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Messe

Biofach öffnet sich für nachhaltige Ernährung abseits von Bio

Die Biofach will neue Zielgruppen mit Bio in Kontakt bringen und bietet künftig auch anderen nachhaltigen Ernährungsentwicklungen eine Plattform. Die Neuausrichtung, die auch eine Reaktion auf den anhaltenden Rückgang der Ausstellerzahlen ist, stößt auf Lob und Skepsis.

In diesem Jahr dreht sich auf der Biofach in Nürnberg zum letzten Mal alles um Bio. Der Fokus der Messe wird sich künftig etwas verschieben. Ab dem Jahr 2027 wird sich die Biofach nicht nur als Messe für Bio-Lebensmittel positionieren, sondern zusätzlich auch als „zentrale Plattform für eine zukunftsfähige Ernährung“, wie die Messeleitung im Gespräch mit BioHandel mitteilte. Die Biofach wolle auf diesem Weg Bio mit neuen Zielgruppen zusammen- und damit weiter voranbringen.

„Wenn wir als Branche zukunftsfähig sein wollen, brauchen wir zusätzlich neue Perspektiven, neue Akteure und den Blick über die eigene Bubble hinaus“, begründete Biofach-Veranstaltungsleiter Dominik Dietz den Schritt der Biofach. Aussteller und Besucher hätten diese Notwendigkeit klar an die Veranstalter kommuniziert. Die Messe werde deshalb ab 2027 das Profil der Biofach sowohl im Kongress als auch auf der Ausstellungsfläche um ausgewählte Themenbereiche der nachhaltigen Ernährung ergänzen. Dabei werde stets „konsequent vom Bio-Kern aus gedacht“, so Dietz.

Künftig sollen auch Akteure und Konzepte außerhalb der Bio-Welt eine Plattform auf der Biofach bekommen – vorausgesetzt, sie verfolgen das gleiche Ziel einer nachhaltigen, enkeltauglichen Ernährung, erklärt Dietz und ergänzt: „Diese Öffnung erfolgt auf Basis klarer, transparenter Zulassungskriterien – so, wie man es von der Biofach kennt“.  

Fokus der Biofach liegt ab 2027 ausschließlich auf Ernährung

Im Wesentlichen soll sich die Biofach ab 2027 thematisch und auf der Ausstellungsfläche aus drei Bereichen zusammensetzen:

  1. Bio-Lebensmittel als Kern der Messe
  2. Near Food – gemeint sind damit unter anderem angrenzende Bereiche wie Maschinen zur Herstellung von Bio-Lebensmitteln, Verpackungslösungen oder Züchtung
  3. Zukunftsfähige Ernährungskonzepte

 

Zum Start der neuen Strategie, wird die Biofach das Thema Fair Trade in Halle 9 zum Schwerpunkt machen. Bio-zertifizierte Lebensmittel und Gemeinschaftsstände bleiben unverändert nach geografischen Regionen innerhalb der bestehenden Hallen angeordnet. Bei Fair Trade gibt es bereits große Schnittmengen mit Bio: Mehr als die Hälfte der Produkte, die das Fairtrade-Logo tragen, sind auch bio-zertifiziert. Gleichzeitig kündigte die Messe an, ab 2027 keine Naturkosmetik mehr zuzulassen. Der Fokus liege künftig ausschließlich auf Lebensmitteln, sagte Dietz. 

Der Schritt kommt nicht ganz überraschend, nachdem die Biofach die bis einschließlich 2024 parallel laufende Naturkosmetik-Messe Vivaness eingestellt hat. Seitdem beklagen viele Hersteller, es fehle an Möglichkeiten, auf der Weltleitmesse sichtbar zu sein. In diesem Jahr kommen einige Naturkosmetikunternehmen nicht zur Biofach, sondern treffen sich beim ersten „Natural Cosmetics Hub“, der zeitgleich zur Biofach ebenfalls in Nürnberg stattfinden wird. 

Auch die BioMessen testen neuen Weg

Pilotprojekt

BioMessen öffnen sich für Endverbraucher

Die BioOst wird 2026 erstmals an zwei Tagen stattfinden – und auch für Endverbraucher geöffnet sein. Von „begrüßen wir sehr“ bis „lehnen wird ab“: Was zunächst als Test geplant ist, spaltet die Aussteller.

Die Biofach begründet die Öffnung der Messe mit einem tiefgreifenden Transformationsprozess, in dem sich die Ernährungswirtschaft befinde. Weil Nachhaltigkeit heute ganzheitlicher verstanden werde und neue Geschäftsmodelle, Innovationen und Marktakteure hervorbringe, müsse man neue Wege gehen, um in diesem Umfeld relevant zu bleiben. „Die Bio-Branche muss sich aktiv in die Weiterentwicklung eines nachhaltigen Ernährungssystems einbringen – und genau darin sehen wir die Rolle der Biofach“, erklärt Dietz.

Hinter der Neuausrichtung stecken auch handfeste wirtschaftliche Gründe: Seit Jahren sinkt die Zahl der Ausstellenden kontinuierlich. In diesem Jahr erwartet die Biofach 2200 teilnehmende Unternehmen. 2023 zählten die Veranstalter noch 2765 Ausstellende. Das entspricht einem Rückgang um 20 Prozent. Um diesen Negativtrend abzubremsen oder gar umzukehren, streckt die Messe ihre Hand nun nach neuen Zielgruppen aus. Dominik Dietz ist dabei klar: „Neue Akteure für die Biofach zu gewinnen, wird kein einfacher Prozess werden.“ 

Die Wurzeln der Biofach, die 1990 in der Stadthalle Ludwigshafen zum ersten Mal veranstaltet wurde, ist eng verbunden mit dem Naturkostbranche. Inwiefern kann die Neuausrichtung der Messe dafür sorgen, dass der Bio-Fachhandel wieder wirtschaftlich stärker wird? 

