Der Erntebericht 2026 des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) weist bei vielen Kulturen deutliche Einbußen und große regionale Unterschiede aus. Ein trockenes Frühjahr und mehrere Hitzewellen setzten den Pflanzen zu. Besonders in der Südhälfte Deutschlands fehlte Wasser. Im Juli lag die Bodenfeuchte in Teilen des Westens und Südwestens sogar unter den Werten der Dürrejahre 2018, 2019 und 2022 zum gleichen Zeitpunkt.
Ab Mitte August brachten Regenfälle in einigen Landesteilen Entlastung. Teils schwere Gewitter verursachten regional jedoch weitere Schäden, vor allem durch Hagel. Die Niederschläge erreichten zudem hauptsächlich die oberen Bodenschichten. Darunter waren die Böden teilweise noch mehr als einen Meter tief ausgetrocknet.
Die vorläufigen Ergebnisse entsprechen dem Datenstand vom 24. August.
Die Ernteeinbußen treffen viele Höfe in einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage. Das BMLEH verweist auf weltweite Verwerfungen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der Nahost-Krise. Beeinträchtigte Lieferketten sowie höhere Kosten für Energie und Düngemittel belasteten die Betriebe. Zugleich sänken in Teilen der Landwirtschaft die Erzeugerpreise.
Weniger Getreide und Raps
Die Getreideernte ohne Körnermais wird auf rund 37,4 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind 7,3 Prozent weniger als im starken Vorjahr. Beim Winterweizen beträgt das Minus voraussichtlich 10,4 Prozent. Besonders stark traf es das später reifende Sommergetreide. Die Hitzewelle im Juni beschleunigte die Abreife. Wegen der anschließenden Trockenheit konnten sich die Bestände vor allem im Süden, Südwesten und in der Mitte Deutschlands kaum erholen.
Auch beim Winterraps fällt die Erntemenge voraussichtlich 11,5 Prozent kleiner aus als 2025. Er ist Deutschlands wichtigste Ölfrucht und nimmt mehr als 90 Prozent der Anbaufläche für Ölfrüchte zur Körnergewinnung ein. Beim Körnermais zeichnen sich vor allem im Süden und Südwesten deutliche Einbußen ab. Die Pflanzen blieben teilweise klein oder bildeten kaum Kolben aus. Da die Ernte später stattfindet, waren die Schätzungen Ende August noch unsicher.
Gute Aussichten für die Weinqualität
Die Trockenheit trifft nicht alle Kulturen auf dieselbe Weise. Im Weinbau dürfte sie zwar die Erntemenge schmälern. Der Bericht erwartet jedoch gesunde Trauben und einen qualitativ guten Jahrgang. Reben kommen dank ihrer tief reichenden Wurzeln vergleichsweise gut mit trockenen Phasen zurecht. Für früh reifende Trauben begann die Lese bereits in der zweiten Augustwoche und damit etwa eine Woche früher als üblich. Eine belastbare Mengenprognose lag noch nicht vor.
Bio-Getreide: Probleme bei Hafer
Der Erntebericht des BMLEH weist keine gesonderten Erträge des Ökolandbaus aus. Eine aktuelle Einschätzung zur Bio-Getreideernte kommt von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Wintergerste, Roggen, Dinkel und teilweise auch Winterweizen brachten demnach überwiegend durchschnittliche Erträge und solide Qualitäten. Deutlich schwächer fällt vielerorts das Sommergetreide aus. Vor allem bei Hafer meldet die AMI geringere Erträge und niedrige Hektolitergewichte. Auch Leguminosen und Sojabohnen litten teilweise erheblich unter Trockenheit und Hitze.
Trotz der kleineren und regional uneinheitlichen Bio-Ernte erwartet die AMI kurzfristig keine deutlichen Erzeugerpreissteigerungen. Die umfangreiche Bio-Getreideernte des Vorjahres sorgt noch für eine gute Versorgung. Bei Bio-Hafer dürften Marktteilnehmer zunächst auf Altbestände zurückgreifen. Für den Bio-Futtermarkt erwartet die AMI im weiteren Saisonverlauf eine festere Entwicklung. Besonders bei Mais und Futterweizen könnten die Preise anziehen.
