Das BioMessen-Jahr 2026 beginnt mit einer großen Veränderung. Zum Auftakt in Leipzig wird die BioOst erstmals an zwei Tagen veranstaltet. Sie findet am 11. und 12. April 2026 statt. Das eigentliche Novum aber ist, dass auch Verbraucherinnen und Verbraucher an den beiden Tagen die Messe besuchen können. Die BioOst 2026 ist als Pilotprojekt geplant – „die anderen drei BioMessen 2026 bleiben erst einmal reine Fachmessen“, teilten die Organisatoren mit.
Das Team sei in den vergangenen Jahren immer wieder darauf angesprochen worden, ob es nicht sinnvoll wäre, die BioMessen „auch für Verbraucherinnen und Verbraucher vor Ort zugänglich zu machen“, so Co-Veranstalter Matthias Deppe. Das entscheidende Kriterium gegen eine Öffnung für Endverbraucher war bislang, dass die Mehrheit der Aussteller, die die Messe letztlich bezahlen, dagegen war.
Diese Einstellung hat sich nun offenbar geändert. Laut den Veranstaltern haben sich in einer Umfrage im Frühling 2025 mehr als 50 Prozent der Ausstellenden auf der BioWest und BioOst dafür ausgesprochen, auch Endverbraucher zuzulassen. Leipzig sei dabei immer wieder als geeigneter Standort genannt worden. Parallel zur BioOst findet dort die Agra Landwirtschaftsausstellung statt, auf der 50.000 Besucherinnen und Besucher erwartet werden. Insbesondere von dort erhoffen sich die BioMessen einen Zulauf an fachfremdem Publikum.
Argumente für und gegen eine Öffnung für Verbraucher
Im Interview mit BioHandel im vergangenen Jahr sagte Matthias Deppe, es gebe viele Argumente, die für und gegen eine Öffnung der Messe für Endverbraucher sprächen. Ein gewichtiger Grund dagegen ist, dass eine zusätzliche Besuchergruppe einen deutlich größeren organisatorischen Aufwand bedeuten würde und die Aussteller mit mehr Personal vor Ort sein müssten. Gleichzeitig bietet der direkte Kontakt mit Konsumenten für die Aussteller aber auch die Chance, ihre Produkte und den Fachhandel insgesamt bekannter zu machen. Zudem können die Aussteller durch den Verkauf von Produkten ihren Messeauftritt teilweise refinanzieren.
Angesichts dessen, dass die Branche absehbar keinen politischen Rückenwind zu erwarten habe, ist eine solche Bühne für Bio wichtiger denn je, argumentiert Co-Messeveranstalter Wolfram Müller. „Wenn wir als Branche relevant bleiben wollen, müssen wir das schon selbst in die Hand nehmen: dafür sorgen, dass wir mit Menschen ins Gespräch kommen, klar machen, wofür wir stehen. Und wo geht das besser als im direkten Kontakt mit Kundinnen und Kunden?“, so Müller.
Auch BNN-Geschäftsführerin Kathrin Jäckel kann der neuen Strategie Positives abgewinnen. „Multikrisen und Kriege verschieben den aktuellen Diskurs zu Wehrhaftigkeit und Ökonomisierung – auf Kosten von Umwelt und Gemeinwohl. Wenn wir uns jetzt zurückziehen, dann drohen unsere Errungenschaften unter die Räder zu geraten. Vor diesem Hintergrund bietet die neue BioOst eine echte Chance, Menschen zu erreichen“, erklärt die Schirmherrin der BioMessen.
Aussteller reagieren unterschiedlich auf die Pläne
BioHandel hat bei Ausstellern nachgefragt, wie die neue Ausrichtung der BioOst dort ankommt. Die Meinungen dazu sind gespalten.
Bei Bio Planète aus Klappendorf bei Dresden begrüßt man eine Öffnung für Endverbraucher sehr: „Messen sind für uns wichtige Veranstaltungen, um den Kontakt mit unseren Kundinnen und Kunden zu pflegen, unsere vielfältigen Öle zu verkosten und Fragen zum Beispiel zur Verwendung direkt zu klären. Aber Messen sind eben auch sehr zeit-, kosten- und personalaufwendig. Es ergibt für uns deshalb Sinn, die BioMesse gleich für eine weitere Zielgruppe mit zu nutzen, zumal unsere B2B- und B2C-Kommunikation in vielen Bereichen ähnlich ist.“
Auch Swen Straßberger, Co-Gründer und -Geschäftsführer des Berliner Gemüsebrühenherstellers Swema, sieht die neue Besuchergruppe positiv. „Je mehr Verbraucher wir erreichen, umso besser“, sagt er. Weniger überzeugt ist er davon, dass Endverbraucher an beiden Messetagen zugelassen sind. „Das ist ein hoher organisatorischer Aufwand.“
Straßberger gibt zu bedenken, dass es unübersichtlich werden könnte, wenn Fachbesucher und Verbraucher gleichzeitig auf der Messe sind. „Unterschiedliche Preis- und Sampling-Logiken parallel zu erklären, ist anspruchsvoll.“ Oder anders ausgedrückt: Es birgt Konfliktpotenzial, privaten Besuchern zu erklären, dass sie für ein Produkt bezahlen müssen, wenn Händler neben ihnen eine Gratis-Probe bekommen. Ob eine komplette Öffnung für Endverbraucher sinnvoll ist, müsse der Testlauf in Leipzig zeigen, sagt Swen Straßberger. Er plädiert dafür, die Zielgruppen zu trennen: „Samstag Endverbraucher, Sonntag Business.“
Spielberger Mühle lehnt die Idee ab
Auf Ablehnung stößt die Idee bei Volkmar Spielberger. „Die Öffnung der BioMessen für Endverbraucher lehnen wir ab“, sagt der Gründer und Geschäftsführer der Spielberger Mühle, die jedes Jahr auf allen vier regionalen BioMessen als Aussteller dabei ist. Für ihn sind die BioMessen ein Treffpunkt für die Branche. „An dem Format schätzen wir, dass wir ausführlich mit Ladnern ins Gespräch kommen“, sagt Spielberger.
