„Wir fordern mehr Geld für die ökologische Landwirtschaft und verbindliche ökologische Ziele“, sagte Tina Andres, Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), anlässlich der Pressekonferenz zu Beginn der Grünen Woche in Berlin. Die Politik solle weniger die großen landwirtschaftliche Flächen, sondern vielmehr die Umweltleistungen der Betriebe fördern.
Andres rief Agrarminister Alois Rainer dazu auf, die für das Bundesprogramm Ökologischer Landbau bewilligten Mittel – 40 Millionen Euro in 2026 – freizugeben und die Bio-Strategie umzusetzen. Nur so könnten die positiven Effekte des ökologischen Landbaus genutzt werden, wie beispielsweise der Schutz des Wassers.
Wie nötig dieser Schutz ist, darauf wies Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), hin: Die Wasser-Ressourcen gerieten immer stärker unter Druck, unter anderem durch den Klimawandel und die Nitratbelastung aus der konventionellen Landwirtschaft.
„Die Politik darf den Run auf Bio nicht verschlafen“
„Vor diesem Hintergrund begrüßen wir jede Form der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung, die nachweislich zur Reduzierung von Stoffeinträgen beiträgt und damit den Schutz unserer Trinkwasserressourcen stärkt“, so Weyand. Der ökologische Landbau leiste einen wichtigen Beitrag zum vorbeugenden Trinkwasserschutz und die Politik müsse die Weichen dafür stellen, „die Herzrhythmusstörungen in der Lebensader Wasser zu beheben“.
Derzeit werden in Deutschland laut Berechnungen des deutsch-französischen Forschungsunternehmens Ecozept 1,84 Millionen Hektar Agrarfläche in Wassergewinnungsgebieten noch konventionell bewirtschaftet. Würden diese Flächen auf Bio umgestellt, würde nicht nur die Wasserqualität verbessert. Gleichzeitig würde auch der Öko-Flächenanteil in Deutschland von 11,4 Prozent in 2024 auf mehr als 22 Prozent wachsen.
Tina Andres mahnte: „Die Politik darf den Run auf Bio nicht verschlafen.“ Denn der Bio-Markt boomt. So ist der Jahresumsatz mit Bio 2025 laut Schätzungen verschiedener Forschungsinstitute um 8 bis 10 Prozent auf mehr als 18 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Peter Röhrig, Geschäftsführender Vorstand des BÖLW, sagte, angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Situation sei diese Entwicklung überraschend. Zumal sie im Wesentlichen auf gestiegene Mengen und nicht – wie man aufgrund der Inflation annehmen könnte – auf Preiseffekte beruhte.
„Think small first!"
Auch für den Arbeitsmarkt hat Bio laut BÖLW eine große Bedeutung, denn die Branche beschäftige mindestens 388.000 Menschen in Deutschland – ein Anstieg von 2,1 Prozent in 2024 im Vergleich zu 2023. Davon arbeiten 43 Prozent der Menschen in Verarbeiter-Betrieben und 30 Prozent auf Bio-Höfen. Bio sorge also besonders im ländlichen Raum für Arbeit.
Doch gerade den kleinen und mittleren Betriebe machen laut Andres viele praxisferne Vorschriften zu schaffen: „Sie kämpfen nicht mit Verbrauchern, sondern mit Auflagen.“ Diese, sowie die Förderungen, müssten an kleine und mittelgroße Betriebe angepasst werden. Wir fordern: „Think small first!“, so Andres.
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