetzt werden können. Für die Landwirtschaft bedeutet das einen kontrollierten Marktzugang: Mehr Importe sind möglich, zugleich sollen Quoten und Schutzinstrumente abrupte Auswirkungen auf die europäischen Agrarmärkte begrenzen.

Gilt das EU-Mercosur-Abkommen auch für Bio-Produkte?

Das EU-Mercosur-Abkommen unterscheidet grundsätzlich nicht zwischen konventionellen und ökologischen Produkten. Es gilt daher auch für Bio-Erzeugnisse, soweit diese unter die im Abkommen geregelten Warenkategorien fallen. Gleichzeitig stellt das Abkommen die geltenden EU-Vorschriften für ökologische Erzeugung, Lebensmittelsicherheit sowie Tier- und Pflanzengesundheit nicht infrage. Produkte aus den Mercosur-Staaten dürfen nur dann als Bio-Ware in der EU vermarktet werden, wenn sie die entsprechenden EU-Anforderungen erfüllen.

Wie viel Bio wird in den Mercosur-Ländern produziert?

Internationale Statistiken erfassen den ökologischen Landbau vor allem über die ökologisch bewirtschaftete Fläche. Im Jahr 2023 wurden in den vier Mercosur-Ländern zusammen rund 8,9 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche biologisch bewirtschaftet.

Bio-Fläche 2023 (in Hektar):

  • Argentinien: 4,05 Mio. ha (3,43 % der Landwirtschaftsfläche)
  • Brasilien: 1,02 Mio. ha (0,43 %)
  • Paraguay: 0,16 Mio. ha (0,97 %)
  • Uruguay: 3,57 Mio. ha (25,39 %)
  • Bolivien: 0,12 Mio. ha (0,31 %)

Besonders hoch ist der Bio-Flächenanteil in Uruguay, während Brasilien trotz großer absoluter Bio-Fläche einen sehr niedrigen prozentualen Anteil aufweist. Zum Vergleich: In Deutschland lag die ökologisch bewirtschaftete Fläche 2023 bei rund 1,9 Millionen Hektar, was etwa 11,3% der bundesweiten Landwirtschaftsläche ausmacht. 2024 stieg sie auf 11,5%.

Bio-Markt 2025

Bio-Nachfrage wächst, Erzeugung stagniert

Der deutsche Bio-Markt ist nach der Inflationsdelle wieder auf Wachstumskurs. Zahlen des Deutschen Bauernverbands sowie Auswertungen aus Handel und Wissenschaft zeigen, dass die Erholung ungleich verläuft.

Zwischen 2019 und 2023 ist die Bio-Fläche in allen vier Mercosur-Ländern deutlich gewachsen. Zusammengenommen lag die Bio-Fläche der vier Länder 2023 bei rund 8,8 Mio. ha.

Neuere, international vergleichbare Bio-Flächendaten für die Mercosur-Länder über das Jahr 2023 hinaus liegen derzeit nicht vor. Die aktuellsten konsolidierten Länderzahlen wurden 2025 veröffentlicht und beziehen sich auf das Erhebungsjahr 2023.

Welche Auswirkungen hat das Mercosur-Abkommen auf den Bio-Sektor in Europa?

Kurzfristig sind durch das EU-Mercosur-Abkommen keine direkten Auswirkungen auf Angebot, Preise oder Marktstrukturen im Bio-Bereich zu erwarten. Gründe dafür sind unter anderem die begrenzten Importkontingente, Schutzklauseln für sensible Agrarprodukte sowie die weiterhin geltenden EU-Standards für ökologische Erzeugung und Lebensmittelsicherheit.

Langfristige Effekte hängen von der politischen Ausgestaltung ab

Mittelfristig und langfristig hängt die Wirkung des Abkommens jedoch stark davon ab, wie es politisch ausgestaltet und begleitet wird. Entscheidend ist, ob die Handelsliberalisierung durch zusätzliche Kooperations-, Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsabkommen flankiert wird oder ob es perspektivisch zu einer weitgehenden Marktöffnung ohne verbindliche ökologische und soziale Leitplanken kommt.

