Der Bio-Schokoladenhersteller Ecofinia senkt die empfohlenen Verkaufspreise für einen Teil des Sortiments seiner Marke Vivani. Seit September kosten nach Angaben des Bochumer Unternehmens rund 17 Tafelschokoladen im UVP mindestens neun Prozent weniger. Produkte, die bislang mit 3,29 Euro, beziehungsweise 4,49 Euro ausgezeichnet waren, sollen demnach künftig für 2,99 beziehungsweise 3,99 Euro angeboten werden. Zu den günstigeren Sorten gehört auch „Edel Bitter 100 % Cacao + Nibs“.
Auch bei den drei Kuvertüren senkt Vivani die Preisempfehlung von 5,99 auf 4,99 Euro. Ausgenommen von der Preissenkung ist die Panama-Serie. Für den Kakao dieser speziellen Herkunft habe sich das Unternehmen nicht entsprechend günstiger eindecken können.
Lage auf dem Kakaomarkt hat sich entspannt
Damit hat sich die Lage für Ecofinia zumindest beim Einkauf gegenüber dem vergangenen Jahr etwas entspannt. Im Gespräch mit dem BioHandel hatten die Geschäftsführer Noël Meyer und Gerrit Wiezoreck 2025 noch von erheblichen Schwierigkeiten bei der Beschaffung berichtet. Bio-Kakao habe sich seit 2023 um das Vier- bis Fünffache verteuert. Gleichzeitig habe die Qualität der verfügbaren Rohware abgenommen und die Pestizidbelastung zugenommen. Benötigte Chargen habe Ecofinia deshalb nach Prüfungen ablehnen müssen.
Hinzu kamen unsichere Lieferketten. Selbst langjährige Verträge boten dem Unternehmen keine vollständige Absicherung: Der Hauptlieferant konnte laut dem damaligen BioHandel-Bericht seine Kontrakte 2024 nicht erfüllen. Ecofinia befürchtete zu diesem Zeitpunkt zudem, dass das Angebot an Bio-Kakao weiter zurückgehen könnte.
„Faire Preise müssen in beide Richtungen funktionieren. Wenn unsere Kalkulation Spielraum für Preissenkungen ermöglicht, möchten wir diesen nutzen.“
Nun begründet Vivani die Preissenkung mit einer veränderten Marktlage. Nach Angaben des Unternehmens sank der börsennotierte Kakaopreis zwischen August 2025 und April 2026 kontinuierlich. Im vergangenen Halbjahr habe Ecofinia dadurch Bio-Kakao günstiger einkaufen können. Weil Hersteller ihre Rohstoffe langfristig und im Voraus beschaffen, schlagen solche Veränderungen allerdings erst mit Verzögerung auf die Produktkalkulation durch.
„Faire Preise müssen aus unserer Sicht in beide Richtungen funktionieren. Hochwertige Bio-Rohstoffe und verlässliche Lieferketten müssen angemessen bezahlt werden. Gleichzeitig möchten wir unsere Schokoladen zu einem fairen und nachvollziehbaren Preis anbieten. Wenn unsere Kalkulation Spielraum für Preissenkungen ermöglicht, möchten wir diesen entsprechend nutzen“, erklärt Ecofinia-Geschäftsführer Gerrit Wiezoreck (siehe Interview).
Eine grundsätzliche Entwarnung für den Kakaomarkt verbindet das Unternehmen damit nicht. Vivani verweist weiterhin auf starke Preisschwankungen und mögliche klimatische Auswirkungen von El Niño. Wie sich die Rohstoff- und damit die Schokoladenpreise weiterentwickeln, lasse sich derzeit nicht verlässlich vorhersagen.
Für Ecofinia ist die Preisfrage besonders relevant. Gegenüber dem BioHandel hatte Wiezoreck 2025 angesichts der damals stark gestiegenen Rohstoffkosten betont: „Die Qualität wird beibehalten und die Produkte sollen erschwinglich bleiben.“
Im Interview: Gerrit Wiezoreck
Gerrit Wiezoreck führt die Geschäfte bei Ecofinia gemeinsam mit Noël Meyer.
Ecofinia senkt die Preise, gleichwohl bleibt die Situation Euren Angaben zufolge angespannt. Ist es nicht riskant, die Preise zu senken, um sie gegebenenfalls schnell wieder erhöhen zu müssen?
