Im nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort eröffnete Edeka Brüggemeier Mitte April seinen neuen und bisher größten Markt. Der bekam besondere Aufmerksamkeit, inklusive Besuch von Naturkind-Welt-Geschäftsführer Dr. Robert Poschacher aus der Edeka-Zentrale in Hamburg.
Auf den 3.000 Quadratmetern der nagelneuen Ladenfläche entstand die 200. Naturkind-Welt. Sie bietet auf rund 70 Quadratmetern Verkaufsfläche rund 1.400 Bio-Artikel – von Fachhandelsmarken wie Rapunzel, Lebensbaum und Bio Planète bis hin zum Demeter-Sortiment.
Jeder dritte Kamp-Lintforter, so schätzt Edeka-Marktleiter Thomas Ruiters, kommt pro Woche mindestens einmal zu Edeka Brüggemeier zum Einkaufen. An der Naturkind-Welt gleich hinter dem Eingang kommt er dann nicht vorbei. Der „Shop-in-Shop“ bietet hier, im ländlichen Raum, einen Kontaktpunkt zum Bio-Angebot, das im urbanen Umfeld deutlich stärker vertreten ist.
Im August soll es bereits 300 Naturkind-Welten geben
Im Jahr 2021 hatte Edeka den Markennamen von Tengelmann übernommen, das Konzept der Naturkind-Welten aber selbst entwickelt. Vor anderthalb Jahren, im Dezember 2024, eröffnete Edeka die 100. Naturkind-Welt-Fläche. Inzwischen hat die Zahl hat sich verdoppelt.
Bereits im August soll es laut Edeka – inklusive der neuen „Naturkind-Lieblinge“ für kleinere Flächen (siehe Interview) – über 300 Naturkind-Welten geben. Während die Naturkind-Welt als Shop-in-Shop-Konzept auf der Fläche bei Edeka gut funktioniert, hat sich das Ladenkonzept bislang nicht durchgesetzt: Von anfänglich vier eigenständigen Naturkind-Läden ist aktuell nur einer übrig.
Ein Bio-Fachgeschäft heute profitabel zu betreiben, sei eine sehr hohe Kunst, sagt Robert Poschacher im Gespräch mit BioHandel. Bei Edeka gibt man sich dennoch optimistisch. Eine kleine Zahl von Tegut-Filialen, die Edeka von Migros übernimmt, sollen als Naturkind-Märkte betrieben werden.
Edeka: 80 Prozent Bio-Umsatzanteil bei Babynahrung
Ob sich das lohnt? Während der Marktanteil von Bio-Produkten in Deutschland bei etwa 8 Prozent liegt, sind es in der Reichweite über 90 Prozent. Das bedeutet: Mehr als 90 Prozent der Haushalte kaufen mehrmals im Jahr Bio. Nicht alle sind „Bio-Intensivkäufer“. Bei Edeka hat man aber auch evaluiert, dass der Bio-Anteil an der verkauften Babynahrung beispielsweise bei etwa 80 Prozent liegt.
Die gesundheitsbewusste Kundschaft weiterhin von Bio überzeugen zu können, sei einer der Gründe für die Naturkind-Welt, sagt Robert Poschacher. Dafür setze Edeka sich ein und arbeite als einziger konventioneller Händler mit allen Bio-Verbänden zusammen: Bioland, Demeter, Naturland, Biokreis.
Wie viel eine Naturkind-Welt zum Umsatz eines Edeka-Marktes beiträgt, darüber macht die Zentrale in Hamburg keine genauen Angaben. „Die Bio-Anteile schwanken, gehen aber teilweise bis über 20 Prozent“, heißt es aus der Edeka-Pressestelle. Märkte mit Naturkind-Welten hätten aber einen deutlich stärkeren Bio-Anteil als Märkte ohne solche Flächen.
Im Interview: Dr. Robert Poschacher
Von Wien nach Hessen nach Hamburg: Der Österreicher Dr. Robert Poschacher war vor seiner Zeit bei Edeka bei Alnatura beschäftigt. Heute ist er Geschäftsführer der Naturkind-Welten.
Warum hat Edeka sich für das Konzept der Naturkind-Welt entschieden?
Vor fünf Jahren waren wir auf dem Sprung zur Marktführerschaft bei Bio. Viele Bio-Kunden waren schon bei Edeka. Was uns fehlte, war das Angebot aus dem Bio-Fachhandel. Es gibt zwei große Bio-Fachhändler: Alnatura mit 150 Filialen, Denns hat knapp 400. Das sind nicht so viele. Edeka hat mehr als 6.000 Märkte. Hier bekommen viel mehr Menschen Zugriff auf das wertvolle Bio-Fachsortiment. Wir erreichen die Kundinnen und Kunden dort, wo sie schon sind. So entstand die Idee zu den Naturkind-Welten.
Sprechen wir von der Platzierung: Wo findet die Kundschaft Bio-Produkte? Findet man das Bio-Öl auch bei den Ölen, oder ausschließlich auf der Naturkind-Welt-Fläche?
Die Naturkind-Welt bietet alles in einem Block. Direkt vorne am Eingang kommt der Kunde automatisch in Kontakt mit den Bio-Produkten. Er kommt automatisch an der Naturkind-Welt vorbei. Die Kunden lernen, dass sie die Produkte dort finden. Wenn sie herkömmliches Olivenöl haben möchten, oder das Öl der Edeka-Bio-Eigenmarke, finden sie das in einem anderen Regal in der entsprechenden Warengruppe.
Ist das in allen Märkten so?
Ja, denn wir wollen hier die Bio-affinen Kundinnen und Kunden abholen, die für das Sortiment sonst weiter fahren müssten. Wir wollen physisch nah an unserer Kundschaft sein. Mit der Naturkind-Welt wollen wir der „dritte Ort“ sein. Wir alle haben zwei Orte, an denen wir häufig sind: am Arbeitsplatz und zu Hause. Der dritte Ort ist die Naturkind-Welt: Sie soll eine Wohlfühlzone sein, in der man die gewünschten Bio-Produkte findet und Lebensfreude spürt.
Es gibt ein neues Konzept, die „Naturkind-Lieblinge“, speziell für kleinere Flächen. Wird es irgendwann in jedem Edeka eine Naturkind-Fläche geben?
Es ist ein Modul, auf das jeder Kaufmann und jede Kauffrau zugreifen kann, aber mir ist wichtig zu sagen: Naturkind-Welten einzurichten, steht den Kaufleuten frei – und diese Freiheit unterstützen wir. Wir haben die Marken, wir haben Konzepte für das Marketing, die Sortimentsgestaltung und die Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zu Bio beraten können. Größeren Märkten empfehlen wir die Naturkind-Welt-Fläche – aber man braucht schon rund 2.000 Quadratmeter Fläche. Deshalb gibt es jetzt auch die „Lieblinge“ für kleinere Flächen. Mit ihnen können wir die Produkte auch noch stärker dorthin bringen, wo Bio aktuell noch etwas unterrepräsentiert ist: in ländliche Regionen.
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