Futter wird im Süden knapp
Für die Grünlandernte liegen bislang nur vorläufige Einschätzungen aus den Bundesländern vor. Die amtliche Statistik wird im Januar 2027 veröffentlicht, da sich die Ernte je nach Witterung bis in den Herbst fortsetzen kann. Nach dem BMLEH-Erntebericht brachte der erste Grünlandschnitt in den meisten Regionen gute Erträge und Qualitäten. Ab Juni blieben im Süden, Südwesten und in Teilen der Mitte weitere Schnitte aus. Mancherorts konnten die Flächen wegen des fehlenden Aufwuchses nicht mehr beweidet werden. Betroffene Betriebe mussten bereits auf ihre Futterreserven zurückgreifen.
Nach Angaben der AMI war die Versorgung mit Grundfutter im Norden und Osten Deutschlands ausreichend. Im Süden stiegen Nachfrage und Preise deutlich. Heu in Großballen verteuerte sich im August im Bundesdurchschnitt um 17 Prozent auf 134 Euro je Tonne. Auch beim Silomais rechnet das BMLEH im Süden und Südwesten mit deutlichen Ertragseinbußen bei der noch anstehenden Ernte.
Für Bio-Tierhalter ist die Lage besonders schwierig, weil regional nicht genügend ökologisches Grundfutter verfügbar ist. Bayern und Baden-Württemberg haben deshalb Anfang August den Katastrophenfall im Sinne des EU-Öko-Rechts anerkannt. Betroffene Betriebe dürfen nach behördlicher Genehmigung bestimmte konventionelle Futtermittel einsetzen, ohne grundsätzlich ihren Bio-Status zu verlieren.
Alois Rainer: „Krise von nationaler Tragweite“
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer warnt davor, die Lage der Betriebe allein anhand der Erntemengen zu beurteilen. „Unser Erntebericht zeigt Licht und Schatten mit regional großen Unterschieden, aber die Erntezahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte“, sagte er. Hohe Produktionskosten und teilweise sinkende Erzeugerpreise verschärften die Situation auf vielen Höfen. Rainer spricht von einer „Krise von nationaler Tragweite“.
Staatliche Hilfen seien aus seiner Sicht geboten, wenn die wirtschaftliche Substanz der Betriebe und damit Produktionskapazitäten dauerhaft gefährdet seien. Davon hingen regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze im ländlichen Raum und die Versorgungssicherheit ab, erklärte der Minister.
Das BMLEH will einen Liquiditätsrahmen von insgesamt rund einer Milliarde Euro schaffen. Das bestehende Darlehensprogramm der Landwirtschaftlichen Rentenbank soll von 200 auf 500 Millionen Euro aufgestockt werden. Ein zweites Programm mit niedrigeren Zinsen und längeren Laufzeiten ist geplant. Die Betriebe sollen damit Betriebs- und Futtermittel beschaffen und die Ernte 2027 sicherstellen können. „Wir müssen jetzt handeln, bevor aus der akuten Krise ein dauerhafter Strukturbruch wird“, sagte Rainer.
BÖLW fordert gezieltere Hilfen
Der BÖLW hält Darlehen allein für unzureichend. „Vielen Höfen reicht die jetzt geschaffene Möglichkeit, ihre Liquidität durch Darlehen zu sichern, nicht“, erklärte Peter Röhrig, geschäftsführender Vorstand des Verbands. Transportkostenzuschüsse könnten dazu beitragen, Tiere in Süddeutschland über den Winter zu bringen.
Auch die für 2027 angekündigte Erhöhung der GAP-Mittel kritisiert Röhrig: „Diese Förderung mit der Gießkanne lehnen wir ab.“ Die Mittel sollten Betrieben Investitionen ermöglichen, mit denen sie sich auf künftige Extremwetterereignisse vorbereiten können. Als Ansatz nennt Röhrig vielfältige Fruchtfolgen.
Bereits im August hatten acht Bio-Anbauverbände eine „Taskforce Dürre“ gegründet. Sie soll den Futterbedarf betroffener Verbandsbetriebe mit verfügbaren Bio-Futtermitteln in Deutschland und Italien zusammenbringen.
Den vollständigen Erntebericht 2026 des BMLEH finden Sie hier.
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