Die Veranstalter sind auf diese Kritik vorbereitet. „Das Fachpublikum wird selbstverständlich wie gewohnt die Möglichkeit haben, sich über Produktneuheiten zu informieren sowie Kollegen und Lieferanten zu treffen“, versichern die BioMessen. Für „ungestörte Fachgespräche sowie Unternehmen, die kein Angebot für Endverbrauchende haben“, werde es in Leipzig einen separaten Fachpublikumsbereich geben.
Zusätzlich zu den regulären Diskussionen und Fachvorträgen werden die BioMessen in Leipzig auch ein Programm für Verbraucher haben. Geplant sind Showcooking-Events und ein Forum, auf denen sich die Aussteller den Privat-Besuchern vorstellen können.
Für die BioMessen ist die Öffnung ein Spagat. Ob er tatsächlich gelingen kann, wird erst nach dem 12. April klar sein. Die Veranstalter jedenfalls sind „optimistisch“.
Wie ist Ihre Meinung zu den Plänen der BioMessen? Ist eine Öffnung für Endverbraucher sinnvoll oder der falsche Weg? Machen Sie mit bei unserer Umfrage und stimmen Sie ab.
Kommentare
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Das Ziel der Öffnung der BioOst ist es definitiv, mehr Menschen für Bio im Fachhandel zu begeistern. Denn die Antwort auf die Frage „wo bekomme ich das?“, wird angesichts der vielfältigen Sortiment lauten: „Bestimmt nicht im Discounter, sondern in Deinem Bio-Laden!“. Eine erfolgreiche Bio-Endverbrauchermesse vor Ort nimmt niemandem etwas weg, im Gegenteil: Sie trägt dazu bei, neue Kundinnen und Kunden in den Bio-Fachhandel vor Ort zu bringen und die Nachfrage dauerhaft zu stärken, wenn die Messe längst wieder vorbei ist. Selbstverständlich wird die BioOst weiterhin Plattform für die Fachbesucherinnen und –besucher speziell aus dem Handel bleiben – sowohl an den Ständen als auch in einem speziellen Fachhandelsbereich.
Die Öffnung der BioMessen für Endverbraucher halte ich für einen Irrweg. Der Biofachmarkt vor Ort ist die erste und wichtigste Anlaufstelle für Aufklärung, Beratung und Vertrauen – Tag für Tag, nicht nur an zwei Messetagen. Wenn die Messe diese Rolle übernimmt, schwächt sie die Läden, die über Jahre mühsam und mit persönlichem Einsatz aufgebaut wurden.
Gerade jetzt, wo der Fachhandel mit steigenden Kosten, zurückhaltenden Kunden und wachsendem Druck durch den konventionellen Markt kämpft, wäre es fatal, ihm noch mehr Boden zu entziehen. Viele Hersteller, die den Fachhandel links liegen lassen, suchen ihr Glück im Supermarkt – und scheitern dort oft. Zurück bleiben wir Händler, die dann auch noch zusehen sollen, wie dieselben Firmen auf Messen direkt unsere Kundschaft abwerben. Das ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die Bio vor Ort leben.
Messen müssen Treffpunkt der Branche bleiben – Orte, an denen Produzenten, Großhändler und Fachgeschäfte gemeinsame Lösungen entwickeln. Werden sie zu „Verbrauchermessen“ verwässert, verlieren sie ihr Profil und damit ihre Kraft. Dann stehen am Ende nur noch bunte Probierstände, aber keine echte Zukunftsstrategie für Bio.
Mein Appell: Stärkt den Fachhandel, zeigt Rückgrat und investiert in die Orte, wo Bio wirklich gelebt wird – in den Bioläden vor Ort. Dort entsteht Vertrauen, dort findet Beratung statt, dort bleibt Bio authentisch. Wenn wir das verspielen, verspielen wir das Herz der gesamten Branche.
Die Tage zu trennen, wie der Kleine Naturkostladen vorschlägt, ist sicherlich sinnvoll. Ich möchte nicht neben Endverbrauchern auf meine/n Ansprechpartner/in warten um dann 'öffentlich' Aktionen oder ähnliches zu besprechen.
Wenn die Aussteller die Gelegenheit nutzen, den Fachhandel wieder in den Focus zu rücken, bin ich mit der Idee einverstanden, Endverbraucher zuzulassen.
Ich fürchte aber, dass auch hier wieder eine Stärkung des LEH dahinter steckt. Auf die Frage, 'wo gibt es denn ihre tollen Produkte', wird sicherlich häufig ein 'bei Edeka, Lidl, Netto, Combi oder andere' zu hören sein.
Sind die Fachgeschäfte nicht mehr da, wird auch für die Hersteller 'der Schuss nach hinten' losgehen. Dann zieht der LEH die Schraubzwingen an.
Sicherlich nicht verkehrt dem Endverbraucher die Möglichkeit zu geben die Produkte kennen zu lernen . Ich halte es aber nur an einem Tag für sinnvoll . Wenn ich die Messe besuche möchte ich mich frei über Preise , Listung und Aktionen zu informieren.