Messeleiter Dominik Dietz beantwortet die Frage sehr allgemein. Er verweist auf „Präsentationsflächen, kuratierte Formate, Diskursräume und die passenden Netzwerke“ auf der Biofach. Sie alle seien wesentliche Hebel für die gesamte Branche. „Wir vernetzen über unsere Formate die entsprechenden Akteure und vermitteln Wissen und legen damit eine Basis für den wirtschaftlichen Erfolg des Sektors. Daran orientieren wir uns auch bei der Weiterentwicklung der Biofach“, so Dietz. „Indem wir neue Themen aufgreifen, aktiv kuratieren und Formate entwickeln, profitieren im Idealfall alle davon – entlang der Wertschöpfungskette und über die verschiedenen Vertriebs- und Handelskanäle hinweg.“ 

Zweifel, ob der Biofachhandel vom neuen Messekonzept profitiert

Michael Radau zweifelt daran, dass der Bio-Fachhandel von der neuen Richtung der Biofach profitiert. Der Superbiomarkt-Gründer war bis vor rund eineinhalb Jahren Mitglied im Fachbeirat der Messe. Die Biofach bezeichnet das Gremium als wichtigen Sparringspartner bei inhaltlichen und strategischen Fragen sowie hinsichtlich der Marktperspektiven. 

Radau ist der Meinung, dass von einer Öffnung der Biofach für Akteure außerhalb der Bio-Branche in erster Linie der LEH profitiert, weil dort zum größten Teil Ware verkauft wird, die nicht nach ökologischen Standards hergestellt wird. Dass die Biofach ihren ersten Schwerpunkt im kommenden Jahr auf Fairtrade legt, hält er wiederum für nachvollziehbar. „Es gibt Fairtrade-Bereiche, die sind so kleinteilig, dass sich eine Bio-Zertifizierung nicht immer umsetzen lässt“, sagt Michael Radau. Für den Fachhandel sei das aber nur dann interessant, wenn aus solchen nicht-ökologisch hergestellten Produkten irgendwann Bio-Produkte würden. „Hier muss es eine klare Perspektive geben“, so Radau.

Wie die Messe künftig aussehen wird, blieb im Gespräch mit der Biofach noch sehr vage. Dominik Dietz sprach von einem „iterativen Prozess“ und meinte damit, dass sich das Konzept Schritt für Schritt beziehungsweise Jahr für Jahr weiterentwickeln werde. Anders als etwa die Anuga, die nur alle zwei Jahre stattfindet, will die Biofach weiterhin jährlich nach Nürnberg einladen.  

Große Bio-Verbände waren nicht in die Entscheidung der Biofach eingebunden

Unklar ist auch, wer konkret an der Entscheidungsfindung der Biofach beteiligt war. Im Gespräch mit BioHandel verweist Dominik Dietz auf einen „frühzeitigen Austausch mit ausgewählten Akteurinnen und Akteuren sowie relevanten Stakeholdern, um die Entwicklungen der Bio- und Lebensmittelbranche umfassend zu verstehen“. Auf Basis dieser Gespräche und ergänzt durch Markt- und Branchenanalysen, habe die Biofach ihre Weiterentwicklung erarbeitet.

Der BÖLW ist im Rahmen des Fachbeirats an der Fortentwicklung der Biofach stets beteiligt, entscheidet aber nicht mit. Zur Öffnung der Biofach für nachhaltige Ernährungsmodelle auch abseits von Bio sagt die BÖLW-Vorstandsvorsitzende Tina Andres: Wenn die Öffnung dazu beiträgt, dass an Nachhaltigkeit interessierte Marktteilnehmende sich für unser System entscheiden: Herzlich willkommen!" Grundsätzlich sei jedoch „bei jeder Öffnung zu Marktteilnehmern, die nicht bio-zertifiziert sind, wichtig zu beachten, dass sich diese dadurch nicht als „ein bisschen Bio“ präsentieren können. Denn „ein bisschen Bio“ ist kein Bio“, so Andres mit. Das Besondere an der Bio-Zertifizierung sei, dass sie ein ganzheitliches Kreislauf-System erfasse. 

Interessenvertreter wie die Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen – und hersteller (AöL) und der Bundesverband Naturkost Naturwaren waren nicht in die Gespräche eingebunden, wie beide Verbände auf BioHandel-Nachfrage mitteilten.

AöL-Geschäftsführerin Anne Baumann wurde von der Biofach vor einigen Wochen über die neue Ausrichtung der Messe informiert. „Dass die Ernährungsfrage künftig stärker im Fokus der Biofach steht, finde ich gut“, sagt sie. Die AöL betreibt auch in diesem Jahr die Sonderfläche zu Planetary Health auf der Biofach. Egal wohin sich die Biofach entwickelt, „Bio sollte der kleinste gemeinsame Nenner bleiben“, sagt Baumann. Von den Herstellern in ihrem Verband hört sie unisono, dass die Biofach nach wie vor eine wichtige Messe ist, allerdings nicht zur Neukundengewinnung. Die Zeit wird zeigen, ob das neue Konzept der Messe daran etwas ändert. 

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