Thomas Lang, Vorstand Landwirtschaft beim Bio-Spitzenverband BÖLW, ordnet das Abkommen vor diesem Hintergrund als Übergangsphase ein: „Die Rahmenbedingungen der landwirtschaftlichen Produktion in Europa und Südamerika sind sehr verschieden. Der enge Vereinbarungsrahmen, zum Beispiel im Bereich Rindfleisch, ist als eine Art Übergangsphase zu verstehen. Eine sofortige und komplette Öffnung hätte hingegen enorme negative Auswirkungen auf den landwirtschaftlichen Sektor.“

Mercosur als Chanche für Nachhaltigkeits- und Sozialstandards

Lang betont, dass Mercosur zugleich eine politische Chance darstelle, um Nachhaltigkeitsstandards international weiterzuentwickeln: „Die EU und einzelne Mitgliedsstaaten müssen nun die Zeit nutzen, Entwicklungs- und Kooperationsabkommen begleitend zu vereinbaren, die zu gemeinsamen Forschungsaktivitäten im Agrarsektor führen sowie zu einer Verbesserung von Nachhaltigkeits- und Sozialstandards. Ohne Mercosur könnte eine solche Chance nicht ergriffen werden und der komplette südamerikanische Agrarmarkt würde sich anderen ‚low-level-Märkten‘ mit weniger Nachhaltigkeitsansprüchen zuwenden.“

„Zum Glück ist der deutsche Bio-Markt regionaler geprägt.“

Thomas Lang, Vorstand Landwirtschaft beim BÖLW

Für den Bio-Markt in Europa sieht Lang aktuell keine unmittelbaren Effekte: „Eine direkte, sofortige Auswirkung auf den Bio-Markt in Europa hat Mercosur nicht. Mittelfristig, ohne Zusatzabkommen und mit kompletter Marktöffnung würde es mit Sicherheit auch Auswirkungen auf den europäischen Bio-Markt geben, die im Detail nicht abschätzbar wären.“

Außerdem verweist er auf eine strukturelle Stärke des Bio-Sektors in Deutschland: „Zum Glück ist jedoch der deutsche Bio-Markt regionaler geprägt. Es müssen nun Maßnahmen angegangen werden, die eine nachhaltige Entwicklung vorantreiben.“

Wie wirkt sich das Mercosur-Abkommen auf Umwelt-, Sozialstandards und fairen Handel aus?

Das EU-Mercosur-Abkommen enthält ein eigenes Kapitel zu Handel und nachhaltiger Entwicklung. Darin bekennen sich die Vertragsparteien unter anderem zum Pariser Klimaabkommen, zum Schutz von Wäldern sowie zu grundlegenden Arbeits- und Sozialstandards. Nach Darstellung der Bundesregierung sind diese Nachhaltigkeitsverpflichtungen rechtlich im Abkommen verankert und mit Monitoring- sowie Dialogmechanismen verbunden. Handelsvorteile können demnach ausgesetzt werden, wenn zentrale Verpflichtungen, etwa zum Klimaschutz, verletzt werden.

Befürchtete Risiken für Kleinbauern und Arbeitsrechte

Zivilgesellschaftliche Organisationen und Fair-Trade-Akteure wie das Netzwerk Gerechter Welthandel, Powershift und Fairtrade verweisen auf strukturelle Schwächen der Regelungen. Sie kritisieren, dass viele Nachhaltigkeitszusagen nicht mit wirksamen Sanktionsmechanismen hinterlegt seien. Besonders im Agrarsektor der Mercosur-Länder, der in vielen Bereichen von großen, exportorientierten Betrieben geprägt ist, sehen sie Risiken für kleinbäuerliche Strukturen, landwirtschaftliche Arbeitskräfte und indigene Gemeinschaften. Ohne gezielte Ausgleichs- und Unterstützungsprogramme könne eine weitere Handelsliberalisierung bestehende Machtungleichgewichte verstärken.

Wie sollen Umwelt- und Sozialstandards im Abkommen kontrolliert werden?

Nach Darstellung der Bundesregierung sieht das EU-Mercosur-Abkommen für Umwelt- und Sozialstandards institutionalisierte Monitoring- und Dialogmechanismen vor. Zentrale Grundlage ist das Kapitel „Handel und nachhaltige Entwicklung“, das in den Nachverhandlungen weiter ausgebaut wurde. Darin sind unter anderem Verpflichtungen zum Klimaschutz, zum Waldschutz sowie zur sozialen Nachhaltigkeit verankert.

