Wenn die BioOst am kommenden Wochenende die Tore zur Leipziger Messehalle 5 öffnet, wird so manches anders sein als bislang gewohnt. Erstmals findet der Bio-Branchentreff am Samstag und Sonntag statt. Und zusätzlich zu den Fachbesuchern werden auch Endverbraucher auf die Messe kommen.
Damit letztere in großer Zahl erscheinen, haben die Veranstalter einige Anstrengungen unternommen: Auf und in Leipziger Straßenbahnen laden sie zur Messe ein, auf Social Media gibt es gemeinsame Aktionen mit Influencer-Köchen, die auch auf der Messe Gerichte zubereiten werden. Zudem verteilen Händler wie Denns BioMarkt und BioMare Eintrittsgutscheine an ihre Kunden, und für Besucherinnen und Besucher der parallel in Leipzig stattfindenden Agra Landwirtschaftsausstellung ist der Eintritt kostenlos.
„Vielen Bio-Unternehmen ist längst bewusst, dass sie die Kommunikation mit ihren Endkundinnen und -kunden nicht einfach komplett auf den Handel abwälzen können“, sagt Co-Messeleiter Matthias Deppe. Hinzu komme, dass es aktuell für den gesamten Nachhaltigkeitsbereich keinen Rückenwind gebe. „Mit der Öffnung der BioOst für Verbraucherinnen und Verbraucher leisten wir unseren Beitrag dazu, mehr Menschen für Bio zu begeistern, indem wir Bio-Lebensmittel, die Menschen, die sie herstellen, und ihre Werte direkt erlebbar zu machen“, sagt Deppe.
Testballon mit buntem Programm und Rückzugsorten
Für die Endverbraucher wird es während der beiden Messtage zahlreiche Veranstaltungen geben. Im Vortragsforum stellen sich ihnen Hersteller vor, die standardmäßige Podiumsdiskussion „12 Uhr Mittags“ richtet sich mit dem Thema Trinkwasser sowohl an Laien- als auch an Fachpublikum. Zudem zeigen Foodinfluencer am Samstag und Sonntag, wie sie aus Bio-Lebensmitteln einfache und leckere Gerichte zubereiten.
Für ungestörte Fachgespräche wird es direkt hinter dem Zugang zur Ausstellungsfläche eine „Fachhandels-Lounge“ geben. Am Samstagabend von 18 bis 22 Uhr laden die BioMessen das Fachpublikum zudem zu einer Hallenparty ein.
Die BioOst ist ein Testballon für die Veranstalter. Die restlichen drei Messen in Düsseldorf am 19. April sowie im September und Oktober in Augsburg und Hamburg bleiben in diesem Jahr ausschließlich dem Fachpublikum vorbehalten. Ob sich daran etwas ändert, wird das Wochenende in Leipzig zeigen. „Wir sind sehr gespannt, welche Erfahrungen wir machen werden und werden diese dann sorgfältig auswerten“, sagt Matthias Deppe.
Lob und Kritik für Endverbraucher-Öffnung
Ob die BioMessen die richtige Umgebung für Kundenkontakt sind, darüber gehen die Meinungen der Aussteller auseinander. Einerseits begrüßen Unternehmen wie Barnhouse, Bauck, Bio Planète, die Bohlsener Mühle, Dennree, Petersilchen, Swema, Vivani und Voelkel die Öffnung und den Austausch mit den Kunden, wie dem aktuellen BioMessen-Magazin zu entnehmen ist. Der Hersteller Mount Hagen hat sich gar bewusst für die erste Teilnahme an der BioOst entschieden, weil es dort auch Publikumsverkehr geben wird.
Indes verzichten in diesem Jahr zahlreiche Unternehmen, die sonst in Leipzig ausstellen, auf einen Stand. Die Veranstalter sprechen von „20 bis 30“ Ausstellern, die wegen der Öffnung für Endverbraucher nicht zur BioOst kommen.
Die Spielberger Mühle ist einer davon. Gründer und Geschäftsführer Volkmar Spielberger hatte diesen Entschluss bereits bei der ersten Ankündigung der Pläne im September 2025 gefasst und ist davon auch nach zwei Informationsveranstaltungen der BioMessen zum neuen Konzept nicht abgerückt. Geht es nach ihm, sollten die BioMessen weiterhin ausschließlich ein Treffpunkt für die Fachbranche bleiben. Gleichwohl will sich Volkmar Spielberger am Wochenende vor Ort ein Bild machen.
BioOst und BioWest mit deutlich weniger Ausstellern
Für die BioOst haben sich laut den Veranstaltern 180 Aussteller angemeldet. Das sind 23 Unternehmen weniger als vor einem Jahr, ein Rückgang um 11 Prozent. 2024 stellten noch 235 Firmen sich und ihre Produkte in Leipzig vor.
Dass dieser Rückgang ausschließlich mit der Öffnung für Endverbraucher zu tun hat, darf bezweifelt werden. Denn auch zur BioWest, die eine Woche später unter gewohnten Bedingungen stattfinden wird, kommen dieses Jahr deutlich weniger Aussteller. 186 Unternehmen sind gemeldet, nach 228 im Jahr 2025. Das entspricht einem Rückgang um 18 Prozent.
„Die Aussteller tun sich schwer, angesichts der aktuellen Weltlage“, sagt Matthias Deppe. Gleichzeitig seien die Ausstellungsflächen in Leipzig mit minus 4 Prozent und in Düsseldorf mit minus 7 Prozent weniger stark gesunken, was bedeute, dass die Stände größer geworden seien. Positiver stimmt Deppe das Besucherinteresse. Seit dem Ende der Coronapandemie sei die Gesamtzahl der Besucher auf den vier BioMessen kontinuierlich gestiegen und liege fast wieder auf Vor-Corona-Niveau, sagt er.
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