Natürlich bleibt ein gewisses Risiko. Aber für uns gehört zu einer fairen Preispolitik, dass sie in beide Richtungen funktioniert. Wir haben in der Kakaokrise notwendige Preissteigerungen transparent kommuniziert. Jetzt sind unsere Einkaufspreise bei einem Teil der Rohstoffe wieder gesunken – und diese Entlastung möchten wir genauso konsequent weitergeben. Wir reagieren dabei nicht auf kurzfristige Börsenbewegungen der letzten Wochen. Kakao wird Monate im Voraus eingekauft und abgesichert. Unsere Preissenkung basiert also auf unserer tatsächlichen Rohwarenkalkulation der Kakaopreiserholung im letzten halben Jahr und nicht auf dem Tages- oder Wochenkurs.
Ist der Handel offen für Senkungen und Erhöhungen? Ist das nicht ein ziemlicher bürokratischer Aufwand?
Natürlich verursacht jede Preisänderung Aufwand – bei uns genauso wie beim Handel. Aber das darf kein Argument sein, Preise dauerhaft auf einem Niveau zu halten, das die tatsächlichen Kosten nicht mehr widerspiegelt. Gerade nach den starken Preissteigerungen der vergangenen Jahre erleben wir die jetzige Senkung beim Handel grundsätzlich positiv. Am Ende profitieren Handel, Hersteller und vor allem die Verbraucher davon, wenn Schokolade wieder etwas erschwinglicher wird.
Was bedeutet das für die Kunden? Ihnen höhere Preise zu erklären ist immer schwieriger als niedrige. Ihr habt sogar Info-Material zum Thema herausgebracht. Wenn die nächste Preissteigerung kommt – fangt Ihr dann in der Kommunikation wieder von vorne an?
Genau deshalb haben wir von Anfang an versucht, die globale Kakaokrise sehr transparent zu erklären. Wir haben in über neun öffentlichen Stellungnahmen zur globalen Kakaokrise in den letzten zwei Jahren umfassend erklärt, was passiert, wer wie betroffen ist und warum wir so handeln müssen wie wir handeln. Diese Transparenz gilt für uns in beide Richtungen. Wenn unsere Kosten sinken, senken wir Preise. Sollten sie irgendwann wieder deutlich steigen, werden wir auch das erklären müssen. Ich glaube, Verbraucher können solche Zusammenhänge sehr gut nachvollziehen, wenn man offen und ehrlich mit ihnen kommuniziert.
Wie ist Euer Eindruck? Ziehen die Wettbewerber bei der Preissenkung bei Bio-Schokolade mit? Oder bleiben die Preise hoch?
Im konventionellen Markt haben wir bereits zum Frühling und Frühsommer erste Preissenkungen gesehen, insbesondere bei Handelsmarken und Discountern. Im Bio- und Premiumsegment sehen wir bislang deutlich weniger Bewegung. Das hat auch mit den Einkaufszyklen zu tun: Die niedrigeren Börsenpreise kommen zeitversetzt bei den Herstellern an. Hinzu kommt, dass hochwertiger Bio-Kakao weiterhin knapp und deutlich teurer ist als vor der Krise. Ich gehe deshalb davon aus, dass jeder Hersteller sehr individuell entscheiden muss, wann und in welchem Umfang er Spielraum für Preissenkungen hat.
Damit die Qualität gleich und der Preis erschwinglich bleibt, habt Ihr Produkte wie Riegel mit weniger Kakaoanteil entwickelt. Kommen die Produkte gut an? Baut Ihr das Segment aus?
Ja, diese Produkte kommen gut an. Aber sie sind aus unserer Sicht keine zielführende Strategie für die globale Kakaokrise und vor allem keine Markenstrategie. Die Kakaokrise bekämpft man mit der Lösung struktureller Probleme im Kakaoanbau, besseren Lieferketten, resilienteren Kakao-Plantagen und dem Aufbau europäischer Kakao-Rohwarenlager. Bezüglich der Rezepturen: Wir haben in den letzten Monaten auch viele hochprozentige Tafeln auf den Markt gebracht und lancieren gerade unsere Vivani 100% mit Himbeere und unseren Vivani 100%+ Riegel. Vivani steht weiterhin sehr stark für hochwertige und insbesondere hochprozentige Schokolade. Das ist und bleibt unsere DNA.
Gilt der Preisnachlass auch für Eigenmarken-Produkte, die Ecofinia für den Handel herstellt?
Unsere Eigenmarkenkunden haben jeweils individuelle Verträge, Rezepturen und Rohstoffdeckungen. Zu einzelnen Kundenbeziehungen oder Konditionen äußern wir uns grundsätzlich nicht. Natürlich überprüfen wir unsere Eigenmarken-Kalkulationen regelmäßig auf Basis unserer tatsächlichen Rohstoff- und Produktionskosten.
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