Die Bundesregierung betont, dass diese Verpflichtungen rechtlich verbindlich seien und durch Monitoring-, Kooperations- und Dialogformate begleitet würden. Ziel sei es, Nachhaltigkeitsthemen gemeinsam mit den Mercosur-Staaten weiterzuentwickeln und Verstöße im Rahmen institutionalisierter Verfahren zu adressieren.

Zivilgesellschaftliche Organisationen und Fair-Trade-Akteure halten diese Kontrollmechanismen jedoch für unzureichend. So kritisiert etwa Greenpeace, dass das Bekenntnis zu den Pariser Klimazielen zwar formell verankert sei, es jedoch an wirksamen Durchsetzungsmechanismen fehle. 

Welche Kritik gibt es am Mercosur-Abkommen?

Am EU-Mercosur-Abkommen gibt es vielfältige Kritik, vor allem aus Landwirtschaft, Umweltverbänden und einigen EU-Mitgliedstaaten. Europäische Landwirte befürchten, dass zusätzliche Einfuhren, insbesondere von Rindfleisch, zu stärkerem Preisdruck führen. Kritisiert wird zudem, dass importierte Agrarprodukte aus Südamerika nicht denselben Umwelt- und Lebensmittelsicherheitsstandards unterliegen könnten wie in der EU.

Kritik an Umwelt-, Sozial- und gesundheitlichen Folgen

Organisationen sehen das Abkommen als klimapolitisch problematisch. Sie warnen, dass der erleichterte Handel Anreize für eine Ausweitung der Landwirtschaft und Rohstoffförderung in den Mercosur-Staaten schafft. Das könne, so zum Beispiel das Netzwerk Gerechter Welthandel, die Abholzung sensibler Ökosysteme wie des Amazonas verstärken, sowie indigene Gemeinschaften in Lateinamerika stärker unter Druck setzen. Außerdem wird etwa von Greenpeace kritisiert, dass der Handel mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Produkten gefördert werde. Laut Netzwerk Gerechter Welthandel werden außerdem landwirtschaftliche Monokulturen gefördert, die auf massiven Einsatz von Pestiziden angewiesen seien. Diese seien teilweise in der EU aufgrund ihrer Schädlichkeit nicht zugelassen, könnten importierte Ware aber mit Rückständen belasten.

Politischer Widerstand und zivilgesellschaftliche Ablehnung

Auch politisch ist das Abkommen umstritten. Mehrere EU-Länder, darunter Frankreich, lehnen es ab oder äußern starke Vorbehalte – unter anderem wegen der Folgen für die eigene Landwirtschaft. Insgesamt haben sich laut dem Umweltinstitut München um die 400 Organisationen aus Europa und Lateinamerika gegen das Abkommen ausgesprochen. Sie halten den Vertrag für nicht zeitgemäß und werfen ihm vor, zentrale heutige Herausforderungen wie Klima-, Umwelt- und Sozialschutz nicht ausreichend zu berücksichtigen.

Was bedeutet das Mercosur-Abkommen für Verbraucher?

Für Endverbraucherinnen und Endverbraucher in der EU kann das Mercosur-Abkommen vor allem indirekte Effekte haben. Durch den Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen sollen Waren aus den Mercosur-Staaten – ebenso wie europäische Produkte für den Export – günstiger und in größerer Auswahl verfügbar werden. Offizielle Stellen betonen, dass dabei weiterhin ausschließlich Produkte in die EU eingeführt werden dürfen, die den geltenden EU-Vorschriften zu Lebensmittelsicherheit sowie zum Schutz von Mensch, Tier und Pflanze entsprechen.

Zugleich sehen zivilgesellschaftliche Organisationen und Verbrauchervertretungen Risiken für Umwelt-, Gesundheits- und Nachhaltigkeitsstandards, die sich mittelbar auch auf Konsumentinnen und Konsumenten auswirken könnten. Kritisiert wird insbesondere, etwa vom Netzwerk gerechter Welthandel oder Misereor, dass das Abkommen den Handel mit Agrarprodukten aus Produktionssystemen fördert, die auf intensiven Einsatz von Pestiziden und großflächige Monokulturen setzen. Dabei handle es sich teilweise um Wirkstoffe, die in der EU nicht zugelassen seien, deren Rückstände aber über Importe dennoch in die Nahrungskette gelangen könnten.

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